Arc’teryx Alpine Academy Tag 2: Erste Hilfe in den Bergen

Erste Hilfe in den Bergen

Was tun, wenn etwas passiert beim Wandern oder Bergsteigen?

Tag zwei der Arc’teryx Alpine Academy gibt uns einen Einblick in die Arbeit der Bergwacht. Aber auch wer kein Vollprofi ist, kann und muss erste Hilfe in den Bergen leisten, wenn etwas passiert. Man muss nicht gleich den Gipfel des Mount Everest bezwingen, um in den Bergen in Schwierigkeiten zu geraten. Ein unachtsamer Schritt und der Knöchel ist gebrochen. Ein Sturz auf der Skitour und die Schulter ist ausgekugelt. Oder man rutscht einfach an einem ausgesetzten Stück ab und stürzt ab. Ein oder zwei Meter Fallhöhe reichen schon aus, um sich schwerste Verletzungen zuzuziehen.

Mit den beiden Bergrettern Thomas und Olivier von der La Chamoniarde fahren wir mit zehn weiteren Teilnehmern am Morgen wieder mit der Zahnradbahn auf 1.913 Meter zur Bergstation Montenvers. Wir bleiben aber in der Umgebung- für unseren Erste-Hilfe-Kurs für Wanderer und Bergsteiger ist es hier genau richtig. Nach einer kurzen Besprechung ziehen wir los – plötzlich Hilfeschreie. Einige Meter unter dem Weg liegt ein Wanderer, offensichtlich schwer gestürzt. Was ist jetzt zu tun? Drei von uns eilen nach unten und leisten erste Hilfe. Der Gestürzte ist ansprechbar und hat offenbar eine schwere Verletzung am Knie. Über die Notrufnummer 112 alamieren wir die Rettungskräfte. Was ist passiert, welche Verletzungen hat das Opfer, wo befinden wir uns? Jedes noch so kleine Detail ist wichtig. Ist das Opfer tief gestürzt und hat sich womöglich innere Verletzungen oder eine Kopfverletzung zugezogen? Plötzlich hören wir einen Hubschrauber, die Rettung naht.

Rettung Absturzopfer im Wald

Olivier spielt hier das Opfer eines Absturzes in den Bergen

Werbung

Rettung per Hubschrauber

Klar, das hier ist eine Übung und der Hubschrauber fliegt rein zufällig über uns. Bei der anschließenden Besprechung erklären uns Thomas und Olivier, worauf es in solchen Situationen ankommt. Sollte man etwa tatsächlich auf einen Helikopter angewiesen sein, signalisiert man den Piloten durch Handzeichen, ob man Hilfe benötigt. Mit weit ausgestreckten Armen bildet man entweder ein „Y“ für „Yes, ja”, oder ein „N“ für „No, nein“. Das gilt übrigens auch für Wanderer, die in der Nähe eines Einsatzes sind. Der Pilot kann schließlich nicht wissen, wer den Notruf abgesetzt hat. Der Pilot sollte mit einem Einweiser am Boden unterstützt werden. Bei Wind ist der Einweiser eine große Hilfe, bei einer Landung im Schnee ist er sogar unentbehrlich. Der Einweiser steht mit erhobenen Armen, den Rücken zum Wind gewandt, am vorderen Ende des Landeplatzes. Landet der Helikopter, sind Taschen, Rucksäcke oder Skier in sicherer Entfernung zu lagern. Der Wind der Rotorblätter ist brutal und Schnee und Staub werden aufgewirbelt. Feste Kleidung anziehen, hinknien und den Kopf schützen – die hochgestreckten Arme kann man jetzt vor das Gesicht halten. Der Einweiser darf sich auf keinen Fall (!!!) – egal wie unangenehm oder beängstigend die Situation ist – von seinem Standort wegbewegen. Bei einer Landung im Schnee hat der Pilot nur den Einweiser als Orientierungshilfe. Verhält sich der Einweiser hier falsch, kann das katastrophale Folgen haben.

Zeigt her eure Erste-Hilfe-Sets

Die nächste Lektion betrifft unsere Ausrüstung: Wer hat ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack und was ist alles drin? Tatsächlich hat nicht jeder Teilnehmer ein Erste-Hilfe-Set dabei. Das gibt einen Rüffel. Auch kleine Wunden können stark bluten und wer hier überhaupt nicht vorbereitet ist, hat wirklich ein Problem. Die kleinen Sets gibt es schon für wenige Euro und gehören in jeden Wanderrucksack. Wichtig ist auf alle Fälle eine Schere, um Verpackungen schnell zu öffnen oder um Verbände zu schneiden. In der Regel liegt den Erste-Hilfe-Sets eine kleine Schere bei.

Ckeck der Erste-Hilfe-Sets

Thomas checkt die Erste-Hilfe-Sets der Kursteilnehmer

Anzeige
[asa2 tpl=”Book”]B001ETA204[/asa2]

Stabile Seitenlage

Mal ehrlich, erinnert ihr euch noch daran, wie die stabile Seitenlage funktionert? Die meisten dürften ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs während der Führerscheinprüfung absolviert haben. Es kann also nichts schaden, sein Wissen bei einem Erste-Hilfe-Kurs wieder etwas aufzufrischen. Das gleiche gilt für die Herzmassage, die im Notfall Leben retten kann.

Stabile Seitenlage

Die stabile Seitenlage ist auch bei der Ersten Hilfe in den Bergen ein wichtiges Element

Erste Hilfe in den Bergen

Hier spiele ich einen verunglückten Wanderer

Provisorische Armbinde

Mit einfachsten Mitteln musste hier der Arm ruhig gestellt werden

Thomas zeigt uns, wie man die Schulter mit dem Rucksack ruhig stellt

Was tun, wenn die Schulter ausgerenkt ist? Thomas zeigt uns, wie man die Schulter mit dem Rucksack ruhig stellt

Hier wird ein gebrochenes Bein ruhig gestellt

Hier wird ein gebrochenes Bein ruhig gestellt

Werbung
Aus drei Rucksäcken kann problemlos eine Trage gebaut werden

Aus drei Rucksäcken kann problemlos eine Trage gebaut werden

Teil zwei des unserer Kurses “Erste Hilfe in den Bergen” richtete sich dann vor allem an Kletterer und Seilschaften. Beeindruckend, was man mit ein paar Seilen und Karabinern anstellen kann.

Rettungstechniken der Bergwacht

Olivier demonstriert Rettungstechniken der Bergwacht

Übung Abseilen

Übung macht den Meister: Abseilen leicht gemacht

Zum Abschluss des Kurses noch einmal ein Ernstfall. Ein Wanderer ist eine Felswand mehrere Meter weit abgerutscht. Wir können nur mit dem Seil zu ihm gelangen und müssen das Opfer auch nach oben befördern. Das ganze geht natürlich nicht so schnell über die Bühne wie bei einem eingespielten Team der Bergwacht, aber mit ein wenig Zeit klappt auch das. Das Opfer wird schließlich noch mit einer Rucksacktrage abtransportiert. Kaum zu glauben, dass das selbst für sechs Leute kein einfaches Unterfangen in dem abschüssigen Gelände ist.

Verunglücktes Absturzopfer in den Bergen

Olivier spielt das Absturzopfer

Rettung in den Bergen

Die Retter stoßen zu Olivier

Helfer in den Bergen

Oben am Hang arbeiten alle Helfer mit vereinten Kräften

Rettung Absturzopfer

Das Absturzopfer wird geborgen

Rettung mit der Rucksacktrage

Auch der gehört zur Ersten Hilfe in den Bergen: Mit der Rucksacktrage wird Olivier abtransportiert

Im Fall der Fälle

Thomas und Olivier machten uns auch deutlich, wie wichtig es ist, sich perfekt auf jede Tour vorzubereiten. Unfälle können auf jeder noch so kurzen Wanderung in den Bergen passieren. Die beiden berichten von Fällen, in denen die Opfer die Bergwacht anriefen, aber keine Ahnung hatten, wo sie überhaupt waren. Die Ortung per Funkzelle ist sehr ungenau und dauert lange. Bei schönem Wetter und einer minder schweren Verletzung kommt es vielleicht nicht auf jede Minute an – was aber, wenn jemand schwer verletzt ist oder die Nacht einbricht und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen? Mit Angaben wie “ich sehe in der Ferne einen Lift” können die Retter nicht sehr viel anfangen.

  • Das A und O jeder Wanderung ist eine gute Vorbereitung. Man sollte immer seinen Startpunkt und Endpunkt (Parkplatz, Bergstation, Liftname etc) und den Namen oder die Nummer der Route kennen. Man sollte auch immer jemanden bescheid geben, wo man sich aufhält und welche Tour man plant – das gilt insbesondere dann, wenn man alleine unterwegs ist. Eine Wanderkarte hilft dabei ungemein. Für die Retter kann auch die Angabe, auf welcher Höhe man sich befindet, entscheidend sein. Ein GPS hilft da ungemein. Es gibt aber auch Apps fürs Smartphone, die einem die Höhe verraten.
  • Tritt ein Notfall ein, benötigt die Notleitstelle so viele Informationen wie möglich. Wer ruft an? Wo ist der Notfall? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Art der Verletzung? Je mehr Informationen die Retter erhalten, um so besser. Besonders das Wo hat in den Bergen eine herausragende Bedeutung. Im Idealfall kennt man seine genauen Koordinaten. Dazu benötigt man nicht einmal ein GPS – jedes Smartphone zeigt den eigenen Standort metergenau an.

Der Kurs Erste Hilfe in den Bergen hat uns wirklich einiges gebracht. Für gewöhnlich wird man ja nicht mit solchen Situationen beim Wandern konfrontiert. Es ist beruhigend zu wissen, das man weiß, was im Notfall zu tun ist – zumindest in der Theorie.

Newsletter abonnieren & gewinnen

Begleite uns auf unseren Abenteuern rund um die Welt

Du willst nie mehr die spannendsten Reportagen und die besten Tipps rund ums Thema Fotografie verpassen? Dann melde dich zu unserem Newsletter an und hab jeden Monat die Chance, unser eBook “101 Fotografien und die Geschichte dahinter” zu gewinnen.

0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *