Gsieser Tal in Südtirol: Der ultimative Dolomiten-Geheimtipp

↻ 8. Oktober 2026
Blick ins Gsieser Tal in Südtirol

Suchst du nach urigen Almen, grandiosen Bergpanoramen und Ruhe abseits der bekannten Urlaubsorte in den Dolomiten? Dann komm mit uns ins Gsieser Tal, einem echten Geheimtipp in Südtirol.

Das idyllische Seitental des Pustertals liegt an der Grenze zu den Dolomiten. Geologisch gehört das Gsieser Tal zu den Villgratner Bergen – und das ist ein Glücksfall. Während die bekannten Dolomiten-Hotspots oft überlaufen sind, erlebst du hier das echte Südtirol.

Trotzdem bist du dank der perfekten Lage im Handumdrehen an den ganz großen Klassikern wie den Drei Zinnen oder dem Pragser Wildsee. Bei uns erfährst du, was du im Gsieser Tal unbedingt gesehen haben musst, welche Hütten und Gipfel sich lohnen und warum das Tal das perfekte Basecamp für deinen Wanderurlaub ist.

1. Almenweg 2000 – Die Panoramarunde über den Almwiesen

Was muss man im Gsieser Tal – oder Val di Casies – gemacht haben? Ganz klar: den Almweg 2000 – oder einen Teil davon – erwandern. Es gibt keine Tour in der Region, die landschaftliche Weite und kulinarische Highlights so gut verbindet wie dieser Höhenweg.

Der Almweg zieht sich immer auf rund 2.000 Metern Höhe weitgehend eben über sattgrüne Almflächen und durch mäßig steile Waldhänge. Die beliebteste Variante führt auf der Ostseite des Tals von der Talschlusshütte in St. Magdalena hinauf zur Tscharniet-Alm (keine Einkehrmöglichkeit) und von hier über die (etwas tiefer gelegene) Stumpfalm weiter zur Kaser Alm und schließlich zur Uwaldalm. Und das Beste: In allen drei Hütten kannst du einkehren und die Stille der Bergwelt genießen.

Technisch ist die Rundtour (rund 15 Kilometer) absolut machbar, verlangt dir aber wegen der Zu- und Abstiege rund 800 Höhenmeter ab. Deine Mühen werden mit einem Traumblick über das Tal und die fernen Dolomitengipfel belohnt. Wir selbst sind die Wanderung anders herum gelaufen, empfehlen aber die hier vorgestellte Variante.

Auf der Westseite des Gsieser Tals verläuft ebenfalls ein als Almweg 2000 ausgewiesener Wanderweg. Hier bietet es sich an, vom Dorfzentrum in St. Martin durch das Karbachtal zum Hörneckele aufzusteigen, wo der eigentliche Almweg beginnt. Von hier gehts über die Pfinnalm zur Ascht Alm (Einkehrmöglichkeit). Dann zurück nach St. Magdalena, von wo aus der Bus nach St. Martin fährt.

Eine weitere Variante des Almwegs 2000 führt von der Talschlusshütte in St. Magdalena taleinwärts zur Messnerhütte, zur Kradorfer Alm (Einkehrmöglichkeit) und hinauf zur Oberbergalm (Einkehrmöglichkeit). Von hier geht’s schließlich zum Gsieser Törl auf 2.205 Metern, das früher als Schmugglerpfad zwischen Gsieser Tal und Defereggental (Österreich) diente und dich heute mit rauer Naturkulisse begeistert. Der Rückweg führt über die Weißbachalm und die Acherle Alm zurück zum Ausgangspunkt.

Theoretisch kannst du den Almweg 2000 mit Überschreitung der Hochkreuzspitze (2.739 Meter) auch in einem Stück gehen. Mit 45 Kilometern und dann 2.200 Höhenmetern (ab/bis St. Martin) ist das aber eine Tour für hartgesottene Extrem-Trailrunner.

2. Lutterkopf – Weitblick bis zur Marmolata

Auch unser nächstes Highlight darfst du dir nicht entgehen lassen, wenn du einsame Bergwälder und spektakuläre Gipfelpanoramen schätzt. Die Wanderung auf den Lutterkopf gehört zu den schönsten Aussichtstouren im Gsieser Tal.

Dein kleine Abenteuer beginnt am idyllisch gelegenen Berggasthaus Mudler, wo du dich schon vorab stärken oder nach der Rückkehr einkehren kannst. Der Weg führt dich zunächst durch schattige Nadelwälder kontinuierlich bergauf. Sobald du den Kamm erreichst und der Wald zurückweicht, öffnet sich mit einem Schlag ein unfassbares Rundumpanorama.

Vom breiten Gipfelplateau blickst du direkt auf die schroffen Wände der Dolomiten. Bei klarer Sicht funkelt am Horizont sogar die schneebedeckte Flanke der mächtigen Marmolata, der Königin der Dolomiten. Für den Abstieg empfehlen wir dir eine Pause in der sonnige Taistner Alm, um bei einem kühlen Getränk die Aussicht aufzusaugen.

Die leichte Rundwanderung ist knapp zehn Kilometer lang. Dabei machst du 550 Höhenmeter im An- und Abstieg.

Tipp: Wer noch mehr Höhenmeter sammeln möchte, verlängert die Tour vor dem Abstieg zur Taistner Alm über den Durakopf und das 2.448 Meter hohe Rudlhorn (Trittsicherheit nötig).

3. Hoher Mann, Riepenspitze und Schwarzsee – Noch höher hinaus

Wenn du echte Gipfelerlebnisse suchst und ein paar Höhenmeter mehr nicht scheust, hält der Talschluss ein paar erstklassige Pfade bereit. Ein Liebling unter Wanderern ist der 2.593 Meter hohe Aussichtsberg Hoher Mann, der einen grandiosen Blick auf die Dolomitengipfel im Süden freigibt. Ab der Talschlusshütte in St. Magdalena 13 Kilometer und knapp 1.100 Höhenmeter (T3-Gelände).

Eine faszinierende alpine Tour führt dich außerdem hinauf zum malerischen Schwarzsee und zur benachbarten Riepenspitze mit ihren 2.774 Metern Höhe. Das Besondere daran: Der dunkel schimmernde Bergsee liegt bereits auf österreichischem Boden. Eine Landesgrenze hoch oben zu Fuß auf einem schmalen Bergpfad zu überqueren, hat einfach einen ganz besonderen Reiz.

Weitere beliebte Gipfeltouren führen etwa auf den Frisiberg (2.538 Meter), das Deferegger Pfannhorn (2.820 Meter), die bereits erwähnte Hochkreuzspitze (2.739 Meter), die Gailspitze (2.494 Meter), die Körlspitze (2.610 Meter), das Hochhorn (2.630 Meter), den Monte Calvo (2.490 Meter) und das Toblacher Pfannhorn mit der beliebten Bonner Hütte (2.663 Meter, dazu später mehr).

Und das Beste: Die Wanderwege bewegen sich in der Regel im Bereich T2 und T3. Damit liegen die Touren in einem mäßig schweren Bereich, für den du keine hochalpinen Kenntnisse benötigst. Angemessene Ausrüstung und ein Wetter-Check sind aber Pflicht!

4. Moosalm und Kradorfer Alm – Hüttengenuss ohne Schweißperlen

Genuss wird im Gsieser Tal groß geschrieben – und das Schöne ist: Du musst nicht jedes Mal Hunderte Höhenmeter abreißen, um die Südtiroler Gastfreundschaft zu erleben.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Moosalm. Vom großen Wanderparkplatz in St. Magdalena spazierst du gemütlich in gerade einmal zehn Minuten zur urigen Hütte. Der Spaziergang eignet sich also auch gut für Familien mit kleinen Kindern oder für einen spontanen Kaffee mit hausgemachtem Südtiroler Apfelstrudel am Nachmittag eignet.

Von der Moosalm kannst du ganz entspannt taleinwärts weiterwandern. Nach einem gemütlichen Spaziergang erreichst du nach etwa einer Stunde die Kradorfer Alm, die für ihre exzellenten regionalen Spezialitäten und die wunderbare Bergkulisse bekannt ist.

5. Bonner Hütte – Uriges Bergsteiger-Flair

Hoch über dem Tal thront die traditionsreiche Bonner Hütte auf 2.340 Metern am Fuße des Toblacher Pfannhorns, die du ansteuern solltest, wenn du eine etwas sportlichere Hüttenwanderung planst. Sie ist unter Wanderern eine feste Institution und versprüht genau dieses bodenständige, urige Bergsteigerflair, das man in modernen Touristenorten oft vermisst.

Schon beim Aufstieg begleiten dich weite Blicke hinab ins Tal und auf die mächtigen Dolomiten-Gipfel. Oben angekommen, wirst du von den Wirtsleuten herzlich empfangen und kannst auf der Terrasse die frische Höhenluft genießen, während du die grandiose Aussicht genießt.

Start ist am Parkplatz Silvestertal in Toblach. Hin- und Rückweg summieren sich auf knapp elf Kilometer und 800 Höhenmeter. Lohnenswert ist der weitere Aufstieg zum Toblacher Pfannhorn mit Blick auf die Drei Zinnen sowie auf Großvenediger, Großglockner, Lienzer Dolomiten und die Karnischen Alpen (13 Kilometer; 1.130 Höhenmeter).

6. Almabtrieb in St. Martin – Gelebte Südtiroler Tradition

Bist du im goldenen Herbst im Tal unterwegs, solltest du deinen Kalender auf die traditionellen Almabtriebe (Gsiesa Marschtl, zu den Terminen) abstimmen. Ende September/ Anfang Oktober kehrt das Vieh von den hochgelegenen Sommerweiden zurück in die heimischen Ställe – ein Spektakel, das im Tal mit wunderbaren Festen gefeiert wird. Hier erlebst du Volkskultur, wie sie seit Jahrhunderten gepflegt wird.

Wir haben den Almabtrieb in St. Martin erlebt. Das kleine Örtchen verwandelt sich dann in einen bunten Marktplatz mit zünftiger Live-Musik, Kunsthandwerk und Ständen mit Südtiroler Spezialitäten wie regionalen Schinken und Käse. Das Highlight ist der feierliche Einzug der prachtvoll geschmückten Kühe.

7. Schloss Welsperg – Kulturstopp am Taleingang

Bevor du tiefer ins Tal eintauchst, lohnt sich am Taleingang ein Stopp. Hier liegt das kleine Örtchen Welsberg, das streng genommen zwar zur Pustertaler Talsohle gehört, aber das Tor zur Gsieser Idylle bildet.

Über der wilden Gsieser Schlucht mit dem Gsieserbach thront das Schloss Welsperg, auch bekannt als Burg Welsperg. Die Festung wirkt auf den ersten Blick kompakt, sticht aber durch ihren ungewöhnlich schlanken und hohen Bergfried sofort ins Auge. Die historische Burganlage bietet ein fantastisches Fotomotiv und gewährt dir spannende Einblicke in die mittelalterliche Geschichte der Region.

Der Eintritt kostet 5€. Die Öffnungszeiten sind außerhalb der Hauptsaison stark begrenzt.

8. Pragser Wildsee und Drei Zinnen – Die Dolomiten vor der Haustür

Das Geniale am Gsieser Tal ist seine Nähe zu den absoluten Sehnsuchtsorten der Alpen. Du verbringst deine Nächte in herrlicher Stille, bist tagsüber aber nach kurzer Autofahrt mitten in den weltberühmten Dolomiten.

In direkter Nachbarschaft liegt der weltbekannte Pragser Wildsee mit seinem smaragdgrünen Wasser und der markanten Kulisse des Seekofels. Wenn du dort frühmorgens hinfährst, bevor die Reisebusse eintreffen, erlebst du die spektakuläre Spiegelung der Felswände im Wasser noch in relativer Ruhe, bevor am frühen Vormittag Heerscharen an Touristen eintreffen.

Genauso schnell erreichst du die weltberühmten Drei Zinnen. Über das benachbarte Toblach und das Höhlensteintal führt die Straße hinauf zur Auronzohütte (Reservierungspflicht für die Auffahrt mit Pkw und Shuttle-Bus), von wo aus du die klassische Drei-Zinnen-Umrundung als unvergessliche Tagestour in Angriff nehmen kannst.

Wo im Gsieser Tal übernachten? Unser Basecamp-Tipp

Warum solltest du dein Quartier im Gsieser Tal aufschlagen und nicht direkt in den bekannten Dolomitenorten wie Toblach oder Innichen? Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist das unschlagbare Verhältnis aus Ruhe, Natur und fairen Preisen.

Während Hotels in den Orten in den Dolomiten zur Hauptsaison oft astronomische Preise aufrufen und monatelang im Voraus ausgebucht sind, geht es im Gsieser Tal viel entspannter zu. Die Auswahl an Unterkünften reicht von gemütlichen Ferienwohnungen über familiär geführte Pensionen bis hin zu exklusiven Wellnesshotels mit Fünf-Sterne-Komfort. Da es sich um ein Sackgassental handelt, gibt es am Talschluss keinen Durchgangsverkehr.

Unsere Unterkunft im Gsieser Tal: Vitalpina Hotel Magdalenahof

Unser Zuhause auf Zeit im Gsieser Tal war das Vitalpina Hotel Magdalenahof (Preise checken*), ein wunderschönes 4-Sterne-Hotel am Ende des Tals. Besser kann man für ausgedehnte Bergtouren kaum starten. Wer nach vielen Höhenmetern zurück ins Hotel kommt, freut sich auf den fantastischen Spa-Bereich mit In- und Outdoor-Pool. Besonders angetan hat es uns die Panoramasauna: Durch die große Glasfront schaust du direkt in die Bergwelt, bevor du für die ultimative Abkühlung in den frischen Gebirgsbach springst.

Mindestens genauso begeistert hat uns das Essen: Kulinarisch zählt das Haus zum Besten, was wir in den Alpen bisher erlebt haben. Der Küchenchef versteht sein Handwerk meisterhaft – und das spürst du bis ins Detail. Selbst Gäste, die sich fleischlos ernähren, dürfen sich hier auf raffinierte, geschmacksintensive Kreationen freuen, die viele andere Hotels so einfach nicht hinbekommen.

Praktische Reisetipps fürs Gsieser Tal

Die Anreise ins Tal ist denkbar einfach: Über die Brennerautobahn fährst du kurz vor Brixen auf die Pustertaler Staatsstraße ab bis nach Welsberg, wo der ausgeschilderte Abzweig ins Gsieser Tal führt. Mit dem Auto bleibst du vor Ort maximal flexibel, aber auch das regionale Busnetz verbindet die Ortschaften Taisten, St. Martin und St. Magdalena zuverlässig mit dem Bahnhof in Welsberg.

Die schönste Reisezeit für Wanderer reicht von Juni bis weit in den Oktober. Vor allem die Herbstmonate bestechen durch stabile Schönwetterlagen, goldgelbe Lärchenwälder und eine Fernsicht, die ihresgleichen sucht.

Im Winter ist das Gsieser Tal ein Paradies für Langläufer. Der Höhepunkt der Skisaison ist der legendäre GsieserTalLauf, der zweigrößte Skimarathon Italiens. Das Event mit Tausenden Teilnehmern findet immer am dritten Wochenende im Februar statt.

🎥 Phototravellers auf YouTube: Unsere Highlights im Gsieser Tal Video

Du möchtest unsere Highlights im Gsieser Tal in Aktion sehen? In unserem YouTube-Video nehmen wir dich mit auf unsere Reise nach Südtirol. Werde Teil unserer wachsenden YouTube-Community mit über 40.000 Abonnenten und abonniere unseren YouTube-Kanal, damit du keinen unserer Reisefilme mehr verpasst! 🎬

Karte mit allen Hütten und Highlights im Gsieser Tal

Auf unserer interaktiven Karte findest du alle Hütten und Highlights in Gsieser Tal im praktischen Überblick:

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Autor:in
Florian Westermann ist Reisejournalist, Buchautor (u. a. Dumont) und preisgekrönter Profi-Fotograf.

2010 gründete er den Foto- und Reiseblog Phototravellers.de, auf dem er seine Expertise in über 400 Artikeln zu den Themen Reisen, Wandern, Outdoor und Fotografie teilt.

Hier findest du alle Artikel von Florian Westermann.
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