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Nepal Tag 13: Wanderung zum Everest Base Camp

In der Nacht strahlt die Milchstraße über dem Khumbu-Tal. Ich stehe über Gorak Shep und genieße den funkelnden Sternenhimmel. Im Ort bellen Hunde und einige wagemutige Wanderer machen sich schon auf den Weg zum Gipfel des Kala Patthar, um von dort den Sonnenaufgang hinter dem Mount Everest zu bewundern. In der Ferne sehe ich ihre Stirnlampen in der Dunkelheit leuchten.

Aktualisiert am 03.03.2022

Wanderung zum Everest Base Camp

Die härteste Nacht unserer Nepal-Reise

Die Lichter schieben sich langsam den schwarzen Schuttberg hinauf. Für Biggi ist die Nacht in Gorak Shep die schlimmster auf unserer gesamten Nepal-Reise. Sie wacht immer wieder auf, ringt nach Luft, befreit sich aus ihrem Schlafsack, setzt sich auf. Sie hat ständig das Gefühl zu ersticken. An Schlaf ist da kaum zu denken. Um halb sechs klettert sie aus ihrem Schlafsack und sitzt wie gerädert beim Frühstück. Noch einmal Kraft tanken. Heute steht schließlich der wichtigste Tag unserer Reise bevor: Wir machen uns auf den Weg ins Everst Base Camp (5364m). Ein Traum soll wahr werden.

Milchstraße über dem Nuptse
Die Milchstraße funkelt über dem Nuptse
Milchstraße über dem Nuptse
Ein unvergesslicher Anblick
Hier der Blick über das Khumbu-Tal mit der Milchstraße

Wissenswertes, Reiseführer und Literatur zu Nepal

Auf dem Weg ins Everest Base Camp

Der Weg ins Everest Base Camp hat es in sich. Nicht wegen technischer Anforderungen auf der langen Wanderung. Es ist wieder einmal die Höhe, die allen zusetzt. Am Morgen ist es noch bitterkalt. Wir starten mit dicken Handschuhen an den Händen. Aber schon bald taucht die Sonne unseren Weg in warmes Licht. Neben uns gleitet der Khumbu-Gletscher ins Tal. Eine beeindruckende Szenerie. Leider kann ich diese Momente nicht wirklich genießen. Ich fühle mich schlapp und ringe immer wieder nach Luft. Jeder Schritt ist eine Qual. Die Wanderstöcke hängen schlaff herunter. Ich habe nicht die Kraft, mich ständig mit den Armen abzustützen. Biggi eilt voraus und muss immer wieder auf mich warten. Das vermeintliche Ziel kommt einfach nicht näher. Sherpas und Yak-Herden überholen immer wieder. Ich verfluche dieses Stück der Wanderung. Ich würde mich am liebsten hinsetzen und einfach hier bleiben. Keinen Schritt will ich mehr machen. Aber Aufgeben ist keine reale Option. Der Weg zieht sich und nimmt kein Ende, bis wir plötzlich die gelben Zelte des Everest Base Camp unterhalb des Khumbu-Gletschers in der Ferne sehen. Langsam aber sicher nähern wir uns der Zeltstadt, die sich noch im Aufbau befindet. Die Expeditionen auf den Mount Everest beginnen im April und versuchen, im Mai den Gipfel zu erreichen. Lange Yak-Karawanen mit Taschen, Kerosin-Fässern und Kisten sind auf dem Weg ins Everest Base Camp ein. Auch Träger sind schwer beladen – unter anderem mit Küchenausrüstung, Matratzen und sogar einem alten Honda-Generator – unterwegs.

Khumbul-Tal im Morgenlicht
Wir brechen im Morgengrauen auf in Richtung Everest Base Camp
Nuptse
Die Sonne geht langsam hinter dem Nuptse auf
Khumbu-Tal
Dort in der Ferne liegt unser Ziel
Everest Base Camp Trek
Der Weg führt uns immer tiefe in diese Mondlandschaft
Markierung Mount Everest
Auf dem Weg entdecken wir diese Markierung zum Mount Everest
Wanderin Everest Base Camp
Biggi kämpft sich vor

Der Weg hinunter ins Everest Base Camp

Endlich liegt das Everest Base Camp quasi zu unseren Füßen. Um zur Zeltstadt und zum Gletscher zu gelangen, müssen wir einen langen Hang hinabsteigen. Ich denke jetzt schon an den Aufstieg, der sicherlich furchtbar wird. Jetzt aber keine falsche Müdigkeit vorschützen. Schritt für Schritt steigen wir über den Geröllhang ab, um dann noch einmal einen kleinen Hügel aufzusteigen. Dann stehen wir endlich vor den Toren des Everest Base Camp. Das Gefühl, endlich am Ziel angekommen zu sein, ist einfach berauschend. Von einer kleinen Anhöhe haben wir den perfekten Blick über das Base Camp und den Khumbu-Gletscher. Den Mount Everest kann man von hier aus aber höchstens erahnen. Direkt ins Herz des Basislagers dürfen wir allerdings nicht, das ist den Sherpas und zahlenden Everest-Besteigern vorbehalten. Wer erwischt wird, drohen drakonische Geldstrafen und ein Einreiseverbot nach Nepal. Der Blick von hier oben ist aber ohnehin kaum zu übertreffen. Gierig saugen wir alle Eindrücke auf. Unsere Guides befestigen ihre eigene, selbst beschriebene Gebetsfahne. In all dem Trubel vergessen wir fast, uns selbst die Zeit zu nehmen, um den traumhaften Ausblick zu genießen. Bis wir unseren Erfolg wirklich begreifen, wird es wohl noch ein wenig dauern.

Everest Base Camp und Khumbu-Gletscher
Das Everest Base Camp und der Khumbu-Gletscher
Gebetsfahnen Everest Base Camp
Vor dem eigentlichen Everest Base Camp erwarten uns unzählige Gebetsfahnen
Biggi & Flo am Everest Base Camp
Überglücklich posieren wir vor dem Basislager des höchsten Berges der Welt
Everest Base Camp
Bis zu diesem Punkt kommt der normale Trekker – und nicht weiter
Khumbu-Eisfall
Wer auf den Mount Everest will – die schwarze halbverdeckte Kuppe–, muss über den tückischen Khumbu-Eisfall
Guides am Everest Base Camp
Auch für unsere Guides ist es etwas ganz besonderes, hier am Everest Base Camp zu stehen
Zelte im Everest Base Camp
Das Basislager befindet sich noch im Aufbau, aber die ersten Zelte stehen
Panorama Everest Base Camp
Ein Panorama vom Everest Base Camp mit dem iPhone aufgenommen. Zum Vergrößern einfach anklicken (11MB)

Das Video zur Wanderung zum Everest Base Camp

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Rückkehr nach Gorak Shep

Wir genießen den Ausblick und die ganze Szenerie. Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir diese Tour gemeistert haben und unser Traum wahr geworden ist. Das Eis des riesigen Khumbu-Gletschers funkelt türkis im Sonnenlicht, der Blick auf die umliegenden Berge ist atemberaubend. Aber irgendwann müssen wir zurück. Also machen wir uns an den Rückweg nach Gorak Shep. Wie befürchtet hat es der erste Aufstieg kurz vor dem Basislager in sich. Mein Kopf pocht und meine Lunge ringt nach Sauerstoff. Jeder Muskel in meinem Körper brennt. Ich habe mit der Kamera einfach zu viel schwere Ausrüstung dabei. Jedes Gramm zu viel auf dem Rücken rächt sich hier oben. Biggi macht die Höhe heute weniger aus – ich tausche den Rucksack mit ihr. Trotzdem muss ich immer wieder anhalten und nach Luft schnappen. Ich quäle mich den Weg zurück. Jede Stufe, jeder Stein, jeder Anstieg bringt mich an meine Grenzen. Und der verdammte Weg nimmt einfach kein Ende. Es dauert eine Ewigkeit, bis Gorak Shep endlich in Sicht kommt. Nur leider geht es heute noch weiter.

Khumbu-Gletscher
Der Khumbu-Gletscher begleitet uns auf dem Rückweg noch lange

Von Gorak Shep nach Lobuche

Nach einer kurzen Pause in Gorak Shep geht es weiter zurück nach Lobuche. Wir wandern noch einige Stunden über Geröll, wieder am Gletscher vorbei und über Steinpassagen. Wir kennen den Weg schon, aber auf dem Rückweg entdecken wir noch so einige tolle Fotomotive. Wir lassen uns jetzt Zeit. Lobuche fanden wir schon auf dem Hinweg nicht sonderlich interessant, also genießen wir lieber die pralle Sonne und den tollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Ein Traum. Wenn man bedenkt, was wir heute geschafft haben, dann haben wir uns ein wenig Trödelei verdient.

Rechts gut zu sehen sind der Pumori und der Vorgipfel Kala Patthar

Der Nebel

Wie gewohnt zieht am Nachmittag Nebel ins Tal. Wir sind froh, die Sonne so lang wie möglich genossen zu haben. Mit dem Nebel wird es nämlich bitterkalt. Der Rückweg nach Lobuche zieht sich. Die Sicht im Nebel ist schlecht – wir sehen nur ein paar Meter weit. Erst jetzt realisieren wir, welche Leistung wir schon gestern auf dem Weg nach Gorak Shep und auf den Kala Patthar erbracht haben. Endlich erreichen wir Lobuche. Wir schlafen wieder in derselben Lodge, dieser Bretterbude. Immerhin gibt es fließend Wasser aus dem Eimer. Diesen Luxus hatten wir in Gorak Shep nicht. Dort war das Wasser gefroren.

Nebel im Khumbu-Tal
In der Ferne zieht schon wieder Nebel auf
Yak-Herde
Uns kommt diese große Yak-Herde entgegen
Yaks im Khumbu-Tal
Yaks auf dem Weg zurück vom Everest Base Camp
Pumori
Hier noch einmal der Blick auf den Pumori
Selfie
Es ist kalt und windig – ohne gute Outdoor-Klamotten wäre das kein Spaß
Lobuche im Nebel
Wir erreichen Lobuche. Der Ort verschwindet im Nebel
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2 Kommentare

  • - Michael K

    Hallo ihr Beiden,

    bin gerade auf eure Website gestoßen, da wir unseren nächsten Nepalurlaub planen. Ich war letztes Jahr auch im EBC und finde eure Bilder richtig gut. Danke dafür – haben viele tolle Erinnerungen bei mir geweckt. Ich kann euch die Annapurna-Region bzw. Pokhara als Ausgangspunkt für Touren auch sehr nahelegen – wir hatten einen Blog zu unserem letzten Ausflug dahin – schaut gerne mal rein (Link s.o.).

    Viele Grüße,
    Michael

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