Mytilini auf einen Blick
Übernachten: Theofilos Paradise Boutique Hotel (4 Sterne, zentrumsnah, mit Dachpool); Sappho Hotel (3 Sterne, direkt an der Strandpromenade) für eine günstigere Option
Reisedauer: 2 bis 3 Tage für Mytilini, 7 bis 10 Tage für die gesamte Insel Lesbos
Für wen: Kulturreisende, Architekturliebhaber, Gourmets und Individualreisende mit Interesse an Geschichte und Gastronomie
Anreise: Flug nach Mytilini (MJT), im Sommer aktuell keine Direktverbindungen aus Deutschland; bevorzugt mit Zwischenstopp in Wien. Außerdem ganzjährig Fähre ab Piräus, Kavala und Thessaloniki
Vor Ort: Das Zentrum erkundet man gut zu Fuß. Für Varia und die Umgebungsdörfer ist ein Mietwagen empfehlenswert
Kosten: Allgemein günstig: Eintritt Kastro 2 Euro, Museen 2 bis 4 Euro, Tsamakia-Strand 2 Euro
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, außerhalb der Ferienzeit im Juli/August für ruhigere Verhältnisse
1. Das Kastro: Mytilinis mächtige Festungsanlage

Kein anderes Bauwerk prägt das Bild von Mytilini so sehr wie das Kastro. Schon beim Einlaufen in den Hafen siehst du es: eine mächtige Festungsanlage auf einem bewaldeten Hügel im Nordosten der Stadt, umgeben von Kiefern, mit freiem Blick aufs Meer. Die unterschiedlichen Bauwerke auf dem rund 9.100 Hektar großen Gelände werden seit Mitte 2024 für etwa drei Jahre schrittweise renoviert. Der Zutritt ist aber weiterhin möglich.
Der Ursprung reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück, als Kaiser Justinian I. die Anlage auf den Resten einer antiken Akropolis errichten ließ. Was folgte, war ein permanenter Auf- und Umbau durch verschiedene Herrschermächte. Die Gattilusi, eine genuesische Adelsfamilie, bauten die Burg zwischen 1355 und 1462 zur wehrhaften Residenz aus. Die Osmanen übernahmen sie danach und prägten sie für weitere rund 450 Jahre.
Die Festung gliedert sich in drei Bereiche. Im Ano Kastro, dem oberen Teil auf dem höchsten Punkt des Hügels, findest du in die Mauer eingelassene Marmorplatten mit den Wappen der Familien Gatelouzi und Palaiologoi. Das Mittelkastell beherbergt religiöse Denkmäler aus osmanischer Zeit: das Kloster einer Derwisch-Bruderschaft (Tekes) und die sogenannten Mendreses, eine ehemalige osmanische Koranschule. Das Kato Kastro im unteren Bereich diente einst der osmanischen Armee als Kaserne.

Das Augenmerk liegt auf den restaurierten osmanischen Bädern, von denen heute aber nur noch die Umrisse erkennbar sind. Als Blickfang dient außerdem der kleine byzantinische Toreingang an der Nordseite der Oberen Burg. Mit einer Gesamtfläche von rund vier Hektar zählt das Kastro zu den größten Burganlagen im östlichen Mittelmeer.

Am westlichen Hang des Hügels Agia Kyriaki am oberen Stadtrand findest du mit den Resten des Antiken Theaters, das einst rund 15.000 Zuschauern Platz bot, eine weitere Top-Sehenswürdigkeit. Der Eintritt beträgt 5 Euro, Studierende zahlen mit gültigem Ausweis nichts. Allerdings ist die Anlage seit Juni 2026 bis auf Weiteres wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.
Ein Abstecher dorthin lohnt sich dennoch, allein wegen der beiden Gotteshäuser Panagia Kiriaki und der Dreifaltigkeitskirche. Vor allem aber hast du von der Anhöhe in der Nähe des Alten Theaters den schönsten Blick auf Mytilini.
Mein Tipp: Besuche das Kastro am Vormittag, dann liegen die Wege noch im Schatten. Aufgrund der exponierten Lage eignet sich die Burg als perfekter Spot für Bilder in alle Himmelsrichtungen.
2. Therapontas-Kirche: Wahrzeichen von Mytilini

Die mächtige Kuppel der Kirche des Heiligen Therapontas (Agios Therapontas) fällt dem Besucher gemeinsam mit dem Kastro als erstes ins Auge. Das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt, entworfen Anfang des 19. Jahrhunderts vom einheimischen Architekten Argyris Adalis, vereint der Bau verspielte Barockformen mit Rokoko-Elementen zu einem beeindruckenden Gesamtwerk. Das Innere ist kühl und ruhig, mit Fresken und aufwendigen Holzschnitzereien.
Direkt gegenüber liegt das Byzantinische Kirchenmuseum, das einen eigenständigen Besuch wert ist. Ikonen aus dem frühen Mittelalter, Bischofsgewänder, Handschriften und antike Kelche erzählen dort von der langen religiösen Geschichte der Insel. Geöffnet täglich außer Dienstag von 08:30 bis 15:30 Uhr, der Eintrittspreis beträgt 8 Euro. Im Zeitraum vom 1. November bis 31. März ist der Besuch an jedem ersten und dritten Sonntag kostenfrei.

Ebenfalls sehenswert ist die Metropolitankirche des Heiligen Athanasios aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ihr neugotischer Stil wirkt für eine griechisch-orthodoxe Kirche zunächst ungewöhnlich.
Der 33 Meter hohe Glockenturm setzt einen markanten Akzent in der Stadtsilhouette, der holzgeschnitzte Altar im Inneren zeigt hohes handwerkliches Können.
Im Inneren befinden sich Fresken im Renaissancestil von Vasileios Kesaklis, einem Maler aus Lesbos. Die Kathedrale beherbergt die Reliquien des Heiligen Theodor, des Schutzpatrons von Lesbos. Bemerkenswert: Theodor war kein Geistlicher, sondern ein talentierter Künstler, der zunächst zum Islam konvertierte und später wieder Christ werden wollte, eine Todsünde zu damaliger Zeit, die seine Hinrichtung nach sich zog. Vier Jahrzehnte später feierte man ihn als christlichen Märtyrer und ernannte ihn zum Schutzpatron von Lesbos.
Im Hinterhof der Metropolis hat sich außerdem ein Mosaikboden aus dem 3. oder 4. Jahrhundert erhalten, ein stiller Zeuge des römischen Mytilini, den nur wenige kennen.
Mein Tipp: Plane beide Kirchen und das Kirchenmuseum für den frühen Nachmittag, wenn die Reisegruppen weitergezogen sind. Die Metropolitankirche ist oft unversperrt und lässt sich ohne Eintritt besichtigen. Bedeckte Schultern und Knie sind Pflicht.
3. Die Ermou-Straße: Belebte Handelsader mit Yeni Camii und Palia Agora

Die Ermou-Straße ist das Rückgrat von Mytilini. Einst ein Kanal, der den südlichen und den nördlichen Hafen der Stadt verband, ist sie heute die belebteste Einkaufsstraße der gesamten Insel: Nahezu immer belebt, voller kleiner Läden, Werkstätten und Cafés.
Beginne deinen Streifzug am Nordhafen, in Epano Skala. Schon wenige Schritte entfernt nimmst du Gerüche von Fisch, Käse und Gewürzen aus den Läden und den Straßenständen der Händler wahr. Im Dickicht der vielen bunten Geschäfte lässt du dich in Richtung Süden treiben bis zur Yeni Camii.
Die Neue Moschee wurde 1825 auf den Fundamenten eines antiken Stadions erbaut und gilt als eines der bedeutendsten osmanischen Baudenkmäler von Mytilini. Heute dient sie als Veranstaltungsort für Ausstellungen und Kulturereignisse.
Nur wenige Meter daneben steht das Tsarsi Hamam, das Badehaus aus dem frühen 19. Jahrhundert, mit ockerfarbenen Kuppeln und einer Wucht, die im Vorbeigehen kaum zu übersehen ist. Dieser Abschnitt der Ermou heißt Palia Agora, der Alte Markt. Antiquitätenhändler, Töpferwerkstätten und Goldschmiede haben hier ihre Läden, die manchmal mehr Galerie als Geschäft wirken.
Der Markt öffnet montags, mittwochs und samstags von 09:00 bis 14:00 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags zusätzlich zwischen 17:30 und 21:00 Uhr. Im Sommer bleiben viele Läden bis nach 21 Uhr geöffnet.

Etwa in der Mitte der Ermou-Straße lohnt ein Stopp bei Basfanar koulour (Google Maps), eine der besten Adressen für Frühstück und handgemachtes Gebäck. Nicht weit davon entfernt entfalten sich im Kainari Gewürzladen ungeahnte Geruchserlebnisse. Der Shop hält darüber hinaus eine Vielzahl an Mitbringsel bereit.
Ein gastronomisches Erlebnis der besonderen Art wartet in einer Seitengasse der Ermou-Straße: In der Ouzotharapia (Google Maps) kommt nur das auf dem Grill, was gerade frisch verfügbar ist. Du besprichst deine Wahl persönlich mit dem Koch. Wenn kurze Zeit später dein Name gerufen wird, holst du dir deine Bestellung am Tresen ab. Ausprobieren!
Mein Tipp: Gehe freitags am späten Vormittag durch die Ermou, wenn Straßenhändler lokale Erzeugnisse verkaufen. Solltest du mit dem Mietwagen ankommen, dann nutze den kostenfreien Großparkplatz (Google Maps) in der Nähe des Jachthafens.
4. Museen in Mytilini: Archäologie, Teriade & Theofilos

Das Archäologische Museum liegt unweit des Hafens und ist kleiner als erwartet, aber dichter gepackt als gedacht. Mosaikböden aus römischer Zeit dominieren den zentralen Ausstellungsraum, farbintensiv und erstaunlich gut erhalten.
In der Umgebung verteilen sich Funde aus Ausgrabungen der gesamten Insel: Grabsteine, Teile antiker Tempel, Skulpturen aus Marmor und Stein, Münzen, Alltagsgegenstände und Schmuck. Besonders interessant sind die Funde aus der Höhle des Heiligen Bartholomäus, die einen Bogen von der Antike bis in byzantinische Zeit schlagen.

Im südlichen Vorort Varia stehen zwei Museen ganz nah beieinander: das Teriade-Museum öffnete im August 1979, initiiert von Stratis Eleftheriadis, einem aus Lesbos stammenden Kunstkritiker und Verleger, der in Paris unter dem Pseudonym Teriade zu einer Schlüsselfigur der Kunstwelt des 20. Jahrhunderts wurde.
Was er für die Sammlung zusammentrug, verdient Aufmerksamkeit: Lithografien von Marc Chagall, Henri Matisse, Pablo Picasso und Fernand Léger hängen hier, auf einer griechischen Insel, in einem Haus, das gleichzeitig als Bibliothek mit Teriades publizierten Werken dient.
Direkt nebenan: das Theofilos-Museum. 86 Gemälde des Volksmalers Theofilos Hatzimichael füllen die Räume, Szenen aus der griechischen Mythologie, aus der Geschichte des Landes und aus dem Alltagsleben des frühen 20. Jahrhunderts. Theofilos gilt als der bedeutendste Vertreter der griechischen naiven Malerei: ein Autodidakt, den erst Teriade nach Paris einlud und der Öffentlichkeit vorstellte.
Mein Tipp: Fahre mit dem Bus oder Taxi nach Varia. Plane mindestens zwei Stunden für beide Häuser ein. Das Loriet Hotel liegt nur wenige Gehminuten entfernt und bietet eine ruhige Terrasse für eine Pause danach.
5. Herrenhäuser in Mytilini: Neoklassizismus, Sahnisia und osmanische Türme

Keine griechische Inselhauptstadt trägt so deutlich die Handschrift ihres historischen Reichtums wie Mytilini. Wer durch die Stadtteile Sourada, Kioski und Epano Skala spaziert, sieht es sofort: Prächtige Herrenhäuser reihen sich aneinander, mal im neoklassizistischen Stil des 19. Jahrhunderts, mal mit osmanischen Zinnen und Türmen.
Charakteristisch sind die hölzernen Sahnisia, die geschlossenen Erkerbalkone, die den Obergeschossen ein fast orientalisches Flair verleihen. Viele der Gebäude entstanden während der Blütezeit des Öl- und Seifenhandels im 19. Jahrhundert, als reiche Kaufmannsfamilien ihren Wohlstand architektonisch zur Schau stellten. Manche Fassaden wirken heute leicht angegraut, andere frisch saniert, was dem Stadtbild eine spannende Mischung aus Verfall und Erneuerung verleiht.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Halim-Bey-Herrenhaus in der Straße Mikras Asias, einst Wohnsitz einer wohlhabenden osmanischen Kaufmannsfamilie und heute Sitz der Städtischen Kunstgalerie. Wer aufmerksam durch die Seitengassen zwischen Ermou-Straße und Ufer schlendert, entdeckt immer wieder neue Details: schmiedeeiserne Balkone, Steinreliefs über Türportalen und alte Hausnummern aus osmanischer Zeit.
Mein Tipp: Nimm dir für die Herrenhäuser bewusst Zeit ohne festes Ziel. Die schönsten Entdeckungen machst du beim Abbiegen in unscheinbare Seitengassen abseits der Ermou-Straße.
6. Sappho-Platz: Mytilinis lebendiges Zentrum

Der Sappho-Platz ist das soziale Herz von Mytilini. Kein Ort in der Stadt wird so häufig als Treffpunkt genannt, keiner ist von früh bis spät so belebt. Die Tourist-Info hat hier ebenfalls seinen Sitz.
Im Mittelpunkt steht die Statue der Sappho, der antiken Dichterin, die auf Lesbos geboren wurde. Ihre Gedichte wurden über 700 Jahre nach ihrem Tod in ganz Griechenland und Europa verehrt. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Dichterinnen der Antike überhaupt. Dass der englische Begriff „Lesbian“ auf ihre Herkunft zurückgeht, ist in der Stadtgeschichte von Mytilini bis heute präsent.
Auf der einen Seite des Platzes liegt das ehemalige Hotel Grande Bretagne, auf der anderen die alte Hafenpolizeistation. Beide Gebäude stehen für die neoklassizistische Bautradition, die das Stadtbild Mytilinis so stark prägt.
Mein Tipp: Besuche das Touristische Informationsbüro am Sappho-Platz gleich zu Beginn deiner Erkundung. Dort bekommst du aktuelle Karten, Öffnungszeiten und Hinweise auf laufende Ausstellungen in der Stadt.
7. Ouzo-Kultur in Mytilini: Destillerien, Geschichte und EBA Ouzo-Museum

Kein Ort auf Lesbos ist ohne Ouzo denkbar. Die Insel beheimatet 17 Brennereien und deckt rund 50 Prozent der gesamten griechischen Ouzo-Produktion ab. Von den fünf meistverkauften Ouzo-Marken in Griechenland und im Ausland stammen drei von hier: Ouzo Plomariou Isidorou Arvanitou, Ouzo MINI Mytilene und Ouzo Varvayiannis.
In der Inselhauptstadt selbst führen 13 Brennereien die geschützte geografische Angabe „Ouzo of Mytilene“. Eine der ältesten ist die Destillerie Spentzas, 1892 noch in Pergamon in Kleinasien gegründet und 1948 von der Familie nach Mytilini verlegt. Ihre Marke Veto zählt wie auch Matis zu den bekanntesten in der Stadt. Der Anis kommt aus der Region Lisvorio nahe Mytilini und wird vor der Verarbeitung mehrere Stunden lang in Jutesäcken in der Meeresströmung gewaschen, damit sich die ätherischen Öle entfalten. Anschließend destilliert man ihn per Hand.
Wer die Geschichte des Getränks tiefer kennenlernen möchte, besucht das EBA Ouzo-Museum im Stadtviertel Pagani (Website). Die Anlage der Hellenic Distillery Industry zeigt historische Destillationsgeräte, eine umfangreiche Flaschensammlung vieler auf Lesbos tätiger Brennereien und eine rekonstruierte Kafeneio-Atmosphäre der 1930er Jahre, komplett mit Holztischen und Stühlen.
Das jährliche Ouzo Fest, immer im Juli, veranstaltet von der Vereinigung der Destillerien von Lesbos, startet Ende Juni in Mytilini und zieht danach nach Plomari weiter. Über 40 verschiedene Sorten stehen zur Verkostung bereit, die Hersteller stehen selbst am Stand. Es ist aus meiner Sicht eines der spannendsten weltlichen Feste in der gesamten Ägäis.
Mein Tipp: Besuche das EBA Ouzo-Museum (Pagani, Mytilini 81131, Tel. +30 22510 23700) und geh danach ins Kafeneion O Ermis, wo du unter 15 verschiedenen Sorten wählen und bei Mezedes aus eigener Küche direkt vergleichen kannst. Die Unterschiede zwischen den Destillerien sind größer, als man denkt.
8. Die Strandpromenade Kountourioti: Mytilinis Uferseite

Die Strandpromenade Kountourioti (P. Kountourioti-Straße) verläuft parallel zur Ermou-Straße und zieht sich am Wasser entlang durch das Zentrum der Stadt. Über 80 Prozent des Tages- und Nachtlebens von Mytilini konzentrieren sich auf diesem Uferstreifen. Cafés und Bars reihen sich aneinander, durchsetzt von neoklassizistischen Gebäudefassaden.
Wer die Promenade in Ruhe abläuft, entdeckt historische Gebäude, die heute kaum noch als solche erkennbar sind: das ehemalige Hotel Grande Bretagne, das Café Panellinion mit seinem aufwendig gestalteten Interieur und das Alte Rathaus, ein Werk des deutschen Architekten Ernst Ziller aus dem Jahr 1900, der auch auf anderen griechischen Inseln seine Spuren hinterlassen hat, wie du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Syros nachlesen kannst.
Am südlichen Ende der Promenade steht die Freiheitsstatue, in den 1920er Jahren in Deutschland gegossen und den Opfern des Ersten Weltkriegs gewidmet. Am 25. März, dem griechischen Nationalfeiertag, werden hier jährlich Kränze niedergelegt.
Hier beginnt auch der beliebte Stadtstrand Agia Tsamakia, den nur ein historisch wertvoller Pinienwald, hier wurden Untergrundkämpfer von den deutschen Besatzern hingerichtet, von der Festung trennt. Der mit der Blauen Flagge ausgezeichnete Strand ist bestens organisiert, es gibt auch eine weitläufige Strandbar, die bereits um 09:00 Uhr öffnet.

Abends verändert sich das Gesicht der Promenade deutlich. Die Studenten der Universität der Ägäis, die Mytilini ein Gutteil seines Lebens verdankt, beleben die Bars bis weit nach Mitternacht.
Mein Tipp: Gehe die Promenade einmal am frühen Morgen und einmal nach Einbruch der Dunkelheit. Das sind zwei völlig verschiedene Orte. Das Mousiko Kafeneio, nur wenige Meter von der Promenade entfernt, bietet morgens Frühstück und abends Live-Musik in einem entspannten Retro-Ambiente.
9. Gastronomie in Mytilini: Ouzeries, Tavernen und die Kultur der Mezedes

Wer in Mytilini gut essen will, braucht keinen langen Restaurantführer. Die Stadt zeigt ihr Bestes in einfachen Ouzeries, in Tavernen mit hohen Decken und Holzstühlen, in historischen Kafeneios, die den Alltag vergangener Epochen noch spüren lassen.
Die Antonis Ouzerie (Google Maps) steht exemplarisch für diese Tradition und gilt als älteste unter ihresgleichen in Mytilini. Etwas außerhalb des Zentrums, in Richtung Flughafen, betreiben Antonis und seine Gattin Anastasia eine Taverne, die seit Generationen geöffnet hat. Das Gebäude mit seinen hohen Decken ist ganzjährig in Betrieb, die Küche bleibt der Saison verpflichtet: Oktopus, marinierte Sardellen, gefüllte Zucchiniblüten und Weinblätter, Fleischbällchen, was die Jahreszeit hergibt.
Das Kafeneion O Ermis (Google Maps) in der Innenstadt ist eine andere Geschichte. Das historische Lokal geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als Lesbos noch unter osmanischer Herrschaft stand. An verblichenen Gemälden in vergoldeten Rahmen vorbei wählst du aus 15 Sorten Ouzo, bestellst Dolmades, gefüllte Zucchiniblüten oder hausgemachte Pasta und beobachtest das Treiben auf der Ermou-Straße.

Wer es frischer und maritimer mag, fährt die wenigen Kilometer nach Panagiouda, zum kleinen Fischerhafen. Die Fischtaverne O Kostaras empfängt ihre Gäste mit dem, was der Tag aus dem Meer mitgebracht hat. Im Anschluss lohnt ein Blick in die dahinterliegende Kirche der Heiligen Muttergottes mit ihrer Ikone der Panagia Kykkos.
Für einen Abend in der Altstadt lohnt die Barcode Bar in den Gassen von Koumidia: Cocktails, Laternen, bepflanzte Tische in einer malerischen Altstadtgasse, eine entspannte Atmosphäre bis in den Sommer hinein.
Mein Tipp: Plane einen Abend im Kafeneion O Ermis und bestell drei verschiedene Ouzo-Sorten nebeneinander. Die Unterschiede in Aroma und Schärfe zwischen den Destillerien fallen beim direkten Vergleich sofort auf.
10. Ausflugsziele rund um Mytilini: Dörfer, Strände und ein Palmenwald

Die Stadt selbst füllt leicht zwei, drei Tage. Wer einen Mietwagen nimmt, findet in der unmittelbaren Umgebung Ziele, die das Bild von Mytilini sinnvoll ergänzen.
Nur drei Kilometer entfernt liegt Taxiarches (Kagiani), ein kleines Dorf mit Panoramablick auf die anatolische Küste. Die namensgebende Kirche besitzt eine aus Holz geschnitzte Ikonostase von außergewöhnlicher handwerklicher Qualität, die nahe Küste bietet gute Tavernen mit Blick aufs Meer.
Das Dorf Loutra, eingebettet in Olivenhaine an den Westhängen des Amali-Gebirges, lohnt vor allem wegen der Kirche Agios Georgios aus dem Jahr 1815 mit ihrem dreifarbigen Mosaikboden. Etwa 200 Meter entfernt wartet mit der urigen Taverne To Steki tou Strati (Google Maps) ein außergewöhnlich gutes und preiswertes Traditionslokal.
In Skala Loutron, der 1930 von Flüchtlingen gegründete Küstenort, steht das einzige Ausstellungshaus seiner Art auf Lesbos: das Museum der kleinasiatischen Flüchtlinge mit 300 Exponaten, von Ikonen bis zu persönlichen Gebrauchsgegenständen der Vertriebenen von 1922.

Panagiouda punktet mit einem malerischen Fischerhafen, der gotischen Kuppelkirche Marienkirche aus dem Jahr 1896 und dem direkt benachbarten Palmenwald Kalamiaris (Finikodasos), einer Besonderheit der Landschaft, die kaum jemand auf dem Radar hat.
Das Nachbardorf Pamfila verdient einen Abstecher wegen seiner alten Herrenhäuser sowie historischer Seifenfabriken und Olivenpressen. In der Kirche der Heiligen Varvara findet sich eine Marmorikonostase aus dem Jahr 1878, geschaffen von Giannis Chalepas, dem Vater des berühmten Bildhauers Giannoulis Chalepas.
In Agia Marina lohnt das Herrenhaus des Dramatikers Dimitrios Vernadakis, in Alyfanta die Höhle von Magara: mit 120 Metern Länge die größte Lesbos‘, mit Funden aus römischer und byzantinischer Zeit.
Mein Tipp: Kombiniere Loutra und Skala Loutron mit einem Mittagstisch in Panagiouda bei O Kostaras: Die Dörfer liegen auf demselben Weg, und du hast eine runde Halbtages-Rundfahrt. Mietwagen buchst du direkt am Hafen, zum Beispiel bei Discover Car Rental (Website) oder IGFA Car Rental (Website).
❓ Häufige Fragen zu Mytilini
Wieviel Tage sollte ich in Mytilini einplanen?
Für die Sehenswürdigkeiten der Stadt selbst reichen zwei volle Tage aus. Wer die Museen in Varia und die umliegenden Dörfer mitnehmen möchte, plant besser drei Tage ein.
Was kostet der Eintritt ins Kastro?
Der reguläre Eintrittspreis beträgt 2 Euro. Studierende zahlen mit gültigem Studentenausweis keinen Eintritt. Das Kastro ist täglich von 8 bis 15 Uhr geöffnet.
Wann ist die beste Reisezeit für Mytilini?
Mai, Juni sowie September und Oktober sind ideal: angenehme Temperaturen, kein Massentourismus, volle Gastronomie. Juli und August sind heiß und deutlich belebter.
Wo kaufe ich Ouzo direkt in Mytilini?
Das Kafeneion O Ermis bietet 15 Sorten zur Probe an. Die Firma Matis betreibt einen Laden in der Altstadt, Ouzo Veto am Fährterminal, die EVA Destillery ist im Ortsteil Pagani zu finden und die Brennerei Lesvion in Thermi – alle bieten Führungen an
Wie komme ich nach Mytilini?
Per Flugzeug: Der Flughafen Mytilini (MJT) wird im Sommer direkt aus mehreren europäischen Städten angeflogen, darunter Amsterdam, London und Kopenhagen. Ganzjährig gibt es Verbindungen nach Athen und Thessaloniki. Per Fähre: ab Piräus, Kavala oder Thessaloniki.
Lohnt sich Mytilini auch außerhalb der Hochsaison?
Definitiv. Viele Sehenswürdigkeiten, Ouzerien und Tavernen sind ganzjährig geöffnet. Die Stadt wirkt in der Nebensaison deutlich entspannter
Mein Fazit zu Mytilini

Mytilini lässt sich nicht auf einen Typ reduzieren. Die Stadt ist gleichzeitig Museumslandschaft und lebendiger Hafen, Ouzo-Hochburg und Kunstort, Architekturstadt und Universitätsmetropole. Wer nur einen Tag hat, bekommt einen guten Eindruck von den Sehenswürdigkeiten wie der Promenade und dem Kastro. Wer drei Tage einplant, entdeckt die Geschichten dahinter und die Schätze in der Umgebung.
Im Vergleich zu anderen griechischen Inselhauptstädten wirkt Mytilini weniger auf Tourismus ausgerichtet. Der Markt in der Ermou-Straße bedient in erster Linie die eigene Bevölkerung, in den Ouzeries sitzen mehrheitlich Einheimische. Genau das macht für mich den Unterschied zu vielen durchgestylten Hafenorten der Ägäis aus.
Ich laufe seit Jahrzehnten durch die Gassen, Museen und Destillerien, und jedes Mal entdecke ich neue Ecken. Das allein sagt etwas über die Dichte dieser historischen, junggebliebenen Stadt aus.
Mein Feelgood-Faktor: 85 von 100!










