Kreta – Tag 2 – Wanderung auf den Psiloritis (2456m)

Der Psiloritis – mit 2456 Metern Kretas höchster Berg

Die Wanderung auf den Psiloritis ist ein mentaler Gewaltakt

Unseren Plan, zum Sonnenaufgang zum Gipfel des Psiloritis im Psiloritis-Massiv (auch Idagebirge) aufzubrechen, verwerfen wir noch am Vorabend. Der Psiloritis, nach der Gipfelkapelle auch Timios Stavros (“Ehrwürdiges Kreuz”) genannt, ist Kretas höchster Berg. Acht Uhr sollte ausreichen. Doch auch daraus wird nichts. Vom Hotel aus brechen wir gegen sieben Uhr auf – doch unser Navi spinnt und lässt sich nicht einschalten. Noch dazu haben wir unsere Straßenkarte von Kreta zuhause in Deutschland vergessen. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns auf die Handynavigation zu verlassen. Nach einer guten Stunde Fahrt führt uns das Handy auf eine schroffe Schotterpiste. Die Strecke sieht nicht so aus, als könne man sie mit einem Kleinwagen befahren. Wir sind aber “nur” noch zehn Kilometer vom Wanderparkplatz entfernt und versuchen unser Glück. Wir setzen einige Male mit dem Unterboden auf und entschließen uns, umzukehren.

 

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Ein herrlicher Blick auf Kretas Bergwelt

Wir sind zwar nicht am Ziel, genießen aber einen herrlichen Blick auf Kretas Bergwelt

Die Berge liegen noch im Nebel

Die Berge liegen noch im Nebel

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Start der Wanderung auf den Psiloritis

Schließlich stoßen wir wieder auf die normale Anfahrt. Statt über eine raue Offroad-Piste geht es gemütlich über eine kurvige Asphaltstraße durch kleine Bergdörfer bis zum Parkplatz an einer Taverne, die allerdings geschlossen ist. Unser Abstecher in die Prärie hat uns viel Zeit gekostet. Wir starten erst gegen zehn Uhr zur Wanderung auf den Psiloritis. Der Wanderparkplatz (GPS: N 35 12.413, E 24 50.102 Google Maps) liegt auf 1370 Metern Höhe. Hier oben ist es noch angenehm kühl, obwohl die Sonne schon ordentlich brennt. Die Wanderung beginnt quasi direkt am Parkplatz. Wir folgen einem schmalen Pfad und erreichen schon nach wenigen Minuten eine kleine Kapelle. Von hier folgen wir einem breiten Fahrtweg, den wir aber schon bald wieder in einer scharfen Rechtskehre nach links verlassen. Ein Schild mit dem Hinweis “Akolita 2,6 km” und “Timios Stavros 7,5 km” markiert den Abzweig, der uns zum Gipfel des Psiloritis führt. Wir folgen anfangs einem felsigen Pfad und haben dabei immer einen tollen Blick auf die Nidha-Hochebene. Nach einer halben Stunde führt der Pfad nach rechts in einen kleinen Canyon. Verlaufen kann man sich nicht. Wir folgen dem gut auszumachenden und mit zwei roten Punkten bestens markierten Pfad.

 Wir passieren die Bergkapelle Analipsi
Wir passieren die Bergkapelle Analipsi – hier im Rückblick

Blick auf die Nidha-Hochebene. Wir parken an der verlassenen Taverne

Blick auf die Nidha-Hochebene. Wir parken an der verlassenen Taverne

Anfangs folgen wir einem breiten Fahrtweg

Anfangs folgen wir einem breiten Fahrtweg

Das Schild weist den Weg nach Timios Stavros

Das Schild weist den Weg nach Timios Stavros, der Gipfelkapelle des Psiloritis

Wanderung durch eintönige Landschaft

Wir steigen immer weiter auf. Dicke Hummeln, emsige Bienen und Schmetterlinge schwirren uns um den Kopf. Stachelige Sträucher kratzen unsere Waden auf. Der Weg ist leider nicht sehr spannend und führt ununterbrochen straff nach oben. Erst nach eineinhalb Stunden erreichen wir einen Sattel, der einen ersten Fernblick erlaubt.

Der Aufstieg ist schweißtreibend

Der Aufstieg ist schweißtreibend

Mitten im Psiloritis-Massiv - auch Idagebirge genannt

Mitten im Psiloritis-Massiv – auch Idagebirge genannt

Auf dem Fernwanderweg E4

Den Gipfel des Psiloritis sehen wir aber immer noch nicht. Der steinige Pfad führt uns wieder ein ganzes Stück nach unten – wir folgen hier dem Fernwanderweg E4 -, nur um danach wieder steil aufzusteigen. Wir sind nun in einem anderen Canyon – von Aussicht kann nach wie vor keine Rede sein. Der Pfad führt durch einen ausgetrockneten Wasserlauf über grobes Geröll. Links türmen sich die Berge auf – in diesem Canyon fühlen wir uns irgendwie gefangen und zu allem Überfluss nimmt der Weg einfach kein Ende. Stattdessen schraubt sich der Pfad immer weiter in die Höhe. Wir passieren die ersten Schneefelder – die weiße Pracht ist allerdings extrem kompakt und stellt kein großes Hinterniss dar. An der Landschaft ändert sich indes nicht viel. Geröll und kleine Gewächse bestimmen das Bild.

Der Wegverlauf zum Psiloritis ist leider wenig spektakulär

Der Wegverlauf zum Gipfel des Psiloritis ist leider wenig spektakulär

Der erste Schnee auf unserer Wanderung zum Psiloritis

Der erste Schnee auf unserer Wanderung zum Psiloritis

Die Schneefelder machen die Wanderung noch anstrengender

Die Schneefelder sind unproblematisch, machen die Wanderung aber noch anstrengender

Die Scheefelder ziehen sich ewig

Die Scheefelder ziehen sich ewig

Einöde, wohin das Auge blickt

Einöde, wohin das Auge blickt

Die erste Aussicht – nach drei Stunden

Erst nach gut drei Stunden erreichen wir einen Aussichtspunkt mit einem schönen Blick über diesen Teil Kretas. Der Gipfel des Psiloritis ist aber noch immer in weiter Ferne. Immerhin können wir schon die Gipfelkapelle erahnen. Hier oben kommen uns sogar ein paar Wanderer entgegen – es gibt nämlich auch noch zwei weitere, deutlich kürzere Aufstiegsvarianten auf den Psiloritis. Die von uns gewählte Wanderung ist deutlich länger und anspruchsvoller – und leider alles andere als ein Genuß für die Sinne. Hier oben auf über 2000 Metern schmelzen die letzten Schneefeder ab. Auf dem Weg zum Gipfel des Psiloritis müssen wir noch einge dieser Schneefelder passieren. Ganz ungefährlich ist das nicht – ein falscher Schritt und man landet schnell 100 Meter tiefer im schroffen Geröll.

Endlich sehen wir das Meer und den Psiloritis-Gipfel

Endlich sehen wir das Meer und den Psiloritis-Gipfel

Das erste Schneefeld am Hang. Bis in den Juni hinein muss hier noch mit Schnee gerechnet werden

Das erste Schneefeld am Hang. Bis in den Juni hinein muss hier noch mit der weißen Pracht gerechnet werden

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Hier ist Konzentration gefordert: Abrutschen darf man hier nicht

Hier ist Konzentration gefordert: Abrutschen darf man nicht

Der Gipfel ist endlich in Sichtweite

Der Gipfel ist endlich in Sichtweite

Blick vom Gipfel

Auch ohne Schneefelder ist das letzte Stück zum Gipfel des Psiloritis (GPS: N 35 13.577, E 24 46.258 Google Maps) erfahrenen Wanderern vorbehalten. Der Weg ist an vielen Stellen leicht ausgesetzt und verläuft in recht steilen Geröllhängen. Bevor wir den Gipfel des Psiloritis erreichen, passieren wir noch einen Zwischengipfel. Der finale Anstieg zum Dach Kretas zehrt noch einmal an den Reserven. Nach dreieinhalb Stunden stehen wir endlich auf Kretas höchstem Berg. Unbedingt muss man die große Glocke der Kapelle Timios Stavros feierlich läuten. Wir sind hier oben auf 2456 Metern lange alleine – später erreicht noch ein anderes Paar den Gipfel. Die beiden haben den gleichen mühsamen Aufstieg wie wir gewählt und kommen zum selben Fazit: Nein, ein Genuss ist die Wanderung auf den Psiloritis nicht.
Die Glocke auf dem Psiloritis muss man unbedingt läuten

Die Glocke auf dem Psiloritis muss man unbedingt läuten

Die Gipfelkapelle Timios Stavros

Die Gipfelkapelle Timios Stavros

Vom Gipfel des Psiloritis hat man bei klarer Sicht einen herrlichen Ausblick

Vom Gipfel des Psiloritis hat man bei klarer Sicht einen herrlichen Ausblick

Selfie an der Kapelle

Selfie an der Kapelle

Der Psiloritis-Gipfel und die Kapelle Timios Stavros aus der Luft

Der Psiloritis-Gipfel und die Kapelle Timios Stavros aus der Luft

Grandiose Aussicht vom Psiloritis-Gipfel

Dafür entschädigt die tolle Aussicht vom Gipfel des Psiloritis. Bei schönem Wetter sieht man nicht nur den Pachnes, Kretas zweithöchsten Berg, sondern blickt bis nach Santorin, ein kleines griechisches Archipel im Süden der Kykladen. Das besondere am Psiloritis ist die alte Kapelle. Leider können wir den Ausblick nicht wirklich genießen – hunderte Fliegen und Mücken treiben hier oben ihr Unwesen und verderben uns die wohlverdiente Pause.

Der Abstieg

Für den Rückweg wählen wir eine Variante. Statt durch die öden Canyons wählen wir eine Route über die Bergkämme. Dieser Weg ist allerdings nur sehr spärlich ausgezeichnet und stellenweise kaum zu erkennen – eine sehr gute Orientierung oder ein GPS sind hier ein Muss. Es geht wieder über grobes Geröll. Wir sind immer auf der Suche nach dem nächsten Steinmännchen, um den Pfad nicht aus den Augen zu verlieren. Der Kammweg ist durch seine Lage deutlich eindrucksvoller als die Canyon-Variante. Der Weg ist allerdings auch länger, anspuchsvoller und stellenweise schwer zu finden. Um halb acht stehen wir wieder wohlbehalten am Parkplatz. Meine Füße schmerzen – ich habe mir gleich mehrere Blasen gelaufen. Meine neuen Wanderschuhe bereiten mir noch ganz schöne Probleme.
Auf dem Rückweg gibt es noch einmal einige herrliche Ausblicke

Auf dem Rückweg gibt es noch einmal einige herrliche Ausblicke

Die Sonne geht bald unter im Psiloritis-Massiv

Die Sonne geht bald unter im Psiloritis-Massiv

Das Video zur Wanderung auf den Psiloritis

Tourdaten Psiloritis

Datum: April 2016
Gesamtweglänge: 17,6 Kilometer
Höhenmeter: 1240 Meter
Gehzeit: 7:00 Stunden

Die GPS-Daten zum Download

Fazit

Die Wanderung auf den Psiloritis ist lang und erfordert ein gehöriges Maß an Kondition. Im oberen Teil der Wanderung ist der Weg ausgesetzt und quert steile Geröllfelder. Wer die einfachere Variante durch die Schluchten wählt, sieht über Stunden hinweg nichts anderes als Steine. Mental ist das ein Kraftakt, eine Genußwanderung ist die Tour definitiv nicht. Die Variante über die Bergkäme erfordert mehr Erfahrung und Ausdauer, ist aber landschaftlich wesentlich reizvoller. Wir können nur diese Variante empfehlen. Beachtet bitte, dass ihr euch auf weit über 2.000 Metern befindet. Das Wetter kann hier schnell umschlagen und es kann auch im Sommer empfindlich kalt werden. Neben Sonnenschutz, ausreichend Verpflegung und festen Wanderschuhen ist warme und möglichst windfeste Kleidung Pflicht. Zudem ist der Wetterbericht vorab zu checken.

Nützliche Links und GPS-Koordinaten im Überblick

  • Tolle Fotomotive an der Küste zwischen Nopigia und Paralia (GPS: N 35 30.826, E 23 43.372 – Google Maps)
  • Der Strand von Elafonisi (GPS: N 35 16.426, E 23 32.625 – Google Maps)
  • Infos zum gesunkenen Passagierschiff Imperatrix
  • Lecker vegetarisch Essen in Chania im To Stachi

Die besten Reiseführer & Co für deine Kreta-Reise

Unsere Kreta-Reise im Überblick

Tag 1 Der erste Eindruck | Tag 2 Wanderung auf den Psiloritis (2456m) | Tag 3 Knossos und Heraklion | Tag 4 Der Palmenstrand Preveli Beach | Tag 5 Wanderung um das Kap Kako Mouri bei Plakias | Tag 6 Wanderung durch die Aradena-Schlucht | Tag 7 Wanderung auf den Pachnes (2456m) | Tag 8 Wanderung durch die Imbros-Schlucht | Tag 9 Rund um Chania | Tag 10 Wanderung durch die Samaria-Schlucht | Tag 11 Der Strand von Elafonisi

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Deine Meinung ist uns wichtig

Warst du auch schon auf Kretas höchstem Berg, den Psiloritis? Wie hat dir die Wanderung gefallen? Warst du von der Strecke auch genervt, aber dafür vom Ausblick vom Gipfel umso mehr begeistert? Hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns 🙂

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