USA – Tag 14 – Der Toroweap Point

Grandiose Aussicht am Toroweap Point

Der Toroweap Point ist einer der spektakulärsten Orte im Grand Canyon Nationalpark

Heute steht mir eine lange Fahrt bevor. Bevor ich am Vormittag zum Grand Canyon North Rim aufbreche, fülle ich meine Vorräte auf. Mein Ziel ist der legendäre Toroweap Point im Gebiet des Grand Canyon Nationalparks. Im Vorfeld habe ich viele Horrorgeschichten über die Strecke gelesen – kaputte Reifen sind hier offenbar vorprogrammiert. Der National Park Service weist eindrücklich darauf hin, dass im Falle eines technischen Defekts 1000 bis 2000 Dollar für einen Abschlepper fällig werden und das man sich keinesfalls ohne Ersatzreifen und Wagenheber auf den Weg begeben sollte. Außerdem kann die Strecke bei wolkenbruchartigen Regenfällen für Tage unpassierbar werden – das gilt auch für Geländewagen. Proviant – vor allem Wasser – für mehrere Tage und warme Kleidung müssen für den Fall der Fälle unbedingt ins Auto.

Acht Meilen östlich von Fredonia geht die County Road 109 – die sogenannte Sunshine Route zum Toroweap Point – vom Highway 389 ab. Die Stelle ist nicht zu übersehen – ein großes Werbeschild von einem Abschleppdienst steht direkt an der Abfahrt. Die Sunshine Route ist neben der Clayhole Route und der im Winter wegen Eis und Schnee unpassierbaren Main Street Route eine von drei Strecken, die zum Toroweap Point führen. Die Sunshine Route ist die Strecke, die der National Park Service empfiehlt.

Die Horrorgeschichten aus dem Internet erweisen sich als vollkommen übertrieben. Das größte Stück der 60 Meilen langen Schotterpiste ist zumindest bei Trockenheit vollkommen unproblematisch zu befahren. Hier braucht es nicht einmal ein SUV. Ich brettere genüsslich über die breite Staubpiste, achte aber immer darauf, möglichst keine spitzen Steine zu überfahren. Einen Platten hat man hier schnell – vor allem, wenn man seinen Gasfuß nicht unter Kontrolle hat. Außer ein paar Farmern mit ihren riesigen Pickups begegne ich auf der Strecke niemanden.

Die letzten Meilen zum Toroweap Point

Nach etwa … Meilen erreiche ich die Rangerstation. Hier ändert sich das Straßenbild schlagartig. Dicke spitze Felsbrocken und einige gemeine Felsplatten stellen sich meinem Auto und mir in den Weg. Die letzten … Meilen bis zum Tuweep Campground entsprechen schon eher den Horror-Beschreibungen aus dem Internet. Hier ist ein Auto mit “high clearance” – also ein SUV oder Jeep – Pflicht. Denke ich zumindest, bis ich kurz vor dem Tuweep Campground einen roten Kompaktwagen stehen sehe. Mit einem breiten Grinsen kommt mir Daniel entgegen, als ich das letzte Stück der Straße inspiziere. “How are you?”, fragt er. Schnell stellt sich raus, dass Daniel Schweizer ist und genau wie ich einige Wochen alleine durch den Südwesten der USA reist, immer die Kamera im Anschlag. Mit seinem Pkw kommt Daniel unmöglich die letzten Meter zum Campgroud und wildes campieren ist verboten. Ich biete Daniel aber an, sein Zelt auf meinem Platz aufzubauen.

Inzwischen ist es schon recht spät und wir machen uns zu Fuß auf die Suche nach dem Toroweap Point – vom Tuweep Campground läuft man nämlich noch rund eine halbe Stunde bis zum Grand Canyon. Dazu folgen wir einfach der Schotterpiste, die zu einem weiteren Campground fast direkt am Toroweap Point führt. Diese Übernachtungsmöglichkeit darf allerdings nicht mehr genutzt werden. An der Klippe des Grand Canyon angekommen suchen wir eine ganze Weile nach dem eigentlichen Torpweap Point, werden aber nicht fündig. Erst ein Tipp eines Einheimischen offenbart das Geheimnis – der beste Ausblickspunkt liegt etwas versteckt fast direkt neben dem Grillplatz. Statt von der Straße am Grand Canyon nach rechts abzubiegen, hält man sich links. Vor uns tut sich eine 3000 Fuß – das sind 880 Meter – hohe Steilwand auf. In der Tiefe rauscht der Colorado River und frisst sich unermüdlich in das Gestein. Wir sind beide überwältigt – so haben wir den Grand Canyon nicht nie gesehen. 

Toroweap Point

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Wir erkunden das Gebiet rund um den Toroweap Point und finden über alle tolle Fotospots. Allerdings wehen hier oben Windböen von locker 100 Stundenkilometern. Es ist also wenig ratsam, sich allzunah an die Klippe zu wagen. Zum Teil weht der Wind so stark, dass ich Mühe habe, mich auf den Beinen zu bleiben. Selbst hinter großen Felsen ist es wegen des Windes problemetisch, sich zu nah an den Abgrund zu stellen. Angesichts dieser überwältigenden Aussicht – wohl eine der schönsten im gesamten Südwesten der USA – versuchen wir es aber immer wieder. Als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, gewinnt der Wind noch weiter an Stärke. Wir müssen nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Kameras aufpassen. Das macht das Fotografieren hier oben nicht gerade einfach – trotzdem entstehen wirklich atemberaubende Fotos.

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Unser Fotoshooting geht bis tief in die Nacht. Eigentlich wollen wir überhaupt nicht zurück zum Campground – der übrigens recht gut besucht ist -, aber der Wind ist einfach zu brutal. Im Schutze einer Alcove wirft Daniel den Campingkocher an. Zu uns gesellt sich noch ein amerikanisches Päärchen. Die beiden löchern uns mit Fragen über Europa. Zudem schwärmt Dave von den bärenstaken und zugleich so sparsamen Dieselmotoren aus dem Hause Volkswagen.

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