Alonnisos Sehenswürdigkeiten: 10 Highlights & Geheimtipps 

↻ 2. Juli 2026
Die Landzunge mit dem schmalen Sandstrand Agios Dimitros ist einer der beliebtesten Badeplätze auf Alonnisos

Skiathos hat den Flughafen, Skopelos die Filmkulisse, aber Alonnisos hat etwas, das keine andere Insel der Sporaden bieten kann: Das nur zwanzig Kilometer lange und fünf Kilometer breite Eiland mit rund 2.800 Einwohnern ist umschlossen von Europas größtem Meeresschutzgebiet. Flora und Fauna sind genauso einzigartig wie die spektakuläre Chora und die seltene Mittelmeermönchsrobbe.
Kein Wunder, dass Alonnisos vor allem Individualreisende und Insider anzieht. Die Einheimischen nennen ihre Insel liebevoll To Nissi ton Germanon: die Insel der Deutschen.

Hier zeige ich dir die 10 schönsten Sehenswürdigkeiten auf einer der grünsten Inseln Griechenlands.

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Alonnisos auf einen Blick: Fakten, Anreise & Tipps

Lage: Alonnisos (auch Alonissos) zählt zur Inselgruppe der Sporaden im nördlichen Ägäischen Meer. Nordöstlich von Skiathos und Skopelos gelegen, beträgt die Entfernung nach Volos rund 80 Kilometer

Must-See: Chora mit Kastro-Viertel · Patitiri mit Hafen, Museum und MOm-Zentrum · Steni Vala · Nationalpark der Nördlichen Sporaden · Strände Agios Dimitrios und Chrisi Milia · Wanderweg Kalderimi · Kalovoulos-Gipfel

Zeitbedarf: Minimum 5 Tage, besser sind 7 Tage für Chora, Wanderungen, Strände, Meerespark-Tour und die Dörfer im Norden

Fortbewegung: Linienbus zwischen Patitiri, Chora und Steni Vala; Ausflugsboote und wenige Wassertaxis zu abgelegenen Stränden und Inseln; Mietwagen oder Roller dienen als beste Alternative

Anreise: Ausschließlich per Fähre, da es keinen Flughafen auf der Insel gibt. Der nächste Airport lieg in Skiathos (ca. 1,5 Stunden Überfahrt). Fährtickets am besten bei Ferryhopper (Website) buchen

Beste Reisezeit: Mai/Juni mit besten Bedingungen zum Wandern und angenehmen Temperaturen. Im September: warmes Wasser, ruhiger Meltemi, entspannte Atmosphäre. Im August wird es zu eng und sehr heiß

Tagesbudget: Gute Unterkünfte ab 70 Euro pro Nacht (je nach Saison). Wer isst, trinkt und einen Ausflug einplant, kommt als Paar mit rund 150 Euro pro Tag gut durch. Alonnisos ist für Griechenland-Verhältnisse angenehm günstig

1. Chora (Old Village) – Die Altstadtauf dem Fels

1965 hat ein schweres Erdbeben der Stärke 7,2 große Teile der alten Hauptstadt ganz oben auf dem Bergrücken zerstört. Die Bewohner mussten in der Folge an die Küste ziehen. Jahrelang marodierten die Häuser still vor sich hin, bis Käufer aus dem In- und Ausland den Ort wiederentdeckten. Ganz vorne dabei: Deutsche. So kam es, dass Einheimische ihre Insel bis heute To Nissi ton Germanon nennen: die Insel der Deutschen.

Das vielleicht augenscheinlichste Zeugnis dieser Wiedergeburt ist die Chora von Alonnisos, eine der schönsten in Hellas. Weiß getünchte Häuser mit bunten Holzläden schmiegen sich in den Berghang, blumengeschmückte Gassen laden zum Schlendern ein, hübsch dekorierte Läden mit teils hochwertigem Handwerkswaren wie das Taste of Nature und die Alonnisos Candles von Bente Keller ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Eines der beeindruckendsten architektonischen Merkmale der Altstadt, die labyrinthartige Anordnung der Kopfsteingassen, blieb erhalten. Wo einst unerwünschte Angreifer in die Enge getrieben wurden, flanieren heute Besucher zwischen altehrwürdigen Mauern und schicken Lokalen.

Im Zentrum des Old Village lohnt ein Blick in die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kirche Genniseos tou Christou (ganztägig geöffnet). Ein paar hundert Meter weiter oben wartet das Kastro-Viertel mit den Resten einer venezianischen Festung, in deren altem Gemäuer heute fast übergangslos Häuser einen Platz gefunden haben. An der Plateia, dem Hauptplatz, erinnert das Denkmal des Nationalen Widerstands unter anderem an die hier durch Nazi-Kugeln ermordeten Freiheitskämpfer.

Wer dem Kopfsteinpflaster noch nicht überdrüssig ist, läuft weiter bergauf. Als Belohnung warten viele schöne Fotomotive zwischen allerlei Gastronomie und Läden in typisch griechischem Stil. Mittendrin lädt das Traditionelle Haus von Alonnisos zum kostenlosen Reinschnuppern ein (geöffnet täglich 11 bis 14 und 18 bis 21 Uhr, Saisonzeiten können abweichen). Auf zwei Geschossen veranschaulichen alte Sammlerstücke das Leben der Bevölkerung in früheren Zeiten! Übrigens: Das Wappentier der Insel, die Mönchsrobbe, ist in der Chora allgegenwärtig: als Plüschtier, Schlüsselanhänger oder auf bedruckten T-Shirts.

Nach 21 Uhr wechselt Chora die Stimmung vollständig. Für Drinks mit dem vielleicht besten Blick der Altstadt ist das Barbarossa die erste Adresse. Das Hayiati am Rand der Siedlung zieht mit regelmäßiger Live-Musik bis spät in die Nacht. Beim Essen hingegen bleibt die Chora hinter ihrer Kulisse zurück – wirklich herausragende Restaurants gibt es hier keine. Für bodenständige regionale Küche ohne Touristenshow empfehle ich das Archontostasi oberhalb des Parkplatzes oder das Astrofegia. Das Panselinos am Ortseingang arbeitet große Gruppen im Eiltempo ab, worunder die Qualität sichtbar leidet.

Mein Tipp: Laufe auf einem Trampfelpfad zur etwa 500 Meter entfernten Kapelle Agios Ioannis Prodromos östlich der Hauptstraße. Von hier aus öffnet sich ein Panoramablick über die komplette Umgebung.

2. Patitiri – Das Tor zur Insel

Patitiri ist neben der Chora der einzige Ort auf Alonnisos, in dem eine vollständige dörfliche Infrastruktur vorhanden ist. Er fungiert gleichzeitig als einziger Hafen, der größere Fährschiffe aufnehmen kann. Das eigentlich Überraschende: Hier regiert keine Zweckarchitektur, wie man sie von vielen griechischen Hafenorten gewohnt ist. Der Grund: Nach dem Erdbeben 1965 gönnte man sich beim Wiederaufbau großzügige Flächen und Sorgfalt bei der Gestaltung.

Der Hafen wurde in weiser Vorausschau in zwei Bereiche aufgeteilt: Einem Anleger für Fischer- und Ausflugsboote in Ufernähe sowie einem für Fähren am vorgelagerten Kai. Das übliche Verkehrschaos während der Ankunft der Schiffe entfällt hier fast komplett. Das Ergebnis ist eine einladende Promenade mit mehr als einem Dutzend Tavernen und Cafés in erster Reihe, einem türkis-schimmernder Strand und einem vorgelagerten Terminal für den Fährverkehr. Kurzum: Ein sehenswerter Hafenort ohne Ankunftschaos, dafür mit viel Flair und echtem griechischem Alltagsleben.

Der Name Patitiri entlehnt sich dem Wort Traubenpresse und erinnert daran, dass Winzer hier einst ihre Ernte zu Most stampften und verfrachteten. Allerdings hat die Reblaus dem kommerziellen Weinbau irgendwann ein Ende gesetzt. In den Lokalen vor Ort wird die Jahrhunderte alte Weinkultur immer noch gelebt.

Zwei Stopps solltest du dir nicht entgehen lassen: Das Alonnisos Museum von Kostas & Angela Mavrikis (Eintritt 5 Euro, geöffnet täglich 11–14 & 18–21 Uhr in der Hauptsaison) überrascht mit einer bemerkenswerten Sammlung zur Inselgeschichte. Direkt daneben erklärt das kostenlose MOm-Informationszentrum (Öffnungszeiten variieren, Eintritt frei) anhand von Robben- und Walskeletten, warum das Überleben der Mittelmeermönchsrobbe untrennbar mit Alonnisos verbunden ist.

Und dann wäre da noch der Lost Place am Steilhang: das ehemalige Galaxy Hotel, seit 2010 geschlossen und längst dem Verfall überlassen. Nach dem Tod des Betreibers entfachte sich ein Streit um den Nachlass zwischen den sechs Erben – leider ohne Happy End. Immerhin lockt der bizarre Ort viele Besucher an: Fast alle Räume sind frei zugänglich, das alte Interieur verfällt nahezu unangetastet vor sich hin.

Mein Tipp: Frühstücke im Patitiri Café direkt mit Hafenblick und reserviere frühzeitig einen Tisch im Kritamo. Die Lage direkt am Hafen und die Küche mit lokalen Zutaten machen beide zu einer empfehlenswerten Adresse.

Lust auf mehr Sporaden-Feeling? Hier zeige ich dir die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Skopelos

3. Die schönsten Strände auf Alonnisos: Kiesel, Kristallwasser & Geheimtipps

Alonnisos ist zu über 90 Prozent eine Kieselinsel. Kein Sand zwischen den Zehen, dafür aber glasklares, türkises Wasser bis in die Tiefe. Mehr als zwei Dutzend Strände verteilen sich entlang der Küste, die meisten an der vom Meltemi geschützten Ostseite. Die abgelegenen Buchten im Norden erreichst du nur per Boot von (siehe Punkt 6).

Chrisi Milia – der einzige echte Sandstrand

Chrisi Milia, vier Kilometer nördlich von Patitiri, ist der einzige echte Sandstrand der Insel. Die knapp 100 Meter lange Sandbank zieht sich lang und flach ins Meer. Ein Set aus Sonnenliegen und Schirm kostet hier nur 15 Euro in der Nebensaison. Nur eine Bucht weiter wartet mit dem Milia Beach der etwas ruhigere Zwilling. Beachtenswert: Der von Kiefern eingerahmte Strand verfügt über eine Einstiegshilfe für Menschen mit Bewegungseinschränkungen. Du erreichst die Beaches mit dem Auto oder Roller über die Hauptstraße.

Kokkinokastro – Archäologie trifft Türkisblau

Kokkinokastro überwältigt durch seinen Kontrast: Rostfarbene Sandsteinklippen stürzen senkrecht ins Türkisblaue, davor liegt eine kleine Halbinsel mit Kiefern. Archäologen gruben hier Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit aus und unterstrichen somit die vergleichsweise frühe Besiedlung von Alonnisos. Die Anfahrt ist etwas komplizierter, aber machbar. Am besten steuerst du den darüberliegenden Parkplatz mit dem Auto oder Roller an. Von hier aus geht es etwa 200 Meter nach unten über einen schmalen Pfad zum Strand.

Leftos Gialos – das Mykonos-Feeling der Insel

Leftos Gialos fällt völlig aus dem Rahmen: gestylte Bars, Kunstrasen, penibel aneinandergereihte Liegen: das ist nicht der typische Alonnisos-Stil. Schicke Beachclubs mit weißen Liegebetten unter Olivenbäumen, unaufdringlicher Service, chillige Musik und mehrere gute Restaurants: Wer den Sandstrand vermisst, findet hier zumindest das urbane Strandfeeling. Im Hochsommer ist dieser gepflegte Küstenabschnitt gut besucht, aber immer noch weit ruhiger als vergleichbare Strände auf bekannteren Inseln. Du erreichst Leftos Gialos bequem mit dem Auto, vor Ort gibt es ausreichend kostenlose Parkplätze.

Agios Dimitrios – Karibik mitten in Griechenland

Agios Dimitrios bildet den Abschluss der asphaltierten Fahrbahn von Patitiri in Richtung Inselnorden. Schon von der erhöhten Küstenstraße fällt der Blick auf die spektakuläre Landzunge mit seinem hufeisenförmigen Kiesstrand und dem smaragdgrünen Meer. Hier atmest du karibisches Flair (allerdings mit Steinen) mitten in der Ägäis. Nach dem Sonnenbad lädt die gute Agios Dimitrios Food Bar zu einer Stärkung mit heimische Küche ein. Entlang des Agios Dimitrios findest du ausreichend kostenlose Parkmöglichkeiten.

Paralia Mourtitsa – der abenteuerliche Lost Place

Noch ein Stück weiter gen Norden wird es fast abenteuerlich: Den Paralia Mourtitsa, fast am nördlichsten befahrbaren Abschnitt der Insel, musst du mit ziemlicher Sicherheit mit niemandem teilen. Der Abstieg über Treppen ist steil und führt über Betontreppen vorbei an zumeist verlassenen Häuschen direkt zum smaragdgrünen Wasser. Dazwischen Pinien, Palmen, Bougainvillea und eine verlassene Beachbar mit zerrissener Piratenflagge. Für diesen echten Insiderstrand erfordert es allerdings etwas Geschick bei der Anfahrt, denn weder die Schotterpiste, noch die Bucht sind ausgeschildert. Am besten folgst du meinen Koordinaten (Google Maps).

Geheimtipp: Für absolute Stille lohnt sich der Wanderweg bei Agioi Anargyroi zum Paralia Tourkoneri: Am von Felsen gesäumten Kiesstrand gibt es keine Infrastruktur, dafür aber viel Idylle und Ruhe.

4. Steni Vala – Alonnisos‘ schönstes Fischerdorf & Seglerparadies

Steni Vala zählt aus meiner Sicht zu den schönsten Orten auf den Sporaden. Kaum mehr als eine Handvoll Familien wohnt ganzjährig im Weiler, der sich rund 18 Kilometer nördlich von Patitiri rund um eine fjordähnlichen Bucht schmiegt. Auf 150 Metern Uferpromenade reihen sich im Fischerort fünf Tavernen und zwei Cafés aneinander.

Direkt davor am Anleger dümpeln Fischerboote und eine beträchtliche Anzahl von Segelbooten. Trotz der etwas mondänen Optik ist Steni Vala weit von einem typischen Urlauberort entfernt. Es gibt keine laute Musik, keinen Verkehr, dafür aber Kinder und Einheimische, die sich den Platz zwischen den Fangnetzen an der Promenade teilen.

Steni Vala hat alles, was es für einen Aufenthalt braucht: Bäckerei, Metzgerei, Supermarkt, Appartments und Busanschluss: Alles vorhanden, außerdem dient der Ort als Ausgangspunkt für Touren in den Nationalen Meerespark (dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt).

Von hier aus ist es nicht weit zum zwei Kilometer entfernten Fischerdorf Kalamakia. Der fast pittoresk wirkende Fischerhafen mit seiner Andachtskapelle ist wunderschön anzusehen, gastronomisch hingegen eine Enttäuschung: Drei Fischerfamilien ohne Restauranterfahrung bieten einfache Gerichte zu hohen Preisen an. Für einen kurzen Fotostopp reicht’s, für einen schönen Abend nicht.

Mein Tipp: Kombiniere Steni Vala mit dem Paralia Glifa – einer schmalen, stillen Kiesbucht direkt hinter dem Dorf, zu Fuß in zehn Minuten erreichbar – für einen entspannten Ganztag: Mittagessen bei Tassia’s, Nachmittagskaffee im Icarus Café, Sonnenuntergang von der SUELTO Beachbar aus.

5. Der Nationale Meerespark: Europas größtes Schutzgebiet

Zahlen & Fakten

1992 gründete Griechenland per Präsidialdekret das erste Meeresschutzgebiet des Landes. Es ist bis heute das größte seiner Art in der gesamten EU: 2.591 Quadratkilometer Meer, die Insel Alonnisos selbst sowie acht weitere Inseln und 22 Felseilande fallen in das Areal. Es ist Heimat von rund 300 Fischarten und gleichzeitig ein bedeutenden Refugium der weltweit letzten Mittelmeermönchsrobben. Geschätzte 600 Tiere leben noch auf der Erde, etwa 35 davon sollen im Nationalpark angesiedelt sein. So genau weiß man das alles nicht.

Robben, Delfine & Wale – was du wirklich siehst

Eine Mönchsrobbe wirst du auf den Sporaden ziemlich sicher nicht (mehr) bestaunen können. Das hat Gründe, einer davon: Nicht wenige Fischer sehen in den seltenen Tieren eher einen gefräßigen Nahrungskonkurrenten als eine schützenswerte Spezies. „Bis 2021 haben sich Mönchsrobben täglich vor unserem Anwesen am Meer gesonnt“, erklären mir Freunde aus Alonnisos.

Die Zeiten sind leider vorbei, auch weil Urlauber den Tieren keine Ruhe gelassen haben. Während sich die Robben zurückgezogen haben (und zum Teil umgesiedelt wurden) tauchen dafür regelmäßig Delfine neben den Ausflugsbooten auf. Mit viel Glück kommt es daneben zur Sichtung von Pottwalen und Cuvier-Schnabelwalen, die dank der Schutzzone ebenfalls ein Zuhause rund um Alonnisos gefunden haben.

Meerespark-Touren: Was sie kosten & was sie bieten

Ein Ausflug in die Gewässer des streng überwachten Areals schärft die Sinne und liefert Einblicke, die du auf der Insel selbst nicht bekommst. Die meisten Ganztagestouren kosten zwischen 50 und 70 Euro pro Person und legen auch an Kyra Panagia an, einer der abgelegenen Mönchsinseln, die als Dependance eines Athos-Klosters bis heute nur eingeschränkt zugänglich ist.

Im Programm der meisten Anbieter sind außerdem Bade- und Schnorchelstopps an unzugänglichen Buchten sowie am Unterwassermuseum vor Peristera. Hier dümpelt ein antikes Schiffswrack, das Archäologen zu einem der bedeutendsten Unterwasserfunde der Ägäis zählen. Wer hingegen die vulkanische Insel Psathoura mit dem Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert besuchen möchte, fragt beim Buchen gezielt danach, denn auf den meisten Standardrouten taucht sie nicht auf.

Meerespark-Touren ab Patitiri direkt online buchen: Alonnisos Meerespark (Website)

Mein Tipp: Wenn du die Tour vor allem wegen Mönchsrobben und Delfinen buchst, dann sei dir bewusst: Delfine tauchen öfter auf, Robben hingegen so gut wie gar nicht mehr. Interessant sind diese Touren in erster Linie, um das Bewusstsein für Flora und Fauna zu schärfen und zum Stopp an Buchten, die nur per Boot angesteuert werden.

6. Ausflüge auf Alonnisos: Boote, Touren & Tauchen

Auf eigene Faust: Motorboot ohne Führerschein

Viele der schönsten Orte rund um Alonnisos sind nur vom Wasser aus erreichbar. Wer auf eigene Faust unterwegs sein will: Ein kleines Motorboot lässt sich auch ohne Lizenz mieten. Nach einer kurzen Einweisung stehen dir die versteckten Buchten der Küste offen. Die Einstiegsklasse startet in der Nebensaison bei rund 60 Euro, Sprit kommt obendrauf. Seriöse Anbieter in Patitiri: Alonissos Boats, Stella Boat und Wonderworker Cruises.

Mein Tipp: Wähle für geführte Touren immer kleine Boote mit maximal 20 Plätzen – die kommen genau dorthin, wo große Ausflugsschiffe gar nicht erst hinfahren.

Geführte Meerespark-Touren

Legendär unter Kennern ist die GORGONA mit Kapitän Pakis – ein exzellenter Reiseführer mit echtem Humor und tiefem Wissen über die Inseln. Tickets buchst du einen Tag im Voraus direkt bei Albedo Travel (Website) an der Uferpromenade in Patitiri.

Tauchen: Die beste Unterwassersicht Europas

Taucher finden in den Gewässern des Parks optimale Bedingungen. Die Sichtweite unter Wasser liegt regelmäßig zwischen 30 und 50 Metern – diese Werte sind einmalig im europäischen Mittelmeer. Highlights: das Unterwassermuseum Peristera, die Blaue Grotte, der Agios Georgios Wall und die Gorgonian Gardens in Tiefen von über 40 Metern. Das Triton Dive Center (Website) in Patitiri organisiert Ausflüge zu all diesen Spots.

Für den Tauchgang am Unterwassermuseum empfiehlt sich mindestens ein Advanced Open Water Schein (AOWD) – der international anerkannte Folgeschein nach dem Einsteigerkurs. Wer ihn noch nicht hat, kann ihn direkt auf Alonnisos (Website) ablegen.

Das Unterwassermuseum Peristera – Geschichte in 25 Metern Tiefe

Vor der unbewohnten Insel Peristera schlummert in rund 25 Metern Tiefe der Rumpf eines antiken Handelsschiffes aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Taucher entdeckten das Wrack 1985. Jahrzehntelang hielt der griechische Staat die Fundstelle unter striktem Schutz – bis Griechenland das Wrack 2020 als Unterwassermuseum freigab. Auf dem Meeresgrund verstreut liegen außerdem viele gut erhaltene Weinamphoren.

Wer nicht taucht, muss dennoch nicht auf den Kontext verzichten: Das Knowledge Awareness Center in Chora zeigt Modelle, Videos und Virtual-Reality-Rekonstruktionen des Fundortes und erklärt, warum die Ägäis eine der bedeutendsten Handelsrouten der Antike war.

7. Rousoum Gialos & Votsi – Alonnisos‘ schönste Fischerbuchten

Rousoum Gialos – zehn Minuten von Patitiri, eine andere Welt

Östlich vom Hafen, gerade zwanzig Gehminuten von Patitiri entfernt, öffnet sich Rousoum Gialos: ein breiter Kiesstrand, von Steilfelsen mit Kiefernbäumen umrahmt, das Wasser so klar, dass man bis auf den Grund schaut. Wo sich die Bucht ins offene Meer weitet, werden die Felsen flacher und geben einen langen Blick auf den Horizont frei.

Die Kombination aus grünschimmerndem Wasser, flachem Ufer und steil aufragenden Felsen hat mich auf Anhieb begeistert. Mit dem Fahrzeug erreichst du das etwas versteckte Rousoum Gialos über ausgeschilderte Nebenstraßen. Kostenlose Parkplätze findest du direkt am Hafen. Die Unterkünfte rund um die Bucht sind relativ preisgünstig und allein wegen der Lage eine Empfehlung wert. In unmittelbarer Nähe laden auch einige Tavernen mit Meerblick zum Verweilen ein.

Votsi – der Naturhafen der Segler

Nur eine Bucht weiter in Richtung Osten liegt das herrlich gelegene Dorf Votsi. Die verschachtelte Siedlung mit rund 600 Einwohnern gleicht einem Labyrinth enger Gassen rund um den Naturhafen, den ockergelbe Felsen halbkreisförmig umschließen. Unter Seglern gilt die Mole von Votsi zu den beliebtesten Ankerpunkten der Sporaden.

Der Ortsstrand selbst ist klein, aber fein. Gleich dahinter am Hügel solltest du einen Stopp im Restaurant Dimitris auf einer Terrasse mit Hafenblick einplanen. Hier bereiten Yannis und sein Team vom Lamm bis zum fangfrischen Fisch alles auf traditionelle Art zu. Einfach, lecker und ohne Touristenshow. Wer kein Mietfahrzeug zur Verfügung hat, erreicht Rousoum Gialos und Votsi bequem mit dem Bus ab Patitiri in fast stündlicher Taktung.

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, verbindet Rousoum Gialos und Votsi idealerweise über den ausgeschilderten Rundweg Patitiri-Votsi-Mega Nero. Auf der etwa dreistündigen Route wechseln sich Küstenpanorama mit schattigen Waldwegen ab.

Mein Tipp: Verbringe den Nachmittag am Strand von Rousoum Gialos und verbinde ihn mit einem Abendessen in Votsi. Für ein unkompliziertes Abendessen direkt am Wasser ist das Lokal Dimitris meine erste Wahl. Wer es etwas gehobener mag, wählt das Dendrolimano mit Tischen unter Kiefern am Hang mit Blick auf den Hafen.

8. Wandern: 40 Kilometer Natur, null Trubel

Alonnisos hat ein Wanderwegenetz, das sich über mehr als 40 Kilometer und 14 markierte Routen erstreckt. Viele Pfade folgen uralten Saumpfaden und führen durch Pinienwälder mit Harzgeruch, vorbei an versteckten Kapellen und durch Schluchten, die am Ende auf menschenleere Buchten treffen.

Agioi Anargyroi & Paralia Tourkoneri (mittel / ca. 5 Kilometer / 2–3 Stunden)

Die Agioi-Anargyroi-Route an der Westküste startet am Abzweig Tsoukalia: ein Schotterweg bis zu einem Ferienhaus, dann weiter über einen Monopati (griechisch für Fußpfad) durch dichten Kiefernwald zur kleinen Kapelle Agioi Anargyroi aus dem Jahr 1872. Von dort blickst du an guten Tagen bis zur Athos-Halbinsel. Weiter geht es zum Paralia Tourkoneri, einer abgelegenen Felsbucht, deren türkisblaues Wasser dem Namen alle Ehre macht.

Kalovoulos-Gipfel (leicht / 1 Kilometer / 20 Minuten)

Kurz, aber lohnend: Der Aufstieg auf den Kalovoulos (330 m) startet direkt am Chora-Parkplatz. Oben wartet ein überdachter Rastplatz mit Traum-Panorama: Peristera, Adelfi, Skantzoura und Skopelos gleichzeitig im Blick.

Kalderimi Patitiri-Chora (leicht / 2 Kilometer / 30 Minuten)

Der einfachste Einstieg ist der alte Kalderimi von Patitiri nach Chora: gepflastert, zwei Kilometer, dreißig Minuten bergauf. Ein klassischer Auftaktwanderer für den ersten Morgen auf der Insel.

Great Traverse: Die ganze Insel an einem Tag (schwer / 25 Kilometer / 8–10 Stunden)

Wer die gesamte Insel an einem Tag erlaufen möchte: Der Great Traverse von Süd nach Nord umfasst rund 25 Kilometer – erfahrene Wanderer schaffen ihn in acht bis zehn Stunden. Früher Start und gute Ausrüstung sind Pflicht.

Mein Tipp: Hol dir das Buch Alonissos on Foot in einem der Läden in Patitiri für unter 10 Euro. Alternativ listet Alonnisos at your feet (Website) alle Routen mit Onlinekarte und App. Lade deine bevorzugten Routen zur Offline-Nutzung herunter, denn in vielen Teilen von Alonnisos herrscht Funkstille. Starte vor 9 Uhr, bevor die Sonne einsetzt und ziehe festes Schuhwerk für oftmals losen Schieferuntergrund an.

9. Essen und Übernachten auf Alonnisos: Thunfisch und Käse-Pie im Blumengarten

Alonnisos hat eine kleine, aber sehr eigene Küche. Den Thunfisch aus den umliegenden Gewässern räuchern die Fischer und konservieren ihn in Gläsern – als Meze mit Ouzo ist er das kulinarische Alleinstellungsmerkmal schlechthin. Daneben gibt es zwei exklusive Gerichte: Astakomakaronada, Hummernudeln in einer langsam eingekochten Tomatensauce, und die spiralförmige Tiropita, ein Ziegenkäsekuchen in dünnem, leicht frittiertem Filoteig – kalt wie warm ein echter Genuss.

Genießen kannst du diese und andere Spezialitäten in zahlreichen Lokalen quer über die Insel. Für Meeresfrüchte fährst du nach Steni Vala. Tassia’s Cooking hält seit Langem seinen guten Ruf, mein persönlicher Favorit ist aber das Sossinola, wo Christina und George Seafood und heimische Küche auf höchstem Niveau zubereiten.

In Patitiri lohnt das Kritamo mit Terrasse über dem Hafen; an der Promenade ist das Akrogiali meine erste Wahl für Mezedes und Meeresfrüchte mit sympathischem, kompetentem Service. In Votsi setzt das Dimitris den Schlusspunkt: Yannis und sein Team machen vom Lamm bis zum frischen Fisch einfach alles richtig.

Zum Dessert: das Chagiati Café-Bar & Konditorei in Chora mit hausgemachten Süßigkeiten. Und plane unbedingt einen Stopp bei der Frauenagrotourismus-Kooperative IKOS ein, eine Gehminute vom Hafen in Patitiri: Hier locken handgemachte Tiropita, Marmeladen, Amygdalota und Fouskakia. Täglich geöffnet von 09:00-15:00 Uhr & 17:30-20:00 Uhr.

Mein Tipp: Probiere die Tiropitavon IKOS als ersten Bissen auf Alonnisos – sie schmeckt nach keiner anderen Käsepastete, die du je gegessen hast. Und bestell beim nächsten Taverna-Besuch den geräucherten Thunfisch als Vorspeise, bevor du überhaupt in die Karte schaust.

Hotels & Unterkünfte: Die besten Adressen auf Alonnisos

In Sachen Übernachtung hängt vieles von der Lage ab. Jede Gegend auf Alonissos hat ihren eigenen Charme und ihre eigenen Attraktionen. Zimmer, Apartments und Ferienhäuser findest du vor allem in Patitiri, Chorio, am Roussoum Gialos und Votsi.

Wer ein kleines Haus inmitten der überbordenden Pflanzenpracht am Meer ergattern möchte, sollte frühzeitig bei Stella’s Flower Houses (Google Maps) und Christou Houses (Google Maps) anfragen: Beide zählen zum Besten, was Alonnisos zu bieten hat. Viel Charme versprüht das Althea (hier Preise checken*), ein kleines Boutiquehotel am Rande von Chora mit Traumblick.

In Patitiri bietet das Kavos Hotel (hier Preise checken*) frisch renovierte, großzügige Zimmer zu kleinen Preisen mit bester Hafensicht. Ebenfalls in Hafennähe, in Rousoum Gialos: das Hotel Nostos mit geräumigen Appartements, Balkon und direktem Meerzugang.

10. Geheimtipps Alonnisos: Was die meisten Reisenden nie sehen werden

Es gibt Dinge auf Alonnisos, die du nur erfährst, wenn du länger als drei Tage bleibst. Dazu zählt der Paralia Giala, am Ende eines Wanderwegs rund drei Kilometer unterhalb von Chora gelegen. Die restaurierte Windmühle auf dem Hügel in der schmalen Bucht taucht auf keiner Touristenkarte auf. Zur Orientierung: Der Strand liegt rund fünf Autominuten von Chora entfernt und lässt sich am besten mit dem Auto ansteuern.

Der Kalovoulos Sunset View Spot ist rund einen Kilometer westlich des Chora-Parkplatzes über einen Schotterweg erreichbar – und bietet den spektakulärsten Sonnenuntergang der Insel: Die Sonne versinkt direkt hinter Skopelos.

Der wilde Nordosten zählt für mich zum Reizvollsten, was Alonnisos zu bieten hat. Je weiter du dich von der Hauptstraße entfernst, desto rauer wird die Umgebung. Schon weit vor dem Paralia Mourtitsa verliert der Weg den Asphalt und wechselt in eine immer rauere Schotterpiste. Fahr weiter und wage den Abstieg hinunter zu den naturbelassenen Küstenstreifen. Einsame Höhlen, verlassene Beachbars und türkisschimmernde Buchten sind des Abenteuers Lohn.

Dann wäre da noch ein stilles Kuriosum: der Stausee von Kastania im Norden – 2012 für 12 Millionen Euro gebaut und wegen eines Planungsfehlers bis heute funktionslos. Ein surreales Mahnmal für Fehlmanagement, umgeben von Mischwald und absoluter Stille. Und ein guter Ort für Vogelbeobachter: Raben, Falken, Möwen und Singvögel nutzen das Gewässer als Rastplatz.

Mein Tipp: Miet für einen halben Tag ein Kajak in Patitiri oder nutze die bei Casa Kalypso (einer kleinen Unterkunft nahe Steni Vala) kostenlos bereitgestellten Boote. Für den Stausee Kastania fährst du über die Höhenstraße nach Norden und biegst kurz vor Gerakas in die Bergregion ab. Gastronomie und Mobilfunknetz gibt es dort nicht.

❓ FAQ – Häufige Fragen zu Alonnisos

❓ Wie komme ich nach Alonnisos?

Ausschließlich per Fähre. Je nach Bootstyp ab Skiathos rund eineinhalb Stunden, ab Volos vier bis fünf Stunden, ab Piräus fünf bis sechs Stunden.

❓ Wie touristisch ist Alonnisos im Vergleich zu anderen Sporaden?

Deutlich ruhiger als die benachbarten Skiathos oder Skopelos. Die Insel hat keine Partymeile, keinen Massentourismus und kaum Strände mit langen Liegestuhlreihen. Auf Alonnisos finden vor allem Ruhesuchende und Naturliebhaber ihr Ziel

❓ Brauche ich ein Taucherpatent für das Unterwassermuseum?

Für den Tauchgang zum Wrack vor Peristera empfiehlt das Triton Dive Center mindestens ein Advanced Open Water Brevet, da das Wrack in rund 25 Metern Tiefe liegt. Wer noch kein Zertifikat hat, kann es direkt auf Alonnisos machen – die Bedingungen im Park sind dafür nahezu ideal. Wer nicht tauchen will, erlebt das Wrack per Virtual Reality im Knowledge Awareness Center in Chora.

❓ Kann ich im Meerespark eine Mönchsrobbe sehen?

Eher nicht. Die Tiere sind äußerst selten, dazu nachtaktiv, extrem scheu und meiden Menschen. Die Kerninsel Piperi als Hauptbrutgebiet ist vollständig gesperrt. Delfine dagegen tauchen auf Bootstouren regelmäßig auf.

❓ Benötige ich auf Alonnisos ein Mietauto?

Für Patitiri und Chora nicht, für alles andere tut es auch ein Roller. Viele Strände, Wanderausgangspunkte und die Dörfer im Norden sind ohne eigenes Fahrzeug kaum erreichbar.

❓ Wann ist die beste Reisezeit?

Mai und Juni sowie September und Oktober: Warmes Wasser, kaum Besucher, entspannte Atmosphäre in den Tavernen. Den Hochsommer meidet man besser, wenn Ruhe das Ziel ist; griechische Familien entdecken Alonnisos zunehmend für sich, was im August spürbar wird.

❓ Stimmt es, dass Alonnisos plastikfrei ist?

Nein! Alonnisos war die erste Insel Griechenlands, die das Siegel „Plastikfrei“ erhalten hat. Im Alltag gehören aber Plastikstrohhalme und Einwegtüten zur Tagesordnung. Alonnisos ist dennoch einer der saubersten Inseln Griechenlands

Mein Fazit für Alonnisos

Alonnisos ist keine Insel für alle. Wer Nachtleben, Poolbars und Sandstrände sucht, ist auf Mykonos oder Rhodos besser aufgehoben. Die Unbekannteste der Sporaden fesselt ihre Besucher mit einer spektakulären Natur, die ihresgleichen in der Ägäis sucht. Freue dich darüber hinaus auf Strände, Fischerdörfer, eine Bilderbuch-Chora und ganz viel üppige Natur. Kurzum: Auf Alonnisos erwarten dich Ursprünglichkeit, Herzlichkeit und Einfachheit in seiner besten Form. Mach es wie viele Griechenlandkenner: Fahr hin und nimm dir Zeit. Auf der Insel der Deutschen werden Gäste mit offenen Armen empfangen.

Mein Feelgood-Faktor: 90 von 100!

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Autor:in
Steffen Eidam ist renommierter Journalist und versierter Europa-Reiseexperte.

Mit über 70 besuchten Inseln gilt er als einer der profiliertesten Griechenland-Kenner. Gerne ist er auch in London, Südosteuropa und im Baltikum unterwegs.

Hier findest du alle Artikel von Steffen Eidam.
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