Wandern in den Dolomiten – Tag 3 – Plattkofel

Nächtlicher Aufstieg auf den Gipfel des Plattkofel

Vom Gipfel des Plattkofel haben wir am Morgen eine fantastische Aussicht – doch später geraten wir in ein verhängnisvolles Unwetter

Pünktlich um drei Uhr reißt uns der Wecker aus dem Schlaf. Sollen wir wirklich aufstehen und den Plattkofel in der Dunkelheit besteigen? Viel Lust habe ich gerade nicht – ich würde lieber in meinem warmen Schlafsack liegenbbleiben und mich erholen. Aber die Neugier und die Aussicht auf tolle Landschaftsbilder vom Gipfel des Plattkofel zum Sonnenaufgang siegen.

Der Wanderweg führt anfangs über die Almwiesen bis zum Einstieg in der mächtigen Felswand. Maik hat zum Glück mit einem Kater zu kämpfen und so marschiere ausnahmsweise ich vornweg. Der Weg führt alsbald über Schotter und ist in der Dunkelheit stellenweise nicht zu erkennen. Wir versteigen uns einige Male – im Zweifel geht es aber einfach nach oben. Pünktlich zur Dämmerung stehen wir auf dem Gipfel des Plattkofel auf 2.969 Metern. Die Stative stehen in Windeseile – das Shooting kann losgehen. Der Blick auf den Langkopfel und die umliegenden Berge ist wirklich atemberaubend – noch dazu ist weit und breit kein Mensch zu sehen.

Marmolata

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Langkofel am Morgen Sonnenaufgang Plattkofel

Foto-Tipp: Um solche Landschaftsbilder bei so schwierigen Lichtverhältnissen zu bekommen, ist der Einsatz von Filtern unerlässlich

Florian Westermann auf dem Plattkofel Gipfelkreuz Plattkofel

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Das Weltnaturerbe Dolomiten ist zugleich beliebtes Urlaubsziel und eines der letzten Wildnisgebiete Europas. Ulla Lohmann und Sebastian Hofmann haben sich aufgemacht, die Dolomiten jenseits beschilderter Pfade zu entdecken: mit dem Mountainbike, zu Fuß, kletternd und mit Tourenski. Sie scheuen auf ihrer Expedition keine Herausforderung: kalte Nächte im Biwak, die Querung von Hochgebirgsgletschern, das Klettern über dem Abgrund an alten rostigen Haken. 200 Kilometer weit führt sie ihre Route vom Gardasee zur Marmolata, höchster Berg der Dolomiten. In acht Etappen haben sie diese Bergwelt zu allen Jahreszeiten durchquert. Dabei geht es ihnen nicht nur um die großartigen Panoramablicke und die schroffen Gipfel, sondern auch um die kleinen Naturwunder zu ihren Füßen: Alle 400 Höhenmeter nehmen sie sich jeweils einen Quadratmeter aus einem anderen Lebensraum vor, zum Beispiel Wiese, Wald, Fels und Schnee vor und entdecken die Schönheit der Landschaft im Detail.

Der Abstieg zur Plattkofelhütte zieht sich, der Weg ist bei Tageslicht aber leicht auszumachen. Nach dem Frühstück brechen wir auf in Richtung Langkofelhütte. Maik hat für heute eine leichte Etappe versprochen – leider kann er sein Versprechen nicht halten. Doch dazu später mehr.

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Die Tour führt am Fuß der Berggruppe entlang und wir genießen einen traumhaften Blick über die Seiser Alm. Leider ziehen inzwischen schon wieder dunkle Wolken auf. Maik macht sich keine Sorgen – ich sage dagegen ein Unwetter vorher. Nach eineinhalb Stunden gemütlichen Wanderns zieht der Weg wieder deutlich an. Die letzten Höhenmeter zur Langkofelhütte brennen brutal in den Beinen, aber es hilft ja alles nichts.

Wanderweg Dolomiten Dolomiten 2 Bergmassiv in den Dolomiten Auf dem Weg zur Langkofelhütte Berge in Wolken

Florian Westermann auf dem Weg zur Langkofelhütte

Durch die naheliegende Bergbahn ist die Langkofelhütte vollkommen überlaufen. Wir haben Glück, noch ein Plätzchen an einem Tisch im freien zu ergattern. Die Preise für das Essen haben sich gewaschen und wir kommen uns zwischen hunderten Tagesausflüglern vor wie auf auf einem Rummel.

Langkofelhütte

Die Langkofelhütte liegt in den Wolken

Lange dauert es nicht, da fallen die ersten Regentropfen. Wir brechen trotzdem auf, kommen aber nicht weit. Aus ein paar Regentropfen entwickelt sich in sekundenschnelle ein Wolkenbruch. Blitze zucken am Himmel und der Donner fährt durch Mark und Bein. Wir kehren um und suchen wie Duzende andere Wanderer Schutz in der Langkofelhütte. Unsere Rücksäcke lassen wir vorerst draußen stehen – ein Fehler. Als sich das Unwetter langsam verzieht, sind unsere Schlafsäcke völlig durchnässt. Also was tun? Maik will die Tour auch mit nassen Klamotten durchziehen, aber ich interveniere. Wir beschließen, ins Tal zurückzukehren und uns für die restlichen Tage eine Pension zu suchen – zumal die Wetterlage angespannt bleibt. Wer schon einmal ein Gewitter in den Bergen erlebt hat, weiß, dass das die beste Entscheidung ist. Wie wir später zuhause lesen werden, sind in den Dolomiten durch die Sommergewitter, die tagtäglich über uns hereinbrechen, mehrere Wanderer vom Blitz getötet worden.

Bevor es mit der Bahn ins Tal geht, steht uns aber ein langer und steiler Aufstieg durch die Langkofelscharte bevor. Da trifft es sich schlecht, dass jemand während des Gewitters meine Wanderstöcke geklaut hat. Uns bleibt aber nichts anderes übrig, als jeder mit 20 Kilo auf dem Rücken und nur einem Wanderstock den Aufstieg hinter uns zu bringen. Der Weg bietet zwar fantastische Einblicke, nimmt aber scheinbar kein Ende und wird zum Ende hin brutal steil. So kommt es mir jedenfalls vor.

Die Langkofelscharte: Hier geht es steil nach oben

Die Langkofelscharte: Hier geht es steil nach oben

Der Blick zurück in die Langkofelscharte

Der Blick zurück in die Langkofelscharte

Für die Talfahrt lösen wir zwei Tickets für die Umlaufbahn Sellajoch – ein echtes Erlebnis. Pro Kabine hat eine Person Platz. Und bequem einsteigen ist auch nicht. Vielmehr wird man von zwei Mitarbeitern geradezu in die schnell umlaufenden Kabinen gestoßen. An der Talstation wird man von den Mitarbeitern wieder recht unsanft aus seiner Lage befreit und regelrecht aus der Gondel gerissen.

Die kleinen Ein-Mann-Kabinen der Umlaufbahn Sellajoch

Die kleinen Ein-Mann-Kabinen der Umlaufbahn Sellajoch

Mit dem Bus geht es zurück nach St. Ulrich. Maik kennt von seinem letzten Aufenthalt in den Dolomiten schon eine Pension und so beziehen wir ein schönes Zimmer im Cesa Salegg. Eine Dusche und ein warmes Bett – das ist Luxus pur! Das Wissen, dass wir morgen weniger Gepäck zu tragen haben, lässt Maik schon wieder tollkühne Pläne schmieden.

2 replies
  1. Julian
    Julian says:

    Haha, die Schilderung vom Ein- und Aussteigen in die Sellajochbahn ist witzig. Ich bin noch nie damit gefahren, muss es aber dieses Jahr unbedingt mal nachholen. Ich finde immer, die Kabinen sehen von weitem aus wie i-pods. Altmodisch und modern zugleich. 😉

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