USA – Tag 8 – Wanderung zur Wave (Coyote Buttes North)

Wanderung zur Wave in den Coyote Buttes North

Die Wave ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Arizona

Der Blick in den Himmel verheißt nichts Gutes. Dunkle Wolken, wohin das Auge reicht. Ab und zu prasselt ein kurzer Regenschauer auf uns herab. Sollte unsere geplante Wanderung in den Coyote Buttes North (CBN) zur berühmten Wave wirklich ins Wasser fallen? Um die  Permits für die Wave – es dürfen nur 20 Wanderer am Tag in das Gebiet – hatten wir uns seit Jahren vergeblich bemüht. Endlich halten wir die Zugangsberechtigung in Händen – und jetzt soll uns das schlechte Wetter ein Strich durch die Rechnung machen? Wer ohne Permit in den Coyote Buttes North erwischt wird, kann mit einer saftigen Geldstrafe ab 600 Dollar aufwärts rechnen. Ausreden lassen die Ranger nicht gelten und wer den Rangern auch noch dumm kommt, zahlt noch ein paar Extra-Dollar oben drauf. Wir wägen kurz ab. Ein Unwetter in den Coyote Buttes – hier gibt es quasi keinen Unterschlupft – ist sicher keine sehr angenehme Erfahrung und auch nicht ganz ungefährlich. Aber wie oft hat man als Tourist schon die Chance, die farbenprächtige Wave mit eigenen Augen zu sehen? Die Entscheidung ist klar – wir wagen es. Vom Campingplatz südlich der Wave ist es mit dem Auto nicht weit bis zum Parkplatz (GPS: Google Maps), an dem die Wanderung zur Wave beginnt. Wir sind früh dran, trotzdem herrscht schon Hochbetrieb. Die ersten Wanderer sind sogar schon in Richtung Wave aufgebrochen. Zwei Ranger kommen auf uns zu und wollen wissen, was wir planen. „Wir wollen zur Wave“. Klar, dass die beiden unsere Permits kontrollieren. „Das Wetter ist ziemlich verrückt, aber wir haben immer ein Auge auf euch da draußen“. Es kann also gar nichts auf unserer Wanderung schiefgehen, oder?

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Die Wanderung zur Wave

Das erste Stück des Trails ist völlig problemlos. Wir folgen einem breiten Flussbett, in dem nur ab und zu ein paar Pfützen zu „überwinden“ sind. Immer wieder gibt es kurze Regenschauer. Nach … Kilometern geht rechts ein unscheinbarer Pfad ab. Der Regen hat alle Fußspuren und Steinmännchen in dem unübersichtlichen Gelände weggespült. Nicht einmal mehr die Spuren der vorangegangenen Wanderer sind zu sehen. Ob wir noch richtig sind? Leider haben wir unsere Karte, die es zusammen mit dem Permit gibt, nicht dabei. Stattdessen verlassen wir uns nur auf unser  GPS-Gerät und die GPS-Koordinaten. Die Richtung stimmt, aber irgendwie sind wir völlig vom Weg abgekommen. Plötzlich hören wir Rufe. „Helllllooooo“, schallt es weit hinter uns. In der Ferne sehen wir zwei Männer, die die Orientierung offenbar komplett verloren haben. Die beiden stellen sich als Frank und Johan vor – aus Belgien. Die zwei haben zwar die Karte vom Bureau of Land Management dabei. Die auf Papier gedruckte Karte ist nach ein paar heftigen Regenschauern aber völlig durchnässt und nicht mehr zu gebrauchen.

Auf dem Weg zur Wave4

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Auf dem Weg zur Wave5 Auf dem Weg zur Wave3 Auf dem Weg zur Wave2 FlashfloodAuf dem Weg zur Wave

Auf der Suche nach der Wave

Wir sind definitiv vom Weg abgekommen. Spuren oder Steinmännchen sind weit und breit nicht zu sehen. Aber wir haben ja unser GPS und die Richtung zur Wave. Nie wissend, ob wir gleich vor einem unüberwindbaren Hindernis stehen, führe ich den kleinen Trupp an. Tatsächlich stehen wir immer wieder vor einer steilen Felswand oder einem tiefen Abgrund. Wir müssen einige Male kehrt machen und einen neuen Weg suchen. Zu allem Überfluss spielt auch das Wetter verrückt. In der einen Minute knallt die Sonne so brutal, dass es mir schon im T-Shirt zu heißt ist. Dann ziehen wieder dunkle Wolken am Himmel entlang und wenige Sekunden später könnte man meinen, die Welt geht unter. Wie aus dem Nichts stürzen Wasserfälle die glatten Felsen hinunter und ausgetrocknete Washes verwandeln sich in reißende Bäche. Wir müssen immer aufpassen, nicht abgeschnitten zu werden. Unser Irrweg nimmt kein Ende. Frank und Johan lästern schnippisch über das GPS: „You are the man with the GPS. You know the way“ – etwas anderes haben wir aber nicht. Auf eine Felskuppe klettern und nach dem Weg Ausschau halten macht leider auch wenig Sinn. Das Gebiet ist dermaßen zerklüftet, dass man wenig später wieder vor einem Hindernis steht.

Auf dem richtigen Weg

Wir erreichen ein Wash, in dem das Wasser schon wieder abgelaufen ist. Jetzt muss die Wave eigentlich direkt vor uns liegen. Wir sind guter Dinge, den offiziellen Weg wieder gefunden zu haben. Größere Hindernisse sind jedenfalls nicht mehr auszumachen. Wir legen beim Tempo einen Zahn zu – wir haben jetzt schon viel zu viel Zeit verloren. Die Landschaft war zwar auch auf dem Weg schon atemberaubend schön mit den abgefahrenen Farben und Formen – jetzt wollen wir aber unbedingt die Wave sehen.

Endlich am Ziel

Inzwischen ist keine Wolke mehr am Himmel zu sehen und die Temperaturen steigen rapide an. Der Weg steigt jetzt an und bringt uns einige Höhenmeter nach oben. Wir laufen längst wieder im T-Shirt. Wir wandern zwischen engen Felswänden entlang. Der Weg macht eine Kurve und dann haben wir es geschafft. Wir stehen mitten in der Wave. Wir können unseren Augen nicht trauen. Die Wave ist noch viel schöner, als man sie von Fotos kennt. Und sie ist wirklich riesig. Außer uns sind nur ein chinesischer Fotograf und eine Chinesin in der Wave. Besonders froh, uns zu sehen, sind die beiden offenkundig nicht. Uns ist es egal. Wir steigen die Wave empor und betrachten dieses Naturwunder von ganz oben. Das jahrelange Warten auf die Permits und die verkorkste Wanderung bei abwechselnd Sonnenschein und Platzregen haben sich definitiv gelohnt. Die Wave ist absolut gewaltig und mit nichts zu vergleichen, was wir bisher im Südwesten der USA gesehen haben.

Fototipp: Um die Wave in ihrer ganzen Breite zu fotografieren, solltest du ein  Ultraweitwinkelobjektiv dabei haben. Vom Licht bietet es sich an, schon am Vormittag in der Wave zu sein. Nur wenn die Sonne hoch am Horizont steht, fallen keine Schatten in das fragile Sandsteingebilde. Eine Alternative ist natürlich die Zeit rund um den Sonnenauf- oder Untergang.

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Ein weiteres Highlight – die Second Wave

In der Ferne ziehen schon wieder dunkle Wolken auf. Frank und Johan trauen dem Wetter nicht und kehren bald wieder um. Wir planen eigentlich, bis nach Einbruch der Dunkelheit im Gebiet der Wave zu bleiben. Zunächst machen wir uns auf den Weg zur sogenannten Second Wave. Schade, das Frank und Johan schon umgekehrt sind. Der Weg zur Second Wave ist es wirklich nicht weit. Wir steigen zunächst hinten aus der Wave nach oben aus und genießen einen fantastischen Blick auf die Wave und die Umgebung. Die Wave passt sich perfekt in die Landschaft an und verschmilzt mit ihr zu einem bunten Quirl. Wenige Minuten später erreichen wir die Second Wave, die mindestens genauso beeindruckend ist wie die „Original-Wave“. Inzwischen türmen sich gewaltige Gewitterwolken am Himmel auf – und sie ziehen genau in unsere Richtung. Leider gibt es hier draußen weit und breit keinen Unterschlupf – jedenfalls keinen, den man auf den ersten Blick erkennt. Wir wägen wieder ab. Nach den jüngsten Erfahrungen wird das aufziehende Unwetter wohl nicht das letzte sein. Schutzlos wollen wir hier keinem Gewitter ausgeliefert sein. Schweren Herzens entscheiden wir uns, den Rückweg anzutreten. Dabei hatten wir so gehofft, die Wave im schönsten Abendlicht fotografieren zu können.

Die Welt geht unter

Wir haben kaum ein Drittel des Weges geschafft, da bricht das schlimmste Unwetter los. Gewaltige Wassermassen stürzen die Felswände herab. Direkt vor uns schlägt ein Blitz ein und der Donner verwandelt die Szenerie in ein einziges Inferno. Wir stehen auf einer Hochebene und machen, dass wir das Gebiet so schnell wie möglich hinter uns lassen. Für den Blitz sind wie hier ein leichtes Ziel. Wir rennen einen Abhang hinunter. Das Wash dahinter wird in wenigen Sekunden nicht mehr passierbar sein. Biggi rutscht weg und legt den Rest der Strecke auf dem Hintern zurück. Wir hechten durch die Fluten – geschafft. Zum Glück verzieht sich das Gewitter schnell wieder und auch der Regen lässt nach. Jetzt können wir es wieder gemütlicher angehen.

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Flash Flood am Wire Pass

Wir erreichen den Wire Pass und blicken hinab auf das Flussbett. Inzwischen scheint wieder die Sonne. In der Ferne hören wir ein merkwürdiges Klackern – und dann sehen wir die Flash Flood, die sich mit aller Macht ihren Weg durch den Wash sucht. Eine gewaltige Schlammlawine bahnt sich ihren Weg, durch nichts aufzuhalten. Um zurück zum Parkplatz zu kommen, müssen wir durch diesen Wash. Wir betrachten das ganze eine Weile und steigen hinab zum reißenden Bach. In der undurchsichtigen braunen Brühe werden faustgroße Steine mitgerissen – ein beängstigendes Geräusch. Nein, hier ist kein Durchkommen – wir sitzen fest. In der Ferne sehen wir schon das nächste Unwetter auf uns zukommen. Aber wir haben keine Wahl als abzuwarten, bis das Wasser sinkt. Wenn es in ein paar Kilometern wieder regnet, sitzen wir noch lange fest. Wir warten und warten. Nach einer guten Stunde ist das Wasser etwas gefallen, ist aber immer noch hoch und extrem schnell. Wir lockeren unsere Rucksackriemen – wenn man vom Wasser mitgerissen wird, kann man sich so eventuell noch befreien –, packen uns gegenseitig fest an den Armen und waten mit der Strömung durch das Wasser. Die Strömung ist brutal. Es ist extrem schwer, Halt zu finden, ohne mitgerissen zu werden. Aber wir erreichen das andere Ufer. Uns fällt ein Stein vom Herzen.

Video: Flashflood in der Wave

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Die House Rock Valley Road ist ein Fluss

Von hier an können wir in sicherem Abstand neben dem Wash weglos durchs Gelände laufen. Bis zum Parkplatz brauchen wir noch einmal … Minuten. Hier treffen wir Johan und Frank und ein paar andere Gestrandete. Die House Rock Valley Road ist in beide Richtungen unpassierbar geworden. Nach Norden müsste man einen regelrechten Strom überwinden. Selbst mit den hier weit verbreiteten großen Offroad-Fahrzeugen ist das wohl nicht zu schaffen. Nach Süden schaut die House Rock Valley Road nicht ganz so schlimm aus. Wir wissen allerdings nicht, wie sich die Verhältnisse weiter südlich verschlechtern oder ob nicht die nächste Flash Flood alles wegreißt. Uns bleibt wohl erst einmal nichts anderes übrig, als wieder zu warten.

Flashflood2 House Rock Valley Road

Flucht nach Süden

Aus südlicher Richtung kommen zwei Geländewagen durch die Fluten. Für den Trupp ist hier jetzt allerdings auch Schluss. Allerdings soll die House Rock Valley Road mit Vierrad-Antrieb durchaus machbar sein. Mit unserem Nissan Pathfinder haben wir eine echte Chance. Wir lassen Johan und Frank noch etwas Verpflegung da – mehr als ein Bud haben die beiden nicht dabei – und versuchen unser Glück. Die Straße ist komplett überflutet. Jetzt bloß nicht steckenbleiben – die nächste Flash Flood kommt bestimmt und würde uns einfach wegspülen. Ich trete ordentlich aufs Gas. Nach ein paar hundert Metern haben wir wider Straße unter den Reifen. Bis zum rettenden Highway sind noch ein paar seichtere Stellen zu furten, aber auch das klappt ohne Probleme. Nach … Stunden lassen wir die House Rock Valley Road hinter uns. Das nächste Ziel unserer Reise: Flagstaff.

Monate später treffen wir Johan und Frank in München. Die beiden mussten die ganze Nacht da draußen verbringen und waren am Ende doch froh über unser Lunch-Paket : „It saved our lives“. Von den Rangern, die ja ein Auge auf uns werfen wollten, haben die beiden nichts mehr gesehen.

Das musst du über die Wanderung zur Wave wissen

Die Wanderung zur Wave ist ein absolutes Highlight in Arizona. Der Wanderweg ist nie besonders anspruchsvoll und sollte bei gutem Wetter bei entsprechender Kondition kein Problem sein. Nicht unterschätzen darf man die extreme Hitze im Sommer. Sonnenschutz, Sonnenhut und viel Wasser sind Pflicht auf der Wanderung zur Wave. Um sich in dem weitläufigen Gebiet nicht zu verlaufen, bietet sich ein GPS-Gerät an. Wer das Glück hat, eines der begehrten Permits zu ergattern, wird mit einem unvergesslichen Erlebnis belohnt. Eine Landschaft wie in den Coyote Buttes ist auf der Welt einmalig.

Tourdaten Wave

Datum: xx 2015
Gesamtweglänge: xx Kilometer
Höhenmeter im Abstieg: xx Meter
Reine Gehzeit: xx Stunden

Nützliche Links und GPS-Koordinaten im Überblick

  • Wanderparkplatz Wave
  • Wave
  • Second Wave

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Unsere USA-Reise im Überblick

Tag 1 Wanderung durch den Kanarra Creek | Tag 2 Wanderung zur „Subway“ (Zion Nationalpark) | Tag 3 Vom Zion Nationalpark zum Nankoweap Trail (Grand Canyon) | Tag 4 Wanderung Nankoweap Trail (Grand Canyon) – Teil 1 | Tag 5 Wanderung Nankoweap Trail (Grand Canyon) – Teil 2 | Tag 6 Stud Horse Point, Lake Powell & Horseshoe Bend | Tag 7 Wanderung durch die Coyote Buttes South (CBS) | Tag 8 Wanderung zur Wave (Coyote Buttes North) | Tag 9 Wupatki National Monument | Tag 10 Wanderung zu den Havasu Falls – Teil 1 | Tag 11 Wanderung zu den Havasu Falls – Teil 2 | Tag 12 Valley of Fire, Area 51 & Alabama Hills | Tag 13 Alabama Hills & Death Valley | Tag 14 Hubschrauberflug über Kauai | Tag 15 Kalalau Trail | Tag 16 Ho’opi’i Falls & Shipwreck Beach | Tag 17 Waimea Canyon | Tag 18 Polihale State Park & Shipwreck Beach | Tag 19 Flug von Kauai nach Las Vegas | Tag 20 Cirque du Soleil in Las Vegas

Deine Meinung ist uns wichtig

Warst du auch schon in der Wave in Arizona? Wie waren deine Eindrücke? Kannst du die Tour bedenkenlos empfehlen oder würdest du die Wanderung lieber nicht mehr machen? Vielleicht hast du ja auch noch den einen oder anderen Tipp für die Coyote Buttes North? Dann hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns 🙂


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4 Kommentare
  1. Frank Vanhemel sagte:

    Unforgetable experience !!!

    Thanks to Flo and Biggi we made it to the wave and had some food during the day and night. Very nice to meet so friendly european travellers in South-West USA.

    Thanks again

    Frank and Johan

    Antworten
  2. Monika and Petar Fuchs sagte:

    Wahnsinn! Ich hab sowas Ähnliches mal im Grand Wash im Capitol Reef erlebt, allerdings war das Wasser damals nicht ganz so hoch wie bei Euch. Es ist schon beängstigend, wenn einem aus dem Nichts eine solche Welle entgegen kommt.

    Antworten

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Deine Phototravellers Biggi und Flo

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