Nepal – Tag 2 – Der Horror-Flug von Kathmandu nach Lukla

Der Flug nach Lukla: der blanke Horror

Warum wir trotzdem mit dem Flugzeug nach Lukla fliegen

Heute geht unser Flug nach Lukla. Das bereitet mir schon seit Tagen schlaflose Nächte. Der kleine Flughafen in Lukla – der Tenzing-Hillary Airport – gilt als einer der gefährlichsten der Welt. Es kam in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unglücken mit Todesopfern. Ein tragischer Unfall ereignete sich etwa 2008. Damals zerschmetterte eine Maschine von Yeti Airlines mit 19 Menschen an Bord – 18 starben. Wer zum Everest Base Camp oder in die Everest-Region will, hat leider nicht viele Alternativen, um seinen Traum zu verwirklichen. Die einzige Möglichkeit ist, von Jiri aus in etwa einer Woche nach Lukla zu wandern. Soviel Zeit haben die wenigsten und gehen das Risiko ein. Es ist jetzt natürlich nicht so, dass hier täglich Flugzeuge abstürzen. Sonst würden sich wohl weder Piloten noch Passagiere für diese Route finden. Im Vergleich zu einem normalen Linien-Flug mit einem Düsenjet ist der Lukla-Flug aber schon ein Abenteuer.

 

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Der Lukla-Flug

Nach dem – zum Glück – recht spärlichen Frühstück im Hotel fahren wir mit zwei Minibussen zum Flughafen Kathmandu. Am Morgen sind die Straßen noch frei – wir kommen schnell voran. Schwer bepackt mit unseren Trekking-Taschen, in denen alle Klamotten für die kommenden Wochen verstaut sind, begeben wir uns in die kleine Abflughalle. Der Sicherheitscheck ist eine Farce – wir bekommen sogar unsere vollen Wasserflaschen durch die Kontrolle. Es soll aber auch andere Tage geben, sagt man uns. Am Flughafen Kathmandu herrscht emsiges Treiben.

Flughafen Kathmandu

Unser Gepäck wartet darauf, eingecheckt zu werden

Fliegen nur auf Sicht

Bis jetzt wissen wir auch noch gar nicht, ob unser Flug heute überhaupt geht. Die Piloten steuern auf Sicht und sind auf gute Bedingungen angewiesen. Über Kathmandu scheint die Sonne – aber wie ist wohl das Wetter in Lukla? Wir wissen es nicht und starren gebannt auf die kleine Anzeige im Wartesaal. Dann plötzlich taucht unser Flug auf. Wir drängen in den Flughafenbus, der uns übers Rollfeld zum Flugzeug bringt. Die Maschine wird noch betankt und dann geht das Abenteuer Lukla-Flug los.

Mehr als 20 Personen passen nicht in die Maschine. Es ist sogar eine Flugbegleiterin an Bord, die uns freundlich empfängt und ein Karamell-Bonbon für den Druckausgleich und Watte als Lärmschutz für die Ohren anbietet. Wir warten noch eine Weile auf dem Rollfeld, bis wir starten. Wohl ist mir nicht dabei. Der Pilot lässt die Propeller auf Hochtouren laufen und beschleunigt. Langsam heben wir ab und Kathmandu wird immer kleiner. Aus der Luft gesehen ist die Stadt ein Meer aus Häusern.

Goma Air auf Rollfeld

Die Maschine von Goma Air wird für den Flug nach Lukla vorbereitet

Goma Air Kabine

Die Maschine bietet nicht mehr als 20 Passagieren Platz

Kathmandu aus der Luft

Aus der Luft schaut Kathmandu riesig aus

Turbulenzen und Schreckmomente

Der Flug verläuft zunächst ganz ruhig. Doch dann türmen sich riesige Wolken vor uns auf. Wir fliegen durch unzählige Luftlöcher und werden ordentlich durchgerüttelt. In der Ferne sehen wir schon das Himalaya-Gebirge – ein beeindruckender Anblick. Die Luftlöcher werden schlimmer. Ich halte schon Ausschau nach einer Kotztüte und blicke in die Reihen hinter mir. Während die Flugbegleiterin ganz ruhig bleibt, blickt das Gros unserer Gruppe wenig begeistert durch die kleinen Fenster. Wir nähern uns Lukla. Die Turbulenzen werden immer  heftiger. Wir fliegen oft nur 50 Meter an weniger massiven Felswänden vorbei – so scheint es jedenfalls. Dann fährt der Pilot das Fahrwerk aus – jetzt wird es ernst. Von hier oben fragen wir uns schon, wie man auf dieser kurzen Piste landen soll. Der Flughafen schaut aus wie eine kleine Briefmarke in der imposanten Bergwelt. Im Flieger wird es unruhig. Jeder ist angespannt. Wir gehen tiefer und tiefer und setzen auf. Die nur 527 Meter lange Landebahn – in Frankfurt sind die Start- und Landebahnen 4000 Meter lang – läuft zwölf Prozent nach oben, damit wir auf der kurzen Strecke zum Stehen kommen. Das gelingt meistens, aber nicht immer. Geschafft! In Gedanken mache ich tausend Kreuze – den Lukla-Flug würde ich freiwillig nicht mehr machen – aber es hilft ja nichts.

Felswand auf Lukla-Flug

Wir fliegen verdammt nah an Felswänden vorbei

Flughafen Lukla

Geschafft! Wir sind in Lukla gelandet. Auf dem Rollfeld herrscht Hektik. Die Maschinen landen und heben ein paar Minuten später wieder ab

Landebahn Lukla

Die Start- und Landebahn misst gerade einmal 527 Meter und ist stark abschüssig

Start Flughafen Lukla

Hier hebt ein Flugzeug ab. Beim Start darf nichts schiefgehen. Hinter der Startbahn geht es steil in die Tiefe

Der Beginn einer atemberaubenden Trekking-Tour

In Lukla sind wir schon wieder in einer anderen Welt. Es ist viel kälter als in Kathmandu und man erkennt auf den ersten Blick, dass Nepal ein Entwicklungsland ist. Die Menschen aber scheinen glücklich und haben ein Lächeln auf den Lippen – schon wieder. Nepal wird für uns das Land des Lächelns. In Lukla reiht sich ein Shop an den nächsten. Hunde liegen auf der Straße und Händler bieten Ware zum Kauf an. Kinder laufen durch die Straßen. Alles ist friedlich. In einem Café trinken wir Tee. Nach diesem kurzen Stopp kann es losgehen: Wir machen uns auf den Weg nach Phakding.

Lukla

Mit unserer Trekking-Gruppe geht es zunächst durch den kleinen Ort Lukla

Von Lukla nach Phakding

Bevor wir Lukla verlassen, melden unsere Guides die Gruppe an. Jeder Trekker muss seinen Trekking-Premit vorzeigen. Für uns übernehmen das die Guides. Dann geht es los. Der Weg ist breit und immer gut zu laufen. Hin und wieder ist es steinig, aber ein Problem ist das nicht. Es ist schließlich die Lebensader der Region. Hier scharen sich nicht nur Trekker, hier werden auch Waren transportiert. Straßen und Autos gibt es nicht. Bier, Cola, Klopapier, Müslis – alles wird per Träger oder mit Kühen, Esel oder Yaks transportiert.

Checkpoint in Lukla

Bevor wir starten, werden unsere Trekking-Permits von der Polizei gecheckt

Wegweiser Mount Everest Base Camp

Der erste Wegweiser zum Mount Everest Base Camp

Schon bald tauchen am Horizont die ersten 5000er auf – wir sind beeindruckt. 5000 Meter – mehr als der höchste Berg der Alpen, der  Mont Blanc. Hier in Nepal gelten aber andere Gesetze. Was sich da in der Ferne auftürmt, diese Riesen aus Fels, das sind hier in Nepal nicht mehr als Hügel. “Hills” sagen unsere Guides dazu. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese “Hills” nicht einfach zu besteigen sind. Wir kommen immer wieder durch kleine Dörfer. Auch hier sieht man die Armut an allen Ecken – zumindest aus unserer Sicht. Die Menschen haben nicht viel Geld oder materielle Dinge – aber alle scheinen glücklich. Ein kleines Mädchen wäscht sich am Wegesrand in einem Plastikeimer in der Sonne die Haare. Alltag in Nepal, aber wir schauen verdutzt hin – wir kennen das nicht.

Etwa auf halber Strecke auf dem Weg nach Phakding kommen an unzähligen Gebetssteinen und Gebetsmühlen vorbei, die wir natürlich dem Brauch entsprechend links passieren und freudig drehen. Das soll Glück bringen – und das brauchen wir auf unserem Trek zum Everest Base Camp. Träger mit 50, 60 Kilo oder sogar mehr kommen uns entgegen oder überholen uns. Immer wieder sehen wir Herden von Lasttieren. Gegen Mittag erreichen wir Phakding. Von hier haben wir einen tollen Blick ins Tal.

Gebetssteine auf dem Weg nach Phakding

Gebetssteine wie diese werden uns auf der ganzen Reise begleiten

Stupa auf dem Weg nach Phakding

Wir kommen auch immer wieder an Stupas vorbei

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Dudhkoshi

Der Fluss Dudhkoshi begleitet uns lange auf der Reise

Unsere Lodge in Phakding

Wir erreichen unsere Lodge. Urig. Die Zimmer sind nicht mehr ein windiger Bretterverschlag. Genau deshalb haben wir alle dicke Schlafsäcke dabei. Am Nachmittag brechen Biggi und ich auf, die Gegend zu erkunden. Wir queren den Fluss auf einer langen Hängebrücke – es wird nicht die einzige auf unserer Tour bleiben – und kämpfen uns einige Höhenmeter nach oben. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir das kleines Dorf Thulo Gumela. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Hunde bellen und beäugen uns misstrauisch. Viele Fremde kommen hier offenbar nicht her. Ein Bauer mit ausgetretenen Latschen, zerfledderter Hose und verschmutztem Pulli bearbeitet ein kleines Feld mit den blanken Händen. Er grüßt leise, aber höflich. Wir lassen die kleine Siedlung hinter uns und erreichen einen kleinen Acker. Von hier scheinen die Berge schon ganz nah. Plötzlich zieht es zu. Die Wolken verschlucken die Gipfel und damit unseren Fotospot für den Abend. Was wir jetzt noch nicht wissen: Es wird nicht das einzige Mal sein, dass die Berge und wir im Nebel verschwinden.

Gebäude in Phakding

Die ersten Gebäude in Phakding

Lodge Phakding

Unsere Lodge ist nicht mehr als ein windiger Bretterverschlag. Das ist in Nepal der Standard

Hängebrücken über den Dudhkoshi

Eine der vielen Hängebrücken über den Dudhkoshi

Gebirge Nepal

Kurz hinter dem Örtchen finden wir diese atemberaubende Kulisse vor

Wolken Himalaya

Die Wolken hüllen langsam alles ein

Wir machen uns auf den Rückweg zum Dudhkoshi, der 1973 erstmals von einer tschechoslowakischen Wildwasserexpedition befahren wurde. Ein kleines Mädchen erblickt uns und rennt uns freudestrahlend hinterher. Die Kleidung der Kleinen ist zerrissen und schmutzig, aber sie hat ein breites Lächeln im Gesicht. Die Kleine hofft offenbar auf ein paar Malstifte. Leider haben wir noch alle Stifte, die wir mitgebracht haben, noch in der anderen Tasche. Wir haben nur ein paar Armbänder für das kleine Mädchen. Sie ist sichtlich enttäuscht. Es bricht uns das Herz, aber wir können es jetzt nicht ändern. Ab sofort haben wir immer Stifte griffbereit.

Abendshooting am Dudhkoshi

Zurück am Dudhkoshi baue ich die Kamera auf und warte auf den Sonnenuntergang. Leider zieht der Nebel immer weiter ins Tal. Wir geben die Hoffnung nicht auf und warten auf den Sonnenuntergang – doch der bleibt uns heute verwehrt. Nach Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf den Rückweg zur Lodge in Phakding. Einer unserer Guides kommt und entgegen – er war offenbar schon auf der Suche. Freudig begrüßt er uns und tut so, als sei er rein zufällig vorbeigekommen. Wir nehmen ihm das aber nicht ab und witzeln ein wenig. In der Lodge wartet schon unsere Gruppe gespannt auf unsere Erzählungen.

Dudhkoshi

Dudhkoshi bedeutet auf deutsch “Milch-Koshi-Fluss”. Der Name ist eine Anspielung auf die Farbe des Wassers

Dudhkoshi am Abend

Am Abend stehen wir wieder am Dudhkoshi und shooten

Phakding am Abend

Ein paar Lampen leuchten Abends in Phakding

Unsere Nepal-Reise im Überblick

Tag 1 Ankunft in Kathmandu | Tag 2 Der Horror-Flug von Kathmandu nach Lukla | Tag 3 Über die Hillary-Bridge nach Namche Bazar | Tag 4 Wanderung von Namche Bazar nach Khunde | Tag 5 Wanderung von Namche Bazar nach Thame | Tag 6 Wanderung von Thame nach Khumjung | Tag 7 Wanderung von Khumjung nach Tengboche | Tag 8 Pangboche und Ama Dablam Base Camp (4600m) | Tag 9 Wanderung von Pangboche nach Dingboche | Tag 10 Wanderung auf den Nangkartshang Peak (5068 Meter) | Tag 11 Wanderung von Dingboche nach Lobuche | Tag 12 Wanderung auf den Kala Patthar (5625m) | Tag 13 Wanderung zum Everest Base Camp (5364m) | Tag 14 Wanderung Lobuche, Pheriche, Upper Pangboche | Tag 15 Wanderung zum Mong La Pass | Tag 16 Wanderung von Mong nach Namche Bazar | Tag 17 Rund um Namche Bazar | Tag 18 Wanderung von Namche Bazar nach Lukla | Tag 19 Lukla-Flug, Kathmandu und Patan | Tag 20 Die Pashupatinath-Tempel und der Stupa von Bodnath | Tag 21 Der Swayambhunath-Tempel in Kathmandu

Du willst es lieber kurz und knackig? Eine Zusammenfassung unseres Trekkings zum Everest Base Camp findest du hier

Wissenswertes, Reiseführer und Literatur zu Nepal

Richtig coole Outdoor-Klamotten und Gimmicks

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