Die Zeitautomatik (A/Av) auf einen Blick
Modus-Bezeichnung: A (Sony, Nikon) oder Av (Canon, Pentax).
Was du einstellst: Die Blende (z. B. f/2.8 für Porträts oder f/8 für Landschaften).
Was die Kamera regelt: Die Belichtungszeit (und optional die ISO-Empfindlichkeit).
Der größte Vorteil: Volle kreative Kontrolle über Vorder- und Hintergrundschärfe bei maximaler Schnelligkeit.
Typischer Einsatzbereich: Reisen, Street-Fotografie, Porträts, Tierbeobachtung und Wandern.
Die mit * markierten Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber kaufst, bekommen wir eine Provision – für dich entstehen keine Extrakosten! Danke für deine Unterstützung.
Warum die Blende das wichtigste Gestaltungsmittel ist

Die Blende steuert nicht nur, wie viel Licht auf den Bildsensor fällt, sondern bestimmt vor allem die Bildwirkung durch die Schärfentiefe. Wählst du eine weit geöffnete Blende mit kleinem Blendenwert wie f/1.4 oder f/2.8, fällt viel Licht ein und der Hintergrund verschwimmt in einem wunderbar weichen Bokeh. Das ist ideal, um Porträts, Tiere oder kleine Details freizustellen.
Möchtest du dagegen eine Landschafts- oder Architekturaufnahme machen, bei der vom Kieselstein im Vordergrund bis zu den Bergen am Horizont alles gestochen scharf sein soll, schließt du die Blende auf Werte zwischen f/8 und f/11. In diesem Bereich liegt der sogenannte Sweet Spot vieler Objektive, an dem sie ihre maximale Schärfeleistung entfalten.
Profi-Tipp zur Beugungsunschärfe: Schließe die Blende für Landschaftsaufnahmen nicht auf f/22. Die meisten Objektive liefern ihren schärfsten Bereich (Sweet Spot) zwischen f/8 und f/11. Bei größeren Blendenwerten bricht das Licht an den Lamellen und das gesamte Foto wird wieder weicher bzw. unschärfer!
| Blendenöffnung | Blendenwert (f) | Wirkung | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Weit geöffnet | f/1.4 bis f/2.8 | Geringe Schärfentiefe, unscharfer Hintergrund (Bokeh) | Porträts, Wildlife, Details |
| Mittlerer Bereich | f/4 bis f/5.6 | Gute Schärfe bei moderater Freistellung | Street, Dokumentation, Events |
| Geschlossen (Sweet Spot) | f/8 bis f/11 | Durchgehende Schärfe von vorne bis hinten | Landschaften, Architektur |
| Sehr weit geschlossen | f/16 bis f/22 | Vermeiden! Gefahr von Beugungsunschärfe | Nur für Sonnensterne nötig |
Der perfekte Workflow: Zeitautomatik trifft ISO-Automatik
Für den fotografischen Alltag aus der Hand empfehle ich die Kombination aus dem A/Av-Modus und der ISO-Automatik. Ziel der Zeitautomatik ist immer die beste Kombination aus möglichst kurzer Belichtungszeit (für Aufnahmen aus der Hand; abhängig von der Brennweite) und, falls du die ISO-Automatik nutzt, einem möglichst geringen ISO-Wert.
Du stellst deine Kamera also auf A/Av und wählst eine Blende. Du musst dir dabei vor dem Auslösen nur eine einzige Frage stellen: Welches Motiv fotografiere ich und wie viel Schärfentiefe möchte ich erzeugen?
Sobald du deine Wunschblende gewählt hast, berechnet die Kamera die Verschlusszeit (Tipp: In den meisten Fällen ist die Mehrfeldmessung die perfekte Wahl) und hebt bei schwächerem Umgebungslicht den ISO-Wert selbstständig an.
Um starkes Bildrauschen zu verhindern, lohnt es sich, im Kameramenü ein festes ISO-Limit einzustellen. Moderne Vollformat-Kameras liefern übrigens selbst bei ISO 6.400 oder 12.800 noch hervorragende Ergebnisse.
Der große Vorteil dieses Setups: Du kannst dich voll und ganz auf das Licht, den Bildausschnitt und den richtigen Moment konzentrieren, ohne ständig an drei verschiedenen Einstellrädern drehen zu müssen.
- Modus A / Av wählen: Schalte das Modusrad deiner Kamera auf die Zeitautomatik.
- ISO-Automatik mit Limit aktivieren: Lass die Kamera den ISO-Wert automatisch regeln, lege im Kameramenü jedoch eine Obergrenze fest (z. B. maximal ISO 6400 oder ISO 12800), um starkes Bildrauschen zu verhindern.
- Blende nach Bildidee setzen: Wähle z. B. f/8 für Weitwinkel-Landschaften oder f/2.8 für ein Porträt mit weichem Hintergrund.
- Fokussieren und Auslösen: Die Kamera hält die Belichtung perfekt im Gleichgewicht.
Belichtungskorrektur gezielt einsetzen

Gelegentlich stößt die automatische Belichtungsmessung der Kamera an ihre Grenzen, vor allem bei kontrastreichen Szenen. Ein klassisches Beispiel sind sonnige Winterlandschaften: Der weiße Schnee täuscht den Sensor, die Kamera belichtet zu kurz und der Schnee wirkt auf dem Foto plötzlich grau. Über das Drehrad bzw. die Einstellung für die manuelle Belichtungskorrektur korrigierst du diesen Fehler mit einem Pluswert von +1 bis +2 Blendenstufen, damit das Weiß strahlt.
Umgekehrt solltest du bei starken Gegenlichtaufnahmen oder stimmungsvollen Sonnenuntergängen lieber etwas unterbelichten. Dadurch verhinderst du, dass feine Wolkenstrukturen im hellen Himmel ausfressen, und sicherst dir maximale Bildinformationen, die du im RAW-Format später perfekt herausarbeiten kannst.
- Schnee- & Strandlandschaften (+1 bis +2 EV): Sehr helle Flächen wirken für den Sensor wie Überbelichtung; die Kamera belichtet zu dunkel. Dreh den Wert ins Plus, damit der Schnee strahlend weiß bleibt.
- Gegenlicht & Sonnenuntergänge (-0.7 bis -1.3 EV): Belichte leicht unter, damit Lichter im Himmel nicht ausfressen und Konturen erhalten bleiben.
- Dunkle Motive / Low-Light: Bei Bedarf leicht abdunkeln, um die authentische Abendstimmung einzufangen.
Typische Stolperfallen und der manuelle Modus
Der größte Fallstrick bei der Zeitautomatik ist die Verschlusszeit bei Dunkelheit. Fällt zu wenig Licht auf den Sensor, wird die Belichtungszeit trotz hoher ISO-Werte eventuell zu lang, um bei einer Aufnahme aus der Hand noch ein Foto ohne Verwacklung aufzunehmen. Wird die Belichtungzeit zu lang, öffnest du entweder die Blende, erhöhst den ISO-Wert oder nutzt ein Stativ für eine Langzeitbelichtung.
Während die Zeitautomatik für mehr als 80 Prozent aller Fotosituationen die schnellste und zuverlässigste Wahl ist, gehört das Stativ ins Reich des manuellen Modus (M). Sobald du mit Graufiltern an tosenden Wasserfällen arbeitest, bei Nacht die Milchstraße fotografierst oder im Studio mit Blitzen hantierst, bringt der M-Modus die nötige Konstanz, die kein Automatismus bieten kann.
Zeitautomatik vs. Manueller Modus (M): Wann nutzt du was?
- Nutze die Zeitautomatik (A/Av):
- Bei allen Aufnahmen aus der Hand.
- Bei wechselndem Sonnen- und Wolkenlicht.
- Auf Wanderungen, Reisen und Städtetrips, wo Motive schnell verschwinden.
- Nutze den manuellen Modus (M):
- Beim Fotografieren mit Stativ und Graufiltern (Langzeitbelichtungen).
- Bei Studioaufnahmen mit Blitzanlagen.
- Bei der Astrofotografie (Milchstraße, Polarlichter).
Typische Fehler mit der Zeitautomatik – und wie du sie vermeidest
- Fehler 1: Zu weit abblenden
- Problem: Blende f/22 (nie zu empfehlen), Belichtungszeit wird extrem lang, Bild verwackelt.
- Lösung: Maximal f/11, bei Dunkelheit und Aufnahmen aus der Hand weniger!
- Fehler 2: Belichtungszeit nicht im Blick
- Problem: Kamera wählt 1/10 Sekunde, alle Fotos verwackelt.
- Lösung: Achte immer auf die Belichtungszeit!
- Fehler 3: ISO-Automatik nicht aktiviert
- Problem: ISO 100 fest, bei Dämmerung werden Belichtungszeiten viel zu lang.
- Lösung: ISO-Automatik aktivieren!
- Fehler 4: Belichtungskorrektur vergessen
- Problem: Alle Fotos zu hell oder zu dunkel.
- Lösung: Nutze das Histogramm und korrigiere bei Bedarf!
- Fehler 5: Falscher Blendenwert für die Situation
- Problem: Porträt mit f/11 (alles scharf) oder Landschaft mit f/2.8 (vieles unscharf).
- Lösung: Denk nach: Was will ich zeigen? Schärfentiefe oder Freistellung?
Lerne die Fotografie von Grund auf verstehen

Die Zeitautomatik ist der wichtigste Schritt weg von der Vollautomatik hin zu bewusster Bildgestaltung. Willst du Blende, Verschlusszeit, Autofokus und Bildkomposition in der Praxis meistern?
In meinem Online-Fotokurs lernst du Schritt für Schritt anhand anschaulicher Praxisbeispiele, wie du deine Kamera blind bedienst und Aufnahmen mit Wow-Effekt erstellst.







