Die besten Blogs – Interview mit Finn von SagtMirNix

Finn steckt hinter dem Blog SagtMirNix

Abenteuer Deutschland

In unserer Serie „Die besten Blogs“ stellen wir euch regelmäßig lesenswerte Blogs aus den Bereichen Fotografie, Reisen und Wandern vor. Dieses Mal: Finn Schäfer von SagtMirNix.net. Auf Finns Blog dreht sich alles um die Themen Fotografie und Lost Places. Auf Finns Seite findet ihr unter anderem unzählige verlassene Orte – und das mitten in Deutschland. Dazu gibt es ganz tolle Fotos auf seinem Blog.

Lieber Finn, wie bist du überhaupt zum Bloggen gekommen?

Hauptsächlich durch das Fotografieren. Ich fand es einfach schade, dass zum damaligen Zeitpunkt – bis auf ein paar gedruckte – alle meine Fotos ungesehen auf der Festplatte verstaubten. Außerdem bieten sich „Lost Places“ prima an, um nicht nur Fotos online zu zeigen, sondern auch ihre Geschichten und die ihrer Erkundung zu erzählen. Da passiert ja auch öfter mal so einiges unvorhergesehenes.

Wie kommt man denn überhaupt auf die Idee, verlassene Orte vorzustellen?

Das liegt wohl in meiner Kindheit. Ich komme aus einer Stadt im Ruhrpott, in der sich bis in die 90er ALLES um ein Stahlwerk gedreht hatte: Duisburg Rheinhausen. Und als das Stahlwerk dann schließlich dicht gemacht wurde, war das für die Stadt natürlich ganz schön heftig. Erst Monostruktur, dann Arbeitskampf, anschließend Pleite.

Für mich und meine Freunde war das damals allerdings ein wahrer Glücksfall: Wir hatten von jetzt auf gleich einen gigantischen Abenteuerspielplatz direkt vor der Tür. Dort sind wir dann herumgeklettert, haben Buden gebaut, alles erkundet usw. …und wurden nach ein paar Monaten dann auch von der Polizei erwischt und mit aufs Revier genommen. Zum Glück waren wir aber alle noch nicht strafmündig.

Und das Interesse für verlassene Orte, „Abenteuer“ und Verbotenes hat sich irgendwie bis heute gehalten. Vor ungefähr vier Jahren kam dann noch die Fotografie dazu und vor zwei der Blog.

Was war deine „Lost-Place“-Premiere?

Siehe oben: Vor 14 Jahren – im zarten Alter von 13 – das frisch geschlossene Krupp-Hüttenwerk Rheinhausen, in dem schon meine halbe Verwandtschaft gearbeitet hatte.

Hattest du schon einmal Probleme mit deinem Projekt? Sei es mit Behörden oder den Besitzern der vorgestellten Liegenschaften?

Da wäre zwar der genannte Polizeikontakt damals mit 13, das war es aber eigentlich auch schon. Klar, ab und zu muss man schon gut schleichen oder die Beine in die Hand nehmen können, wenn es z.B. einen Wachdienst gibt, aber wir sind bisher immer glimpflich davongekommen.

Wobei… ein mal haben wir ein verlassenes Schloss besucht, wovon der Grundbesitzer ganz und gar nicht begeistert war. Er und sein Sohn wollten uns dann dort vertreiben, was wie eine dieser Klischee-Szenen aus ‘nem Film daherkam: Der grantige Dorfopa raunzt die „respektlosen Stadtkinder“ an, was sie hier zu suchen hätten. Da haben nur noch der Jägerhut, die Flinte und der Schäferhund gefehlt.

Achja: Die Security am Tagebau Garzweiler war auch nicht gerade zum Scherzen aufgelegt. Die dachten tatsächlich, dass wir suizidal wären und vor den Schaufelradbagger in den Tagebau springen wollten. Nachdem wir erklärt hatten, dass wir nur fotografieren wollen, waren sie dann aber doch ganz okay.

Garzweiler Braunkohle Tagebau

Der Garzweiler Braunkohle Tagebau – Foto by SagtMirNix.net

Gab es schon einmal eine Situation, in der du dachtest, das war jetzt aber knapp?

Ja! Wir waren mal in einem alten Tunnelsystem unter dem Ruhrgebiet unterwegs, in dem die Luft extrem schlecht war. In solchen alten Stollen finden sich manchmal CO2- oder CO-Ansammlungen, was natürlich eher ungesund ist und im schlimmsten Fall auch tödlich enden kann – mittlerweile habe ich ein Messgerät dafür, also alles gut 🙂

Jedenfalls waren wir dort unten unterwegs und je tiefer wir hineingingen, desto beklemmender wurde mein Gefühl. Irgendwann ging’s dann wieder nach oben. Richtung Ausgang dachte ich. Doch als wir oben ankamen, merkten wir, dass die Luke fest verschlossen war. Das war schon echt richtig unangenehm: So tief unter der Erde, schlechte Luft und dann noch mal durch das komplette Stollensystem laufen zu müssen, um wieder hinauszukommen.

Bunkeranlage

Eine alte Bunkeranlage in NRW – Foto by SagtMirNix.net

Was ist für dich der schönste Lost Place in Deutschland?

Eine unterirdische Tunnel-, Bunker- und Bahnanlage, die wir momentan erkunden. Sie ist nicht nur riesengroß, sondern aufgrund ihrer Unbekanntheit auch noch zum größten Teil unberührt.

Ich liebe es unter der Erde zu sein, auch wenn ich dort oft richtig Schiss habe.

Wie findest du überhaupt die ganzen Orte?

Eigentlich hauptsächlich durch zwei Wege:

  1. Recherche, Recherche, Recherche. Klingt trocken, aber dafür ist es ein umso besseres Gefühl, wenn man einen Ort ewig sucht, ihn dann aber tatsächlich ausfindig machen kann.
  2. Mittlerweile kenne ich viele Leute aus der „Urbex-Szene“ und auch wenn es dort verpönt ist, hilft man sich doch gegenseitig öfter mal mit der ein oder anderen Adresse aus 🙂

Was rätst du jemanden, der das erste Mal einen Lost Place aufsucht?

Vorsichtig zu sein! Nicht direkt über das wackeligste Gerüst zu klettern und nicht sofort ins tiefste Loch zu kriechen. Es passiert zwar extremst selten, dass ein(e) Urbexer(in) tatsächlich mal verunglückt, aber dennoch passiert es. Wenn man von Unfällen in solchen „Lost Places“ liest, sind das meist eher spielende Kinder oder Jugendliche die Faxen machen.

Ansonsten: Nicht erwischen lassen, nichts kaputt machen(!) und Spaß haben!

Du wirst abseits jeglicher Zivilisation ausgesetzt – welche drei Gegenstände kommen mit?

Puh, das ist schwer. Ich denke meine Kamera dürfte nicht fehlen, dann hätte ich bei der Rückkehr zumindest ein paar veröffentlichungswürdige Fotos. Und vielleicht mein Zippo und mein Taschenmesser, damit ich auch wirklich zurück kommen kann.

Vielen Dank für das Interview und ich hoffe dieser kleine Einblick in die Welt der „Urban Exploration“ hat euch – genauso wie mir – Spaß gemacht!

Vielen Dank für das coole Interview Finn! Schaut unbedingt einmal auf seinen Blog SagtMirNix.net – es lohnt sich!

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