Sizilien – Tag 5 – Tal der Tempel

Der Morgen beginnt mit einer bösen Überraschung. Unser Zimmer liegt im ersten Stock eines Agriturismo – ein Bauernhof mit Zimmervermietung. Wie üblich auf einem Bauernhof gibt es einen Hofhund – hier sind es gleich drei. Den Dobermann, den ich von oben aus vor dem Eingangstor entdecke, hatte ich am Vorabend aber nicht gesehen. Mit Stativ und taktischer Taschenlampe bewaffnet öffne ich vorsichtig das Tor. Der Dobermann beachtet mich zum Glück nicht weiter. Trotzdem meide ich hektische Bewegungen wie  der Teufel das Weihwasser – am Ende geht alles gut.

Die GPS-Daten führen uns in die tiefste Pampa direkt zu einem Militärgelände. Einen Weg zum Strand entdecken wir in der Dunkelheit nicht und so fahren wir an die Steilküste von Siracusa. Vor uns im Meer erhebet sich ein imposanter Fels, während die Sonne langsam über den Horizont steigt. Um diese Uhrzeit sind hier schon erstaunlich viele Jogger unterwegs. Bei dem Ausblick kein Wunder!

Steilküste bei Siracusa

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Nach einem kleinen Frühstück zieht es uns zu den Ruinen von Syrakus. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In der Antike war Syrakus – der Geburtsort des berühmten Mathematikers Archimedes – mit bis zu 1,5 Millionen Einwohnern eine der größten und reichsten Städte des Mitelmeers. Nach zahlreichen Kriegen und Auseinandersetzungen eroberten 214 v. Chr. letztendlich die Römer die Stadt. Es folgten Plünderungen, Seuchen, Erdbeben und schließlich Bombardements im zweiten Weltkrieg.

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Heute zählt die Stadt Siracusa rund 120.000 Einwohner und wird insbesondere wegen der antiken Stätten angesteuert. Vor dem Eingang finden sich zahlreiche Souvenirgeschäfte und Händler, unzählige Touristen tummeln sich auf dem Gelände.

Die Hauptattraktion ist das Teatro Greco – mit 15.000 Plätzen und einem Durchmesser von rund 140 Metern war es das größte Theter der Antike. Beeindruckend ist auch das “Ohr des Dionysios”. Beim Bau der 60 Meter langen künstlichen Grotte, in der jedes Geräusch um ein vielfaches verstärkt wird, haben wohl hunderte, wenn nicht gar tausende Skalven ihr Leben verloren.

Teatro Greco

Ohr des Dionysios

Dass die Antike alles andere als romantisch war, wird sofort im römischen Amphitheter klar. In der Arena haben Gladiatoren um ihr Leben gekämpft. Der Nutzen des Beckens in der Mitte ist bis heute umstritten. Gut möglich ist, dass hier das Blut der Verletzten und Getöteten aus der Arena geschwemmt wurde.

Arena

Wir verlassen diesen blutrünstigen Ort der Antike und erreichen nach knapp vier Stunden Autofahrt Agrigento. Riesige Autobahnbrücken und Mietshäuser prägen das Bild. Aber es gibt auch das antike Agrigento – das Valle dei Templi, das Tal der Tempel. Weit über 200.000 Menschen sollen in der antiken Stadt Akragas einmel im Wohlstand gelebt haben. Heute erzählen nur noch die prunkvollen Tempel von der bewegten Geschichte des Ortes. Den Höhepunkt ihrer Macht erlebte die Stadt etwa 480 v. Chr. unter dem Tyrannen Theron. Etwa 70 Jahre später nahmen die Karthager die Stadt ein. Es folgten die Römer, die Vandalen, die Araber, die Normannen und schließlich die Bedeutungslosigkeit. Erst im 20. Jahrhundert hat Agrigento wieder an Wohlstand gewonnen. 

Über dem Tal der Tempel thront der etwa 450 v. Chr. erbaute Tempio di Giunone – von hier oben haben wir einen fantastischen Überblick über das Tal.

Tal der Tempel

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Concordiatempel (gegen 425 v. Chr. erbaut). Die Säulen des Tempels überstanden in den vergangenen Jahrhunderten die zahlreichen Erdbeben, die Sizilien immer wieder erschüttern. Nur das Dach und die prunkvolle Außerverzierung fehlen heute.

Concordiatempel

Glück hat, wer nicht mit einer Reisegruppe ins Tal der Tempel angereist ist und nun noch etwas Zeit für den Tempio di Erocle und den westlichen Tempelbezirk – der sich auf der anderen Seite der Straße befindet – hat. Vom Pollux-Tempel aus dem 5. Jh. v. Chr. ist nicht mehr zu sehen als ein paar Säulen – aber eben die haben es zum Wahrzeichen Agrigentos geschafft.

Pollux-Tempel

Besonders reizvoll ist das Tal am Abend, wenn die Tempel angestrahlt werden und die Sonne untergeht. So suchen wir uns in der Nähe des Concordiatempels ein schattiges Plätzchen unter warten darauf, dass die Sonne als rotglühender Feuerball hinter dem Horizont verschwindet. Inzwischen sind auch die großen Reisegruppen verschwunden und wir bekommen ein wenig das Gefühl dafür, wie es sich hier vor 2.500 Jahren zur Zeit des Herrschers Theron angefühlt haben muss.

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Ein Tipp für Agritento: Eine leckere und günstige Pizza gibt es bei Le Gioie Del Palato in der Via Allesandro Manzoni.

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