USA – Tag 9 – Keine Kompromisse

Gegen vier Uhr reißt uns der Wecker aus dem Schlaf. Nachdem wir gestern Abend noch auf einen großen Skorpion gestoßen sind, begutachten wir unsere Wanderschuhe heute Morgen etwas genauer. Zu Fuß sind die letzten Kilometer zum Alstrom Point ein Kinderspiel. Dort angekommen genießen wir die unendliche Stille und den atemberaubenden Ausblick. Beides macht diesen Ort einzigartig. Langsam steigt die Sonne empor und lässt den Horizont glühen. Inzwischen haben sich auch wieder einige Wolken gebildet, die das ganze noch dramatischer erscheinen lassen.

Alstrom Point5

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Alstrom Point6

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Viel Zeit haben wir nicht, unser nächster Halt liegt einige Autostunden entfernt. Pünktlich um 14 Uhr erreichen wir das Monument Valley. Unser Guide Duffy Holiday wartet schon auf uns. Zusammen mit Stacey verladen wir unser Gepäck auf Duffys Chevrolet Suburban. Duffy ist im übrigen ein waschechter Navajo. Nach einem kurzen Stopp beim Trading Post – wir laden noch etwas Gemüse für heute Abend ein – geht es los. Unser Ziel: Hunts Mesa. Vom Highway biegen wir irgendwann links ab auf eine Schotterpiste. Dann wieder links, die Strecke wird ab hier deutlich rauer. Unser höher gelegter Chevi Baujahr 1993, dessen Karosserie auf einem Lastwagen-Chassis ruht, schluckt aber alle Unebenheiten anstandslos. 

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Ob er schon einmal einen Platten hatte auf der Strecke, frage ich. “Ja, einige Male”, erwidert Duffy. Angesichts der dicken Geländereifen wundert mich das. “Aber mit den Achsen hatte ich noch nie ein Problem”, raunt Duffy vom Fahrersitz. Warum er das wohl erwähnt? Wir werden es schon in Kürze erfahren. “Festhalten!”, ruft Duffy. Dann schaltet Duffy die Geländeuntersetzung zu und gibt Vollgas. Die Klimaanlage bleibt ab nun ausgeschaltet, zu groß ist die Gefahr, dass der Motor überhitzt. Dafür reißen wir die Fenster auf. Der V8-Motor schnurrt wie ein Kätzchen und bringt seine unbändige Kraft an alle vier Räder. Wir brettern durch Tiefsand – anzuhalten wäre hier fatal -, plötzlich reißt Duffy das Lenkrad nach links, wir driften im Kreis, bekommen eine ganze Ladung Sand ab und jagen einen steilen Sandhügel hinauf. Für unsere Kompaktkamera ist das hier das jähe Ende der Reise – meine Canon hat die Dusche zum Glück überstanden.

Nach dem Tiefsand folgt eine steile Felspassage, die wir augenscheinlich unmöglich überwinden können. Doch Duffy lacht nur und fordert uns auf, uns weit nach vorne zu beugen. Duffy lässt sich auch von dieser Hürde nicht aufhalten. Die Strecke wird nicht besser, ganz im Gegenteil. Ein Weg ist inzwischen überhaupt nicht mehr zu erkennen, wir kämpfen uns durch eine einzige Felswüste. Es folgen wieder steile Passagen – eine davon erklimmen wir erst im zweiten Anlauf -, dann geht es nah an einem steilen Abgrund vorbei.

Auf dem Weg zu Hunts Mesa

“Einem jungen Paar war das alles zuviel. Sie haben es bevorzugt, den Rest der Strecke zu gehen”, weiß Duffy zu erzähen. Nebenbei erfahren wir viele Details über die Geschichte der Navajo und erhalten eine Kostprobe von der Sprache und der Kultur. Ob wir Angst haben, fragt er nach. “Nein, wir genießen es”, erwidere ich. Und das meine ich ernst: Alleine die Offroad-Fahrt ist die 650 Dollar wert, die wir bezahlt haben.

Am Ziel angekommen erwartet uns ein grandioser Ausblick aufs Monument Valley. Doch wir machen nur kurz Rast. Duffy kutschiert uns erneut eine fast unpassierbare Strecke den Berg hinauf und zeigt uns hier oben weitere fantastische Spots.

Duffy Holiday und das Monument Valley

Am Abend bereiten wir zusammen das Abendessen vor und Duffy schürt ein Lagerfeuer an. Lange hält es mich jetzt aber nicht, schließlich will ich den Sonnenuntergang nicht verpassen und so kämpfe ich mich bis zur Abbruchkante vor. Der Sonnenuntergang hält, was die Landschaft ohnehin schon verspricht: atemberaubende Lichtspiele und unvergessliche Augenblicke.

Hunts Mesa Hunts Mesa 2

Später gibt es ein leckeres Abendessen vom Grill, das Duffy mit einem Stück auf seiner Panflöte untermalt. Wir fordern eine Zugabe, aber Duffy verneint. Er möchte schließlich die Geister nicht verärgern und lacht dabei schelmisch. Natürlich hält er es keine fünf Minuten aus und gibt erneut ein Stück zum Besten. Was die Geister wohl dazu sagen? Heute Nacht scheinen sie es genossen zu haben – genau wie wir. Am romantischen Lagerfeuer vergessen wir bei guten Gesprächen mit Duffy und Stacey, die uns gleich zu sich nach Hause nach Maryland einlädt, unter klarem Sternenhimmel die Zeit. Tief in der Nacht krabbeln wir schließlich in unsere Zelte – Duffy bevorzugt es dagegen, unter freiem Sternenhimmel zu schlafen. “Das Feuer vertreibt die Mücken”, sagt er.

Hunts Mesa bei Nacht

Weitere Bilder, Termine zu Ausstellungen und Foto-Workshops gibt es wie immer auf meiner Foto-Website Westermann Photography

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