
Nepal Tag 20: Die Pashupatinath-Tempel und der Stupa von Bodnath
Am Morgen brechen wir auf, um die bekannten Pashupatinath-Tempel (übersetzt "Herr des Lebens"), eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus, zu erkunden. Wir gönnen uns auf Wunsch unserer Reisegruppe ausnahmsweise einen privaten Fahrer mit Minibus – und Klimaanlage.

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Eine völlig andere Welt
So kostet die Fahrt 450 Rupien pro Person. Das ist nicht viel – umgerechnet rund vier Euro–, aber natürlich deutlich mehr, als die Fahrt mit dem Taxi oder dem Bus gekostet hätte. Abgeschottet von der Außenwelt bahnen wir uns den Weg durch die verstopften Straßen Kathmandus. Wir blicken schon ein wenig wehmütig durch die getönten Scheiben nach draußen. Klar, wir schwitzen nicht in unserem Gefährt und auch der Staub bleibt draußen – aber natürlich verpassen wir auch das echte Leben da draußen. Wir brauchen eine Ewigkeit bis zur Pashupatinath-Tempelanlage. Dafür könnte unser Timing nicht besser sein. Heute findet das Ram Navami, ein Fest zur Feier der Geburt des hinduistischen Gottes Ram, statt. Für uns ist das natürlich ein Glücksfall. Das Frühlingsfest fällt übrigens immer auf den 9. Tag des zunehmenden Mondes im Monat Chaitra (März/April).
Die Pashupatinath-Tempelanlage
Festlich gekleidete Hindus strömen in Richtung der Pashupatinath-Tempelanlage, die bereits seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Wir laufen ein Stück am Ufer des Bagmati, der allerdings kaum Wasser führt und völlig verdreckt ist. Der Bagmati mündet übrigens in den Ganges und hat daher für Hindus enorme religiöse Bedeutung. Ein merkwürdiger Geruch steigt uns in die Nase und in der Ferne sehen wir Nebelschwaden aufsteigen. Auf der anderen Uferseite erblicken wir brennende Scheiterhaufen. Schnell dämmert uns: Hier werden Tote verbrannt. Ein mulmiges Gefühl ist das schon, den Rauch verkohlter Leichen einzuatmen. Und wir spüren schnell, dass der Tod im Hinduismus ganz anders behandelt wird als in unseren Kulturkreisen. Für die Hindus ist der Tod auch immer ein Neubeginn. Er bedeutet für Hindus nicht das Ende, sondern den Übergang in ein neues Leben. Bis eine Leiche vollständig verbrannt ist, dauert es rund vier Stunden. Die Asche wird dann dem Bagmati übergeben. Ein grausames Detail am Rande: Bis zum 19. Jahrhundert folgte manchmal auch die Witwe eines Verstorbenen diesem auf dem Scheiterhaufen in den Tod – sicher nicht immer freiwillig.


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Fruchtbarkeit
Über eine Brücke queren wir den Fluss und stehen inmitten der beeindruckenden Tempel Pashupatinaths. Ein Highlight ist der Tempel gleich hinter der Brücke. Hier sollte man einmal auf jedes Detail achten. Der Tempel strotzt nur so vor sexueller Darstellungen. Auch ein Altenheim gibt es hier in Pashupatinath. Fotografieren ist – verständlicherweise – strengstens verboten. Im Hof des Altenheims sitzen alte Männer und Frauen. Es ist schon ein trauriger Anblick, aber dieser Ort ist für die Alten immer noch besser als da draußen in dem Chaos auf sich alleine gestellt zu sein. Wir schlendern weiter durch die Anlage und sehen immer wieder Menschen, die zwischen Kühen und Ziegen beten. Aber es ist ja auch ein Fest und viele Familien nutzen Ram Navami, um hier in geselliger Runde zu trinken und zu essen.




Der Shiva-Tempel
Das Highlight in Pashupatinath ist für die Hindus der Shiva-Tempel. Der Tempel ist das Hauptheiligtum und Shiva, einem der wichtigsten Götter der Hindus, in seiner Inkarnation als „Herr der Tiere“ geweiht. Nicht-Hindus haben hier allerdings keinen Zugang und können nur aus der Ferne einen Blick in den Tempel werfen. Am Haupteingang blickt man auf das Hinterteil und die mächtigen Hoden eines riesigen goldenen Bullen. So nah wie hier kommt man dem Hinduismus vermutlich selten. Die Menschen feiern ihren Gott Ram – und wir sind mittendrin.


Der Pandra Shivalaya Komplex
Wieder auf der anderen Seite des Bagmati erreichen wir den Pandra Shivalaya Komplex. Hier stehen 15 Schreine, die zu Ehren verstorbener Persönlichkeiten errichtet wurden. Diesen Teil in Pashupatinath muss man unbedingt gesehen haben. Hier auf den alten Mauern sitzen bunt angemalte Sadhus. Im Hinduismus sind das Menschen, die sich einem religiösen, teilweise sehr asketischen Leben verschrieben haben. Außerdem rennen uns immer wieder Affen vor die Füße. So süß die Tiere auch sein mögen, man sollte ihnen nicht zu nahe kommen. Mit ihren scharfen Zähnen können die Tiere ordentlich zubeißen. Und sie sind dreist und haben sich längst an die Menschen hier gewöhnt. Auf Höhe der Gorakhnath Tempel, die quasi an den Pandra Shivalaya Komplex anschließen, entreißt ein Tier einer Frau die Einkaufstüte. Nur mit Mühe vertreiben die Umstehenden das Tier.










Der Stupa von Bodnath
Vom Pshupatinath-Tempel machen wir uns auf den Weg zum Stupa von Bodnath, mit einer Höhe von 36 Metern dem größten in der gesamten Stadt. Den Trubel lassen wir schnell hinter uns. Wir laufen durch die staubigen Straßen Kathmandus. In der Ferne sehen wir schon unser Ziel. Am Haupteingang und der Kasse herrscht dichtes Gedränge. Wir nehmen einen Nebeneingang – an dem man übrigens umsonst hinein kommt – und stehen unmittelbar vor dem beeindruckenden Stupa, der beim Erdbeben 2015 schwer beschädigt wurde, inzwischen aber wieder in neuem Glanz erstrahlt. Der jahrhundertealte Stupa bildet die Mitte eines riesigen Platzes, um dem herum schöne ursprüngliche Häuser mit Cafés auf den Dächern stehen. Im Erdgeschoss der Häuser gibt es jede Menge Souvenirs zu kaufen. Auf einer Postkarte ist der Stupa aus der Luft im Jahr 1966 zu sehen. Damals waren nur ein paar dutzend Häuser um den Stupa gebaut und von Menschenmassen war nichts zu sehen – der krasse Kontrast zu heute. Der Stupa von Bodnath zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kathmandus, entsprechend voll ist es hier natürlich. Wir suchen den Aufgang zum Stupa und laufen einmal um das Bauwerk herum – natürlich im Uhrzeigersinn. Auf dem ganzen Platz hören wir das leise Murmeln der Pilger, die den Stupa umkreisen und eifrig Gebetsmühlen drehen. Wer nicht in jedes Geschäft schaut, hat nach einer halben Stunde alles gesehen. Jetzt ist es Zeit, eines der kleinen Dachcafés zu testen. Von hier oben hat man wirklich noch einmal einen tollen Blick auf den Stupa.








Abschiedsessen
Wir machen uns wieder auf den Rückweg und schlendern noch ein wenig durch Kathmandu. Zu entdecken gibt es hier wirklich an jeder Ecke etwas. Am Abend besuchen wir ein etwas gehobeneres Restaurant in der Nähe unseres Hotels. Das Restaurant, das Muktinath Thakali Kitchen in Thamel, ist von außen sehr unscheinbar und in einem relativ modernen Gebäude untergebracht, dass die beste Zeit aber schon gesehen hat. Zum Abschluss unserer Reise gibt es noch einmal das Nationalgericht Dal Bhat – und Reiswein. Biggi kippt das Zeug runter wie Wasser. Mir dreht das übel schmeckende Gesöff fast den Magen um. Ich mache gute Minte zum bösen Spiel und stoße zum Wohl an. Mein Gesichtsausdruck aber verrät mich. Unsere nepalesischen Begleiter finden’s aber lustig und amüsieren sich köstlich.


