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Korsika: Wanderung Punta Culaghia

Heute wandern wir zum 2.034 Meter hohen Punta Culaghia. Ganz geplant ist das aber nicht.

Aktualisiert am 03.03.2022

Ein Höhepunkt in Korsikas Bergwelt

Wir brechen früh in L’Île-Rousse auf – schließlich steht heute eine längere Bergtour zum Col Perdu auf dem Plan. Auf der ausgebauten Inselhauptstraße kommen wir zwar schnell voran – nicht mehr aber auf der D147, die durch das beeindruckende Asco-Tal zum Ausgangspunkt unserer Wanderung führt. Die Straße ist bisweilen sehr eng und wie so viele Straßen auf Korsika extrem kurvig. Entschädigt werden wir wieder einmal mit einer atemberaubenden, fast unberührten Landschaft. Am Ende der Straße (GPS: N 42 24.203, E 8 55.409 – Google Maps), das wir nach insgesamt eineinhalb Stunden erreichen, liegt ein großer Parkplatz. Vor allem deswegen, weil hier das Skigebiet Haut Asco liegt. Viel los ist aber nicht. Ein paar Bauarbeiter bereiten die Skipisten mit schwerem Gerät für den Winter vor – ansonsten stehen noch zwei andere Autos auf dem Parkplatz. Unser urspränglicher Plan, zum Col Perdu zu Wandern, verläuft aber im Sande. Stattdessen stehen wir bald auf dem 2.034 Meter hohen Punta Culaghia. Ganz geplant ist das aber nicht.

Ein Geheimtipp auf Korsika

Straße im Asco-Tal
Die Straße D147 schlängelt sich durch das Asco-Tal. Immer dabei: der fantastische Ausblick
Herbst im Asco-Tal
Der Herbst hat auch hier längst Einzug gehalten
Haut Asco
Hier im Skigebiet Haut Asco beginnt unsere Bergwanderung

Beim Blick auf das GPS wird mir klar, dass wir den Col Perdu auch über einen schönen Höhenweg erreichen, anstatt erst lange durch das Asco-Tal zu laufen. In der Theorie ist das auch vollkommen richtig. Allerdings übersehe ich, dass es die von mir vorgeschlagene Alternativroute durchaus in sich hat. Im Rother-Wanderführer ist meine frisch auserkorene Route eine eigeneständige Tour. Wir starten unsere Wanderung also nicht im Tal, sondern steigen gleich steil über den berühmten Weitwanderweg GR 20 durch den Wald auf. Der schmale Pfad, der meist gut zu erkennen ist, ist extrem schweißtreibend und führt uns schnell einige hundert Meter nach oben. Wir kommen ganz schön ins Schnaufen, aber der spektakuläre Blick auf die umliegenden Berge entschädigt für die Strapazen. Die Bergflanken sind alle moosbewachsen und schimmern im Sonnenlicht intensiv grün. Etwas ähnliches haben wir bislang nur auf Hawaii und Teneriffa gesehen – wir sind begeistert.

Waldweg zum Punta Culaghia
Die Wanderung zum Punta Culaghia führt uns Anfangs steil durch den Wald, vorbei an mächtigen Kiefern
Biggi vor Schwarzkiefer
Der Weg steigt steil an und wir kommen schnell ins Schwitzen
Berge im Asco-Tal
Schon nach wenigen Minuten haben wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge im Asco-Tal
Asco-Tal Talblick
Hier der Blick zurück ins Asco-Tal
GR 20 im Asco-Tal
Durch dieses schroffe Gelände schlängelt sich der GR 20
Wanderweg GR 20
Wir folgen dem GR 20
Kraxelstelle Punta Culaghia
An einigen Stellen müssen wir ein wenig Kraxeln
Wegmarkierung GR 20
Der Weitwanderweg GR 20 ist weiß-rot markiert

Traumhafte Ausblicke über dem Plateau Stagnu

Trotzdem: Der Weg zieht und zieht sich. Für den steilen, steinigen Aufstieg brauchen wir etwa eineinhalb Stunden – dann eröffnet sich uns am Bocca Stagnu (2.003 Meter) ein majestätischer Blick ins benachbarte Tal. Aber auch die Aussicht zurück raubt uns die Sinne. Von hier könnte man auch den 2148 Meter hohen Gipfel A Muvrella in Angriff nehmen oder einfach wieder umdrehen – man hätte schon hier eine wunderbare Bergtour unternommen. Das kommt für uns aber nicht in Frage. Zu diesem Zeitpunkt denken wir schließlich noch, wir erreichen ohne Probleme unser ursprüngliches Ziel.

Bocca Stagnu
An der Bocca Stagnu legen wir eine kurze Pause ein und genießen die Aussicht
Monte Cinto
Von der Bocca Stagnu haben wir freien Blick auf den 2.706 Meter hohen Monte Cinto – den höchsten Berg Korsikas
Luftaufnahme Punta Stranciacone
Wir lassen auch unsere Drohne aufsteigen – hier eine Luftaufnahme mit Blick auf den Punta Stranciacone (rechts), den wir später noch passieren werden

Der Hochgebirgspfad schlängelt sich von nun an auf dem Gebirgsgrat in Richtung Punta Culaghia. Immer wieder führt der Weg nach unten, um dann wieder anzuziehen. Stellenweise ist der Weg in der schroffen Bergwelt nicht mehr auszumachen. Es gibt aber nur eine Richtung und so suchen uns teilweise unseren eigenen Weg. Wir stoßen zwar hier und da auf Steinmännchen, dann aber auch wieder eine Weile nicht mehr.

Bocca Stagnu Panorama
Ein Panorama an der Bocca Stagnu
Wanderung Punta Culaghia
Bäume gibt es hier oben auf rund 2.000 Metern Höhe nicht mehr
Wanderweg Punta Culaghia
Der Weg wechselt ab zwischen Schotter, Geröll, Felsen und Steinplatten
Wanderweg Punta Culaghia
Korsikas Hochgebirge verschlägt uns die Sprache
Wanderung Punta Culaghia
Ab und an finden wir eine Markierung wie diese hier

Die Felstürme der Punta Stranciacone

Der Weg ist nie stark ausgesetzt oder gefährlich, aber doch recht anspruchsvoll. Wir müssen immer wieder die Hände zu Hilfe nehmen, um große Felsblöcke zu überwinden. Inzwischen hat es extrem zugezogen und die Sicht ist stark eingeschränkt. Das macht es hier oben auf rund 2.000 Metern in der schroffen Bergwelt Korsikas aber noch einzigartiger, zumal weit und breit kein Anzeichen von Zivilisaton zu sehen ist. Die Punta Culaghia überschreiten wir, ohne es mitzubekommen. Der Gipfel ist nicht besonders markant und reiht sich ein in die zahlreichen Erhebungen auf dem Grat.

Wanderung Punta Culaghia
Hier kämpfen wir uns noch einem einen Geröllhag nach oben. Es könnte der Gipfel der Punta Culaghia sein – ganz sicher sind wir uns aber nicht

Vor uns liegen nun die riesigen Felstürme der Punta Stranciacone. Auf den Gipfel kommen wir allerdings nicht, stattdessen führt uns der Weg ein Stück weit darunter an diesem in Stein gehauenem Monument vorbei. Kurz darauf erreichen wir die Brèche de Missoghiu (2.048 Meter). Der steile Abstieg führt uns zurück ins Asco-Tal. Wegen des vielen Gerölls auf dem steilen Hang steigen wir mit Vorsicht ab. Bis in den Frühsommer hinein liegen hier zum Teil sogar noch gefährliche Schneefelder. Wir halten uns weit rechts und nutzen die Felsplatten für den Abstieg – das Geröll meiden wir eher.

Wanderung Punta Culaghia
Spätestens hier haben wir den Punta Culaghia hinter uns gelassen
Punta Stranciacone
Wir blicken jetzt auf die Steintürme der Punta Stranciacone
Panorama Punta Stranciacone
Das Bergpanorama mit der Punta Stranciacone
Wanderweg Punta Stranciacone
Der Weg führt nicht direkt auf die Felstürme, sondern daran vorbei
Kraxelstelle Punta Culaghia
Auch hier ist noch einmal Handarbeit angesagt
Asco-Tal im Nebel
Das Asco-Tal liegt inzwischen komplett im Nebel. Plötzliche Wetterumschwünge sind nicht ungewöhnlich auf Korsika
Brèche de Missoghiu
Der Blick zurück zur Brèche de Missoghiu – von dort oben links kommen wir
Abstieg Punta Culaghia
Kurze Hosen und Top hat Biggi gegen wärmere Klamotten getauscht – kein Wunder bei dem starken Wind hier oben
Blick ins Asco Tal
Hier noch einmal der Blick ins Asco-Tal. Links die senkrechte Felswand der Punta Stranciacone
Abstieg Rinne
Ein wenig Konzentration ist beim Abstieg unabdingbar
Abstieg Punta Culaghia
Wir versuchen, statt über das Geröll über die Felsen abzusteigen

Endlich – wir haben den Abstieg wohlbehalten geschafft. Hier einige hundert Höhenmeter tiefer ist der Wind auch nicht mehr so extrem – ein tolles Plätzchen für eine Pause, zumal bei dem Ausblick. Wie auf allen unseren Wanderungen gibt es Brot, Käse und getrocknete Tomaten. Wir lassen unsere Drohne aufsteigen. Der Copter steigt höher und höher und kommt plötzlich in Turbulenzen. Dort oben scheint der Wind doch zu stark zu sein oder es ist für die Akkus zu kalt – jedenfalls geht die Drohne in den Sinkflug und stürzt plötzlich ab. Zum Glück prallt das Gerät unbeschadet auf einen Busch.

Col Perdu
Hier blicken wir auf unser ursprüngliches Ziel – den Col Perdu, den Einschnitt in der imposanten Felswand
Punta Stranciacone
Am Fuße der Punta Stranciacone
Wanderweg Asco-Tal
Der Wanderweg führt uns jetzt noch ein wenig weiter ins Asco-Tal, bevor wir in die entgegengesetzte Richtung absteigen
Wanderer bei der Pause
Eine kleine Pause gönnen wir uns auch noch

Nach diesem kleinen Malheur machen wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Die Landschaft ist wirklich grandios und zu dieser Jahreszeit ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Besonders die knorrigen Schwarzkiefern, die mit dem dauerwährenden Wind gewachsen sind, beeindrucken uns.

Berge im Asco-Tal
Die Bergkulisse ist einfach atemberaubend
Monte Cinto im Nebel
Hier blicken wir noch einmal auf den Monte Cinto
Schwarzkiefer Korsika
Eine dem Wind angepasste Schwarzkiefer – ein für das Asco-Tal typisches Landschaftsbild
Schwarzkiefer Korsika
Die riesigen Schwarzkiefern sind ein weiteres Highlight auf unserer Wanderung
Bis zu zwei Meter Durchmesser kann so ein Stamm der Schwarzkiefer erreichen
Bis zu zwei Meter Durchmesser kann so ein Stamm der Schwarzkiefer erreichen
Haut Asco
Wir erreichen wieder Haut Asco

Die Wolken werden immer dichter uns es macht hier heute nicht wirklich Sinn, auf den Sonnenuntergang zu warten. Wir machen uns schließlich auf den Weg ins Hotel in L’Île-Rousse und stoppen vorher noch an einer kleinen einsamen Bucht zum Fotografieren. Korsika liegt aber weiterhin unter einem dicken Wolkenschleier. Von Farbenspiel kann keine Rede sein – das macht bei diesem Motiv aber garnichts.

Abendlicht an der Küste Korsikas
Am Abend shooten wir an einer kleinen Bucht im Nordwesten Korsikas

Tourdaten Punta Culaghia

Reisezeitraum: Oktober 2016
Gesamtweglänge: 7,4 Kilometer
Höhenmeter: 690 Meter
Reine Gehzeit: 5:00 Stunden

Die Rundwanderung zur Punta Culaghia über dem Plateau Stagnu ist landschaftlich ein echter Hochgenuss auf Korsika. Wir sind vom Parkplatz gleich rechts steil aufgestiegen und haben für den Rückweg die relativ flache Route durch das Tal gewählt – das würden wir auch jederzeit wieder so machen. Die Punta-Culaghia-Route darf durchaus als anspruchsvoll bezeichnet werden. Trittsicherheit und Kondition sind neben der entsprechenden Ausrüstung die Voraussetzung für diese tolle Tour. Der Aufstieg ist steil und schweitreibend, die Gratwanderung erfordert Trittsicherheit und der Abstieg wartet mit jeder Menge Geröll auf.

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