USA – Tag 10 – Der Spider Rock und die Spinnenfrau

Der sagenumwobene Spider Rock

Höhepunkt des Canyon de Chelly in Arizona ist der 240 Meter hohe Spider Rock – doch was hat es mit dieser Felsnadel auf sich?

Die Bisti Badlands lasen mich einfach nicht mehr los. Überwältigt von der Schönheit dieser Landschaft quäle ich mich lange vor Sonnenaufgang aus dem Bett meines verranzten Hotelzimmers. Schnell die Sachen gepackt, den Zimmerschlüssel in den Briefkasten geworfen und los gehts. Trotz des frühen Aufstehens bin ich fast schon ein wenig spät dran. Vom Parkplatz brauche ich schließlich noch eine ganze Weile bis zu den Cracked Eggs, die ich unbedingt im Morgenlicht fotografieren will. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ganz alleine in dieser endlosen Steinwüste zu stehen und den Sonnenaufgang zu erleben. Die skurrilen Sandsteinskulpturen werfen lange Schatten und alles leuchtet in den schönsten Farben. Das Licht- und Schattenschauspiel geht aber nur ein paar Minuten – dann steigt die Sonne zu hoch und die vorher so bunt leuchtenden Steine ergrauen. Höchste Zeit, meine Reise durch den Südwesten der USA fortzusetzen.

Bisti Badlands

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Auf dem Weg nach Chinle in Arizona – hier wartet der sagenumwobene Spider Rock im Canyon de Chelly auf mich, lege einen Boxenstopp bei Wal Mart ein und fülle meine Vorräte auf. Mir kommt es vor, als nimmt die Strecke einfach kein Ende – dabei sind es nur 150 Meilen. Mir steckt allerdings auch die Müdigkeit in den Knochen und ich kämpfe damit, nicht einzuschlafen. Auf dem Weg zum Spider Rock mache ich einen Abstecher zum Four Corners Monument – hier treffen Utah, Arizona, Colorado und New Mexiko aufeinander -, das am Highway 160 liegt. Der Eintritt kostet drei Dollar – das ist in Ordnung. Sehr viel zu sehen gibt es allerdings nicht. Wer allerdings auf der Suche nach schönem Indianerschmuck ist, wird an einem der vielen Stände sicher fündig.

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Florian Westermann at Four Corners

Nach der langen und strapaziösen Fahrt – die Klimaanlage hilft bei der Hitze und der brutalen Sonneneinstrahlung nur noch bedingt – erreiche ich am Nachmittag Chinle. Hier ticken die Uhren anders – oder warum irren mitten auf der Straße ein paar Pferde umher? Hier, im tiefsten Arizona, lebt er eben noch, der Wilde Westen, zumindest ein bißchen. Ich schere mich nicht weiter drum und fahre weiter in Richtung Canyon de Chelly. Das als National Monument ausgewiesene Gebiet ist mit 340 Quadratkilometern größer als München und wird von den Navajo-Indianern verwaltet. Zum Wahrzeichen des Canyon de Chelly, dem Spider Rock, führt ein kurzer und bestens ausgebauter Wanderweg. Den besten Blick auf den Spider Rock genießt man, wenn man dem Weg bis zum Ende folgt. Viele werden sich nun fragen, woher der Name Spider Rock herrührt. Die Antwort ist einfach: Der Mythologie der Navajo zufolge sind die Kuppen des Spider Rock der Wohnort der Spinnenfrau. Der Eindruck ist wirklich überwältigend – und das gilt offenbar nicht nur für mich. “What the fuck ist the Grand Canyon?!”, höre ich da. Ansonsten ist hier oben auf dem Aussichtsplateu nicht viel los. Vielen ist die weite Anreise wohl einfach zu weit. Das ist definitiv ein Fehler, kommt mir aber natürlich sehr gelegen.

Spider Rock

So schön der Spider Rock auch ist – meine gebuchte Unterkunft für heute Nacht, eine traditionelle Hütte auf dem Spider Rock Campground, kann überhaupt nicht überzeugen. In der Matratze tummeln sich wohl tausende Krabbelviecher, mit denen ich lieber kein Bett teilen möchte. Da fällt mir die Entscheidung nicht schwer, einfach im Auto zu übernachten. am Abend zieht es mich aber noch einmal zum Spider Rock, der jetzt von der untergehenden Sonne angestrahlt wird. Ich bin wirklich überrascht, dass ich diesen magischen Augenblick fast alleine erleben darf. Ich hatte eigentlich eine ganze Heerschar an Fotografen erwartet. Verwundert beobachte ich auch einen asiatischen Touristen, dem der glühende Spider Rock kein einziger Blick wert ist. Stattdessen konzentriert sich der Fotograf, der mit einer teuren Profi-Ausrüstung unterwegs ist, auf Unkraut (!) am Wegesrand. Hier mache ich nun einmal Werbung in eigener Sache: Schaut doch mal bei meinen Fotokursen vorbei.

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Ich genieße den Sonnenuntergang und verbringe noch eine ganze Weile hier oben. Tief in der Nacht wage ich mich noch einmal zum Spider Rock. Allerdings ist es so dunkel, dass ich die Hand vor Augen nicht sehe – geschweige denn den Spider Rock.

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