Gardasee – Tag 1 – Wanderung auf den Monte Cadria (2254m)

Der Monte Cadria überragt alle anderen Gardaseeberge

2.254 Meter ragt der Monte Cadria in den Himmel

Das lange Wochenende steht vor der Tür. Was liegt da näher, als zum Gardasee aufzubrechen. Während die Temperaturen in Deutschland so langsam in den Keller gehen, lockt der Gardasee mit mildem Klima, viel Sonne und gutem Essen. Von München aus erreichen wir Arco im Norden des Gardasees in knapp fünf Stunden. Eine Unterkunft haben wir noch nicht, aber das sollte zur Nebensaison kein Problem sein, zumal wir nach einem Campingplatz Ausschau halten. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wir steuern ein paar Campingplätze direkt am Gardasee an, stehen aber immer vor verschlossenen Toren. Einmal treffen wir wenigstens auf einen Nachtwächter, der uns aber wieder wegschickt. Vor acht Uhr ist kein Check-In möglich. Von einer Freundin haben wir den Tipp, es beim Camping Zoo Arco (GPS: N 45 55.958, E 10 53.572 – Google Maps) zu versuchen. Und tatsächlich, hier stehen die Tore weit offen. Wir finden schnell einen freien Platz, bauen unser Zelt auf und erholen uns noch ein paar Stunden von der langen Fahrt. Morgen steht schließlich der Monte Cadria auf dem Programm – mit 2.254 Metern der höchste Berg der Gardaseeberge.

Wir kommen leider nicht ganz so früh los wie erhofft. Wir müssen bis acht Uhr warten, um uns am Campingplatz zu registrieren. So fehlen uns heute wichtige Stunden auf unserer geplanten Wanderung. Nach einem kleinen Frühstück – in Italien kommt man einfach nicht an einem cremigen Cappuccino und einem ofenwarmen Cornetto vorbei – unter freiem Himmel fahren wir in Richtung Lago di Ledro. Der Ledrosee ist viel kleiner als der Gardasee und auch nicht so überlaufen. Das gilt auch für die umliegenden Berge, von denen aus sich dem Wanderer ein faszinierender Blick nicht nur auf den Ledrosee, sondern auch auf den Gardasee eröffnet. Auch wer die Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig. Bergbahnen sucht man hier vergebens und die Aufstiege sind steil und schweißtreibend. Das gilt ganz besonders für den Monte Cadria.

Ledrosee am Morgen

Der Ledrosee am Morgen

Auf Umwegen zum Monte Cadria

Wir starten unsere Wanderung in Lenzumo. Wir parken direkt neben der alten Dorfkirche auf einem kleinen Parkplatz (GPS: N 45 54.749, E 10 43.603 – Google Maps). Ein einziges Auto steht hier – und das gehört ganz offensichtlich einem Einheimischen. Wir packen unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg. Wir folgen der Hauptstraße ein paar Meter, biegen aber gleich wieder links ab. Nach ein paar Minuten lassen wir das letzte Haus hinter uns. Ein schmaler Pfad führt uns durch dichten Wald immer höher. Ausblicke hinab ins Tal und auf die umliegenden Berge suchen wir lange aber vergebens. Erst nach einer halben Stunde eröffnet ein kleines Plateau einen schönen Blick auf Lenzumo. Leider ist es stark bedeckt – von Fernsicht kann also keine Rede sein.

Wanderweg Ledrosee

Der Weg führt anfangs durch den Wald und zieht steil an

Doss de Poli

Doss de Poli – was es damit auf sich hat, wissen wir aber bis heute nicht

Grotte de Pigole

Beim Aufstieg passieren wir die Grotte de Pigole

Blick auf Lenzumo

Blick auf Lenzumo, wo unsere Wanderung bei der kleinen Kirche startete

Nach einer Stunde stoßen wir auf eine regelrechte Kreuzung. Ein Wegweiser zeigt in alle möglichen Richtungen – aber nicht zum Monte Cadria. Auf unserem GPS die Route aber klar auszumachen. Wir müssen dem Weg 559 folgen. Der Pfad ist sogar gut markiert, nur der Wegweiser zeigt ins Nirwana. Ob wir wohl noch richtig sind? Zumindest das GPS belässt uns in diesem Glauben. Wir kämpfen uns also immer weiter den steilen Bergpfad nach oben. Ab und an queren wir eine Lichtung – eine Wohltat für die Seele nach dem schweißtreibenden Aufstieg. Wir stoßen auch immer wieder auf alte Bunker und MG-Nester aus dem ersten Weltkrieg.

Wanderweg Ledrosee

Wären die Wolken nicht, hätten wir eine tolle Aussicht

Wanderung Ledrosee

Endlich kommen wir aus dem Wald raus auf eine Lichtung

Bunkeranlage erster Weltkrieg

Eine alte Bunkeranlage aus dem ersten Weltkrieg

Der Monte Cadria im Nebel

Wir sind inzwischen zweieinhalb Stunden unterwegs. Endlich erreichen wir den Bergrücken und einen kleinen Gipfel mit einer Antenne darauf. Ein Paraglider über uns ruft uns noch ein freudiges “Ciao” zu, bevor wir aufbrechen. Der Weg scheint kaum begangen zu werden, ist nur einen Fuß breit und stark verwachsen. Wir müssen ständig aufpassen, keinen Fuß neben dem Pfad zu setzen – so ein Knöchel ist schnell einmal gebrochen. Wir kommen deshalb nur langsam voran – viel langsamer als geplant.

Paraglider Gardaseeberge

Der Paraglider fliegt Sekunden vorher dicht über unseren Köpfen entlang

Wanderweg Gardaseeberge

Hier führt uns der verwilderte Wanderweg entlang

Auf einem zweiten Gipfel machen wir ein Kreuz aus – ein erkennbarer Pfad führt aber nicht hinauf. Wir suchen uns also einen Weg. Wieder geht es steil durch tiefes Gras nach oben – ein Gipfelkreuz sehen wir aber weit und breit nicht. Dafür ragt in der Ferne ein riesiger, von Wolken verhüllter Felskegel in den Himmel. Uns schwant Böses. Das, was da so majestätisch aus den Wolken sticht, ist der Gebirgszug des Monte Cadria. Nur liegt vor uns noch einmal ein tiefer Einschnitt – ganz so war die Wanderung heute nicht geplant.

Wanderung Gardaseeberge

Auf der Suche nach einem Gipfelkreuz steigen wir durch unwegsames Gelände – fündig werden wir nicht

Gardaseeberge

Dort im Nebel liegt der Monte Cadria – von hier aus nicht zu erkennen

Bunker erster Weltkrieg

In den Felsen sieht man gut die Bunker aus dem ersten Weltkrieg

Langsam geht es an den Abstieg. Der Pfad führt uns wieder durch den Wald bis zu einem Gehöft (Malga Vies) – hier treffen wir sogar auf ein paar Wanderer. Hier finden wir auch wieder auf einen Wegweiser zum Monte Cadria. Zwei Stunden stehen von hier an zwischen uns und dem Gipfelglück. Ein alter Weg aus dem ersten Weltkrieg führt uns steil nach oben. Die Aussicht wäre schon hier atemberaubend – wenn nicht diese dicke Wolkendecke jede Fernsicht verhindern würde.

Wanderung Monte Cadria

Hier bei Malga Vies stoßen wir auf den normalen Aufstieg zum Monte Cadria

Wanderweg Weltkrieg

Ein alter Weg aus dem ersten Weltkrieg führt uns nach oben

Die Hochebene Malga Cadria

Nach einer halben Stunde erreichen wir die Hochebene Malga Cadria. Uns kommt ein Jäger mit seinem Hund entgegen. Wir grüßen mit einem Ciao und ziehen weiter. Von hier führen zwei Routen auf den Monte Cadria. Wir entscheiden uns für die rechte Variante, die über den Bergrücken führt.

Der Wegweiser zum Monte Cadria zeigt nach rechts. Alternativ kann man aber auch den einfachen Weg links nehmen

Der Wegweiser zum Monte Cadria zeigt nach rechts. Alternativ kann man aber auch den einfachen Weg links nehmen – der ist hier aber nicht ausgeschildert

Hochebene Malga Cadria

Die Hochebene Malga Cadria

Der Weg zieht jetzt noch einmal deutlich an und bringt uns in Serpentinen mitten hinein in die Wolken. Links und rechts ist kaum noch etwas zu erkennen, den Weg kann man aber nicht aus den Augen verlieren. Teilweise ist der Pfad sehr schmal und recht stark ausgesetzt. Technisch ist die Route nicht schwer, die extrem steilen Grashänge verzeihen aber auch keinen Fehler. Der Weg wechselt immer wieder die Seite. Bei gutem Wetter würden wir einen grandiose Ausblick genießen. Inzwischen ist die Sicht so schlecht, dass wir selbst den Monte Cadria aus den Augen verloren haben. Laut GPS stehen wir aber nur noch wenige huntert Meter vor dem Gipfel. Zwei oder dreimal glauben wir schon, unmittelbar vor dem Gipfelkreuz zu stehen – doch dann tut sich jedes Mal ein neuer Vorgipfel auf.

Wanderweg Monte Cadria

Meter für Meter kämpfen wir uns nach oben

Wanderweg Monte Cadria

Der Wanderweg verläuft auf dem Bergrücken

Eine ausgesetzte Stelle auf dem Weg zum Gipfel

Eine ausgesetzte Stelle auf dem Weg zum Gipfel

Wanderweg Monte Cadria

Hier ist Konzentration gefragt – ein falscher Schritt wäre fatal

Wanderweg Monte Cadria

Hier sieht man den Wegverlauf in der Bergflanke schön

Das Gipfelkreuz im Nebel

Um zum Gipfel zu gelangen, queren wir schließlich die steile Westflanke und steigen von hinten auf. Dabei kommen auch immer wieder die Hände zum Einsatz. Dann steht es endlich vor uns, das Gipfelkreuz des Monte Cadria. Leider liegt die Sicht bei unter 50 Metern. Vor der wohlverdienten Gipfelbrotzeit lassen wir uns trotzdem nicht abhalten.

Wanderweg Monte Cadria

Auf den letzten Metern zum Gipfel ist der Weg noch einmal ausgesetzt

Gipfelkreuz Monte Cadria

Das Gipfelkreuz des Monte Cadria liegt leider komplett im Nebel

 Gipfel Monte Cadria

Am Gipfel des Monte Cadria

Der Abstieg vom Monte Cadria

Für den Rückweg steigen wir vom Gipfel aus direkt ins Tal ab. Diese Variante ist deutlich einfacher als der von uns gewählte Aufstieg. Ausgesetzte Stellen gibt nach dem Gipfelaufbau nicht mehr. Der Weg führt uns an einer Bergflanke zurück bis an den Anfang der Hochebene. Wir steigen wieder über den alten Weg aus dem ersten Weltkrieg ab. Ab dem alten Gehöft, das wir schon beim Aufstieg passiert haben, folgen wir jetzt einer steilen, teils betonierten Straße bis zurück ins Tal. Der Abstieg zieht sich extrem lange hin und zerrt an den Nerven. Aber nach insgesamt knapp neun Stunden stehen wir wieder am Parkplatz.

Wanderin Gardaseeberge

Ohne dicke Daunenjacke ist es hier oben kaum auszuhalten

Malga Cadria

Der Abstieg durch die Hochebene Malga Cadria ist unproblematisch

Gardaseeberge

Auf dem Rückweg klar es etwas auf und wir bewundern die schroffen Bergspitzen

Restaurant-Tipp in Arco

Am Abend verschlägt es uns in die süße Innenstadt von Arco und hier in die Pizzeria Spaghetteria Moderna. Draußen sind leider alle Tische belegt. Im Innenraum herrscht eine etwas kühle Atmosphäre, die allerdings dank der vielen Gäste nicht wirklich stört. Wir bestellen uns Penne all’arrabbiata. Es ist nicht die beste Pasta, die wir je gegessen haben, aber doch sehr lecker und preislich voll im Rahmen. Außerdem geht alles fix und die Bedienung ist wirklich freundlich. Wir können den Laden empfehlen, aber wahrscheinlich muss man schon wirklich Pech haben, um in Italien schlecht zu essen.

Pizzeria Spaghetteria Moderna in Arco

In Arco lassen wir es uns am Abend in der Pizzeria Spaghetteria Moderna gutgehen

Tourdaten Auf- und Abstieg Monte Cadria:

Datum: Oktober 2016
Gesamtweglänge: 17,4 Kilometer
Höhenmeter: 1.540 Meter
Reine Gehzeit: 6:30 Stunden

Die GPS-Daten als Download

Fazit

Die Wanderung auf den Monte Cadria erfordert ein gehöriges Maß an Kondition und Trittsicherheit. Wer für den Auf- oder Abstieg die schwerere Variante über den Bergrücken wählt, muss absolut schwindelfrei sein. Die leichtere Variante durch die Hochebene Malga Cadria ist wesentlich einfacher und ungefährlicher. Lediglich im Bereich des Gipfelaufbaus gibt es ein paar ausgesetzte Stellen. Die Tour kann verkürzt werden, indem man für den Aufstieg die Betonstraße nach Malga Vies wählt. Diese Route haben wir lediglich für den Abstieg gewählt. Wem der Gipfel des Monte Cadria nicht reicht, der kann theoretisch über das Grat fast einmal komplett im Kreis bis zum Gipfel Cima Pari, der über dem Ledrosee thront, oder darüber hinaus wandern. An einem Tag ist das aber kaum noch zu schaffen.

 

 

Deine Meinung ist uns wichtig

Du warst auch schon auf dem Monte Cadria? Wie war die Tour für dich? Gerade das letzte Stück hat es ja doch in sich, wenn man über den Bergrücken aufsteigt. Was haben wir in unserem Bericht über die Wanderung auf den Monte Cadria vergessen, was unbedingt noch rein sollte? Oder hast du noch einen anderen tollen Tipp für eine Wanderung in den Gardaseebergen? Hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns 🙂

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Wie hat dir dieser Artikel gefallen? Vielleicht waren es ja sogar 5 Sterne – wir würden uns sehr freuen 🙂

2 replies
  1. Gipfelstürmerin
    Gipfelstürmerin says:

    Hört sich nach einer tollen Tour an! Und die Bilder zeigen trotz Nebel eine Wahnsinns Natur! Gefällt mir sehr gut! Wie immer ein toller Bericht

    Reply

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