Im Test: die Panono 360-Grad-Kamera

Die Panono revolutioniert die Fotografie

Die Panono im Test

Als ich 2014 das erste Mal von der Panono-Wurfkamera las, war ich sofort hin und weg. Damals gab es erst einen riesigen grünen Prototypen – aber die Idee dahinter faszinierte mich sofort. Im Laufe der Jahre hat das junge Entwicklerteam die Kugel deutlich verkleinert und zur Marktreife entwickelt. Inzwischen sind die ersten Panono-Kameras im Outdoor-Einsatz und verzaubern den Betrachter mit einzigartigen 360-Grad-Panoramen. Die 36 Linsen lösen zeitgleich aus und halten die gesamte Umgebung in einem sphärischen Panorama mit einer Gesamtauflösung von 108 Megapixeln fest. Platz ist auf der Panono übrigens für etwa 600 Panoramen. Mit derzeit rund 1500 Euro ist die Panono allerdings kein billiger Spaß. Ob sich die Investition lohnt, lest ihr in unserem Test.

Die erste Hürde war, eine Panono zu besorgen. Bei Panono selbst stießen wir erst auf offene Ohren – die Spannung stieg schon ins Unendliche. Vier Wochen später hieß es dann aber plötzlich, man könne uns leider doch keine Panono zum Testen liefern. Schade! Bei Foto-Video Sauter in München half man uns indes ganz unbürokratisch weiter und schwupps, hielten wir die Panono-Kamera in Händen.

Panono-Ball in der Hand

Der Panono-Ball liegt gut in der Hand und ist hervorragend verarbeitet

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Der erste Eindruck der Panono-Panoramakamera

Die Panono liegt gut in der Hand und macht einen sehr wertigen Eindruck. Mit knapp 500 Gramm ist der quietschgrüne Ball auch nicht zu schwer. Die 36-Kameralinsen sind tief ins transparente Kunststoffkleid versenkt und so gut vor Verschmutzung oder Beschädigung geschützt. Ein Druck auf den Anschalter, und ein paar farbige LEDs signalisieren: Los, leg endlich los! Bevor die Kamera aber zum ersten Mal zum Einsatz kommt, muss eine App auf dem Smartphone installiert werden. Das geht, genau wie die Registrierung, völlig problemlos. Die Kamera wird jetzt per WLAN mit dem Smartphone verbunden und schon kann man starten. Der Kamera liegt natürlich eine Anleitung bei – ich wollte es aber erst einmal ohne versuchen. Wenn die Entwickler gute Arbeit geleistet haben, ist die Kamera selbsterklärend. Und tatsächlich, die Bedienung ist absolut simpel und alles funktioniert auf Anhieb. Sobald die Kamera mit dem Smartphone verbunden ist, fungiert dieses als Fernbedienung. Das Smartphone ist später auch wichtig, um die erstellten Panoramen von der Kamera in die Panono-Cloud zu laden.

Die Wurfkamera im Einsatz

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit der Panono 360-Grad-Panoramen zu erstellen. Die Idee der Entwickler war ja eine Wurfkamera. Man wirft den Ball in die Höhe – in der Anleitung steht etwas von 1,50 bis 4,00 Meter – und am Umkehrpunkt schießt die Kamera automatisch ein Bild – oder besser gesagt 36 Bilder, die später in der Cloud zu einem großen Panorama verrechnet werden. Das war mir am Anfang allerdings viel zu heikel. Auch wenn die Linsen gut geschützt sind: Dass die Kamera einen Sturz aus zwei, drei oder gar vier Metern auf Stein oder Asphalt überlebt, bezweifele ich irgendwie.

Um nicht auf einen Schlag 1500 Euro in den Sand zu setzen, griff ich Anfangs zu einem Selfie-Stick für die Gopro. An der Kamera selbst wird eine Halterung eingedreht, die man dann auf ein Stativgewinde schraubt. Das geht super schnell und ist wirklich komfortabel. Mit der Kamera auf dem Selfie-Stick ging es dann auf den 2.194 Meter hohen Guffert in Tirol. Schon auf dem Weg erstellten wir ein paar Panoramen. Wirklich glänzen konnte die Kamera dann am Gipfel, von dem aus man die halben Alpen im Blick hat. Vom richtigen Standpunkt aus entstehen wirklich beeindruckende Panoramen. Ein Klick aufs Smartphone und fertig. Schön, dass die Kamera so gut mit der App harmoniert.

Panono und Selfie-Stick

Biggi und die Panono

Interaktives Panono-Panorama auf dem Weg zum Guffert-Gipfel

Interaktives Panorama auf dem Guffert-Gipfel

Interaktives Panorama an der Isar in München

Interaktives Panorama im Englischen Garten (Wurfpanorama)

Später werden dann die erstellten Panoramen per WLAN aufs Smartphone überspielt. Vom Smartphone aus schickt man die 36 Einzelaufnahmen in die Cloud, wo die Panoramen berechnet werden. Das dauert pro Panorama ein paar Minuten, geschieht aber im Hintergrund. Ist das Panorama fertig berechnet, kann man das ganze an seine Freunde schicken oder in den Sozialen Medien teilen. Die Panoramen sind interaktiv, das heißt man kann zoomen und in alle Richtungen scrollen. Wir waren hin und weg, als wir das erste Panorama in den “Händen” hielten. Die Panoramen laufen auf dem iPhone und auf einem schnellen PC völlig ruckelfrei und animieren zum Spielen mit dem Panorama. Schwenkt man das Smartphone, bewegt sich auch das Panorama. Natürlich kann man auch einfach per Wischgeste oder per Maus steuern.

Die Bildqualität geht voll in Ordnung. Aber auch fertige Fotos werden erstellt. Dazu loggt man sich auf der Website in seinen Account ein, klickt auf das gewünschte Panorama und geht am Fuße der Seite auf “More” und dann auf “Download”. Hier stehen jetzt zwei Größen zu Auswahl. Ich musste selbst erst ein wenig im Internet stöbern, um diese Funktion zu finden, daher gibts hier diese kleine Anleitung dazu.

Panono-Panorama als JPG
Panono Panorama Guffert

Auf dem Weg zum Guffert-Gipfel in Tirol. Hier ein vollständiges Panorama. (Für die 100-Prozent-Ansicht Bild anklicken – 18 MB)

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Panono Panorama Guffert-Gipfel

Hier ein Panorama vom Guffert-Gipfel. Den unteren Teil habe ich abgeschnitten, um ein stimmigeres Bild zu bekommen. (Für die 100-Prozent-Ansicht Bild anklicken – 15 MB)

Nachdem ich ein wenig Gefühl für den Ball entwickelt hatte, wollte ich unbedingt auch die Wurffunktion ausprobieren. Die ersten Versuche gingen voll daneben. Man muss die Kamera schon ein gutes Stück in die Höhe werfen, damit ein Bild aufgenommen wird. Außerdem sollte sich die Kamera möglichst nicht drehen, da sonst nicht ausgelöst wird. Eine LED signalisiert, ob ein Foto aufgenommen wurde (grün) oder nicht (rot). Es hat einige Versuche gebraucht, bis das erste Bild im Kasten war. Da dachte ich schon, jetzt habe ich den Dreh raus. So leicht ist das aber nicht. Einige Male drehte sich der Ball zu schnell um die eigene Achse, dann wieder löste die Kamera nicht aus, obwohl die Flugbahn meiner Meinung nach ganz gut aussah. Auch der Tipp, beim Werfen in die Hocke zu gehen, wollte nicht so recht helfen. Nach einem guten Dutzend Wurfversuchen taten mir meine Hände vom Fangen weh und ich hatte gerade einmal drei Bilder – eine eher enttäuschende Ausbeute. Das ist aber wohl auch Übungssache.

Panono-Ball in der Luft

Da fliegt der Panono-Ball

Was uns an der Panono gefällt

  • Die aufgenommenen Panoramen sind wirklich toll – mit der Panono ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, schon millionenfach fotografierte Orte neu darzustellen
  • Die virtuellen Panoramen sind eine ganz große Stärke des Systems. Allerdings braucht es einen schnellen Rechner, damit die Panoramen auch flüssig laufen
  • Die Haptik der Kamera ist tadellos
  • Mit 500 Gramm ist die Kamera leicht genug, um auch auf langen Touren mit in den Rucksack zu kommen
  • Willkommen in der virtuellen Realität: Die Bilder können für VR-Anwendungen, etwa mit Google Cardboard oder der Samsung Gear VR, genutzt werden

Was uns an der Panono nicht gefällt

  • Die Wurffunktion ist ein nettes Gimmick, sollte man einmal kein Stativ dabei haben. So richtig wollte das bei unserem Test aber nicht funktionieren
  • Die Kamera ließ sich einige Male nicht einschalten. Minuten später ging es wieder problemlos. Das verbuchen wir einmal unter Kinderkrankheiten. Wenn man aber 1500 Euro ausgibt und die Kamera dann im entscheidenden Moment nicht funktioniert, ist das trotzdem sehr ärgerlich. Zum Glück hatten wir bei unserem Test alle Zeit der Welt
  • Mit rund 1500 Euro ist das System für die meisten Privatleute leider viel zu teuer
  • Die Panoramen werden in die Cloud gespielt und dort berechnet. Das dürfte nicht jedem Anwender gefallen
  • Die Panono-App muss aktiv auf dem Smartphone laufen, um die Bilder zu überspielen. Wechselt man die App, wird auch die Übertragung des nächsten Panoramas unterbrochen – das nervt ein wenig
  • Die interaktiven Panoramen laufen nur auf schnellen Rechnern oder Smartphones einwandfrei. Auf einem etwas älteren Apple Mac Mini etwa laufen die Panoramen nicht

Die Panono im Test – unser Fazit

Trotz der Kritikpunkte – die positiven Aspekte überwiegen bei Weitem. Wir würden die Kamera gerne auf allen unseren Wanderungen mitnehmen. Das System ist klein, leicht und zaubert atemberaubende Eindrücke, die man so noch nicht kennt. Es gibt inzwischen ja auch schon günstigere 360-Grad-Kameras – diese können es aber nicht mit der Panono aufnehmen. Für wen Geld keine Rolle spielt oder wer seinen Kunden etwas Neues anbieten möchte, greift zu und erfreut sich an den neuen Möglichkeiten. Für den normalen Hobbyfotografen ist die Panono wegen des hohen Preises derzeit aber wohl nichts.

Update 7. Oktober 2016: Panono hat die Preise erhöht – und zwar kräftig. Statt 1499 Euro werden jetzt satte 2140 Euro fällig. Ob sich für den Preis noch Privatkäufer finden, wage ich stark zu bezweifeln. Mir wäre das System das Geld definitiv nicht wert.

Deine Meinung ist uns wichtig

Hattest du die Panono auch schon in den Händen und hast du dabei vollkommen andere Eindrücke gesammelt als wir? Oder ging es dir ähnlich? Vielleicht hast du ja auch noch den einen oder anderen Tipp für die Panono? Dann hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns 🙂

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Logo Foto Video Sauter

Die Panono wurde uns freundlicherweise kostenlos zum Testen von Foto-Video Sauter zur Verfügung gestellt. Hier findet ihr die Panono im Onlineshop von Foto-Video Sauter. Wer das ganze nur einmal testen möchte oder ein ganz spezielles Motiv im Auge hat, kann die Kamera auch ausleihen.

 

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8 replies
  1. Sebastian Schmuttermaier
    Sebastian Schmuttermaier says:

    Hallo Florian,
    also ich liebe ja Berpanoramen und schleppe daher die große Ausrüstung meist auch im Rucksack rauf. Daher wäre der Panono Panoball schon interessant. Dein Test bestärkt mich aber im Glauben: “Wenn dann gscheit”, ich bleibe dabei und trage weiterhin die zusätzlichen Kilos 🙂

    Reply
    • Florian Westermann
      Florian Westermann says:

      Hi Sebastian,

      ja, ich sehe es auch als nette Spielerei, eine gute DSLR kann die Panono sicher nicht ersetzen. Wie schon gesagt, für mich persönlich ist das finanziell leider völlig illusorisch. Für Firmen mag das anders sein

      Viele Grüße
      Florian

      Reply
  2. Action 33
    Action 33 says:

    Danke NEIN. Nicht für diesen Preis. https://shop.panono.com/#/de

    Bilder werden auch nicht schön. Bildqualität ist Stand wie vor einigen Jahren, so ähnlich wie bei Handyfotos. Schöne Pano´s nur bei SONNE (wenn überhaubt). Innenaufnahmen werden total verwaschen. Relativ gute Aufnahmen bekommt man nur mit STATIV (Dreibein Stativ + SONNE Außenaufnahmen)

    Negativ: Keine Software, alles nur online. Siehe hier: https://support.panono.com/hc/de

    Positiv: Schnelle Panoramen können vor Ort erstellt werden. Momentaufnahmen, Personen, u.s.w.

    Für €2140.81 EUR wünsche ich mir Aufnahmen, die für diesen Preis auch zu erwarten wären: 4K Qualität.

    Der Preis ist völlig übertrieben.

    Fazit: Lieber erstelle ich mit meiner privaten Kamera (z.b. 24 Megapixel und Stativ) meine eigenen Fotos (ca. 140 – 160 Fotos) und später mit einem sehr guten Panorama Programm, die Nachbearbeitung. Habe hier die volle Kontrolle über meine Fotos.

    Reply
    • Florian Westermann
      Florian Westermann says:

      Ja, der Preis ist mir wie gesagt auch viel zu hoch… Was man dafür schon alles bekommt… Drohne UND Top-Kamera… Aber ein interessantes Teil ist die Panono trotzdem – wenn auch mit Schwächen

      Reply

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