10 Tipps für sicheres Bergwandern + Packliste

Unsere Tipps für sicheres Bergwandern

Bergwandern – aber richtig

Die Berge ziehen die Menschen seit jeher in ihren Bann. Im Mittelalter hieß es, die Gipfel der Alpen seien der Sitz von Dämonen und bösen Geistern. Im Jahr 1336 war es der italienische Humanist und Gelehrte Petrarca, der den Bann brach und in der Bergwelt die “Seele zu Höherem” erheben wollte. Es dauert fast 160 Jahre, bis Antoine de Ville und seiner Mannschaft 1492 mit dem 2.087 Meter hohen Mont Aiguille die erste “offizielle” Besteigung eines Berges über schwieriges Gelände gelang. Der Berg in den französischen Alpen galt damals wegen seiner Steilwände als unbesteigbar. Erst 1834 wurde der Mont Aiguille von einem Nachfahren eines der Erstbesteiger zum zweiten Mal bestiegen. Heute gilt die Erstbesteigung neben der Erstersteigung des Mont Ventoux als eine wichtige Geburtsstunde des Alpinismus. 1953 gelang es Edmund Hillary und Tenzing Norgay, den Mount Everest zu besteigen. Heute durchziehen zahlreiche Wanderwege und Klettersteige in allen Schwierigkeitsstufen die Alpen. Seilbahnen bringen Touristen in Minuten in schwindelerregende Höhen. Bergwandern ist zum Volkssport geworden. Viele unterschätzen aber die Gefahren, die in den Bergen lauern. Mit unseren Tipps fürs Bergwandern wollen wir, dass ihr sicherer in den Bergen unterwegs seid und ihr eure Wanderung auch genießen könnte. Zudem geben wir euch eine Packliste mit Dingen, die bei keiner Bergtour fehlen dürfen.

Bergwandern Tipp 1: Die Streckenplanung

Die Planung ist das A und O bei einer Bergwanderung. Vor allem im deutschsprachingen Raum sind die Berge wirklich gut erschlossen. Vom Parkplatz folgt man einfach dem Wegweiser. Die Wanderwege sind meist gut markiert und Abzweigungen ausgeschildert. Doch ist es wirklich so einfach? Schon so mancher, der unvorbereitet zu einer Bergwanderung aufbricht, hat eine böse Überraschung erlebt. Wir schließen uns da garnicht aus. Oft nimmt man sich nicht die nötige Zeit, um seine Route penibel zu planen. Selbst vermeintlich leichte Wanderungen können so im Desaster enden. Vor jeder Tour sollte man sich einen Überblick über die geplante Route verschaffen. Entweder auf einer Karte oder im Internet. Inzwischen sind viele Touren ausführlich mit Bildern beschrieben. Man sollte sich auch nicht nur auf einen Bericht verlassen – die Einschätzungen sind schließlich rein subjektiv.

Gibt es Schlüsselstellen, die ein Problem bereiten könnten? Auch sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie eine alternative Route aussehen könnte. Vielleicht ist ein Teil der Strecke durch einen Bergrutsch oder ein Schneefeld unpassierbar. Das haben wir auf unseren Touren schon alles erlebt. Wer hier vorbereitet ist, ist klar im Vorteil. Unabdingbar auf jeder Wanderung ist eine Wanderkarte. Ein GPS ist eine ideale Ergänzung, aber kein Ersatz. Die Technik kann immer versagen – oder wenn es ganz blöd läuft, sind einfach die Batterien leer und man hat keinen Ersatz dabei. Ein GPS eignet sich außerdem nur bedingt dazu, längere Routen im Detail zu überblicken.

Ganz wichtig ist auch immer zu wissen, wo du dich gerade befindest. Es nützt im Notfall wenig, wenn du der Bergwacht mitteilst, dass du auf dem Weg zur Zugspitze bist. Wo war dein Startpunkt, welche Hütten hast du passiert, auf welchem Weg befindest du dich? Im Falle eines Einsatzes ist auch die Höhenangabe wichtig. Hier eignet sich ein GPS oder eine Uhr mit entsprechender Funktion. Eine App fürs Smartphone ist eine günstige Alternative mit einem Haken: Viele Smartphones versagen bei Kälte ihren Dienst.

Bergwandern Dolomiten

Was am Bergwandern so schön ist? Bilder sagen mehr als 1000 Worte

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Bergwandern Tipp 2: Seid ehrlich zu euch selbst

Die letzte Bergtour ist schon einige Monate her? Oder es ist gar eure erste überhaupt? Schätzt eure Fitness und euer Können realistisch ein. Es macht keinen Sinn, nach halber Strecke völlig erschöpft am Berg rumzuhängen. Die Unfallgefahr steigt extrem und der Spaß geht verloren. Wer oft in den Bergen unterwegs ist, kann seine Möglichkeiten in der Regel gut einschätzen. Macht nicht den Fehler, euch am Berg zu überschätzen. Das kann tödliche Folgen haben. Lieber langsam starten und beim nächsten Mal eine etwas anspruchsvollere Tour planen. Übrigens macht es Sinn, die erste halbe Stunde der Wanderung langsam angehen zu lassen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Auf dem Weg zum Gipfel solltet ihr spätestens alle zwei Stunden eine kurze Rast einlegen und zumindest etwas trinken.

Bergwandern Zugspitze

Auf dem Weg zur Zugspitze. Die Routen auf Deutschlands höchsten Berg sind allesamt mühsam

Bergwandern Tipp 3: Die Zeit

Die meisten Unfälle passieren in der Dunkelheit. Wenn möglich, solltest du dein Ziel bei Tageslicht erreichen. Steht eine längere Wanderung an und bist du schon am Start in Verzug – etwa weil du im Stau standest -, überdenke deine Zeitplanung. Kommst du rechtzeitig zurück oder wird das schon knapp? Im Zweifel solltest du die Wanderung lieber abbrechen, als ein unnötiges Risiko einzugehen. Das gilt übrigens auch auf dem Weg zum Gipfel. Der Berg rennt schon nicht weg. Wichtig ist, sicher und gesund zurückzukommen. 

Bergwandern Tipp 4: Wichtige Infos weitergeben

Vor jeder Wanderung sollte jemand informiert sein, wohin die Wanderung führt und auf welcher Route du gehst. Wann ist mit deiner Rückkehr zu rechnen? Hälst du dich nicht an den vereinbarten Zitplan, können Familie, Freunde oder der Hüttenwirt die Bergwacht alamieren.

Bergwandern Tipp 5: Die Verpflegung

Nehmt immer genügend Verpflegung mit. Gibt es auf deiner Wanderung bewirtschaftete Hütten, kannst du natürlich entsprechend weniger einpacken. Bist du aber lange unterwegs und kommst an keiner Hütte vorbei, sollte dein Proviantpäckchen gut ausgerüstet sein. Neben ausreichend Wasser oder Tee gehören zumindest ein paar Energieriegel in den Rucksack. Aber mal ehrlich: Wer will nach einer langen und schweißtreibenden Wanderung in einen Energieriegel beißen? Viel besser sind doch ein Brötchen und Beilagen wie Tomaten, Eier oder Gurken. Wir haben es schon auf einigen Touren erlebt, dass Wanderer nichts dabei hatten. Vor allem im Sommer kann das sehr gefährlich werden. Einen besonders krassen Fall haben wir in Utah am bekannten Delicate Arch erlebt. Trotz riesiger Warnschilder “Heat Kills – Hitze tötet” trafen wir auch ein älteres asiatisches Ehepaar. Der Mann war völlig am Ende seiner Kräfte. Die beiden hatten trotz sengender Hitze nichts zu trinken dabei. Wir hatten zum Glück genügend Wasser und konnten aushelfen.

Die Packliste

Nachdem die Wanderung geplant und der Rucksack mit ausreichend Proviant gefüllt ist, muss die restliche Ausrüstung zusammengestellt werden. Natürlich hat jede Klimazone, jede Jahres- und Tageszeit und jedes Gelände andere Anforderungen an die Ausrüstung. Einige Dinge sollten aber immer mit auf Tour. 

  • Der Rucksack Nimm ein bequemes und praktisches Modell mit auf Tour. Der Rucksack sollte nicht überdimensioniert sein, aber genügend Platz für die Ausrüstung und den Proviant haben. Sehr praktisch im Sommer ist ein Rucksack mit Luftzirkulation am Rücken.
  • Die richtigen Wanderschuhe Wir haben schon Leute Barfuß über Geröll- und Schneefelder wandern sehen. Empfehlen können wir das aber nicht. Auch Sneaker, Joggingschuhe oder einfache Stiefel haben am Berg nichts zu suchen. Lass dich im Fachgeschäft beraten und wähle einen Schuh, der deinen Anforderungen entspricht. Mit einem steigeisenfesten D-Schuh wirst du auf einer einfachen Spaziergang nicht glücklich. Mit einem Leichtwanderschuh solltest du aber auch nicht über einen Gletscher kraxeln. Gute Wandersocken schützen außerdem vor Blasen.
  • Outdoor-Hose Jeans und Baumwollshirt mögen in der Stadt prima sein – auf einer langen Bergtour bereiten diese Materialien nur Probleme. Eine gute Outdoorhose ist nicht nur ungemein bequem, sondern auch wind- und wasserabweisend.
  • Merino-Shirts Obenrum setzen wir voll auf Merino-Wolle. Klamotten aus Merino sind zwar ziemlich teuer, haben aber enorme Vorteile. Merino-Shirts kühlen in der Hitze und wärmen in der Kälte. Selbst Wind wird gut abgehalten. Außerdem trocknet Merino sehr schnell und Gestank hat kaum eine Chance. Auf längeren Trips habe ich ein und den selben Pullover teilweise schon fünf oder sechs Tage getragen, ohne das meine Begleiter umgefallen wären.
  • Wechselkleidung Egal ob im Winter oder im Sommer – wer in der Höhe wegen nasser Klamotten auskühlt, hat ein Problem. Du solltest mindestens ein Wechsel-Shirt dabei haben. Es ist auch sinnvoll, im Auto ein Shirt und trockene Socken zu haben.
  • Kopfbedeckung Egal ob strahlender Sonnenschein, Wind oder Regen – eine der Situation angepasste Kopfbedeckung darf auf keiner Bergtour fehlen.
  • Regenschutz Das Wetter in den Bergen kann sehr schnell umschlagen. Eine gute Regenjacke und eine Regenhose gehören unbedingt in den Rucksack. Sagen mehrere Wetterberichte wirklich Traumwetter voraus und herrscht keine erhöhte Gewittergefahr, lassen wir den Regenschutz aber auch schon einmal zuhause.
  • Wärmende Jacke Wer im Tal bei 20 Grad startet, kann am Gipfel sein blaues Wunder erleben. Windet es und wird der Gipfel womöglich noch von Wolken eingehüllt, kann es hier empfindlich kalt werden – auch im Hochsommer. Eine Jacke gehört daher immer in den Rucksack. Ideal ist eine Daunenjacke – die sind extrem leicht und kompakt und wärmen hervorragend.
  • Windjacke Wir haben immer eine extrem dünne Windjacke im Rucksack. Die hält den Wind perfekt ab und ist atmungsaktiv, wiegt aber keine 100 Gramm und passt sogar in die Hosentasche.
  • Sonnenbrille Eine bequemen Sport-Sonnenbrille ist auf jeder Bergtour Pflicht und sollte immer im Rucksack bleiben.
  • Erste-Hilfe-Set Wir haben es schon selbst erlebt: Ein Wanderer stürzt und blutet stark. Ein Erste-Hilfe-Set gehört in jeden Rucksack.
  • Trillerpfeife Dieses kleine Gadget kostet nur ein paar Euro, wiegt nicht viel und kann im Notfall Leben retten.
  • Smartphone/Handy Das (voll geladene!) Mobiltelefon kann zwar auch Fotos machen – viel wichtiger ist aber, dass man im Notfall die Bergrettung rufen kann. Die Telefonnummer gehört ins Telefonbuch oder auf einen Zettel im Erste-Hilfe-Set.
  • Kamera
  • Stirnlampe Auch wenn es nicht geplant ist, kommst du auf einer längeren Wanderung mitunter in die Dunkelheit. Ohne Stirnlampe wäre das am Berg ein echtes Problem.
  • Taschenmesser In der Regel dient das Taschenmesser bei uns dazu, den Käse zu schneiden. So ein Messer kann aber natürlich noch viel mehr und sollte in keinem Rucksack fehlen
  • Ersatzbatterien Nimm für alle benötigten technischen Geräte einen Satz Ersatzbatterien mit.
  • Wanderkarte In Deutschland und Österreich sind die Wanderwege in der Regel hervorragend ausgezeichnet. Aber selbst hier kann man sich ohne Karte schon einmal verlaufen. Die passende Wanderkarte zur Region ist daher absolute Pflicht. Auf unserere Korsika-Reise zum Beispiel wären wir ohne Karte bzw. GPS komplett aufgeschmissen gewesen. Schilder oder Markierungen? Fehlanzeige.
  • Sonnenschutz Fester Bestandteil eines gut ausgerüsteten Wanderrucksacks ist der Sonnenschutz. Selbst bei bedecktem Himmel oder im Winter kann das Sonnenlicht in der Höhe zu starkem Sonnenbrand führen.
  • Lippenbalsam Kälte, Wind und UV-Strahlung setzen den Lippen zu. Das wird auf Dauer unangenehm. Ein guter Lippenbalsam wirkt hier Wunder.
  • Blasenpflaster Schmerzhafte Blasen an den Füßen können beim Wandern zu einer echten Qual werden.
  • Zeckenzange Nicht immer geht es über breit ausgebaute Wanderwege und Zecken sind inzwischen fast das ganze Jahr aktiv.
  • Taschentücher
  • Personalausweis, Versicherungskarte, DAV-Ausweis
  • Bargeld

Optional

  • Wanderstöcke Mit Wanderstöcken geht es sich in der Regel leichter. Beim Aufstieg sparst du Kraft und beim Abstieg schonst du die Gelenke.
  • Grödel Bis in den Sommer hinein ist in den Alpen mit Schneefeldern zu rechnen. Steilere Passagen können unpassierbar werden. Mit Grödel lassen sich solche Stellen entschärfen.
  • GPS Wir gehen nie ohne GPS los. Zum einen führt uns das GPS immer wieder auf dem gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind. Ist einmal kein Weg auszumachen – sei es wegen Schnee oder schlechter Sicht – wissen wir immer, ob wir noch auf Kurs sind. Im Notfall zeigt uns das GPS außerdem unsere Koordinaten und die Höhe an. Wichtige Informationen im Falle eines Rettungseinsatzes. Fürs Smartphone gibt es entsprechende Apps. Ein GPS ist allerdings sehr viel robuster und besser geeignet für die raue Bergwelt.
  • Handschuhe Das ist, glaube ich, selbsterklärend .-)
  • Feuerzeug oder Streichhölzer und Anzündholz Auf längeren Wanderungen sollte man immer die Möglichkeit haben, Feuer zu machen.
Bergwandern Biberkopf

Auf dem Weg zum Biberkopf. Mit Stöcken geht es hier leichter voran.

Bergwandern Winter

Bergwandern im Winter erfordert noch eine andere Ausrüstung als im Sommer

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Bergwandern Tipp 6: Gewitter

Es gibt kaum etwas gefährlicheres als ein Gewitter im Gebirge. Besonders brisant sind Gipfel, Hochebenen, Berggrate und Klettersteige. Zu einer guten Tourenplanung gehört immer ein Blick auf den Wetterbericht. Eine Übersicht bieten etwa der Deutsche Alpenverein und der Alpenverein Österreich.

Bei Gewittergefahr verbieten sich zumindest längere Bergwanderungen. Gewitter sind besonders im Sommer ein Problem. Muss man deshalb aufs Wandern verzichten? Nicht unbedingt. Da Sommergewitter meist am frühen Nachmittag bis Abend auftreten, sollte man sehr früh aufbrechen und das Ende der Wanderung für die Mittagszeit planen. Während der Tour sollte man auch den Himmel im Blick behalten. Türmen sich die Wolken zu hohen Ambossen auf, ist die Chance auf ein Gewitter hoch. Donnert und Blitzt es bereits am Horizont, sollte man so schnell wie möglich absteigen. In den Bergen kann ein Gewitter verdammt schnell auf einen zukommen – das haben wir schon selbst erlebt. Schafft man es nicht rechtzeitig zurück und gerät mitten ins Gewitter, sollte man Ruhe bewahren. Masten, einzelne Bäume und Weidezäune müssen unbedingt gemieden werden. Im Wald ist man vergleichsweise sicher. Hier sollte man sich aber nie unter morschen Bäumen aufhalten.

Wenn möglich, sollte man Unterschlupf suchen, etwa in einer Höhle. Die muss aber groß genug sein und ausreichend Abstand – mindestens einen Meter, besser drei Meter – zu den Wänden und zur Decke haben. Kleine Hütten ohne Blitzableiter bieten leider keinen Schutz vor Blitzschlag. Ist weit und breit kein Unterschlupf in Sicht, sollte man alle metallischen Gegenstände – dazu zählen auch Brillen oder BHs – in sicherem Abstand deponieren. Man selbst sucht sich am besten in einer Senke Schutz. Dabei in die Hocke gehen (um den Blitz nicht anzuziehen), die Knöchel zusammendrücken und auf einer isolierenden Unterlage wie etwa dem Rucksack abwarten. Das ist ganz wichtig, um die sogenannte Schrittspannung zu vermeiden. Stehen eure Füße weit auseinander, droht bei einem nahen Blitzeinschlag eine lebensgefährliche Schrittspannung. Auf keinen Fall hinlegen! Gruppen müssen sich in ausreichendem Abtand verteilen. Dabei ist darauf zu achten, Abstand zu Wasserläufen und feuchten Bereichen zu halten. Diese leiten die Energie des Blitzes direkt weiter.

Wird man am Klettersteig von einem Gewitter überrascht und kann nicht absteigen, sollte man mit der Selbstsicherung gesichert bleiben. Wenn möglich an einer Eisenklammer festmachen und nicht am Drahtseil. Die Hände gehören bei einem Gewitter auf keinen Fall ans Drahtseil.

Marmolata

Blick auf die 3.343 Meter hohe Marmolata. Am Abend zog ein heftiges Unwetter über uns hinweg. Für uns bedeutete das: Notabstieg

Bergwandern Tipp 7: Lawinen

Im Winter sind Gewitter kaum ein Problem. Viel stärker liegt hier der Fokus auf Lawinen. Besonders hoch ist die Gefahr, wenn es frisch geschneit hat. Vor jeder Bergwanderung im Winter ist ein Bick auf die Lawinenlage obligatorisch. In Bayern wird man beim Lawinenwarndienst Bayern fündig. Selbst einfache Touren können böse enden, wenn man in eine Lawine gerät. Wer größere Wanderungen plant, kommt an einer Lawinenausrüstung, bestehend aus Lawinen-Piepser, Sonde und Schaufel, nicht vorbei. Das System sollten alle Teilnehmer der Wanderung im Schlaf beherrschen – und natürlich solltest du auf keinen Fall alleine unterwegs sein.

Bergwandern Tipp 8: Steinschlag

Wer seine Bergwandertung genau plant, weiß in der Regel um die Steinschlaggefahr auf der Strecke. Gibt es potenzielle Problemstellen, sollte unbedingt der Helm mit. An steinschlaggefährdeten Stellen nicht anhalten und flott, aber sicher weitergehen. Ganz ausschließen kann man die Gefahr aber leider nie. Besonders gefährlich wird es nach Regenfällen und starken Temperaturschwankungen. Andere Wanderer sollten, vor allem wenn sie oberhalb steigen, genau beobachtet werden. Besondere Vorsicht ist zudem in Schutthängen und Moränenflanken gefordert. Bemerkt man einen Seinschlag, ruft man laut “Stein” – auch, um andere Wanderer unterhalb zu warnen. Wo schon viele heruntergefallene Steine auf Steinschlag hindeuten, sollte man besonders Obacht geben. Rast ein Stein auf einen selbst zu, den Kopf schützen.

Bergwandern Tipp 9: Im Notfall

Je nach Region unterscheiden sich die Notfallnummern. Man sollte sich immer vorab informieren, welche Nummer die direkte ist, und diese im Mobiltelefon speichern oder auf einem Zettel im Erste-Hilfe-Set aufbewahren. Übrigens schützt eine Mitgliedschaft, etwa im Deutschen Alpenverein, vor horrenden Bergungskosten. In Deutschland lautet der Notruf 112. Die Bergrettung ist unter 140 zu erreichen. Hier gelten die fünf W:

  • Wo ist der Unfall geschehen?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletze?
  • Welche Art der Verletzungen?
  • Warten auf Rückfragen!

Bei einem Unfall sollte man auch das Alpine Notsignal kennen. Ein optisches oder akustisches Zeichen sechsmal in der Minute, dann eine Minute Pause, bevor es wieder von vorne startet.

Bergwandern Tipp 10: Luftrettung

Sollte man tatsächlich auf einen Helikopter angewiesen sein, signalisiert man den Piloten durch Handzeichen, ob man Hilfe benötigt. Mit weit ausgestreckten Armen bildet man entweder ein “Y” für “Yes, ja”, oder ein “N” für “No, nein”. Das gilt übrigens auch für Wanderer, die in der Nähe eines Einsatzes sind. Der Pilot kann schließlich nicht wissen, wer den Notruf abgesetzt hat. Der Pilot sollte mit einem Einweiser am Boden unterstützt werden. Bei Wind ist der Einweiser eine große Hilfe, bei einer Landung im Schnee ist er sogar unentbehrlich. Der Einweiser steht mit erhobenen Armen, den Rücken zum Wind gewandt, am vorderen Ende des Landeplatzes. Landet der Helikopter, sind Taschen, Rucksäcke oder Skier in sicherer Entfernung zu lagern. Der Wind der Rotorblätter ist brutal und Schnee und Staub werden aufgewirbelt. Feste Kleidung anziehen, hinknien und den Kopf schützen – die hochgestreckten Arme kann man jetzt vor das Gesicht halten. Der Einweiser darf sich auf keinen Fall (!!!) – egal wie unangenehm oder beängstigend die Situation ist – von seinem Standort wegbewegen. Bei einer Landung im Schnee hat der Pilot nur den Einweiser als Orientierungshilfe. Verhält sich der Einweiser hier falsch, kann das katastrophale Folgen haben.

Zum Schluß noch eine große Bitte

Haltet die Berge sauber und nehmt euren Abfall wieder mit ins Tal. Das gilt ganz besonders für Plastikmüll wie Tüten, Bonbon-Folie und ähnliches, der auch in tausend Jahren noch die Natur verschandelt und eine Gefahr für die empfindliche Tierwelt ist. Entdecken wir auf einer Wanderung Plastikmüll, sammeln wir diesen ein und entsorgen ihn im Tal. Übrigens: Auch Zigarettenkippen haben in der Natur nichts zu suchen!  Eine einzige Kippe kann bis zu 60 Liter Wasser mit Giften wie Nikotin und Arsen verseuchen.

Fünf Bergwanderungen für Einsteiger

Dich hat das Bergfieber gepackt? Bei diesen fünf Bergwanderungen kommen nicht nur Einsteiger auf ihre Kosten: Die schönsten Wanderungen in Bayern

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6 replies
  1. Kaja
    Kaja says:

    Super ausführlicher Bericht! Meiner Meinung nach sollte es verpflichtend für Wander-Anfänger sein sich zu informieren. Ich lebe in Hong Kong und hier ist Hiken Nationalsport. Trotzdem erlebt es man es auch oft, genau wie ihr beschrieben habt, dass sich die Leute überschätzen, nicht über die richtige Ausrüstung verfügen oder nicht genug Wasser dabei haben. Das kann dann wirklich schnell gefährlich werden.

    Viele Grüße,
    Kaja

    Reply
    • Florian Westermann
      Florian Westermann says:

      Hi Katja,

      vielen fehlt leider genau dieses Bewusstsein oder es kommt erst, wenn mal wirklich etwas schief gelaufen ist. Wir hoffen natürlich, dass wir mit unseren Tipps genau hier ansetzen und der eine oder andere was davon mit auf seine nächste Wanderung nimmt 🙂

      Viele Grüße
      Florian

      Reply
  2. Nadine
    Nadine says:

    Hallo zusammen.
    vielen Dank für den coolen Beitrag über Bergwandern und die vielen hilfreichen Tipps.
    Ich möchte bald mit meinem Freund einen Bergurlaub machen. Hoffentlich können wir eure Tipps anwenden.

    LG
    Nadine

    Reply
  3. Patrwink
    Patrwink says:

    Hey,

    Vielen Dank für die Übersicht. Die ist echt supertoll und total ausführlich.

    Meine Frau und ich wollen diesen Sommer endlich mal wieder Wandern gehen, nachdem die Kinder ohnehin nicht mehr mit kommen. Ich freu mich schon. Und lese mich vor lauter Vorfreude gerne so super Blogs wie euren durch.
    Schreibt fleißig weiter., ich wünsche euch viel Spaß.

    Grüße, Patrick

    Reply

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