Inselhüpfen nördlicher Dodekanes: 4 Inseln, 16 Tage

↻ 20. Juli 2026
Die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Leros

Kalymnos, Leros, Lipsi, Patmos: Vier Inseln, die auf den Reiseplänen der meisten Griechenland-Urlauber noch nicht auftauchen und gerade deshalb so reizvoll sind. Der nördliche Dodekanes schlägt ein anderes Tempo an. als der Süden der Inselgruppe. Kletterfelsen, Kolonialarchitektur und das wohl spirituellste Kloster der gesamten Ägäis.

Ich zeige dir, was du für ein ideales Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes wirklich brauchst. Von der perfekten Route über Fähren bis zum Budget. Suchst du stattdessen die klassische Route mit Rhodos, Symi und Kos? Dann findest du hier meinen Guide zur südlichen Route.

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Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes auf einen Blick

Die Route: Kalymnos → Leros → Lipsi → Patmos – vier Inseln, eine Fährlinie, viele Variationsmöglichkeiten.

Reisedauer: Mindestens 14, besser 16 Tage. Etwas mehr Zeitpuffer schafft mehr Raum für individuelle Reisegestaltung.

Top-Highlights: Die Klettergebiete auf Kalymnos und die autofreie Nachbarinsel Telendos, das Kolonialviertel Lakki auf Leros, die unberührten Strände von Lipsi und das Johanneskloster auf Patmos.

Fortbewegung: Alle vier Zielinseln sind von der Größe her überschaubar. Ein Roller ist die bessere Alternative zum Mietwagen.

Beste Reisezeit: Mai, Juni und September bis Mitte Oktober. Mildere Temperaturen, weniger Trubel, stabile Fährverbindungen und deutlich weniger Meltemi-Risiko als im Hochsommer.

Vor Ort: Kalymnos, Leros, Lipsi und Patmos liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht von Süden nach Norden in der östlichen Ägäis. Der Vorteil dieser Route: Kurze Überfahrten, kaum verlorene Reisezeit.

Insidertipp: Besuche das berühmte Johanneskloster auf Patmos nicht zwischen 10 und 16 Uhr, wenn Kreuzfahrttouristen die Anlage fluten. Am frühen Abend gehört dir der Ort fast allein.

Planungstipp: Buche Fährtickets mindestens zwei bis drei Wochen im Voraus. Vor allem rund um griechisch-orthodoxe Feiertage wie Mariä Entschlafung Mitte August sind viele Verbindungen ausgebucht.

1. Kos – Dein Startpunkt und Drehkreuz im nördlichen Dodekanes

Kos übernimmt in dieser Route keine eigenständige Rolle als Reiseziel, sondern dient als cleverer Start- und Endpunkt. Der Grund ist einfach: Die Insel besitzt den einzigen internationalen Flughafen (Kos Hippokrates, IATA-Kürzel: KGS) im nördlichen Dodekanes, der zwischen Mai und Oktober von zahlreichen deutschen Städten direkt angeflogen wird. Rechne mit rund drei Stunden Flugzeit, außerhalb der Saison führt der Weg meist über einen Zwischenstopp in Athen.

Der Flughafen Kos Hippokrates liegt 26 Kilometer westlich von Kos Stadt und über den Ktel-Inselbus (Website) gut mit den beiden Fährhäfen vernetzt. Direkt am Ankunftstag weiterzureisen ist die klügere Wahl. Wenn dein Flug es zeitlich erlaubt, erreichst du Kalymnos noch am selben Tag über den kleinen Hafen Mastichari, der per Bus direkt vom Flughafen angebunden ist.

Die Schiffe der lokalen Reederei Ane Kalymnou pendeln mehrmals täglich zwischen Pothia, dem Hauptort von Kalymnos, und Mastichari. Details zu den Abfahrten findest du auf der Seite von Ferries.gr (Website). Die Überfahrt dauert rund zwischen 45 Minuten und einer Stunde – je nachdem, ob es sich um eine reine Personenfähre handelt oder um eine Autofähre. Alternativ wird die Strecke auch vom Haupthafen in Kos Stadt bedient, diese ist allerdings teurer und mit etwas längerer Fahrzeit.

Wer erst am Abend landet, übernachtet pragmatisch eine Nacht in Kos-Stadt. Die Altstadt und der Mandraki-Hafen eignen sich gut für einen stimmungsvollen Aufenthalt. Der Link weiter unten führt dich zu meinem Artikel über Kos Stadt und beinhaltet viele Sehenswürdigkeiten und Tipps für die Altstadt.

Mehr als diese eine Nacht solltest du für diese Route aber nicht einplanen. Am Ende der Reise wird Kos noch einmal wichtig. Patmos besitzt keinen eigenen Flughafen. Du musst zwingend über Kos oder alternativ über Samos zurück, um deinen Rückflug anzutreten. Das bedeutet: ein letztes Mal Fähre, eine Zwischenübernachtung in Kos Stadt, Rückflug.

Mein Tipp: Plane bewusst eine Pufferübernachtung auf Kos vor deinem Rückflug ein. Fähren können wetterbedingt ausfallen und ein Rückweg auf den letzten Drücker ist bei dieser Route das größte Risiko für deinen Heimflug. Eine Nacht Reserve kostet wenig und rettet im Ernstfall viel.

Sehenswürdigkeiten in Kos-Stadt

So könnte dein Reiseplan aussehen

TAGSTATIONAKTIVITÄT
1Kos → KalymnosAnreise, Fähre ab Mastichari
2–5KalymnosPothia, Telendos, Klettergebiete, Westküste
6Kalymnos → LerosFähre ab Pothia
7–9LerosPlatanos, Lakki, Windmühlen, Stränden
10Leros → LipsiFähre ab Agia Marina
11–13LipsiHafenort, Platis Gialos, Radtour
14Lipsi → PatmosFähre, unter einer Stunde
15–16PatmosJohanneskloster, Chora, Skala
16Patmos → Kos90 Minuten

Mein Tipp: Hast du statt 16 nur 14 Tage, kürze zuerst bei Leros oder Lipsi auf je drei Tage. Kalymnos braucht wegen seiner Größe und Vielfalt mehr Zeit, Patmos wegen seiner Bedeutung und Vielseitigkeit ebenfalls.

2. Kalymnos – Kletterfelsen, Schwammtaucher-Tradition und Telendos

Häuser einer Küstensiedlung auf Kalymnos
Beliebte Kletterrouten finden sich vor allem in der Nähe von Masouri

Kalymnos ist die Insel für alle, die das ursprüngliche Griechenland suchen. Rau, authentisch, laut am Hafen und still im Hinterland. Die Hauptstadt Pothia überrascht beim ersten Blick: Statt weißgetünchter Kykladen-Kulisse empfangen dich neoklassizistische Herrenhäuser in kräftigen Farben, gebaut vom Wohlstand der Schwammtaucher-Dynastien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Nautische und Volkskundliche Museum direkt im Hafenviertel hält diese Tradition lebendig.

Vom Hauptort landeinwärts türmt sich eine schroffe Felslandschaft auf, die Kletterer aus aller Welt anzieht. Kalymnos gehört seit den frühen 1990er-Jahren zu den renommiertesten Klettergebieten überhaupt. Mehr als 3.000 markierte Routen und eine dichte Infrastruktur rund um das Thema bilden hier einen Mikrokosmos. Das Zentrum der Kletterszene liegt rund um Masouri und Myrties, wo zahlreiche kleine Pensionen und Tavernen auf diese Klientel ausgerichtet sind.

Wer Geschichte sucht, fährt hoch nach Chorio. Über der ältesten Siedlung der Insel thront das byzantinische Kastro, eine Burganlage aus dem 11. Jahrhundert mit weitem Blick über die Westküste. Der Aufstieg ist kurz, die Aussicht dafür umso bemerkenswerter. Ebenfalls sehenswert: die Höhle der Sieben Jungfrauen, auf Griechisch Heptá Parthénes, unweit von Pothia. Stalaktiten, Stalagmiten und eine lokale Legende, die sich die Inselbewohner bis heute gerne erzählen.

Keinesfalls verpassen solltest du die vorgelagerte Insel Telendos. Per Boot ist das kleine Atoll in zehn Minuten von Myrties aus erreichbar. Die Kaikis pendeln täglich von 8 bis 24 Uhr in der Regel im 30-Minuten-Takt (Gebühr: 2,50 Euro je Richtung). Wer einmal dort war, versteht sofort, warum aus manchem Tagesausflug eine spontane Übernachtung wird.

Für Strandtage auf Kalymnos selbst lohnen sich das außergewöhnlich schöne Kantouni, das ruhige Vlychadia im Südosten und die Bucht von Emporios ganz im Norden der Insel. Alle drei Regionen sind deutlich weniger besucht als die Strände rund um Masouri.

Plane für Kalymnos mindestens vier Tage für ein entspanntes Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes ein. Die Weiterfahrt nach Leros trittst du vom Hafen Pothia aus an, die Katamarane von Dodekanisos Seaways legen hier mehrfach wöchentlich ab.

Sehenswürdigkeiten auf Kalymnos

3. Leros – Italianità, Windmühlen und eine Geschichte, die hängenbleibt

Die Überfahrt von Kalymnos nach Leros gehört zu den kürzesten Etappen der gesamten Route und macht dieses Kapitel deines Inselhüpfens im nördlichen Dodekanes angenehm unkompliziert. Die Katamarane von Dodekanisos Seaways und lokale Boote steuern meist den kleinen Hafen Agia Marina an. Nur die großen Fähren aus Piräus laufen Lakki an, was bei starkem Wind gelegentlich zu kurzfristigen Planänderungen führen kann.

Leros begeistert auf Anhieb mit seiner hügeligen, grünen Landschaft und herausgeputzten Hafenorten. Eines der Top-Highlights, die byzantinische Festung Panteli, auch Kastro genannt, dominiert das Panorama rund um Agia Marina. Der Aufstieg durch die engen Gassen des beliebten Ortes dauert zwanzig Minuten. Oben angekommen wirst du mit einem Traumblick über alle fünf Buchten der Insel belohnt. Innerhalb der Festungsmauern erkundest du die der Heiligen Maria gewidmete Statue, gänzlich ohne Besuchermassen, in einer fast meditativen Atmosphäre.

Direkt unterhalb der Festung liegt Platanos, die Hauptstadt der Insel. Schmale Gassen, kleine Läden und Cafés unter alten Bäumen prägen das Ortsbild. Von hier aus sind sowohl Agia Marina als auch Panteli in wenigen Gehminuten erreichbar, was Platanos zur praktischsten Unterkunftsbasis für dein Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes macht.

Unterhalb des Kastros schmiegt sich der kleine Ort Panteli ans Wasser: ein Fischerdorf wie von einer Postkarte mit bunten Booten, Tavernen direkt an der Wasserfront und den charakteristischen Windmühlen am Hang dahinter. Panteli ist die schönste Location für einen stimmungsvollen Abend auf Leros.

Der optische Gegensatz zum Rest der Insel erwartet dich in Lakki. Das nahe gelegene Hafenstädtchen hinterlässt einen fast surrealen Eindruck: breite mehrspurige Straßen, geschwungene Fassaden im Rationalismo-Stil, runde Eckhäuser und weitläufige Plätze. Die Siedlung wurde in den 1930er-Jahren während des italienischen Regiments zwischen 1912 und 1943 entwickelt.

Die damaligen Besatzer wollten Lakki als Musterstadt mit Marinestützpunkt und Verwaltungszentrum etablieren. Für eine griechische Insel ist dieses Ensemble bis heute einzigartig. Viele Gebäude stehen leer oder sind dem Verfall preisgegeben, und dennoch ist der Besuch in Lakki nicht nur für Architektur-Liebhaber fast schon ein Muss.

Wer tiefer in die Kriegsgeschichte einsteigen will, findet auf Leros mehr greifbare Spuren als auf den meisten anderen Dodekanes-Inseln. Im November 1943 lieferten sich britische und deutsche Truppen auf der Insel eine der verlustreichsten Schlachten auf dem Wasser.

Das Kriegsmuseum im ehemaligen unterirdischen Tunnel bei Merikia dokumentiert diese Ereignisse mit Originalexponaten, Karten und Fotos. Auf dem Alliierten-Soldatenfriedhof von Alinda, gepflegt vom Commonwealth War Graves Commission, liegen 183 britische Gefallene begraben.

Alinda selbst ist gleichzeitig der familienfreundlichste Strandbereich der Insel: ein langer, ruhiger Sandstreifen mit flachem Wasser, gepflegten und preiswerten Unterkünften sowie vielen Lokalen direkt am Meer. Wer es einsamer mag, fährt zur Bucht Blefouti im Nordwesten oder nach Gourna im Süden. Drei bis vier Tage reichen für Platanos, Lakki, Panteli, das Kriegsmuseum und mindestens zwei Strandtage.

Mein Tipp: Kombiniere deinen Besuch der Windmühlen bei Panteli mit einem Sonnenuntergang-Drink in der Bar Harris. Das Team betreibt dort einen der schönsten Aussichtspunkte der ganzen Insel. Bedenke: Nur wer früh am Abend kommt, hat Chancen auf einen freien Tisch auf der herrlichen Außenterrasse.

Sehenswürdigkeiten auf Leros

4. Lipsi – 700 Einwohner, ein Bettendeckel seit 1988 und dreißig Strände ohne Liegestühle

Von Leros aus erreichst du Lipsi in zwei bis drei Stunden, entweder mit Blue Star Ferries oder den kleineren Katamaranen von Dodekanisos SeawaysZefiros oder Ane Kalymnou. Der Fähranleger liegt zehn Gehminuten vom Ortszentrum entfernt. Kein Transfer, kein Taxi. Einfach laufen.

Lipsi ist die Überraschung dieser Route. Mit kaum 700 Einwohnern und 16 Quadratkilometern Fläche wirkt die Insel, als sei die Zeit irgendwo in den 1980er-Jahren stehengeblieben, und das ist kein Zufall. Die Gemeinde begrenzt seit 1988 bewusst die Bettenzahl auf 60, um Massentourismus dauerhaft fernzuhalten. Was das für dich bedeutet: früh buchen. Die wenigen Hotels und privaten Studios sind in der Hauptsaison schnell vergeben.

Der Ort selbst, auf Griechisch schlicht Lipsi genannt wie die Insel, konzentriert sich rund um den kleinen Hafenplatz. Weiß getünchte Häuser, ein paar Tavernen, eine Handvoll Cafés, dazwischen getrocknete Oktopusse, die in der Sonne baumeln. Kein Souvenirladen, der um Aufmerksamkeit buhlt. Kein Animationsprogramm.

Das Zentrum des Ortes ist die Kirche Panagia tou Harou, deren wundertätige Ikone der Überlieferung nach jedes Jahr am 23. August, dem Fest Mariä Entschlafung, zu blühen beginnt. Ob man das glaubt oder nicht: Am Vorabend des Festes versammelt sich die halbe Insel vor der Kirche, und die Stimmung ist eine, die du auf keiner anderen Insel dieser Route erlebst.

Manche Altertumsforscher sehen in Lipsi das homerische Ogygia, die sagenhafte Insel der Nymphe Kalypso, auf der Odysseus sieben Jahre festgehalten wurde. Belegen lässt sich das nicht, aber die Vorstellung passt: Eine Insel, auf der man länger bleibt als geplant, kennt offenbar eine lange Tradition.

Auf der Insel selbst erwarten dich mehr als 30 Strände, keiner davon mit Liegestühlen oder Sonnenschirmen. Das ist Teil des ökologischen Konzepts, und es funktioniert. Der Platis Gialos Beach mit seinem karibisch anmutenden türkisfarbenen Wasser gilt zu Recht als schönster Strand und liegt etwa drei Kilometer vom Ort entfernt, gut per Fahrrad erreichbar. 

Katsadia im Süden hat eine andere Stimmung: wilder, felsiger, mit der Beachbar Dilaila direkt dahinter, die zu den wenigen wirklich guten Bars der Insel zählt.

Das abgelegene Monodendri im Nordosten ist für alle, die es wirklich einsam mögen: kein Schatten, kein Weg dorthin ohne Orientierungssinn, dafür absolut unberührtes Wasser. Wer noch mehr Strandoptionen sucht, fährt nach Liendou, nur einen kurzen Spaziergang vom Ort entfernt, oder nach Papandria im Westen.

Einen Abstecher wert ist außerdem das Inselinnere. Lipsi produziert einen eigenen Wein, der in der Hauptsaison in einigen Tavernen ausgeschenkt wird: trocken, charaktervoll, nichts für große Weinkarten, aber ein ehrliches Glas zur Grillplatte am Abend. Die Kirche der Heiligen Michael und Gabriel liegt auf einer kleinen Anhöhe im Inselinneren und lässt sich gut in eine Radtour einbinden, die dir gleichzeitig den besten Überblick über die Topografie der Insel verschafft.

Drei bis vier Tage sind richtig dimensioniert: für den Hafenort, die Panagia-Kirche, eine Radtour quer über die Insel und zwei bis drei echte Strandtage ohne jede Infrastruktur. Lipsi selbst besitzt übrigens keinen eigenen Flughafen. Leros darf zwar einen kleinen Flughafen sein Eigen nennen, dieser hält aber ausschließlich Flüge nach Athen und Kalymnos bereit. Für unser Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes ist er somit nicht von Belang.

Mein Tipp: Reserviere deine Unterkunft auf Lipsi idealerweise Monate im Voraus. Der Bettendeckel von 60 Plätzen ist keine Marketing-Floskel, sondern eine harte Grenze. Sie wird auf dieser Insel schneller zum Engpass als auf jeder anderen Station deiner Route.

Sehenswürdigkeiten auf Lipsi

5. Patmos – Weltkulturerbe, Apokalypse und Sonnenuntergang über der Ägäis

Von Lipsi bringt dich die Fähre in weniger als einer Stunde nach Patmos, die letzte und für viele emotionalste Station der Route. Seit Jahrhunderten pilgern Sinnsuchende hierher, und jeder nimmt am Ende etwas anderes von der Insel mit.

Den Auftakt macht Skala, der Haupthafen der Insel. Tagsüber bestimmen Fährbetrieb, Kreuzfahrttouristen und geschäftiges Hafentreiben das Bild, abends übernehmen Restaurants, Bars und Musik bis in den frühen Morgen. Skala ist lauter als alles, was du auf den vorherigen Inseln erlebt hast, denn es zeigt nur eine Seite von Patmos. Die andere erreichst du in zwanzig Minuten zu Fuß oder mit dem Bus hoch in die Chora.

Die Chora zieht sich in kubischen weißen Häusern und engen Gassen den Hügel hinauf, mit versteckten Kapellen hinter schweren Holztüren und immer wieder unerwarteten Blicken aufs Meer zwischen zwei Mauern. Ihren mittelalterlichen Grundriss verdankt die Siedlung jahrhundertelangen Piratenüberfällen, vor denen sich die Bevölkerung hinter den Klostermauern schützen musste. Am schönsten zeigt sich die Chora im Abendlicht, wenn die Gassen leer und die Häuser golden beleuchtet sind.

Über der Chora thront das Kloster des Heiligen Johannes, gegründet im Jahr 1088 vom seligen Christodoulos auf kaiserliches Geheiß des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos. Die gesamte Anlage gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. In der Klosterbibliothek lagern mehr als 2.000 alte Manuskripte, Ikonen und liturgische Gegenstände, eine der bedeutendsten byzantinischen Sammlungen außerhalb des Athos. Die festungsartigen Mauern, das Katholikon und die verwinkelten Höfe im Inneren erzählen fast neunhundert Jahre Klostergeschichte.

Auf halbem Weg zwischen Skala und der Chora liegt der zweite UNESCO-geschützte Ort der Insel: die Heilige Grotte der Apokalypse. In diesem Felsspalt soll der Apostel Johannes im 1. Jahrhundert die Offenbarung empfangen und diktiert haben. Der Überlieferung nach markiert eine Vertiefung im Stein die Stelle, an der Johannes seinen Kopf aufstützte.

Wer die Ruhe abseits des Klosterbetriebs sucht, fährt nach Grikos. Die ruhige Bucht im Süden der Insel ist das Gegenstück zu Skala: weniger Betrieb, mehr Meer, ein paar gute Tavernen direkt am Wasser. Noch abgelegener ist Psili Ammos, der als schönster Sandstrand der Insel gilt und im äußersten Süden liegt, ausschließlich per Boot oder über einen langen Fußweg erreichbar, ohne jede Infrastruktur.

Im Norden lohnt sich Lampi: ein Kiesstrand mit mehrfarbigen Steinen in Rostrot, Grün und Schwarz, der aussieht, als hätte jemand eine Farbpalette ins Meer gekippt. Kampos wiederum ist die entspannteste Option für Familien, ein langer, geschützter Sandstrand mit flachem Wasser und einigen Tavernen in Laufweite.

Wer noch weiter hinaus will, bucht einen Bootsausflug zu den Mikro-Inseln Arki und Marathi. Arki hat kaum fünfzig ständige Einwohner, Marathi ist im Sommer praktisch unbewohnt. Beide haben kristallklares Wasser und keine einzige Sonnenliege. Ein Tagesausflug genügt, um beide Inseln zu erkunden.

Patmos besitzt keinen eigenen Flughafen. Für die Rückreise musst du noch einmal nach Kos oder alternativ nach Samos, um deinen Flug anzutreten. Plane das rechtzeitig in deinen Zeitpuffer ein. Für Patmos selbst sind drei bis vier Tage richtig dimensioniert, wer die Insel wirklich verstehen will, bleibt eine Woche.

Mein Tipp: Meide das Johanneskloster und die Apokalypse-Grotte zwischen 10 und 16 Uhr, wenn die meisten Kreuzfahrtausflügler eintreffen. Lege deinen Besuch auf den frühen Abend, dann verwandeln sich beide Orte in mystische Stätten mit Sonnenuntergang direkt über der Ägäis.

Sehenswürdigkeiten auf Patmos

6. Fähren, Anreise und Logistik: So planst du die Route reibungslos

Die Fährlogistik ist das Rückgrat für ein reibungsloses Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes. Zwei Reedereien wirst du auf dieser Route am häufigsten sehen. Blue Star Ferries fährt mit größeren Schiffen, die auch Fahrzeuge transportieren. Dodekanisos Seaways setzt schnelle Katamarane ein, ausschließlich für Fußpassagiere, dafür deutlich komfortabler auf kurzen Strecken.

Die Verbindung läuft täglich von Kos über Kalymnos, Leros und Lipsi nach Patmos, mit leichten Abweichungen je nach Wochentag. Für einzelne Teilstrecken übernehmen zusätzlich lokale Anbieter wie Zefiros oder Ane Kalymnou den Betrieb, praktisch, wenn die Katamaran-Verbindung an deinem Wunschtag nicht passt.

Die Reihenfolge Kalymnos, Leros, Lipsi und Patmos folgt der geografischen Logik von Süden nach Norden und entspricht exakt der Fahrtrichtung der Katamaran-Linie, sodass du nirgendwo zurückfährst oder unnötig kreuzt. Wer zusätzlich einen Tagesausflug zur Vulkaninsel Nisyros oder zur autofreien Telendos einplant, löst das bequem ohne Übernachtungswechsel.

Die Grundlagen der Fährbuchung in Griechenland, von E-Tickets über Sitzplatzkategorien bis zum Verhalten bei Seekrankheit, findest du in meinem ausführlichen Fähren-Guide.

Mein Tipp: Prüfe die Fährverbindungen nicht erst vor Ort, sondern bereits bei der groben Reiseplanung. Gerade im Juli und August kann der Meltemi, der kräftige Nordwind der Ägäis, kleinere Verbindungen kurzfristig ausfallen lassen. Plane deshalb einen Puffertag zwischen den Inseln ein, besonders vor dem Weiterflug ab Kos.

Allgemeine Tipps über das Reisen mit Fähren in Griechenland

7. Beste Reisezeit für dein Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes

Die Saison für diese Route läuft von Mai bis Oktober. Mai, Juni und September zählen zu den angenehmeren Monaten: mildere Temperaturen, weniger Trubel, stabile Verbindungen. Im Juli und August wird es auf allen vier Inseln heiß und voller, gleichzeitig steigt das Risiko für wetterbedingte Fährausfälle durch den Meltemi spürbar an. Wer beim Reisen flexibel ist, wählt die Randsaison.

Beim Gepäck lohnt sich wenig einzupacken. Kopfsteinpflaster und steile Fähranleger im Wechsel sind für schwere Koffer wenig geeignet. Führe außerdem Bargeld in überschaubarer Menge mit, denn auf LerosLipsi und Patmos akzeptiert nicht jede Taverne Karte, und Geldautomaten sind außerhalb der Hauptorte rar gesät.

Handynetz und WLAN funktionieren in den Hauptorten aller vier Inseln zuverlässig. Abseits davon wird es stellenweise lückenhaft, insbesondere auf Lipsi und in den Bergregionen von Kalymnos und Leros.

Mein Tipp: Lade dir vor der Abreise die Offline-Kartenfunktion von Google Maps für alle vier Inseln herunter. Ein Kartenausfall mitten auf einer unbekannten Insel kostet unnötig Zeit und Nerven.

8. Budget und Buchungstipps

Die Fährtickets zwischen den vier Inseln sind einzeln günstig, in der Summe über die gesamte Route aber ein Posten, den du nicht unterschätzen solltest. Rechne für fünf Überfahrten, Anreise ab Kos und Rückweg inklusive, mit einem Betrag von 100 bis 120 Euro pro Person, abhängig von Reederei und Vorlaufzeit. Katamarane von Dodekanisos Seaways kosten etwas mehr als die klassischen Fähren, sind dafür deutlich schneller und zuverlässiger auf kurzen Strecken wie auf dieser Route.

Bei der Unterkunft unterscheidet sich das Budget ein wenig zwischen den Stationen. KalymnosLeros und Patmos bieten eine solide Bandbreite von einfachen Studios bis zu gehobenen Boutique-Unterkünften. Lipsi ist ein Sonderfall: Durch den Bettendeckel sind die Auswahlmöglichkeiten limitiert, sehr preisgünstige Optionen kaum zu finden. Die Preise für kleine, einfache Apartments beginnen bei 70 Euro pro Nacht.

Mein Tipp: Buche Fährtickets für die Hauptsaison mindestens zwei bis drei Wochen im Voraus. Rund um griechisch-orthodoxe Feiertage wie Ostern oder Mariä Entschlafung Mitte August besuchen viele Griechinnen und Griechen ihre Heimatinseln, die Verbindungen sind dann schnell ausgebucht.

❓ Häufige Fragen zum Inselhüpfen im nördlichen Dodekanes

Kann ich diese Route auch in weniger als 14 Tagen fahren?

Technisch ja, empfehlenswert ist es nicht. Wer die vier Inseln in unter zwei Wochen abarbeitet, verbringt mehr Zeit auf Fähren als auf den Inseln selbst. Das Minimum für ein echtes Erlebnis liegt bei 14 Tagen; mit 16 Tagen fährst du deutlich entspannter.

Benötige ich für diese Route ein eigenes Fahrzeug?

Auf Kalymnos und Leros ist ein Roller oder Kleinwagen klar empfehlenswert, sonst bleiben dir die schönsten Buchten abseits der Hauptorte verwehrt. Auf Lipsi reicht ein Leihfahrrad für die überschaubare Insel vollkommen aus. Auf Patmos kommst du mit Bus und Taxi gut zurecht, ein Roller gibt dir aber mehr Freiheit.

Wie buche ich Fährtickets am besten?

Am einfachsten online über die Webseiten der Reedereien oder über Plattformen wie Ferryhopper oder Directferries. Alternativ kannst du auf allen vier Zielinseln auch direkt am Ticketschalter im Hafen kaufen. Die Verkaufsstellen befinden sich auf Kalymnos, Lipsi, Leros und Patmos jeweils direkt am Ableger und sind leicht zu finden.

Ist die Route auch für Familien mit Kindern geeignet?

Kalymnos, Leros und Patmos sind familientauglich, die Infrastruktur stimmt. Lipsi ist aufgrund des knappen Unterkunftsangebots und der fehlenden Strandinfrastruktur eher etwas für reiseerfahrene Eltern, die mit wenig auskommen.

Was passiert, wenn eine Fähre wetterbedingt ausfällt?

Genau dafür baust du Puffertage in die Route ein. Besonders zwischen Lipsi und Patmos können kleinere Verbindungen bei starkem Meltemi kurzfristig eingestellt werden. Plane zwei Inseln daher nicht an aufeinanderfolgenden Tagen ohne Reserve.

Gibt es auf Lipsi überhaupt genug zu tun für drei bis vier Tage?

Auf jeden Fall. Lipsi strotzt zwar nicht vor Sehenswürdigkeiten, zählt aber dennoch zu den schönsten Inseln Griechenlands. Wer das besondere Flair dort erst einmal kennenlernt, tut sich schwer wieder aufzubrechen.

Mein Fazit: Vier Inseln, die sich gegenseitig perfekt ergänzen

Der nördliche Dodekanes ist kein Reiseziel für alle. Wer Animationsprogramm oder tägliche Bootspartys sucht, liegt hier falsch. Wer dagegen echte Orte mit Ursprünglichkeit, Geschichte und echter griechischer Gelassenheit sucht, findet auf KalymnosLerosLipsi und Patmos eine der überzeugendsten Routen im Dodekanes. Die vier Inseln ergänzen sich gegenseitig perfekt: Die Fährstrecken bleiben kurz, die Logistik der Route ist unkompliziert und der Entschleunigungsfaktor sehr hoch.

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Autor:in
Steffen Eidam ist renommierter Journalist und versierter Europa-Reiseexperte.

Mit über 70 besuchten Inseln gilt er als einer der profiliertesten Griechenland-Kenner. Gerne ist er auch in London, Südosteuropa und im Baltikum unterwegs.

Hier findest du alle Artikel von Steffen Eidam.
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