Unbekannte griechische Inseln: 5 Geheimtipps abseits der Massen

↻ 19. August 2026
Blick auf die weißen Häuser der Chora von der unbekannten griechischen Insel Astypalea

Santorini, Mykonos und Rhodos brauchen keine Vorstellung mehr. Diese fünf Inseln schon.

Folegandros hat keinen Flughafen, dafür aber eine atemberaubende Chora. Kasos liegt abseits sämtlicher Fährrouten, Sikinos kennen höchsten Insider und Astypalea ist die erste griechische Insel mit klimaneutralem Verkehr. Da wäre noch Ikaria, einer der fünf Blue Zones weltweit, wo man bis in den frühen Morgen tanzt.

Ich zeige dir fünf unbekannte griechische Inseln abseits der Massen.

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Unbekannte griechische Inseln auf einen Blick

Die Inseln: Folegandros (Kykladen), Sikinos (Kykladen), Kasos (Dodekanes), Astypalea (Dodekanes), Ikaria (Nördliche Ägäis)

Anreise: Alle per Fähre erreichbar, ab Piräus oder über Nachbarinseln. Folegandros auch ab Santorini (45 Minuten). Astypalea und Ikaria haben kleine Flughäfen mit Inlandsverbindungen ab Athen. Keine Direktflüge aus Deutschland

Kosten: Alle fünf Inseln günstiger als Santorini und Mykonos. Auf Kasos und Sikinos liegt das Tagesbudget mit einfacher Unterkunft und Taverne unter 80 Euro. Exklusive Apartments überall zu angemessenen Preisen verfügbar

Fortbewegung: Mietwagen oder Motorroller empfehlenswert auf Folegandros, Kasos und Astypalea. Ikaria am besten mit eigenem Fahrzeug erkunden. Sikinos ist klein genug für Wanderungen und den Inselbus

Anreise: Per Flugzeug direkt nach Skiathos (JSI) von Deutschland aus ca. 2,5 Stunden. Mit der Fähre ab Volos in rund 2 bis 3 Stunden, ab Agios Konstantinos in ca. 2 Stunden

Beste Reisezeit: Mai, Juni, September und Oktober. Im Juli und August sind alle fünf Inseln ruhiger als die bekannten Kykladen- und Dodekanes-Hotspots, der Meltemi kann aber kräftig wehen und Fähren verzögern

Für wen: Individualreisende, die Griechenland abseits der von der Reiseindustrie beworbenen Pfade erleben wollen

1. Folegandros – Schönste Chora und Kraterlandschaft

Folegandros macht es seinen Besuchern nicht ganz leicht. Kein Flughafen, kein Kreuzfahrtterminal, aber natürlich ein kleiner Hafen. Von Athen aus benötigst du mit der Fähre je nach Verbindung vier bis neun Stunden, von Santorini sind es nur 45 Minuten. Die Insel ist 19 Quadratkilometer groß, hat 765 Einwohner und drei Siedlungen.

Viele bezeichnen die Chora von Folegandros als die schönste der Kykladen, manche als die schönste ganz Griechenlands. Ob das stimmt, liegt, wie so oft, im Auge des Betrachters. Was stimmt: Zweihundert Meter über dem Meer, auf der Kante einer senkrecht abfallenden Klippe, legten die Venezianer die Siedlung 1212 an.

Vier miteinander verbundene Plätze ziehen sich durch das Dorf, gesäumt von Tavernen, kleinen Läden und alten Platanen. Reisemagazine rund um den Globus zählen diesen Ort zu den bemerkenswertesten Dörfern Europas. Kein Wunder, das Folegandros nach und nach auch vom internationalen Jetset entdeckt wird.

Was die Landschaft von Folegandros von anderen Kykladeninseln abhebt, zeigt sich erst von unten. Wer die Steilpfade zu den Stränden hinuntergeht oder vom Wasser auf die Insel schaut, erkennt eine Kraterlandschaft, die frappierend an Santorini erinnert: schroff aufragende Felsen, dunkle Gesteinsformationen, senkrecht abfallende Wände über türkisblauem Wasser. Folegandros liegt nur 45 Minuten Fahrt von Santorini entfernt.

Im Kern der Chora liegt das Kastro, die älteste Siedlung der Insel aus dem 13. Jahrhundert. Die Häuser stehen Wand an Wand und bildeten nach außen eine geschlossene Festungsmauer zum Schutz gegen Piraten. Das gesamte Kastro steht unter Denkmalschutz.

Oberhalb der Chora führt ein Zickzackpfad zur Panagia-Kirche, auf den Ruinen eines antiken Artemistempels erbaut. Eine Marmortafel im Innenhof dokumentiert die Renovierung von 1687. Jedes Jahr rund um den 15. August wird die Ikone der Schutzpatronin für eine Woche von Haus zu Haus getragen. Ein Brauch, den es so nur auf Folegandros gibt.

Im Norden liegt Ano Meria: keine klassische Dorfstruktur, sondern eine Ansammlung verstreuter Bauernhöfe über die Hügel verteilt. Das Ökologische und Folkloremuseum zeigt in einem erhaltenen Gehöft aus dem 17. Jahrhundert, wie autark das Leben hier noch bis in die 1970er war. Eintritt frei. Im Kafeneio am Dorfplatz trifft man sich zum Plausch und manchmal auch zur Matsata. An manchen Tagen wird hier die handgemachte, dickgeschnittene Pasta der Insel zubereitet: klassisch mit Ziege oder Hahn.

Der beliebteste Strand auf Folegandros ist Agali an der Westküste mit zwei guten Tavernen direkt am Sand. Nur wenige Strände auf Folegandros sind mit dem Auto erreichbar. Die Anfahrt erfolgt mit dem Boot, dem Inselbus, dem Roller oder zu Fuß. Wer es etwas abenteuerlich mag, der sollte sich die naturbelassenen Strände im Süden der Insel ansehen.

In Katergo, Vitsentsou, Livadi und Latinaki erwartet dich türkisblaues Wasser, graue Steilwände rundum, allerdings auch kein Schatten und keine Infrastruktur. Vom Hafen Karavostasi verkehren in der Hauptsaison mehrmals täglich Boote für rund zehn Euro, alternativ erreichst du die Buchten auch von Livadi zu Fuß.

Alle Tipps und Highlights findest du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Folegandros

Unterkünfte konzentrieren sich auf die Chora und den Hafen Karavostasi. Für exklusives und zugleich traditionelles Flair empfehle ich die Andelias Signature Suites (hier Preise checken*), direkt am Rand der Chora mit Traumblick über die Ägäis. Wer einen Pool bevorzugt, ist bestens im Anemi Hotel (hier Preise checken*) und im Ampelos (hier Preise checken*) aufgehoben. Ersteres liegt nur 200 Meter vom Hafen entfernt, während das Ampelos am Ortsrand der Chora beheimatet ist. Zu den luxuriösesten Adressen zählt das Anemomilos Boutique Hotel (Website) am höchsten Punkt direkt an der Steilklippe: 17 Studios und Suiten, wenige Gehminuten zum Hauptort.

Mein Tipp: Plane mindestens fünf Tage ein. Drei reichen für die Highlights, aber Folegandros braucht Zeit. Komm im Mai oder Juni oder im September: In der Vorsaison ist die Insel von bunter Vegetation überzogen, die Buchten gehören dir fast allein, und der Meltemi hält sich noch zurück.

2. Sikinos – Römer-Denkmal und Insel des Weins

Im Altertum hieß Sikinos noch Oenoe, was so viel bedeutet wie „Insel des Weins“. Mit rund 240 ständigen Einwohnern auf 40 Quadratkilometern, einem Hafen, einem Hauptort und keiner einzigen touristischen Attraktion im klassischen Sinn, zählt Sikinos zu den unbekanntesten bewohnten griechischen Inseln abseits der Massen. Ein Traum für jeden Reisenden, der das ursprüngliche Hellas erleben möchte.

Der Hafen Alopronia ist das idyllische Einfallstor nach Sikinos: 90 Einwohner, Fischerboote, ein gepflegter Sandstrand direkt am Anleger, einige alteingesessene Tavernen und Apartments, ein Fahrzeugverleih sowie ein kleiner Lebensmittelmarkt alles am Rand der gepflegten Promenade: Hier schlägt das Herz von Sikinos.

Ein Bus fährt mit jeder Fähre die fünf Kilometer hinauf in die Chora, das Ticket gibt es für zwei Euro. Oben empfängt einen einer der schönsten und am wenigsten fotografierten Hauptorte der Kykladen: die Chora. Die topographische Lage verschafft ihr eine Ausnahmestellung in Griechenland, denn sie besteht aus zwei verwachsenen Siedlungen. Auf dem einen Höhenzug begrüßt das alten venezianischen Kastro mit engen Bogengassen und dicht gereihten weißen Häusern die wenigen Besucher.

Das etwas höher gelegene stille Kastro (auf 280 Meter) diente im 15. Jahrhundert als Schutzort vor Piratenangriffen. Das spartanische Erscheinungsbild hat bis heute Bestand. Keine Touristenläden mit billigen Souvenirs, keine schillernde Cocktailbar, nur kubische Häuser, dezente Cafénions und vier Kirchen zieren den Ort. Den besten Ausblick auf die Umgebung genießt man übrigens von der Kirche Agios Vasilios.

Das wichtigste Baudenkmal liegt anderthalb Kilometer westlich: Episkopi, im 3. Jahrhundert als römischer Mausoleumtempel mit dorischen Säulen errichtet, im 7. Jahrhundert in eine byzantinische Kirche umgebaut. Die erhaltene Struktur ist für eine Insel dieser Größe außergewöhnlich. Der Kulturerbe-Preis Europa Nostra, den das Denkmal nach umfangreicher Restaurierung erhielt, ist ein Titel von Format.

Ebenfalls einen Besuch wert: das Weingut Manalis, zwei Kilometer südwestlich der Chora, die älteste organisierte Weinproduktion der Insel. Giorgos Manalis baut biologisch an: Assyrtiko und eine lokale Sikinos-Rebsorte, die anderswo nicht vorkommt. Verkostungen nach Voranmeldung, im Sommer mit Restaurantbetrieb auf der Terrasse mit Meerblick.

Wer einen weiteren Tag hat, wandert zur Bucht Dialiskari: 30 bis 40 Minuten von Alopronia zu Fuß, eine kleine türkisfarbene Bucht hinter den Klippen, kein Strandkiosk, nur klares Wasser.

Alle Tipps und Highlights findest du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Sikinos

Das Unterkunftsangebot auf Sikinos ist bewusst klein gehalten: einige Studios und Gästehäuser in Alopronia und der Chora. Eine solide Option im Hafen ist Porto Sikinos (hier Preise checken*), für Chora-Lage empfehle ich Kamares Rooms (hier Preise checken*). Frühzeitig buchen: Das Angebot ist in der Hochsaison schnell ausgeschöpft.

Mein Tipp: Geh abends in die Chora. Die Lokale To Steki tou Garmpi und Klimataria am Dorfplatz haben täglich wechselnde Gerichte, beide servieren traditionelle Gerichte. Oftmals wird hier bis spät in die Nacht musiziert und getanzt, das eine oder andere Glas Wein oder Ouzo gehören natürlich dazu.

3. Kasos – Griechenland ohne Filter, aber mit viel Wind

Kasos im südlichsten Zipfel des Dodekanes, zwischen Karpathos und Kreta, trägt eine Gelassenheit in sich, die von 400 Einwohnern gelebt wird und auf jeden Besucher übergeht. Um Kasos zu verstehen lohnt ein Besuch im Archäologischen Museum (Eintritt: 3 Euro) in Fry. Der eindringlichste Raum dort behandelt das Jahr 1824, als osmanische und ägyptische Truppen die Insel überfielen. Rund 7.000 Einwohner kamen ums Leben, 2.000 Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verkauft.

Die Hauptstadt Fry ist das Tor zur Insel, per Fähre von Karpathos in einer Stunde erreichbar. Am Hafen gibt es Leihfahrzeuge und Boote, die dich an die entlegenen Punkte rund um das Eiland bringen. Aber Vorsicht: Kasos steht fast permanent im Wind, nicht selten müssen Fähren dem böigen Wetter Tribut zollen und die Fahrt verschieben.

Hinter der Hafenmole liegt der alte Hafen Boukas: eine kleine geschützte Bucht mit einer Handvoll Kaïques, Cafés rundherum, das eigentliche Zentrum des Dorflebens. Hier sitzt man, trinkt Kaffee und schaut den Booten zu. Das dauert länger als geplant, und das ist richtig so.

Zwei Kilometer bergauf liegt Agia Marina, das größte der Inlandsdörfer. Weißgetünchte neoklassische Häuser, eine schöne Hauptkirche, die spürbare Würde einer Gemeinde, die im 19. Jahrhundert durch Schifffahrt zu bescheidenem Wohlstand kam.

Über Agia Marina, auf einem Bergkamm, liegt Poli, die mittelalterliche Hauptstadt der Insel. Im 19. Jahrhundert zog die Bevölkerung an die Küste, heute sind noch wenige Häuser bewohnt. Am höchsten Punkt stehen Reste eines Ritterturms, der Blick reicht über den gesamten Norden der Insel. 15 Minuten Fahrt von Fry.

Den besten Strand der Insel findest du drei Kilometer westlich von Fry: der Ammoua Beach, feiner, fast goldener Sand, türkisblaues Wasser, umgeben von Hügeln mit Wildblumen. Im Sommer kannst du den Sonnenuntergang hier oft allein erleben. Wer es noch weiter treiben will, fährt zehn Kilometer auf Schotterpiste nach Helatros an der Südküste: eine wilde Kieselbucht, die entlegenste Stelle der Insel, nichts außer Fels, Meer und Stille.

Der außergewöhnlichste Ausflug führt auf das unbewohnte Nachbareiland Armathia. Die Yacht Kasos Princess setzt in der Hauptsaison von Fry über, die Fahrt dauert 30 Minuten und kostet 20 Euro. Ein Schlauchboot bringt dich ans Ufer der Marmara-Bucht, einem Strand, über den Kenner flüstern und Reiseführer schweigen.

Kasos lässt sich gut mit einer Nachbarinsel verknüpfen, die für ihre karibischen Traumstrände bekannt ist. Hier findest du alles über die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Karpathos. Beide Inseln liegen auf derselben Fährroute.

Auf Kasos gibt es keine Hotels im klassischen Sinne, die Insel setzt auf kleine Gästehäuser und Privatzimmer in Fry. Ich empfehle die modernen Apartments der Theoxenia Kasos (hier Preise checken*) sowie das Amfi Sea View (hier Preise checken*). Insgesamt stehen auf der Insel etwa 300 Betten für Besucher zur Verfügung. Diese großzügige Kapazität sorgt dafür, dass selbst in der Hochsaison genügend Unterkünfte zur Verfügung stehen.

Mein Tipp: Fang mit dem Archäologischen Museum an, bevor du zu den Stränden fährst. Was du dort erfährst, gibt allem anderen einen anderen Hintergrund. Reserviere danach in der Hauptsaison frühzeitig das Bootsticket nach Armathia am Hafen in Fry. Plätze sind begrenzt, spontan klappt es im Hochsommer nicht immer.

Alle Tipps und Highlights findest du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Kasos

4. Astypalea – Schmetterling über zwei Meeren

Astypalea bildet als westlichste Insel des Dodekanes die geografische Brücke zu den Kykladen. Auffällig dabei ist ihre Form, die von oben einem Schmetterling gleicht. Die beiden Flügel tragen die Namen Exo Nisí im Westen und Mésa Nisí im Osten, verbunden durch die Landenge Steno, an ihrer schmalsten Stelle nur 105 Meter breit.

Das wichtigste Merkmal sieht man von weitem: Über der Chora thront die venezianische Festung der Familie Querini, im 13. Jahrhundert errichtet. Die Querinis regierten Astypalea 300 Jahre lang. Sie bauten ihre Häuser direkt in die Burgmauern, die Steinrahmen alter Fensterstürze stecken noch heute in den Festungsrissen. Zwei Kirchen stehen im Inneren: Panagia tou Kastrou und Agios Georgios, beide geöffnet, Eintritt frei.

Direkt unterhalb kleben weiße Häuser am Hang, die Chora: zentraler Dorfplatz, acht restaurierte Windmühlen als Wahrzeichen der Insel. In der Dämmerung oder bei Dunkelheit, wenn das Licht auf den Windmühlen und dem weißen Dorf liegt, entsteht das fantastische Panorama, das die meisten Urlauber eher auf Santorini verorten würden. Mit dem gewaltigen Unterschied, dass es auf Astypalea deutlich „griechischer“ zugeht.

Astypalea hat viele Strände, aber nur einen reinen Sandstrand: Steno, direkt an der Landenge, mit Liegen, Schirmen und einer Taverne nebenan. Die schönste andere Bucht ist der Kaminakia Beach auf Mésa Nisí: eine breite Mischung aus grobem Sand und Kieselsteinen, Bäume als natürlicher Schatten, türkisblaues Wasser, das lange flach ins Meer führt.

Für Abgelegenheit fährt man nach Vatses: drei Kilometer Schotterpiste zwischen zwei Bergkuppen, ein breiter ruhiger Strand am Ende, die Mühe jedes Mal wert. Dann ist da noch die Blue Harbour, eine kleine Felsbucht mit natürlichen Grotten und türkisfarbenem Wasser in der blauen Stunde. Der persönliche Tipp von George Savvas, dem Vizebürgermeister von Astypalea, den ich gerne weitergebe.

Vier Dörfer verbinden die Teile der Insel. In Livadi stehen Zitronenhaine und Weinberge, in Maltezana liegen die Überreste des römischen Bades Talara aus dem 4. Jahrhundert mit seinen Bodenmosaiken und blauen Fliesen. Das kleinste Dorf Vathi hat rund zehn Einwohner. In seiner Nähe befinden sich zwei Tropfsteinhöhlen, die Drákou-Höhle und die Höhle von Négrou, beide werden per Boot angesteuert.

Auf dem höchsten Punkt des westlichen Inselteils liegt der Aussichtspunkt Kastellanos: Bei klarem Wetter reicht der Blick bis nach Kos. Wer wandert, zieht an Bienenstöcken, Thymian und Safranfeldern vorbei. In den Tavernen gibt es Sideritis Scardica, griechischen Bergtee aus einheimischem Anbau, im Sommer gekühlt als Eistee mit Zitrone.

Gute Adressen in der Chora: das Ageri am Hauptplatz gegenüber den Windmühlen bietet heimische, aber auch vegetarische Speisen. Das Apanemia in einer kleinen Gasse unterhalb der Festung steht für traditionelle griechische Küche auf gutem Niveau. Zum Frühstück empfehle ich das Meltemi, ebenfalls am Hauptplatz. Am alten Hafen liegt die Pizzeria Aiolos, die mit handgemachter Pasta und Safran-Tagliatelle einen Kontrast zur heimischen Küche liefert.

Die Anreise geht per Flug ab Athen in 45 Minuten mit Sky Express oder Olympic Air. Per Fähre ab Piräus dauert die Fahrt zehn bis vierzehn Stunden. Wer die Nachtfähre wählt: Eine Außenkabine bei Blue Star Ferries ist bezahlbar und man kommt ausgeruht an. Verbindungen gibt es auch ab Paros und Naxos.

Alle Tipps und Highlights findest du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Astypalea

In der Chora empfehle ich das Kallichoron Boutique Hotel* (hier Preise checken*): klein, stilvoll, mit Festungsblick. Wer lieber am Wasser liegt, Meerblick und ein üppiges Frühstücksbuffet genießt findet im Hotel Castillio (hier Preise checken*) in Analipsi eine komfortable Alternative mit direktem Strandzugang. Die wohl beste Adresse ist das Vithos Aparthotel (hier Preise checken*) direkt am Hafen. Die Apartments erstrecken sich über mehrere großzügige Räume. Von den zwei Balkonen hast du einen Traumblick auf die Burg und die Marina.

Mein Tipp: Plane mehr als drei Tage. Drei reichen für die Highlights, aber nicht für das Gefühl der Insel. Steh früh auf und geh zur Festung zum Sonnenaufgang. Und dann: Kastellanos zum Sonnenuntergang, wenn du noch Kraft hast.

5. Ikaria – Wo die Menschen vergessen, zu sterben

Ikaria funktioniert nach anderen Regeln, das ist sogar demografisch belegt. Die Insel in der östlichen Ägäis gilt als eine von fünf sogenannten Blue Zones weltweit: Regionen, in denen Menschen messbar länger und gesünder leben als anderswo. Auf Ikaria erreicht fast jeder Dritte das 90. Lebensjahr. Die Herzerkrankungsrate liegt 50 Prozent unter dem globalen Durchschnitt, Demenz ist kaum registriert.

Einer der Hauptgründe hierfür ist der Lebensstil der Einwohner: natürliche Bewegung, weitgehend pflanzliche Ernährung, starke soziale Netze, kein Dauerstress. Und … die Panigiris.

Die Panigiris sind Volksfeste, die in jedem Dorf der Insel stattfinden, manchmal wöchentlich, immer gemeinschaftlich, immer mit Musik und Tanz bis in den frühen Morgen. Das bekannteste findet in Christos Raches statt, einem Bergdorf rund fünf Kilometer oberhalb des beliebten Badeorts Armenistis. Das Dorf schläft tagsüber. Die Läden haben bis drei Uhr nachts geöffnet, die Platia füllt sich erst nach 21 Uhr langsam, dann wird gefeiert: ohne Konsumzwang, ohne Dresscode, mit allem, was dazugehört.

An der Nordwestküste liegt der ehemals römische Thermenort Nas. Reste eines antiken Artemistempels stehen oberhalb des Meeres, wo der kleine Fluss Chalares mündet. In der Mini-Bucht bildet sich im Sommer ein natürlicher Pool, dem man immer noch heilende Wirkung nachsagt. Oberhalb der Quelle locken einige urige Tavernen mit guter Küche und Blick auf den Sonnenuntergang. Von Nas führt außerdem einer der schönsten Wanderwege der Insel durch das Chalaris-Tal hinauf nach Christos Raches.

Das Atheras-Gebirge teilt Ikaria in zwei Hälften: der Norden grün mit Sandstränden und dem urigen Ferienort Armenistis, der Süden wild mit Steilklippen. Aus dem Fischerdorf Magganitis fahren im Sommer Boote zum Seychelles Beach, einem der eindrucksvollsten Strände der nördlichen Ägäis.

Sehenswert: Das authentische Hafenstädtchen Evdilos an der Nordküste lohnt einen eigenen Aufenthalt: pastellfarbene Holzbalkone, eine kleine Marina, urige Tavernen direkt an der Mole. Ruhiger und im Maßstab schöner als der größere Hauptort Agios Kirykos.

Alle Tipps und Highlights findest du im Artikel zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Ikaria

Armenistis ist der beste Ausgangsort für einen Aufenthalt auf Ikaria. Das Erofili Beach Hotel (hier Preise checken*) liegt direkt am Meer und bietet einen guten Standard für die Insel. Wer es ruhiger mag, wählt das Cavos Bay Hotel (hier Preise checken*) etwas außerhalb, mit Blick auf die wilde Nordküste.

Mein Tipp: Plane keine klassische Strandwoche. Ikaria braucht Zeit und Offenheit. Geh zu einem Panigiri, sitz auf der Platia in Christos Raches und erlebe die einzigartigen Nächte auf Ikaria.

❓ FAQ – Häufige Fragen zu unbekannten griechischen Inseln

❓ Welche der fünf Inseln eignet sich für den ersten Besuch abseits der Massen?

Folegandros ist der zugänglichste Einstieg. Die Insel hat gute Fährverbindungen ab Santorini (45 Minuten), eine solide Infrastruktur und einen klaren Charakter. Wer danach mehr Stille sucht, wechselt nach Sikinos oder Kasos.

❓ Kann ich mehrere dieser Inseln auf einer Reise kombinieren?

Folegandros und Sikinos liegen auf derselben Fährlinie. Kasos kombiniert sich am sinnvollsten mit Karpathos. Ikaria passt gut zu Fourni oder Samos, Astypalea zu Paros oder Naxos.

❓ Wie reise ich aus Deutschland an?

Flug nach Athen, dann per Inlandsflug oder Fähre ab Piräus weiter. Für Folegandros und Sikinos bietet sich Santorini als Zwischenstopp an: Fähre ab dort dauert 45 Minuten. Tickets bei Ferryhopper (Website) oder Blue Star Ferries (Website) buchen, in der Hochsaison frühzeitig.

❓ Was kostet ein Urlaub im Vergleich zu Santorini?

Das hängt natürlich von den persönlichen Präferenzen ab, normalerweise aber deutlich weniger. Top-Unterkünfte auf Sikinos oder Kasos liegen bei 60 bis 100 Euro pro Nacht. Ein Abendessen in der Taverne selten über 15 Euro pro Person.

❓ Gibt es auf diesen Inseln Geldautomaten?

Auf Folegandros, Astypalea und Ikaria kein Problem. Auf Kasos und Sikinos gibt es jeweils einen Automaten, der in der Hochsaison gelegentlich leer ist. Besser: Bargeld ab Athen mitnehmen.

❓ Sind diese Inseln familientauglich?

Folegandros und Astypalea haben ruhige Flachwasserbuchten und funktionieren für Familien gut. Kasos und Sikinos eignen sich eher für reiseerfahrene Erwachsene, die auf wenig Infrastruktur eingestellt sind und mitunter rauhere See.

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Autor:in
Steffen Eidam ist renommierter Journalist und versierter Europa-Reiseexperte.

Mit über 70 besuchten Inseln gilt er als einer der profiliertesten Griechenland-Kenner. Gerne ist er auch in London, Südosteuropa und im Baltikum unterwegs.

Hier findest du alle Artikel von Steffen Eidam.
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