Fototipp: Warum du im Raw-Format fotografieren solltest

Tipp: Fotografiere immer im Raw-Format

Das Raw-Format rettet viele Fotos

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Fotografie: Nutze für deine Bilder immer (!!!) das Raw-Format. “Raw” ist englisch und bedeutet übersetzt “roh”. Im Raw-Format speichert deine digitale Kamera alle Daten im Rohformat ohne kamerainterne Bearbeitung, wie das etwa beim stark komprimierten Jpg-Format der Fall ist. Im Vergleich zum Jpg-Format sind in den Raw-Daten noch Unmengen an Informationen, die du bei der digitalen Entwicklung, etwa in Adobe Lightroom* (aber auch die Kamerahersteller liefern entsprechende Programme), nutzen kannst, während diese Daten im Jpg-Format für immer verloren sind. Fotografierst du nur mit dem iPhone? Dann haben wir am Ende des Artikels einen Tipp für dich, wie du deine Fotos im Raw-Format speichern kannst.

Über den Autor: Florian ist professioneller Landschaftsfotograf und veranstaltet Fotoreisen und Fotokurse. Seine Fotos waren schon in bekannten Magazinen zu sehen und wurden in großen Ausstellungen gezeigt. Einen Überblick über seine Arbeiten gibt es in der Online-Fotogalerie und auf Landschaftsfotografien.com. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher zum Thema Fotografie.

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Das Raw-Format

Wie viele Daten im Raw stecken, zeigt schon die benötigte Speichergröße an. Bei einer Nikon D810 (36-MP-Vollformatsensor) etwa ist ein Jpg in der besten Auflösung (7360×4912) selten größer als 20 MB. Im Raw-Format haben die Fotos im Schnitt um die 45MB, aber auch 50 MB sind möglich. Für so große Daten benötigst du auf Reisen natürlich sehr viel Speicherplatz auf Speicherkarten und auch am heimischen Computer. Zudem müssen Raw-Dateien digital entwickelt werden. Bei sehr großen Raw-Dateien (wie sie hochauflösende Vollformat-Kameras schießen) ist dabei auch ordentlich Rechenpower und eine leistungsstarke Grafikkarte gefordert. Computer und Laptops, die nicht für Foto- und Videoarbeiten konzipiert sind, gehen da schnell in die Knie und verweigern ihren Dienst (beziehungsweise sind so langsam, dass ein sinnvolles Arbeiten kaum möglich ist).

Verschiedene Raw-Dateiformate

Verschiedene Hersteller nutzen übrigens anderslautende Namen für ihre Rohdaten. Selbst innerhalb eines Herstellers gibt es mitunter verschiedene Dateiformate – gemeint ist aber immer dasselbe:

  • Bei Canon heißen die Raw-Dateiformate .cr2, .crw und .tif
  • Bei Nikon heißen die Raw-Dateiformate .nef (Nikon Electronic Format) und .nrw
  • Bei Sony heißen die Raw-Dateiformate .arw, .sr2 und .srf
  • Bei Olympus heißen die Raw-Dateiformate .orf und .ori
  • Bei Panasonic heißen die Raw-Dateiformate .raw und .rw2
  • Bei Pentax heißen die Raw-Dateiformate .pef und .dng
  • Bei Samsung heißen die Raw-Dateiformate .srw und .dng
  • Bei Sigma heißt das Raw-Dateiformat .x3f
  • Bei Leica heißen die Raw-Dateiformate .raw, .dng und .rwl
  • Bei Hasselblad heißen die Raw-Dateiformate .3fr und .fff

Raw-Dateien müssen entwickelt werden

Die unabdingbare Entwicklung der Raw-Dateien kostet natürlich Zeit. Außerdem kommst du nicht um ausreichende Speicherkapazitäten (Speicherkarten und Speicher zuhause) und einen sehr schnellen Rechner herum – beides kostet leider ordentlich Geld ( Tipp:  So speicherst du deine Daten sicher). Das ist auch der Grund, warum viele Hobbyfotografen nicht im Raw-Format fotografieren und lieber auf das Jpg-Format setzen. Viele unter- oder überbelichtete Fotos landen dann leider auch im Mülleimer. Mit im Raw-Format geschossenen Fotos kannst du viele dieser Bilder retten.

Nützliche Literatur zum Thema Fotografie

Raw rettet Fotos

Informationen, die im Jpg-Format nicht mehr vorhanden sind, kannst du bei der Postproduktion deiner Rohdaten problemlos retten. Fotos, die auf den ersten Blick nicht zu retten sind, können ohne große Probleme doch noch großformatig an die heimische Wohnzimmerwand. Mit Fotos, die im Raw-Format fotografiert wurden, geht aber natürlich noch mehr, als nur Tiefen aufzuhellen oder Lichter zurückzuholen. Bei der Entwicklung deiner Rohdaten kannst du ohne Probleme etwa den Weißabgleich ändern (ein extrem wichtiger Faktor bei der Bildwirkung), Kontraste anpassen oder auch einzelne Farben kräftiger machen.

Filter und HDR-Fotos

Moderne Fotosensoren haben unglaubliche Reserven und einen enorm hohen Dynamikumfang. Heißt, sie können sogar Motive, die im Gegenlicht liegen, ohne größere Probleme ablichten. Wie groß die Reserven sind, will ich dir an einem Beispiel zeigen. Das folgende Bild entstand auf unserer  Schottland-Rundreise. Der Himmel war wolkenverhangen. Plötzlich kam die Sonne für einen kurzen Augenblick durch die Wolkendecke. Der Dynamikumfang – also der Unterschied zwischen hell und dunkel – war brutal. In solch einem kurzen Moment bleibt leider keine Zeit, um extra ein Stativ aufzubauen und mit einem  Grauverlaufsfilter (mit dem noch deutlich höhere Dynamikumfänge zu realisieren sind) zu arbeiten. Auch die kamerainterne HDR-Funktion (High Dynamic Range – kurz HDR – also Fotos mit hohem Dynamikumfang, ermöglicht durch eine Mehrfachbelichtung) ist eher eine schlechte Option. Egal, wie ruhig deine Hand ist, du wirst die Kamera immer leicht bewegen. Ein aus der Hand geschossenes HDR-Foto wird in der Großansicht nie so scharf sein wie eine Aufnahme vom Stativ. Ich persönlich verzichte bewusst komplett auf HDR-Fotos (Fotograf der alten Schule .-)), aber das muss jeder selbst wissen.

Bild 1: Jpg, wie in der Kamera gespeichert

Jpg-Foto unbearbeitet

Das Foto, wie es in der Kamera als Jpg gespeichert wurde. Dieses Bild ist ohne Bearbeitung eigentlich ein Fall für den Mülleimer (Nikon D810 – 50mm – F7.1 – ISO 200 – 1/2000s). Das Problem war der enorme Dynamikumfang. Du hast nur die Wahl, entweder den sehr grellen Himmel oder den dunklen Vordergrund richtig zu belichten

Bild 2: Jpg in Lightroom entwickelt

Jpg-Foto bearbeitet

Das in Lightroom bearbeitete Jpg schaut schon deutlich besser als als das “Original”

Bild 3: Raw in Lightroom entwickelt

Raw-Foto bearbeitet

Das in Lightroom bearbeitete Raw. In der Großansicht gibt es enorme Unterschiede zum Jpg

Bild 4: Jpg in Lightroom entwickelt (100-Prozent-Ansicht)

100-Prozent-Ansicht Jpg-Foto

Der Unterschied zwischen Jpg und Raw wird in der Nahansicht richtig deutlich. Hier ein 100-Prozent-Ausschinitt aus aus dem Jpg-Foto (der Strohballen vorne links). Es sind kaum noch Strukturen vorhanden und die dunklen Stellen des Bildes rauschen stark durch die Aufhellung

Bild 5: Raw in Lightroom entwickelt (100-Prozent-Ansicht)

100-Prozent-Ansicht Raw-Foto

In dem entwickelten Raw-Foto sind die Strukturen deutlich zu erkennen und das Rauschen ist sehr viel geringer

Am Raw-Format führt kein Weg vorbei

Du siehst: Im Raw-Format geschossene Fotos bergen enorme Reserven und sind dem Jpg-Format weit überlegen. Natürlich sollte eine Aufnahme von Anfang an passen. Manchmal, wie im gezeigten Beispiel, bleibt aber einfach keine Zeit. Dann ist es besser, ein schlechtes Foto im Raw-Format auf der Speicherkarte zu haben als gar kein Foto. Trotzdem schieße ich meine Fotos immer im Raw-Format und im Jpg-Format. Warum? Fotos, die bei optimalen Lichtbedingungen entstehen, bedürfen in der Regel keiner großen Entwicklung mehr. Über- oder unterbelichtete Bereiche spielen meist keine Rolle. Dann kommt es aber auch noch auf den Verwendungszweck an. Fotos, die vielleicht einmal groß an der Wand hängen oder in einem Magazin abgedruckt werden sollen, solltest du immer im Raw-Format schießen. Wenn das Foto nur für den eigenen Instagram-Kanal herhalten muss, reicht sicher auch das Jpg-Format. Jedes Mal die Bildqualität zu ändern ist aber wenig praktikabel und birgt die Gefahr, im entscheidenden Moment zu vergessen, umzustellen. Daher mein Tipp: Nutze in jeder Situation das Raw-Format und lass die Kamera die Fotos zusätzlich als Jpg abspeichern.

Ein wichtiger Tipp für Sony-, Nikon- und Canon-Fotografen

Noch ein Tipp: Sony-Sensoren (die auch bei Nikon verbaut werden) haben sehr große Reserven in den Tiefen. Hier lohnt es sich, bei schwierigen Lichtbedingungen prinzipiell unterzubelichten und die Tiefen später quasi rauschfrei aufzuhellen. Bei Canon-Sensoren ist das genau andersrum. Hier liegt die Stärke in den Lichtern, die du bei der Entwicklung gut zurückholen kannst. Mit einer Canon solltest du daher bei schwierigen Lichtbedingungen eher etwas überbelichten.

Ein Foto-Tipp für iPhone-Nutzer

Jedes digitale Aufnahmegerät speichert Fotos im Raw-Format ab. Bei günstigen Kameras oder Smartphones kommt man in der Regel aber nicht an das Raw-Format ran (die Hersteller wollen ja schließlich, dass ihr die teuren Kameras mit der Möglichkeit, Raws zu speichern, kauft). Beim iPhone hilft die App ProCam 5. Mit der App lassen sich Bildschärfe, Belichtung, Verschlusszeit, ISO und Weißabgleich regeln. So sind sogar mit dem iPhone oder dem iPad und einem Stativ Langzeitbelichtungen möglich. Zudem ist in der App eine umfangreiche Bildbearbeitung enthalten und die Fotos lassen sich verlustfrei im Raw- oder Tiff-Format speichern.

Nützliche Literatur zum Thema Fotografie

Deine Meinung ist uns wichtig

Fotografierst du im Jpg-Format oder hast du das Raw-Format für dich entdeckt? Hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns 🙂

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3 replies
  1. Heini Baumgartner says:

    Hallo Florian, toller und sehr interessanter Artikel. Fotografiere immer mit dem raw, mache aber viel zu wenig daraus. Muss mal einen Kurs bei dir buchen.

    Reply

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  1. […] Januar stattgefunden hat). Flo von den „Phototravellers“ erklärt Euch warum Ihr Bilder unbedingt im RAW-Format aufnehmen solltet und zeigt die Möglichkeiten der Nachbearbeitung auf beeindruckende Weise. Ein […]

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