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Handschuhspitze & Wannig Wanderung (2493 m) – schwere Bergtour

Der Wannig (auch Hochwannig oder Wanneck) sticht schon aus großer Entfernung ins Auge. Der Wannig ist ein imposanter Felskoloss inmitten der Landschaft. Von München aus ist der Wannig beziehungsweise das Örtchen Nassereith, wo die Wanderung beginnt, in gut eineinhalb Stunden mit dem Auto zu erreichen. Bei Traumwetter und in aller Früh machen wir uns auf dem Weg, um den Gipfel zu erklimmen. Die Überschreitung des Wannig hinüber zur Handschuhspitze ist traumhaft schön, aber erfahrenen Bergwanderern vorbehalten. Die GPS-Daten zum Download gibt es übrigens am Ende des Artikels.

Aktualisiert am 08.05.2022

Start der Wanderung am Weißensee

Vom Wanderparkplatz am Weißensee (GPS: N 47 21.899, E 10 52.565 – Google Maps) starten wir zunächst gemütlich auf einem breiten Waldweg. Ein Blick auf das GPS verrät uns aber gleich, dass wir auch auf schmalen Pfaden aufsteigen können. Nach wenigen Minuten verlassen wir den Fahrweg rechterhand und machen uns an den Aufstieg über den Alpsteig Biberwier – ausgeschildert mit Alpgrat Jägersteig-, einen schmalen Wald- und Wiesensteig. Diese ungeplante Variante wird uns heute noch zum „Verhängnis“. Wir wollen eigentlich über Barbarasteig, Sunnalm und Handschuhspitze zum Wannig aufsteigen – also die klassische Route nehmen. Doch am entscheidenden Abzweig mache ich einen Fehler und wir wandern weiter auf dem Alpsteig Biberwier weit unterhalb des Bergrückens in Richtung Nassereither Alm (auch Muthenaualm genannt).

Alpsteig Biberwier
Der Alpsteig Biberwier
Biberwier
Immer wieder lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf Biberwier
Blick auf Ehrwalder Sonnenspitze
Im Hintergrund erkennt man die Ehrwalder Sonnenspitze. Diesem Weg hier hätten wir an dieser Stelle eigentlich folgen müssen
Alpsteig Biberwier
Wir folgen aber dem Alpsteig Biberwier
 Mieminger Kette
Die Mieminger Kette mit der Ehrwalder Sonnenspitze und dahinter die Zugspitze
 Mieminger Kette
Der Blick zurück auf die Mieminger Kette

Aufgebrachte Rindviecher

Nach einem knackigen Aufstieg kommen wir auf eine Hochebene voller Rindviecher. Einige der Kühe beäugen uns misstrauisch. Es kommt Unruhe in die Herde – das ist nicht ungefährlich. Wer einmal von einer Kuh angestupst wurde, weiß, welche Kraft diese friedlichen Tiere entwickeln. Als Mensch hat man da nicht den Hauch einer Chance. Plötzlich rennen einige Kühe einen Hang hinunter und versetzen die anderen in helle Aufregung. Wir sehen zu, dass wir an einem Hang Höhe Gewinnen und lassen die aufgebrachte Herde so schnell es geht hinter uns. Wir blicken immer wieder zurück auf unsere Verfolger – wir haben sie abgeschüttelt. Von nun an verläuft der gemütliche Weg fast eben über Weideflächen. Auch hier grasen Kühe und wir haben den Eindruck, dass wir nicht unbedingt erwünscht sind. Inzwischen kommt uns die ganze Route spanisch vor – ich hatte den Verlauf völlig anders im Kopf. Aber gut, das GPS lügt nicht. Plötzlich fällt es mir wir Schuppen von den Augen. Ich erkenne den Fehler – wir sind ganz anders als geplant unterwegs. Ein Blick auf die Karte hätte genügt, damit das nicht passiert wäre. Zur Umkehr ist es viel zu spät – also wandern wir weiter in Richtung Nassereither Alm.

Kühe
Nach einem knackigen Anstieg treffen wir auf eine große Kuhherde. Für Begeisterung sorgen wir nicht
Kühe vor Ehrwalder Sonnenspitze
Als Dynamik in die Herde kommt, ergreifen wir die Flucht
Grubigstein und Gartner Wand
Blick auf Grubigstein und Gartner Wand
Wanderweg
Der Weg führt jetzt gemütlich über diese Hochebene
Kuhherde
Diesen Weidezaun mussten wir passieren

Aufstieg zum Wannig

Nach rund drei Stunden erreichen wir die Nassereither Alm. Von hier aus ist es jetzt noch ein ganzes Stück bis zum Wannig. Wir folgen dem Fahrweg und 30 Meter nach einem Gatter biegen wir links ab in den Wald. Jetzt wird es richtig schweißtreibend. Meter für Meter steigen wir auf. Es geht eine ganze Weile durch dichten Wald. Wir sind eine halbe Stunde unterwegs, bis sich der Wald lichtet und die Latschen die Oberhand gewinnen. Der Wannig ist jetzt schon gut zu erkennen. Bis zum Gipfel ist es aber noch weit. Der Pfad führt über ein unangenehmes Geröllfeld steil hinauf. Zum Glück sind nicht viele Wanderer unterwegs – hier muss man schon auf Steinschlag aufpassen.

Nassereither Alm
Wir lassen die Nassereither Alm hinter uns
Lechtaler Alpen
Blick in die Lechtaler Alpen
Hinweis Wannig
Der Hinweis in Richtung Wannig ist nicht zu übersehen
Latschenzone Wannig
Der Weg führt uns durch Wald und Latschen
Alpenpanorama
Schon wegen dieses Panoramas lohnt die Wanderung
Geröllfeld
Eines der zahlreichen Geöllfelder, die wir auf dem Weg zum Wannig überwinden müssen

Den Wannig-Gipfel fest vor Augen

Wir lassen die Waldgrenze weit hinter uns und fühlen uns wie auf dem Mond. Schutt und Geröll, wohin das Auge blickt. Immer wieder wähnen wir uns schon am Gipfel um dann festzustellen, dass doch noch ein Anstieg vor uns liegt. Wir sind gut fünf Stunden unterwegs, bis wir endlich den Wannig-Gipfel erblicken. Wir mobilisieren noch einmal alle Kräfte mobilisieren und gehen die letzten Meter an. Geschafft! Vom Wannig-Gipfel haben wir einen ganz fantastischen Blick auf das Wettersteingebirge mit der Zugspitze als höchsten Berg. Auch der Daniel, mit 2340 Metern der höchste Gipfel der Ammergauer Alpen, liegt in Sichtweite. Inzwischen ziehen immer mehr Wolken auf. Das ist kein gutes Zeichen. Wir genießen die fantastische Rundumsicht nur kurz und machen uns an den Abstieg in Richtung Handschuhspitze, die etwa eineinhalb Stunden entfernt liegt.

Aufstieg Wannig
Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen weiter auf
Wannig
Wir sind schon viele Stunden unterwegs und haben noch einen weiten Weg vor uns
Biggi auf dem Weg zum Wannig
Biggi in der Mondlandschaft des Wannig
Wanderung Wannig
Der Aufstieg nimmt gefühlt kein Ende
Gipfelkreuz Wannig
Endlich kommt das Gipfelkreuz in Sicht. Kurios sind die grasenden Schafe
Blick auf Mieminger Kette
Die Strapazen der Wanderung werden mit diesem Blick auf die Mieminger Kette belohnt
Wannig-Gipfel
Der Blick vom Wannig-Gipfel
Wannig Markierung
2493 Meter – so hoch sind wir hier
Mieminger Kette und Wettersteingebirge
Die Mieminger Kette und dahinter das Wettersteingebirge

Vom Wannig auf die Handschuhspitze

Im oberen Teil des schroffen Wannig-Gipfelausbaus, der einer tristen Mondlandschaft gleicht, ist der Weg recht anspruchsvoll. Immer wieder müssen wir die Hände in dem brüchigen Fesl zu Hilfe nehmen. Der Bergpfad führt in der Flanke des Massivs stetig nach unten. Einen falschen Schritt darf man sich in diesem Gelände nicht erlauben. Es geht mitunter sehr steil in die Tiefe und im Abstieg ist der Weg noch anspruchsvoller als im Aufstieg, wie wir es ja eigentlich geplant hatten.

Schneefeld auf dem Wannig
Auf dieser Höhe liegt selbst im Hochsommer noch Schnee
Abstieg vom Wannig
Hier führt uns der Weg nach unten. Es ist größte Obacht geboten
Blick auf den Wannig
Wir blicken noch einmal zurück zum Wannig. Noch erkennen wir das Gipfelkreuz gut
Weg zur Handschuhspitze
Der weitere Wegverlauf zur Handschuhspitze ist recht gut zu erkennen
Handschuhspitze
Blick in Richtung Handschuhspitze
Flo in den Bergen
Dieser Teil der Wanderung ist schon wieder recht einfach

Auf dem Gipfel der Handschuhspitze

Endlich erreichen wir den 2319 Meter hohen Gipfel der Handschuhspitze. Das gröbste Stück haben wir jetzt geschafft. Trotz der bedrohlichen Wolkenkulisse legen wir eine kurze Pause ein und genießen unsere Brotzeit.

Gipfelkreuz Handschuhspitze
Hier sehen wir schon das Gipfelkreuz der Handschuhspitze
Wannig in der Ferne
Der Wannig ist in weiter Ferne
Gipfelkreuz Handschuhspitze
Das Gipfelkreuz der Handschuhspitze
Blindsee Weißensee
Vom Gipfel der Handschuhspitze sehen wir den links Blindsee und den rechts den Weißensee
Mieminger Kette
Von der Handschuhspitze erscheint die Mieminger Kette noch eindrucksvoller
Aussicht Handschuhspitze
Biggi genießt die Aussicht

Der Abstieg von der Handschuhspitze

Der Abstieg von der Handschuhspitze erfordert auch wieder einiges Geschick und Trittsicherheit. Es geht über teils steile Geröllfelder, die man nicht unterschätzen darf. An der Sunnalm machen wir noch einmal Rast. Nach dieser anstrengenden Wanderung gönnen wir uns einen warmen Apfelstrudel mit Sahne – das tut jetzt gut. Von der Sunnalm könnten wir mit der Marienbergbahn oder einem Kart ins Tal fahren. Wir wollen die Runde aber perfekt machen und steigen gemütlich ab. Nach zwölf Stunden erreichen wir wieder den Wanderparkplatz. Höchste Zeit, denn nur wenig später bricht ein heftiges Unwetter mit Blitz, Donner und Hagel über uns herein.

Abstieg Handschuhspitze
Wir machen uns an den Abstieg
Abstieg Handschuhspitze
Auf diesem steilen Stück ist Trittsicherheit gefragt
Wanderweg mit Blick auf Mieminger Kette
Nach dem steilen Abstieg führt uns der Weg idyllisch durch die Bergwelt
Wanderung Handschuhspitze
Die Aussicht ist einfach grandios
Wanderung Handschuhspitze
Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus
Wanderweg mit Kühen
Wir stoßen auf einen breiten Wanderweg – und auch hier weiden wieder Kühe
Handschuhspitze
Dort oben von der Handschuhspitze kommen wir her
Sunnalm
Wir erreichen die Sunnalm
Apfelstrudel
Zum Abschluss der Wanderung gönnen wir uns noch einen warmen Apfelstrudel

Das Video zur Wanderung auf Handschuhspitze und Wannig

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Tourdaten Handschuhspitze – Wannig

Datum: Juli 2016
Gesamtweglänge: 19,6 Kilometer
Höhenmeter: 1580 Meter
Reine Gehzeit: 9:00 Stunden

Die Wanderung nur auf die Handschuhspitze (unser zweiter Gipfel) geht noch als mittelschwere Bergtour durch. Der Wannig ist noch einmal eine andere Hausnummer. Wir empfehlen, von der Handschuhspitze zum Wannig aufzusteigen und über die Nassereither Alm abzusteigen. In dieser Richtung erspart man sich im Bereich des Wannig-Gipfels einige recht unangenehme Stellen im steilen Abstieg. Aber auch so sind für diese anspruchsvolle Bergwanderung Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Voraussetzung. Mit fast 20 Kilometern Länge und knapp 1650 Höhenmetern im Auf- und Abstieg ist die Rundtour nur für erfahrene Bergwanderer geeignet. Die steilen Geröllfelder sind zudem steinschlaggefährdet. Voraussetzung für die lange Wanderung sind zudem stabile Wetterverhältnisse. Zwischen Wannig und Handschuhspitze gibt es keine Möglichkeit abzusteigen. Belohnt wird man auf der Wanderung mit sagenhaften Blicken auf das Wettersteingebirge, die Ammergauer Alpen, die Lechtaler Alpen, die Stubaier Alpen und viele andere Bergketten.

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