Wanderung durchs Oytal aufs Nebelhorn (2224m)

Traumhafte Wanderung aufs Nebelhorn

Eine der schönsten Wanderungen in den Allgäuer Alpen

Grüne Berggipfel, beeindruckende Wasserfälle und Idylle pur – so kann man das Oytal in den Allgäuer Alpen beschreiben. Schon die Wanderung durchs Oytal ist ein Hochgenuss für Sinne und Seele. Wer die Herausforderung sucht, baut die Wanderung zu einer Rundtour zum wunderschönen Seealpsee und auf das bekannte Nebelhorn aus. Wer dann noch Energie hat, steigt über einen hochalpinen Grat mit herrlichen Ausblicken nach Oberstdorf ab. Natürlich kann man die Runde auch andersrum gehen. Übrigens: Wer die ganze Wanderung aufs Nebelhorn als Video sehen will, wird am Ende des Beitrags fündig. Hier gibt es auch die GPS-Daten für die Wanderung.

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Start der Wanderung in Oberstdorf

Wir starten unsere Wanderung bei schönstem Sommerwetter am Parkplatz in Oberstdorf (GPS: N 47 24.200, E 10 17.327   Google Maps). Das Tagesticket kostet sechs Euro (Stand: August 2017). Direkt hinter dem Parkplatz führt ein Schotterweg einige Höhenmeter durch den Wald nach oben. Hier werden die Muskeln schon ein wenig auf die anstehende Wanderung vorbereitet. Vor uns liegen immerhin 22 Kilometer und 1600 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Die Eindrücke, die wir auf dieser Wanderung gewinnen, sind jeden Tropfen Schweiß wert – versprochen! Und keine Sorge: Wem das zu viel ist, der kann sich einen großen Teil des Weges mit der  Nebelhornbahn sparen.

Nach wenigen Minuten Aufstieg erreichen wir eine tolle Almlandschaft mit fantastischen Ausblicken. Wir nehmen Kurs nach Süden in Richtung Oytal, das aber noch ein Stück vor uns liegt. Eine Variante führt auf der Fahrstraße in das traumhafte Tal. Wir wählen aber den Schotterweg (Wegweiser Trettachtal), der kurz nach dem kleinen Viehgehege leicht rechts abgeht und uns wieder ein Stück nach unten zur Trettach führt. Man könnte alternativ auch direkt am Parkplatz der Trettach folgen und würde sich so einige Höhenmeter sparen. Dafür entginge einem aber ein traumhafter Ausblick.

Wegweiser Trettachtal

Nach dem kurzen Aufstieg vom Parkplatz folgen wir dem Wegweiser in Richtung Trettachtal

Immer am Oybach entlang

Der Weg führt an ein paar Häusern vorbei und bringt uns in den Wald. Blumen blühen und es duftet herrlich frisch. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir eine kleine Brücke über den Oybach. Wir biegen direkt vor der Brücke nach links ab und folgen dem Bachverlauf am Ufer. Der Oybach rauscht mit Getöse ins Tal hinab. Überall gibt es kleine Wasserfälle zu bestaunen und das Licht der Morgensonne schafft eine geradezu mystische Atmosphäre. Wir halten immer wieder an, lauschen dem Wasser und genießen die tolle Stimmung. Der Uferweg führt uns nun immer weiter hinein ins wunderschöne Oytal. Nach weiteren 30 Minuten steigt der Weg mäßig an und führt uns zurück auf den Asphaltweg, den wir Anfangs, vor dem Abzweig ins Trettachtal, auch hätten nehmen können.

Leuchtende Wiesen im Allgäu

Man könnte auch direkt an der Trettach laufen – würde aber diesen Ausblick verpassen

Oybach

Vor einer Brücke biegen wir nach links ab und folgen dem Oybach am Ufer

Wunderschöne Allgäuer Alpen

Hier rücken die umliegenden Berge in den Blick. Die Allgäuer Alpen sind bekannt für die steilen Grasberge. Es ist schon ein fantastischer Anblick, wie sich diese schroffen Bergriesen so idyllisch in die grüne Flora einfügen. Die Bezeichnung Grasberg darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Allgäuer Alpen hochalpin sind mit allen Gefahren. Als besonders tückisch gelten etwa die Höfats. Der 2259 Meter hohe Berg gilt als der markanteste Allgäuer Grasberg und ist ein beliebtes Ziel von Bergsteigern. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs Edelweiß büschelweise auf der Höfats. Sammler zerstörten den Bestand fast vollständig. Heute wächst die seltene Pflanze wieder haufenweise auf den extrem steilen Grashängen.

Radltour im Oytal

Uns überholen die ersten Radfahrer, die zu einer Wanderung im Oytal unterwegs sind und danach in einer der Almen Brotzeit mit atemberaubender Aussicht machen. An Brotzeit ist jetzt aber noch nicht zu denken – die gibt es für uns erst auf dem Nebelhorn. Wir kommen durch eine idyllische Allee und erreichen das Oytalhaus. Eine Brücke führt kurz nach dem Gasthaus über den kristallklaren Oybach. In der steilen Felswand sehen wir einen großen Wasserfall – hier führt der sogenannte Gleitweg nach oben. Ein Schild an der Straße zeigt die Stelle, an dem der Weg abzweigt. Ganz offensichtlich wäre der Abzweig sonst nicht.

Weide im Oytal

Der Weg führt uns nun direkt ins wunderschöne Oytal

Allee im Oytal

Ein Highlight der Wanderung durchs Oytal ist diese wunderschöne Allee

Oytalhaus

Das Oytalhaus hat zu so früher Stunde noch geschlossen, ist aber zur Mittagszeit ein beliebtes Ausflugsziel

Abzweig Gleitweg

Hier geht der Gleitweg ab. Der Wegweiser und der Fels mit Bank auf der Wiese sind nicht zu übersehen. Der Weg selbst ist sehr unscheinbar

Der Gleitweg – oft unterschätzt und tödlich

Wir steigen einen kleinen Grashang hinauf und blicken weit über das Oytal. Der Gleitweg führt nun direkt zu dem Wasserfall. Wir queren den Wasserlauf und steigen durch den Wald recht steil immer weiter nach oben. Der schmale Pfad ist relativ wild verwachsen – offenbar gehen hier nicht ganz so viele Wanderer wie auf anderen Pfaden im Oytal. Es dauert nicht lange, bis wir direkt vor dem Wasserfall stehen und mit einem tollen Fernblick ins Oytal belohnt werden. Der Gleitweg führt uns in dem steilen Grashang immer weiter nach oben. Die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Trittsicherheit ist hier unbedingt nötig – das gilt insbesondere für den Abstieg auf dem durch die Wasserfälle oft nassen und teils sehr rutschigen Untergrund. Zum Teil geht es neben dem schmalen Pfad steil in die Tiefe und Schotter und Geröll erfordern hohe Konzentration. Uns kommen die ersten Wanderer entgegen, die mit der Nebelhornbahn nach oben gefahren sind und auf dem Gleitweg beim Abstieg ganz große Probleme haben. Vor dem Abstieg warnen zwar Tafeln davor, den Steig mit dem harmlosen Namen zu unterschätzen. Bei den meisten verpufft dieser Hinweis aber offensichtlich. Dieser Leichtsinn führt regelmäßig zu Todesopfern auf dem Gleitweg. Bei Regen oder gar Schnee sollte man den Gleitweg meiden.

Wasserfall auf dem Gleitweg

Bald erreichen wir den ersten Wasserfall, dessen Bachlauf wir queren

Blick ins Oytal vom Gleitweg

Wir steigen weiter auf und werden mit diesem traumhaften Blick ins Oytal belohnt

Seeköpfle und Oytal

Rechts oben sehen wir das Seeköpfle, an dessen Fuß der Seealpsee liegt

Wasserfall auf dem Gleitweg

Wir queren den Wasserfall noch einmal weiter oben

Biggi auf dem Gleitweg

Der Gleitweg führt idyllisch an einem teils sehr steilen Grashang entlang

Oytal

Wer genau hinschaut, erkennt die Wanderer auf dem Gleitweg, der hier recht ausgesetzt und mit einem Stahlseil in der Felswand gesichert ist

Felsstufen auf dem Gleitweg

Jetzt geht es noch über ein paar Felsstufen nach oben. Wieder hilft ein Stahlseil

Biggi folgt dem Gleitweg

Hier ist der Gleitweg schon wieder harmlos

Der Seealpsee

Mit ein paar längeren Fotopausen sind wir inzwischen rund vier Stunden unterwegs. Der Gleitweg wird flacher und führt uns direkt zum Seealpsee, über dem das 1920 Meter hohe Seeköpfle thront. Welch eine Idylle. Über einen schmalen Weg gelangen wir hinunter zum Seeufer, an dem es sich bereits einige Wanderer gemütlich gemacht haben. Auch wir werfen unsere Rucksäcke ins Gras und suchen uns ein gemütliches Plätzchen für eine kurze Rast. Auf dem See ist ein kleines Bötchen unterwegs und am gegenüberliegenden Ufer sind sogar ein paar Leute im ziemlich kalten Wasser. Im See wimmelt es offenbar nur so vor Fischen. Direkt am Seeufer sehen wir unzählige kleine Fische. Ab und an taucht ein großer Räuber aus den Tiefen des Sees auf und schnappt sich einen. Der Seealpsee wird übrigens seit Anfang des 16. Jahrhunderts befischt und ist mit 42 Metern der tiefste Bergsee der Allgäuer Alpen.

Man sollte auf keinen Fall versuchen, hinter dem Seealpsee über die zunächst breiten Wiesen abzukürzen. Das Oytalhaus scheint in greifbarer Nähe – doch das täuscht. Der Grashang wird immer steiler und endet über einer unüberwindbaren Felswand. Diese vermeintliche Abkürzung hat schon zu einigen tödlichen Abstürzen geführt. Die aufgestellten Warnschilder sind also unbedingt ernst zu nehmen! Weiter oben im Text sehr ihr auf den Fotos, dass es unterhalb des Seealpsees definitiv keinen Abstieg gibt.

Seealpsee und Seeköpfle

Wir lassen den steilen Aufstieg hinter uns und erblicken den Seealpsee, der unterhalb des Seeköpfles liegt

Ufer Seealpsee

Man sollte unbedingt zum Ufer des Seealpsees absteigen. Hier kann man eine Pause einlegen und die Landschaft genießen

Die Hintere Seealpe

Der Weg führt uns gemütlich am Ufer in ein kleines Waldstück entlang. Jetzt geht es wieder aufwärts. Vor uns tut sich eine gewaltige grasbewachsene Ebene auf, flankiert von schroffen Felswänden. Auch der Blick zurück zum Seealpsee ist atemberaubend. Nach wenigen Minuten erreichen wie die Hintere Seealpe. Der perfekte Ort für eine Brotzeit. Wir haben leider nicht viel Zeit und wandern weiter in Richtung Nebelhorn. Von nun an wird es recht voll auf den Wanderwegen – schließlich liegen wir im direkten Einzugsgebiet der Nebelhornbahn. Der Weg steigt weiter an. Wir erreichen einen Sattel. Unter uns liegt die Bergstation Höfatsblick, unser nächstes Ziel. Dahinter sehen wir schon die Bergstation am Nebelhorn. Aus der Ferne sieht der Bau leider nichts besonders schön aus – aber das ist eben der Preis für den boomenden Bergtourismus.

Hintere Seealpe

Wir lassen die Hintere Seealpe hinter uns. Die Hütte ist im Sommer bewirtschaftet und lädt zu einer längeren Rast ein

Wanderweg zum Seealpsee

Der Weg vom Seealpsee zur Bergstation Höfatsblick ist breit und bereitet keinerlei Schwierigkeiten. Ledigleich ein paar Höhenmeter sind zu überwinden

Seealpsee mit Blumenwiese

Fotografen kommen in dieser grandiosen Landschaft voll auf ihre Kosten

Blick auf Nebelhorn und darunter die Bergstation Höfatsblick

Vor uns tauchen in der Ferne das Nebelhorn und darunter die Bergstation Höfatsblick auf

Die Bergstation Höfatsblick

Ein breiter Wanderweg führt gemütlich zur Bergstation Höfatsblick. Ein Highlight ist das 1880 erbaute  Edmund-Probst-Haus. Für einen Familienausflug in die Berge ist das hier toll. Restaurants, Spielplatz, eine herrliche Aussicht und sogar ein breiter Panoramaweg locken Besucher aus aller Welt an. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, sollte schnell weiter. Das Nebelhorn im Blick steigen wir einen asphaltierten Weg hinauf. Nach kurzer Zeit geht links ein Schotterweg ab, der ebenfalls zum Nebelhorn-Gipfel führt. Diese Variante ist natürlich anspruchsvoller als der breite Wanderweg, auf dem man sogar mit dem Kinderwagen zum Gipfel kommt – aber natürlich auch sehr viel schöner. Uns kommen einige Leute von oben mit Laufschuhen, Sneakern und Sandalen entgegen. Mit solch ungeeignetem Schuhwerk wird auch der eigentlich nicht schwierige Gratweg zum Nebelhorn zur Herausforderung. Unterhalb des Nebelhorn-Gipfels wartet sogar ein kleines Grat-Erlebnis auf uns. Nichts, was einem den Angstschweiß auf die Stirn treibt – aber schön anzusehen ist es.

Blick auf Oberstdorf

Weit und breit versperrt kein Baum die Aussicht auf Oberstdorf, das weit unter uns liegt

Blick auf Allgäuer Alpen

Dieser Teil der Wanderung ist absolut anspruchslos, belohnt aber trotzdem mit tollen Ausblicken auf die Allgäuer Alpen

Edmund Probst Haus

Kurz vor der Bergstation Höfatsblick erreichen wir das Edmund-Probst-Haus

Vorderseite Edmund Probst Haus

Das Edmund-Probst-Haus auf 1932 Metern ist seit 1930 mit der Nebelhornbahn zu erreichen

Paraglider beim Start

Von hier starten auch zahlreiche Paraglider zu einem unvergesslichen Flug über das Allgäu

Gratweg zum Nebelhorn

Wir lassen den Trubel an der Bergstation Höfatsblick hinter uns und biegen bald auf den Gratweg zum Nebelhorn ab

Stufen auf dem Gratweg zum Nebelhorn

Der Gratweg ist stellenweise etwas schroff, für geübte Wanderer aber keine große Herausforderung

Blick auf die Allgäuer Alpen

Blick auf die Allgäuer Alpen

Gratweg zum Nebelhorn

“Ausgesetzter” als hier wird der Gratweg nie

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Gipfelstation Nebelhorn

Vor uns taucht die Gipfelstation am Nebelhorn auf. Darüber fliegt ein Paraglider

Blick auf die Bergstation Höfatsblick

Der Blick zurück zur Bergstation Höfatsblick und auf die dahinter liegenden Berge wie die Höfats ist atemberaubend

Der Nebelhorn-Gipfel

Wir benötigen rund 40 Minuten für den Gratweg. Am Nebelhorn-Gipfel tummeln sich hunderte Besucher. Das neu errichtete Gipfelrestaurant schaut von hier nicht einmal schlecht aus und lädt dazu ein, auf einer der großen Sonnenterassen etwas zu essen und zu trinken und die grandiose Aussicht zu genießen. Das Alpenpanorama ist wirklich einmalig. In der Ferne liegen Gipfel wie die Höfats, der Hochvogel, der Schneck oder die Wildspitze. Das Essen und Trinken im Gipfelrestaurant geht vom Preis vollkommen in Ordnung, wenn man bedenkt, mit welchem Ausblick man hier belohnt wird. Vom Parkplatz in Oberstdorf durch das Oytal zum Nebelhorn-Gipfel haben wir gut elf Kilometer und 1500 Höhenmeter zurückgelegt. Den meisten Wanderer reicht das an Tagesstrecke. Vom Gipfelrestaurant kann man mit der Nebelhornbahn (zwei Mal umsteigen) direkt zurück nach Oberstdorf fahren. Die Wanderung über das Oytal über den Seealpsee zum Nebelhorn ist ein absolut geniales Erlebnis, das für immer in Erinnerung bleibt.

Bergstation Nebelhorn

Wir erreichen die Bergstation am Nebelhorn

Nebelhorn-Gipfelkreuz

Das Nebelhorn-Gipfelkreuz

Terrasse Nebelhorn

Auf der Terrasse am Gipfel ist einiges los. Kein Wunder, der Ausblick ist ja auch atemberaubend

Weg ums Gipfelhorn

Wer mag, kann die Bergstation auf diesem Weg umrunden und ein paar tolle Tiefblicke erhaschen

Nebelhornbahn

Hier fährt gleich eine Gondel der Nebelhornbahn nach unten zur Bergstation Höfatsblick. Die riesige Terrasse am Nebelhorn-Gipfel lädt zum Verweilen ein

Abstieg nach Oberstdorf

Wer jetzt noch Energie hat, kann die Strecke nach Oberstdorf statt mit der Nebelhornbahn auch zu Fuß zurücklegen. Dabei gibt es wieder mehrere Varianten. Wer sich das Geld für die Seilbahn sparen oder einfach noch ein wenig wandern will, folgt einfach dem breiten Fahrweg hinunter nach Oberstdorf. Bergaffine Wanderer wählen den Weg 7a, der nahe des Nebelhorn-Gipfels beginnt und in Richtung Gaißalpe zeigt. Ein schmaler Steig führt an einer Grasflanken hinab ins Tal. Die Aussicht auf dieser Route ist wieder einmal atemberaubend.

Wegweiser Gaißalpe

Wer jetzt noch nicht genug hat, folgt dem Wegweiser am Nebelhorn-Gipfel in Richtung Gaißalpe. Doch Vorsicht, der Weg ist nicht zu unterschätzen

Die richtige Wegführung

Aber Achtung: Nach etwa 200 Metern erreichen wir eine Gabelung. Rechts führt der Weg weiter über den Grat zum Großen Grundkopf. Links umgeht der Weg den 2062 Meter hohen Gipfel. Der Gratweg hinauf zum Großen Grundkopf darf auf keinen Fall unterschätzt werden und erfordert hohe bergsteigerische Kenntnisse. Nach der langen Tour – wir sind heute um vier Uhr aufgestanden und aus München angereist – entscheiden wir uns für den sicheren Abstieg unterhalb des Grats. Auch dieser Weg ist steil und durch den feinen Schotter und das viele Geröll unangenehm zu laufen – aber immerhin kann man hier nicht hunderte Meter tief abstürzen. An einer weiteren Gabelung (GPS: N 47 25.001, E 10 19.986  Google Maps) kann man nach links über einen Umweg noch auf den sicheren Fahrweg absteigen. Wir folgen dem Weg an dieser Stelle aber nach rechts und erreichen nach einem steilen Anstieg wieder den Gratweg westlich des Großen Grundkopfs.

Wanderweg

Der Weg mit der Nummer 7a führt uns in Richtung Großer Grundkopf und Rubihorn

Nordseite Nebelhorn

Blick zurück zur Nordwand des Nebelhorns

Großer Grundkopf

Die markante Spitze ist der Große Grundkopf. Die Überschreitung über den Grat sollten nur geübte Bergsteiger angehen

Biggi auf Wanderweg

Wir gehen auf Nummer sicher und umgehen den Großen Grundkopf südseitig, bevor wir wieder auf den Grat aufsteigen. Links gut zu erkennen ist der Fahrweg, auf den nicht so sichere Bergwanderer unbedingt absteigen sollten

Saftige Bergwiesen

Der Gratweg führt uns zunächst über saftige Bergwiesen

Großer Grundkopf und Nebelhorn

Der Gratweg führt über die Westflanke des Großen Grundkopfs (die markante Spitze). Dahinter ist das Nebelhorn zu erkennen

Die Gaisalpseen und das Gaisalphorn

Der schmale Pfad führt uns idyllisch über breite Wiesen. Weit unter uns kommen der Obere Gaisalpsee und der Untere Gaisalpsee ins Blickfeld. Alleine wegen dieser Aussicht hat sich der Aufstieg zum Grat gelohnt. Ganz in der Ferne liegt das Rubihorn, das wir heute allerdings nicht mehr besteigen werden. Noch vor dem Rubihorn zweigt der Rubihorn-Steig nach Oberstdorf ab. Zunächst müssen wir aber das Gaisalphorn erklimmen. Der Weg zieht jetzt noch einmal steil an. Dabei kommen immer wieder die Hände zum Einsatz. Kurz vor dem Gipfelkreuz lassen wir eine kurze, aber recht stark ausgesetzte Stelle hinter uns. Rechts geht es einige hundert Meter steil in die Tiefe. Es ist aber auch möglich, vorher über einen normalen Wanderweg zu den Gaisalpseen abzusteigen.

Oberer Gaisalpsee

Blick hinab zum Oberen Gaisalpsee

Gaisalpseen

Ein wenig später taucht auch der Untere Gaisalpsee auf

Gratverlauf Rubihorn Nebelhorn

Hier ist der Gratverlauf schön zu sehen. Aus dieser Perspektive ist aber kaum zu erkennen, dass der Weg oft ausgesetzt ist

Exponierte Stelle am Gaisalphorn

Kurz vor dem Gipfel des Gaisalphorns führt der Weg an dieser stark exponierten Stelle vorbei

Gipfelkreuz Gaisalphorn

Geschafft! Wir stehen auf dem Gaisalphorn

Der Gaisalphorn-Gipfel

Am Gipfelkreuz des Gaisalphorns genießen wir die Aussicht auf den Großen Grundkopf, das Nebelhorn, die Gaisalpseen und die unzähligen anderen Berge. Vor uns tut sich nun der ganze Grat hinüber zum Rubihorn auf. Der Weg sieht von hier oben nicht weiter dramatisch aus. Die kleinen Engstellen, die es immer wieder zu überwinden gibt, sehen wir aber auch noch nicht. Der schmale Gratweg ist oft ausgesetzt. Zum Teil müssen wir auch leichtes Klettergelände und eine schiefe Leiter meistern – und das direkt am Abgrund. Unerfahrenen Berggehern ist der Gratweg auf keinen Fall zu empfehlen. Auch sollte man den Grat nur bei idealen Wetterbedingungen angehen. Als Notausstieg gibt es quasi nur den Rubihorn-Steig, den wir für den Abstieg wählen, und die Abzweigung, auf der wir wieder zum Gratweg gelangt sind beziehungsweise der Abstieg zu den Gaisalpseen an gleicher Stelle. Wer unterwegs in ein Unwetter gerät, sitzt wirklich im Schlamassel.

Leiter am Gratweg Rubihorn Nebelhorn

Direkt unter der schrägen Leiter geht es steil in die Tiefe

Exponierte Stelle am Gratweg

Auch diese Stelle ist stark ausgesetzt

Der Rubihorn-Steig

Der Rubihorn-Steig ist – anders als der Gratweg – ziemlich harmlos. Nur am Anfang sichern ein paar Seile eine mäßig steile Steinrinne. Danach geht es in Serpentinen gemütlich durch die Latschen – immer mit bestem Blick auf Oberstdorf. Der Weg zieht sich, Oberstdorf will einfach nicht näher kommen. Es geht weiter durch Latschen, über Wiesen und schließlich auf den breiten Fahrweg, auf dem man auch von ganz oben kommen würde. Selbst am Oberstdorfer Skisprungschanze kommen wir noch vorbei. Insgesamt brauchen wir für den Abstieg über den Rubihorn-Steig zurück zum Parkplatz in Oberstdorf zweieinhalb Stunden. Vom Nebelhorn-Gipfel waren es viereinhalb Stunden.

Rubihorn

Vor uns ragt das Rubihorn in den Himmel. Wir steigen hier über den Rubihorn-Steig nach Oberstdorf ab

Rubihorn-Steig

Der Rubihorn-Steig bereitet keine Probleme

Skisprungschanze Oberstdorf

Kurz vor dem Parkplatz kommen wir an der Oberstdorfer Skisprungschanze vorbei. Es ist der Abschluss einer tollen Wanderung

Das Video zur Wanderung durchs Oytal aufs Nebelhorn

Tourdaten Oytal – Seealpsee – Nebelhorn – Abfahrt mit der Nebelhornbahn

Gesamtweglänge: 11,4 Kilometer
Höhenmeter: 1500 Meter im Aufstieg, (1200, wenn man die Nebelhornbahn benutzt), 130 Meter im Abstieg
Reine Gehzeit: 5:00 Stunden

Tourdaten Oytal – Seealpsee – Nebelhorn – Gaisalphorn – Rubihorn-Steig

Gesamtweglänge: 22 Kilometer
Höhenmeter: jeweils 1600 Meter im Auf -und Abstieg
Reine Gehzeit: 8:30 Stunden

Die GPS-Daten als Download

Fazit & Varianten

Die Wanderung durchs Oytal aufs Nebelhorn ist konditionell anspruchsvoll, landschaftlich aber echter ein Hochgenuss. Für uns gehört die Tour zu den schönsten in den Allgäuer Alpen. Dank der Nebelhornbahn, die über vier Stationen verfügt, kann die Wanderung deutlich verkürzt und variiert werden. Erhöhte Trittsicherheit ist auf der Strecke im Bereich des Gleitwegs nötig. Hier kann ein falscher Schritt fatale Folgen haben. Im Aufstieg ist der geröllige und zum Teil ausgesetzte Gleitweg aber deutlich weniger problematisch als im Abstieg. Wer den Gleitweg geschafft hat, lässt am Seealpsee in traumhafter Bergkulisse die Beine ins Wasser baumeln. Die Strecke vom Seealpsee zum Nebelhorn ist unproblematisch. Hier folgt man stets einem gut ausgebauten Wanderweg ohne ausgesetzte Stellen. Wer sich den nun folgenden Aufstieg zum Nebelhorn-Gipfel (300 Höhenmeter) sparen will, kann mit der Nebelhornbahn von der Bergstation Höfatsblick bis zur Gipfelstation fahren. Wer auch den finalen Aufstieg zum Nebelhorn-Gipfel gehen will, kann zwischen einem breiten Fahrweg und einem mäßig schwierigen Steig, dem Gratweg, wählen. Vom Gipfel kann man mit der Nebelhornbahn zurück ins Tal nach Oberstdorf abfahren. Diese Variante empfehlen wir jedem, der einen traumhaften Tag in den Bergen verbringen will, ohne sich zu sehr zu verausgaben. 

Wer nach der Wanderung durchs Oytal und zum Nebelhorn noch immer nicht genug hat, kann über den breiten Fahrweg bis nach Oberstdorf absteigen. Landschaftlich schöner ist der Weg mit der Nummer 7a Richtung Gaißalpe, der am Nebelhorn-Gipfel nach Westen startet. Schon nach etwa 200 Meter erreicht man einen Abzweig. Geradeaus führt der Weg zum Großen Grundkopf. Diese Variante ist nur sehr erfahrenen Bergwanderern zu empfehlen. Der Weg ist schmal, steil, ausgesetzt und zum Teil müssen leichte Kletterstellen in exponiertem Gelände gemeistert werden. Wir haben uns nach der langen Tour dafür entschieden, den Großen Grundkopf auf der Südseite zu umgehen. Der Weg ist hier auch recht steil und wegen des Gerölls unangenehm im Abstieg, verzeiht aber Fehler. Absturzgefahr ist quasi nicht vorhanden. Nach insgesamt etwa einem Kilometer kommt man an einen weiteren Abzweig. Hier sollte der normale Wanderer nach links abzweigen, zunächst zurück in Richtung Bergstation Höfatsblick. An der nächsten Abzweigung hält man sich rechts. An der kommenden Gabelung geht es nach links und wenig später erreicht man den breiten Fahrweg zurück ins Tal.

Wer an der Gabelung nicht links abzweigt, sondern dem Weg weiter geradeaus zurück auf das Grat folgt, muss noch einmal einige Höhenmeter überwinden und wird mit tollen Ausblicken auf den Oberen Gaisalpsee und den Unteren Gaisalpsee belohnt. Zunächst ist der Weg völlig unproblematisch zu gehen. Das ändert sich am Gaisalphorn. Hier zieht der Weg steil an. Kurz vor dem Gipfelkreuz ist eine ziemlich exponierte Querung zu überwinden. Das setzt sich so fort bis zum Rubihorn-Steig, der wiederum völlig unproblematisch ist und einen zurück nach Oberstdorf führt. Es ist aber auch möglich, direkt nach dem Aufstieg auf den Grat unproblematisch zu den Gaisalpseen abzusteigen. Allerdings kommt man dann nicht mehr so schnell zum Ausgangspunkt der Wanderung in Oberstdorf zurück.

Wer mit Kindern unterwegs oder weniger bergerfahren ist, fährt mit der Nebelhornbahn bis zur Bergstation Höfatsblick und wandert in traumhafter Kulisse bis zum Seealpsee und von hier wieder zurück zur Bergstation Höfatsblick. Hier kann man sich immer noch überlegen, das Nebelhorn zu Fuß oder mit der Seilbahn zu erklimmen.

Nützliche Links

Wanderkarten, Reiseführer und Wissenswertes zur Region

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Zahlen und Fakten über das Nebelhorn

  • Vom 2224 Meter hohen Nebelhorn-Gipfel blickt man auf über 400 Gipfel
  • Seit 1930 fährt die Nebelhornbahn zum Gipfel

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