Plomari auf einen Blick
Anreise: Flug nach Mytilini (MJT), von dort rund eine Stunde Fahrt über kurvige Bergstraßen. Mietwagen oder Taxi sind die direkteste Verbindung, Fähren legen nicht in Plomari an, sondern in Mytilini
Reisedauer: Zwei Tage für Plomari, zwei zusätzliche Tage für die Umgebung
Für wen: Ouzo-Liebhaber, Badegäste, Liebhaber von historischen Bauten, Individualreisende mit eigenem Fahrzeug
Highlights: Altstadt und ISA Mesa, osmanische Herrenhäuser, Barbayannis-Museum, Bergdörfer
Vor Ort: Das Zentrum erkundest du zu Fuß oder mit dem E-Bike Für Strände und Dörfer leihst du dir ein Auto
Kosten: Preisniveau allgemein günstig, insbesondere in der Umgebung hervorragendes Preis/-Leistungsverhältnis
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober. Im Hochsommer sind die Temperaturen hoch, im Oktober schließen saisonale Betriebe nach und nach
1. Platia, Hafen und Sedountas: Darauf schaut man in Plomari

Plomari liegt rund 42 Kilometer südlich von Mytilini und ist mit knapp 2.800 Einwohnern nach Mytilini die zweitgrößte Stadt der Insel. Wer sich dem Ortskern nähert, bekommt ein gutes Gefühl für die Eigenheiten der Ouzo-Hauptstadt. Kilometerlang schlängelt sich die stark frequentierte Hauptverbindungsstraße aus Richtung Mytilini entlang der Küste.
Die Anfahrt aus Nordwestlicher Richtung mutet fast abenteuerlich an. Je näher du dich über steile Serpentinen dem Ort näherst, desto enger werden die Gassen. Bei Gegenverkehr hilft dann nur noch der Rückwärtsgang.
Den besten Einstieg für deine Erkundungstour bietet die Platia, der Hauptplatz rund um die große Platane. Die Kafenia sitzen dicht beieinander, die Kirche Agios Nikolaos steht auf der einen Seite, eine Brücke über den Sedountas auf der anderen. Der kleine Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften. Im Sommer liegt sein Bett meist trocken, aber nach starken Regenfällen schwillt der künstliche Kanal drastisch an.

Von der Platia schlängelt sich eine kleine Einkaufsgasse in Richtung Hafenbecken. Das Bild in der Marina wird bestimmt von unzähligen Kaikis, den kleinen, bunten Holzbooten, die sich vortrefflich für ein stimmungsvolles Urlaubsfoto eignen. Unter die Fischerkähne mischen sich auch einige Ausflugsboote und Segelyachten.
Viele Segler berichten allerdings über schlaflose Nächte aufgrund des fehlenden Wellenbrechers im Becken. Abschrecken lassen sich die meisten davon aber nicht, schließlich hat Plomari mit seinen Cafés, Tavernen und seinem lebhaften Marktplatz viel zu bieten.
Wer direkt am Anleger essen möchte, nimmt das Seven Seas Taverna (Google Maps) ins Visier. Es zählt zu den beständigsten Adressen am Wasser, mit frischem Fisch und Blick auf die Marina. Etwas zurückversetzt am großen Hauptplatz lohnt sich ein Besuch des Kafeneons Meat Stories (Google Maps), das neben erwähnten Fleischgeschichten durchaus hervorragende Pizzen und Salate anbietet.

Vom Hafen starten außerdem die Ausflugsboote mit unterschiedlichem Programm (siehe Infotafeln am Anleger). Beliebt sind Touren zu abgelegenen Stränden, zur Panagia Kryti sowie zum Golf von Gera. Wer selbst steuern will, kann sich selbst ein Boot leihen. Eine weitere Option stellt das Krifti Fishing Boat Trip (Tel. +30 694 625 51 89) dar: Ein kleineres Angebot auf traditionellen Fischerbooten mit flexiblerem Programm, das sich gut für kleinere Gruppen eignet.
Mein Tipp: Wer Plomari mit dem Mietwagen ansteuert, wählt am besten einen Stellplatz am Fischereihafen rund einen Kilometer vom Marktplatz entfernt. Direkt im Zentrum gibt es tagsüber nur wenige und nachts so gut wie keine Parkmöglichkeiten.
2. Altstadt, Herrenhäuser und ISA Mesa: Das historische Plomari

Plomari ist jünger, als es das Erscheinungsbild vermuten lässt. Zwischen 1841 und 1843 beschädigten Großbrände das alte Plomari, zudem fielen Jahre später viele Olivenbäumen starken Frösten zum Opfer. In der Folge zogen viele Bewohner aus den Bergen hinunter an die Küste.
Dort entstand eine Industriestadt in Miniaturformat: Ölpressen, Seifenfabriken, Destillerien, Werften und Lagerhäuser arbeiteten eng mit dem Hafen zusammen. Die Waren wurden in die Ägäis, nach Kleinasien und ans Schwarze Meer verschifft, die Seifenfabriken belieferten sogar andere europäische Länder.
Diese Vergangenheit spiegelt sich auch heute noch im Stadtbild wider. Zwischen bunten Wohnhäusern stehen große Herrenhäuser, deren Fassaden ihren einstigen Reichtum nicht verbergen können, dazu Fabrikruinen, osmanische Brunnen und Häuser im türkischen Baustil. Besonders lohnend ist ein Abstecher in den ISA Mesa. Die alte Innenstadt erinnert an die 1950er-Jahre, als Plomari ein bedeutendes Handelszentrum war.

Nach 1922 schwächten die Kleinasiatische Katastrophe und veränderte Handelswege die Wirtschaft. Ouzo, Landwirtschaft und später der Tourismus eröffneten neue Möglichkeiten. Mittlerweile konnte sich Plomari neben der Hauptstadt – mehr über die Sehenswürdigkeiten von Mytilini – sowie Molyvos (auch Mythimna) im Norden als Reiseziel etablieren.
Mein Tipp: Lauf die Altstadt in dieser Reihenfolge ab: Hafen, Markt, Gassen, dann hinauf in den ISA Mesa und zurück zum Meer. Der Rundgang endet natürlich am Strand von Ammoudeli. Fotografiere die Fassaden morgens, wenn das Licht flach über die Hänge fällt und der Putz jede Farbe annimmt.
3. Ouzo-Museen und Brennereien: Barbayannis, Giannatsi und Arvanitis in Plomari

Plomari ist weit über die Landesgrenzen ein Begriff, und das ist vor allem einem Destillat zu verdanken: Ouzo! Zahlreiche bekannte Produzenten haben ihren Sitz in oder in der Nähe von Plomari. In der Kleinstadt dreht sich alles um die Anis-Spirituose. Wichtig: Nur wer hier produziert und abfüllt darf die geschützte Herkunftsbezeichnung verwenden.
Vor Ort widmen sich gleich zwei Museen dem Thema: Der Ausstellungsraum des traditionsreichen Herstellers Barbayannis (Website) liegt an der Straße in Richtung Agios Isidoros. Efstathios Barbayannis kam 1860 nach Plomari, die Familie führt das Unternehmen seither in sechster Generation. Im Museum siehst du die originalen Abfüll- und Etikettiermaschinen des Barbayannis Blue sowie den ersten Alambik (alter Destillierapparat), der 1858 in Konstantinopel gefertigt wurde.
Audiovisuelle Präsentationen laufen auf Griechisch und Englisch, danach folgt eine Verkostung von vier Sorten. Der Eintritt ist kostenlos und ohne Voranmeldung möglich. Öffnungszeiten im Sommer (1. April bis 30. September): Montag bis Freitag 9:30 bis 15:30 Uhr, Samstag 9:30 bis 13:30 Uhr. Direkt vor der Destillerie findest du einige Parkplätze.

Das Arvanitis-Museum „The World of Ouzo“ liegt im Olivenhain bei Kampos Plagias, wenige Minuten vom Strand Agios Isidoros entfernt. Isidoros Arvanitis gründete die Destillerie 1894, das Rezept ist bis heute unverändert. Vor Ort werden in 18 handgefertigten Kupferbrennblasen die Destillate auf traditionelle Weise produziert.
Die geführte Tour bei Arvanitis dauert rund 45 Minuten, Gruppen von maximal 12 Personen starten alle 30 Minuten. Fotografieren ist nicht gestattet, zudem läuft die Anmeldung (Website) ausschließlich online. Der Eintritt beträgt 2 Euro, für Kinder unter 18 Jahren sowie Studenten bleibt der Zutritt kostenfrei. Öffnungszeiten im Sommer (Mai bis Oktober): Dienstag bis Samstag 10:00 bis 14:00 Uhr.
Arvanitis ist der größte Hersteller weltweit und exportiert seine Marke „Ouzo of Plomari“ – übrigens der erste Flakon mit Korken – in 40 Länder. Unter Einheimischen spielt diese Marke aber keine Rolle. Auf Lesbos bevorzugt man hochwertigere Sorten wie etwa jene von Giannatsi, Barbayannis, Samaras oder Veto.
Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, fährt zur traditionellen Brennerei Giannatsi oberhalb von Plomari an der Straße nach Melinta. Dort kann man ohne Voranmeldung an einer kurzen Führung teilnehmen und ein paar Flaschen des exzellenten Ouzos kaufen. Mit ihren handverpackten Flaschen im Retro-Look genießt das Label ein Alleinstellungsmerkmal.

Rund 20 Autominuten von Plomari entfernt in Papados lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen von Ouzo Samaras. Panagiotis Anagnostou und seine Frau Maria erläutern fachkundig und sympathisch die Geheimnisse hinter der traditionsreichen Marke – natürlich nicht ohne eine Verköstigung der unterschiedlichen Sorten.
Mein Tipp: Für mehr Ouzo-Kultur merke dir das jährliche Ouzo-Festival im Juli (Plomari) und August (Mytilini) vor. Die beliebte Veranstaltung feiert 2027 die 47. Auflage und zählt heute zu den wichtigsten gastronomischen und kulturellen Veranstaltungen der Nordägäis.
4. Kirchen und Kapellen: Agia Paraskevi, Agios Nikolaos und Profitis Ilias


Plomari hat für eine Stadt seiner Größe eine bemerkenswert dichte Kirchenlandschaft, die eng mit der Geschichte des Ortes verwoben ist. Die meisten Gebäude entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt es den Bewohnern ermöglichte, repräsentative Gotteshäuser zu bauen.
Die Kirche Agia Paraskevi ist eine der größten Kirchen des Ortes und zeichnet sich durch ihren hohen Glockenturm aus, der vom Hafen aus sichtbar ist. Sie besitzt eine Ikonostase aus weißem Marmor, die dem Innenraum eine außergewöhnliche Helligkeit gibt. Dieser Kontrast zur dunklen Holzschnitzerei, die in vielen griechischen Kirchen dominiert.
Agios Nikolaos von 1847 ist eine dreischiffige Basilika mit einer besonderen Entstehungsgeschichte: Der Sultansfirman, also die osmanische Baugenehmigung, hängt heute im Kirchenmuseum im Hof und erinnert daran, dass der Kirchenbau damals einer ausdrücklichen kaiserlichen Erlaubnis bedurfte. Im Museum werden außerdem Ikonen, liturgisches Gerät, Kelche und Evangeliare ausgestellt.
Auch die Kapelle Maria Magdalena trägt ein Dach, das byzantinische Bauformen aufgreift. Das Bauwerk steht exemplarisch für den Eklektizismus, der die kirchliche Architektur Lesbos‘ im 19. Jahrhundert prägte. Ganz oben am höchsten Punkt der Stadt steht die Kapelle Profitis Ilias. Im westlichen Stadtteil Ammoudeli findest du außerdem die Kirche Agios Panteleimonas.
Mein Tipp: Da alle Gotteshäuser auch heute noch genutzt werden, solltest du diese nur mit bedeckten Schultern und Knien betreten.
5. Strände in und um Plomari: Agios Isidoros, Ammoudeli, Melinta und Tarti


Die Strände an der Südküste rund um Plomari unterscheiden sich stark voneinander. Das hat den Vorteil, dass hier alle Geschmäcker bedient werden. Hier findest du eine Auswahl der bekanntesten Beaches:
Plakakia liegt direkt unterhalb des gleichnamigen Hotels, wenige Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt, und ist damit der unkomplizierteste Strand für Zwischendurch. Das Wasser ist türkisfarben und klar, der Strand selbst nicht organisiert, aber schattenspendende Bäume ersetzen die fehlenden Sonnenschirme ausreichend.

Agios Isidoros, rund zwei Kilometer östlich der Stadt ist der bekannteste und längste Strand im Süden. Sand und feine Kiesel wechseln sich ab, Liegen, Schirme, Tavernen und die Strandbar Vammos sorgen für die entsprechende Infrastruktur. Felsformationen unter der Wasseroberfläche machen den Strand zu einem lohnenden Schnorchelplatz. Agios Isidoros trägt die Blaue Flagge.
Melinta (auch Melinda), rund 15 Minuten westlich von Plomari, ist so etwas wie die ruhigere Schwester zu Agios Isidoros. Steilklippen begrenzen den Strand seitlich, ein großer Felsbrocken im Wasser spendet natürlichen Schatten, und am Fuß des Felsens treten warme Quellen aus, die das Wasser in der Umgebung merklich wärmer halten. Das Wasser ist flach und ruhig, gut geeignet für Kinder.

Tarti, rund 20 Minuten östlich von Plomari über kurvige Küstenstraßen, kombiniert feinen Kies, flaches türkisfarbenes Wasser und Wassersport an einer Kantine, die auch Mojitos ausschenkt. Das flache Wasser macht den Strand zur ersten Wahl für Familien mit kleinen Kindern.
Mein Tipp: Für Schnorcheln fährst du nach Agios Isidoros, für Ruhe nach Melinta, für Familien mit Kindern ist Tarti die beste Wahl. Prüfe in der Nebensaison vorher, ob Strandbars und Tavernen geöffnet haben, weil die Saison von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich endet.
6. Golf von Gera: Fischer, Vögel und ein besonderes Museum


Der Golf von Gera schneidet sich im Südosten von Lesbos tief ins Landesinnere. Über einen nur 200 bis 800 Meter breiten Kanal verbindet sich der 43 Quadratkilometer große Binnengolf mit dem offenen Meer, das stille Wasser dahinter gleicht einem großen See.
Der Evergetoulas-Fluss mündet hier ins Meer, und am nördlichen Uferstreifen liegt das Dipi-Feuchtgebiet, eines der wichtigsten Vogelrastgebiete der Region. Auf Lesbos wurden über 300 Vogelarten nachgewiesen, viele davon rasten während des Frühjahrszugs genau hier.
Entlang der Küstenstraße reihen sich viele kleine Weiler aneinander. Jeder von ihnen versprüht ein besonderes Flair zwischen alten Windmühlen, Backsteinruinen und kleinen Fischerhäfen. Zu einem stattlichen Dorf ist im Laufe der Zeit Perama herangewachsen.

Der Haupthafen der Gera-Region, von dem aus früher Leder aus den ansässigen Gerbereien verschifft wurde ist ebenso sehenswert wie der kleine Fischerhafen Pirgi (auch Pyrgi) am östlichen Ufer des Golfs. Ein paar Boote, frischer Fisch und Mezedes in der urigen Taverna Pyrgi (Google Maps) runden deinen Ausflug ab.

Zweige etwas vom Wasser ab und laufe durch Orte wie Paleokipos, dem Geburtsort von Hayreddin Barbarossa, einem der gefürchtetsten Flottenführer des Mittelmeers. Weiter geht es von dort ins benachbarte Skopelos mit seinen verwinkelten Gassen und einer sehenswerten Dorfkirche.
In Mesagros erinnert die Ruine einer osmanischen Moschee ans Ende der Herrschaft unter dem Halbmond. Einen Besuch wert ist hier die griechisch-orthodoxe Kirche Zoodochos Pigi aus dem 19. Jahrhundert.
Für weltliche Genüsse hält der Ort einer besten Lokale in der ganzen Region bereit: Die Taverne Enosi Kalofagas (Google Maps) verwöhnt ihre Gäste in einem Garten unter mächtigen Platanen mit herrlichem Blick auf den Golf von Gera. Was auf den Tellern landet ist nicht nur von herausragender Qualität, sondern auch von der Menge kaum zu bewältigen. Das ganze bei Preisen durchschnittlich acht Euro (!) für die meisten Hauptgerichte.

Sehenswert: Die ehemalige Bäckerei in Mesagros gehört seit 1985 zum Kulturministerium und ist Teil der Produktions- und Handelsdenkmäler. Seit 1990 ist es ein für Besucher zugängliches Museum, in dem Gegenstände und Utensilien für die Brotherstellung wie Holzkübel, Behälter, Formen, Bleche und mehr ausgestellt sind.
Papados liegt ebenfalls leicht erhöht über dem Golf und war einst das wirtschaftliche Zentrum der gesamten Region. Stattliche Herrenhäuser aus Stein und Marmor säumen die Wege. Einst für sein Olivenöl bekannt, wird heute hier Toplevel-Ouzo der Marke Samaras produziert.

Als touristisches Highlight gilt das Vrana Olivenpressen-Museum (Website). Die Dampffabrik wurde 1887 von Nikolaos Vranas errichtet. Fast 90 Jahre lang liefen die Pressen ohne Unterbrechung, das produzierte Öl wurde in ganz Griechenland und bis nach Istanbul gehandelt. Nach dem Verfall kaufte die Kulturorganisation Archipelagos das Ensemble und restaurierte es aufwendig.
Während der Restaurierung tauchte ein seltener Schatz auf: das vollständigste erhaltene Fabrikarchiv zur Olivenölproduktion auf Lesbos, mit Aufzeichnungen über fast ein Jahrhundert. Es wird heute im Erdgeschoss des Museums ausgestellt. Geöffnet täglich außer Dienstag von 10:00 bis 14.00 Uhr, Eintritt: 3 Euro.
Auf dem Rückweg Richtung Mytilini lohnt noch ein Stopp an den Thermalquellen am Golf, etwa acht Kilometer vor der Hauptstadt. Zwei gewölbte Badehäuser fangen das 39,5 Grad warme Wasser auf, nach Geschlechtern getrennt und seit der Antike in Betrieb. Plane den Museumsbesuch nicht auf einen Montag, denn dann bleibt es geschlossen. Die übrigen Tage hat das Vrana-Museum im Sommer von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, im Winter bis 16:00 Uhr.
Mein Tipp: Kombiniere den Museumsbesuch mit einem Stopp an den Thermalquellen am Golf, wo du für drei Euro in 40 Grad warmem Wasser entspannst.
7. Kapelle Panagia Kryfti

Die Kapelle Panagia Kryfti, die Verborgene Muttergottes, sitzt in einer Felshöhle über einer kleinen Bucht und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Legende, die ihren Namen erklärt, erzählt von einer Frau und ihrem Kind, die von Reitern verfolgt wurden und in der Enge einer Sackgasse beteten. Eine Höhle soll sich geöffnet haben, in der sie sich versteckten.
Am Festtag reiten überwiegend junge Menschen aus Paleochori auf geschmückten Pferden zur Kapelle. Das eigentliche Fest (Panigiri) findet am 15. August direkt in Paleochori mit traditioneller Musik, Tanz und Essen statt.
Den Zugang erreichst du per Boot oder über einen Fußweg von Melinta aus, dessen Zustand du vorab prüfen solltest. Von Plomari bieten zahlreiche Anbieter Bootstouren an (in der Regel von April bis November).
Bei Seafari Adventures (Website) kannst du beispielsweise private Powerboat-Touren entlang der Südküste buchen. Die vierstündige Standardroute führt westlich von Plomari, macht einen Stopp am Strand von Melinta und endet bei Panagia Kryfti.
8. Megalochori, Paleochori und Neochori: Die Vorläufer von Plomari

Megalochori liegt rund zehn Kilometer nördlich der Küste auf etwa 600 Metern Höhe. Der Spitzname „Schweiz von Lesbos“ hat den Ursprung in den zehn natürlichen Brunnen, die selbst im Hochsommer für eine kühle Brise sorgen.
Wanderfreunde können den Ort auch über einen schönen Pfad von Plomari aus erreichen. Die Route folgt dem Fluss Sedountas in westlicher Richtung. Von Megalochori führt außerdem ein relativ flacher Weg mit toller Aussicht ins etwa zwölf Kilometer entfernte Agiasos. Näheres zu dem stimmungsvollen Bergdorf findest du in meinem Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Lesbos.
Einer der Highlights in Megalochori ist die Kirche Agios Ioannis Theologos von 1795. Sie besitzt eine geschnitzte Ikonostase und steht längst unter Denkmalschutz. Auf der Platia findest du außerdem das Denkmal für Benjamin Lesvios, dem bedeutenden Wissenschaftler, Philosophen und Politiker, der hier geboren wurde.
Ein Satz zur Gastronomie: Das familiengeführt Kafeneion To Koutoukáki (Google Maps) an der Platia dient morgens als Frühstückslokal und tagsüber als inoffizieller Treffpunkt des Ortes. Wer Hunger hat, sitzt dort unter Einheimischen und bekommt, was die Küche des Tages hergibt, meist Mezedes, Käse und typisch griechische Küche vom Feinsten.
Paleochori, elf Kilometer von Plomari entfernt, verdankt seine charakteristische Silhouette einer einfachen Überlegung: Die Häuser stehen so dicht, dass zwischen ihnen kaum ein Mensch durchpasst – auch keine Angreifer. Als Ankerpunkt entpuppt sich die Kirche Maria Verkündigung von 1864 beherbergt ein Kirchenmuseum mit Ikonen, liturgischem Gerät und Urkunden.

Das Folkloremuseum von 2022 in einer restaurierten Ölmühle zeigt Klassenzimmer, Küche, Schlafzimmer und Schusterwerkstatt aus dem Dorfleben des vergangenen Jahrhunderts. Hier werden auch spezielle Events wie Vollmond-Führung und mehr angeboten.
Wenige Kilometer weiter liegt Neochori, das mit einer anderen Art von Industriegeschichte aufwartet. Eine Ölpresse von 1909 läuft heute als Museum, am Dorfplatz steht die Kirche Konstantinos und Eleni von 1951 neben der Kapelle Agia Aikaterini von 1841.
Mein Tipp: Trage bequeme Schuhe, die Gassen sind steil und das Pflaster uneben. Fahr die Bergstraße langsam und plane für die Dörferroute mindestens einen halben Tag ein.
9. Ambeliko, Trigona und Akrasi: Drei versteckte Weiler im Hinterland

Im Hinterland von Plomari zeigt die Region ihre historische Seit. Beispielsweise in Ambeliko, wo ein 16 Meter hohe Wachturm aus der Zeit der Gattilusi-Herrschaft noch vollständig erhalten ist. Sogar ein Kiefernharz-Museum ist zu finden: Hier werden Reliquien aus einem Handelszweig ausgestellt, der auf Lesbos bis ins 20. Jahrhundert wirtschaftlich relevant war.
Weiter geht es nach Trigona, das seinen Namen den zwei Flüssen verdankt, die das Dorf einrahmen. Das Wasser hält das Mikroklima hier kühler und grüner als an der Küste, was man dem Ort auch ansieht. Neben der Kirche Agios Antonios von 1896 betreibt die Familie Protoulis eine Ölmühle mit Museum, die einen Abstecher wert ist.
Den Abschluss der Route bildet Akrasi auf dem Hügel, das im Sommer zu den kühlsten Punkten der gesamten Gemeinde gehört. Im August findet dort das Trahana-Fest statt, bei dem die Herstellung der getrockneten Teigware aus Getreide und gesäuerter Milch gezeigt wird. Auch Aktivurlauber kommen auf ihre Kosten: Auf der Toumba-Farm stehen Pferde für Reitausflüge zur Verfügung.
Nach einem Stopp im urigen Grillrestaurant To Stavrodromi ton Gefseon (Google Maps), zu deutsch: die Kreuzung der Geschmäcker, fährst du am besten hinunter zur wildromantischen Felsbucht Drota. In der namensgebenden Taverne (Google Maps) kocht Maria Xenitelli seit 2017 nach alten Familienrezepten.
Mein Tipp: Starte die Route früh und plane das Mittagessen in Drota ein. Die Taverna ist nur saisonal geöffnet, ein kurzer Anruf vorher lohnt sich.
10. Restaurant-Tipps in und um Plomari

In Plomari und Umgebung findest du vor allem eines: ehrlich und authentische Gastronomie. Auf den Tisch kommt, was die Insel hergibt: lokaler Käse, Honig, Oliven, Calamari und der Fang des Tages, dazu Spanakopita und Kleftiko, langsam gegartes Lamm und natürlich lokaler Ouzo.
Mit Ausnahme der kurzen Sommersaison wird hier nicht für Touristen, sondern für Einheimische gekocht. So wie im Platanelli (Google Maps) oberhalb der Hauptstraße in einem der pittoresksten Teile der Altstadt. Touristen verirren sich nicht hierher, dafür genießt du an den Tischen beidseits der kleinen Straße handgemachte Fingerfood-Gerichte, Lamm- sowie Ziegenkoteletts und traditionelle Mezedes.

Am Strand von Ammoudeli liegen mit zwei Fischtavernen, die beide ihren eigenen Charakter haben. Ich bevorzuge die Taverna Maria (Google Maps), wo sich die Fischmahlzeit oft länger als geplant ausdehnt. In der Taverna Ammoudeli (Google Maps) am Ortsrand von Plomari darfst du dich über den vermeintlich schönsten Ausblick von einem Plateau direkt über der Ägäis freuen. Auf dem Speiseplan stehen hier vor allem Fisch und Mezedes in Top-Qualität.
Wer Pizza sucht, kennt Jimmys in Platanos (Google Maps). Seit den 1980ern kredenzt man hier griechische Pizza, tageweise steht außerdem Sushi auf der Karte. Alles etwas wild, aber es funktioniert. Für den späteren Abend solltest du das Pecado (Google Maps) an der Platia ansteuern. Drinks und Cocktails unter mächtigen Platanen, das passt!

Mein Top-Tipp: Despotis (Google Maps) in der Gemeinde Perama in Gera, 25 Autominuten entfernt. Dieser fast melancholische Ort am Wasser wird seit Gründung von rund 30 Jahren ausschließlich von Frauen betrieben – sieben Tage die Woche ganzjährig! Von A bis Z exzellent, ohne jeden Kritikpunkt!
Tipps zum Übernachten

Drei Lagen stehen zur Wahl, je nachdem, was du vom Aufenthalt erwartest. Das Zentrum eignet sich für Hafenabende und kurze Wege zu Fuß, Ammoudeli für ein Strandviertel nahe der Stadt, Agios Isidoros für reine Strandtage mit allem drum und dran.
Ziemlich in der Mitte zwischen dem Ortskern und Agios Isidorios liegen die OdeSea Aegean Studios (Google Maps). Von den Balkons der fast nagelneuen Anlage blickst du von erhöhter Lage auf das Meer. Ein hilfsbereiter Gastgeber, eigene Parkplätze und kostenlose Getränke runden den Aufenthalt ab: Meine Top-Empfehlung!
Olive Green Studios (hier Preise checken*) liegen zentral und gut zu Fuß erreichbar. Irini Studios (hier Preise checken*) sitzen oberhalb von Ammoudeli mit Balkonen zum Meer. Elia Village (hier Preise checken*) liegt 50 Meter vom Agios-Isidoros-Strand, dort brauchst du für alles außerhalb des Strands ein Auto oder ein Taxi.
Im Oktober schließen Unterkünfte und Restaurants nach und nach. Im frühen Herbst lohnen noch Badetage, später eher Wanderungen in den Bergdörfern.
Mein Fazit zu Plomari
Wer Ouzo nur aus dem Glas kennt, lernt in Plomari, wie eine ganze Region dank eines einzigen Produkts internationale Bekanntheit erlangt hat. Zwei Ouzo-Museen, etliche Destillerien, eine Altstadt mit Fabrikruinen und einem historischen Kern. Dazu Strände mit Blauer Flagge, Bergdörfer auf 600 Metern Höhe und eine herzliche Gastfreundschaft, die einem auf Schritt und Tritt begegnet. Für mich zählt Plomari zu den authentischsten Flecken in ganz Griechenland.
Mein Feelgood-Faktor: 85 von 100!








