Folegandros Sehenswürdigkeiten: Die Insel, die kein Kreuzfahrer je betreten hat

↻ 15. Juni 2026
Die pyramidenförmigen Felsen von Folegandros mit den weißen Häusern der Chora im Vordergrund

Folegandros verzaubert mit wilden Steilküsten, einer Chora auf einer Klippe und einsamen Stränden. Das Geheimnis der Kykladen-Insel: kein Flughafen und kein Kreuzfahrtterminal. Wer hierher kommt, nimmt die Fähre.

Der Unterschied zu anderen griechischen Reisezielen: Die Insel hat sich nie dem Tourismus angepasst. Wer ankommt, passt sich an. Das ist auch der Grund, warum Folegandros immer noch zu meinen Top-Empfehlungen in Griechenland zählt.

In diesem Artikel zeige ich dir die schönsten Sehenswürdigkeiten und verrate dir auch meine besten Insidertipps.

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Folegandros auf einen Blick

Lage: Kykladen, zwischen Milos und Santorini, rund 200 Kilometer südlich von Athen.

Must-See: Chora mit Kastro-Viertel, Panagia-Kirche, Folkloremuseum Ano Meria, Chrysospilia-Höhle, Leuchtturm Aspropounta, Strände Katergo, Agali, Agios Nikolaos

Zeitbedarf: Minimum 3 Tage; ideal 5 Tage für Chora, Wanderungen, Strände und Ano Meria ohne Hetze

Fortbewegung: Linienbus (Karavostassis–Chora–Agali), Wassertaxis zu abgelegenen Stränden, Mietquad oder -auto empfohlen für Ano Meria und Nordküste

Anreise: Nur per Fähre – kein Flughafen auf der Insel. Ab Santorini: 50 Min. bis 3 Stunden. Ab Piräus/Athen: 4 bis 9 Stunden je nach Verbindung.

Beste Reisezeit: Mai/Juni: grün, blühend, angenehme Temperaturen, wenige Besucher. September, Oktober: wärmstes Wasser, ruhigerer Meltemi. Juli/August: lebhafter, aber immer noch weit ruhiger als Mykonos oder Santorini

Tagesbudget: Ab 80 bis 100 Euro (einfache Unterkunft, Taverne, Bus). Mittelklasse: 150 bis 220 Euro (Boutique-Hotel, zwei Restaurantbesuche, Bootsticket). Komfort: 300 Euro und mehr (Suiten mit Meerblick, Fine Dining)

1. Chora – die Hauptstadt, die auf der Kante lebt

Zweihundert Meter über dem Meer, direkt an der Kante einer senkrecht abfallenden Klippe: Die Venezianer unter Marco Sanudo legten die Siedlung 1212 als lebendige Festung an, und die Grundstruktur hat sich bis heute erhalten: keine Autos, keine breiten Straßen, nur verwinkelte Gassen und farbenfrohe Plätze.

Was die Chora so weit über andere Kykladenhauptstädte hebt, ist ihre dreiteilige Platzanlage: Piatsa, Dounavides und Kontarini liegen hintereinander, beschattet von riesigen Platanen, gesäumt von Tavernen und kleinen Cafés. Internationale Reisemagazine zählen diesen Ort zu den bemerkenswertesten Dörfern Europas.

Die Chora lohnt auch als kleiner Kosmos lokaler Kunst. In der Ladenwerkstatt Toomuchsun auf dem zentralen Platz verwandelt Malerin Sabrina Textilien in Kunstwerke – auf Wunsch auch nach deinen Vorstellungen. Die Galerie von Andreas Bonatsos zeigt eine breite Palette seines Designs sowie Arbeiten anderer Inselkünstler. Für kulinarische Mitbringsel lohnt sich Youpi Folegandros, nur wenige Schritte vom Aquarius entfernt: Inselprodukte, Honig, und nach Auskunft der Einheimischen sogar lokaler Raki – ein echter Geheimtipp.

Mein Tipp: Fotografiere die blauen Holztüren und die weiße Architektur am späten Vormittag. Wer menschenleere Aufnahmen will, kommt zum Sonnenaufgang. Abends ist der Pounda-Platz Pflicht: Die Sonnenuntergänge hier zählen zu den spektakulärsten der gesamten Ägäis.

2. Kastro – Piraten, Venezianer, Wacholderdächer

Inmitten der Chora liegt das Kastro, ein mittelalterlicher Festungskern, der immer noch bewohnt wird. Die Venezianer begannen die Bauarbeiten um 1215, wenige Jahre nach dem Vierten Kreuzzug. Die Lage war strategisches Kalkül: direkt am Rand der Klippe, schwer einnehmbar vom Meer. Die Häuser stehen Wand an Wand und bilden nach außen eine geschlossene Festungsmauer: Was früher dem Schutz vor Piraten diente, gilt heute als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Siedlungsstrukturen der Kykladen.

Die Außenwände blieben ursprünglich unbemalt, damit sie vom Meer aus schwerer erkennbar waren. Eine stille Taktik, die im Widerspruch zum Weiß steht, das heute das Bild der Kykladen prägt. Kleine Außentreppen führen zu bunten Holzbalkonen, die über die schmalen Wege ragen. Die Dächer der Häuser bestanden aus einheimischem Wacholderbaumholz. Die Kirchen Eleousa, Pantanassa und Agia Sofia bewahren Ikonostasen aus der mittelalterlichen kretischen Malschule. Fast selbstverständlich, dass das gesamte Kastro unter Denkmalschutz steht.

Wenn du fertig bist, kehr in die kleine Bar Lotzia ein. Janni führt sie seit Jahren auf althergebrachte Weise ohne Schnickschnack, aber mit Herz. Einer der Folegandros Geheimtipps, den du ohne Ortskenntnis schlicht nicht findest.

Mein Tipp: Geh durch das Kastro zweimal – tagsüber für die Architektur, abends wenn die Häuser im warmen Licht leuchten. Steuere dabei die Taxiarchis-Kirche an: Sie liegt versteckt im Inneren des Kastros, wird von den meisten übersprungen und hat eine Ikonostase, die zu den ältesten der Insel gehört.

Hier findest du meine Übersicht über die schönsten Inseln der Kykladen

3. Ano Meria – 90 Ziegen, eine Ölpresse, endlose Ausblicke

Im Norden der Insel wird es ländlich. Ano Meria ist kein Dorf im klassischen Sinne, sondern eine Ansammlung von Bauernhöfen, sogenannten Themonies, die über die Hügel verstreut sind, umgeben von Trockenmauern, Zisternen und Weinbergen. Die Siedlung hat ihren landwirtschaftlichen Charakter bis heute bewahrt. Manche Franzosen, die sich hier seit Jahren Häuser auf den Hügelkuppen gebaut haben, nennen Ano Meria scherzhaft das „16ième“ – nach dem noblen Pariser Arrondissement.

Das Ökologische und Folkloremuseum befindet sich in einem erhaltenen Gehöft aus dem 17. Jahrhundert mit Mauern aus Trockenmauerwerk ohne Mörtel, Räumen für Ölpresse, Backofen und Tierpferch. Es zeigt, wie autark das Leben hier einmal war: ein alter Webstuhl, Körbe, Trachten, ein Miniatur-Weinberg, eine primitive Weinpresse. Bezeichnend: Ein bodenloser Tonkrug fungiert als Schornstein. Im Innenhof, dem einstigen Dreschplatz, öffnet sich ein Panoramablick über die gesamte Insel. Führung inklusive, Eintritt frei.

Im Zentrum liegt Irinis Platz. Das Kafeneio ist seit Generationen in Familienhand und wird mittlerweile von Enkelin Irini geführt. Hier gibt es noch die Gerichte der Großmutter. Setz dich hin. Bestell Matsata: die handgemachte, dick geschnittene Pasta der Insel, klassisch mit Ziege oder Hahn serviert.

Folkloremuseum: Eintritt frei (Spende erbeten) · ca. 10. Juli bis 10. September, täglich 17:00 bis 20:00 Uhr · Führung inklusive · Öffnungszeiten saisonal variabel

Mein Tipp: Leg nach dem Museum einen Stopp beim Café Chrysospilia ein. Deren Honigprodukte und hausgemachte Marmeladen aus lokaler Produktion sind sonst nur schwer zu bekommen. Und einer meiner liebsten Insidertipps für die Mittagspause: die Taverne Maragoudiko. Das Skepastí , ein aufwendiges Schmorgericht, steht heute nur noch selten auf den Speisekarten der Restaurants.

4. Hafen Karavostassis – Hier beginnt alles

Karavostassis ist der einzige Hafen der Insel und liegt drei Kilometer südöstlich der Chora. Weiß getünchte Häuser, Fischerboote, Yachten und ein paar gemütliche Tavernen prägen die Szenerie. In der Nebensaison legt die Fähre aus Athen zwei- bis dreimal wöchentlich an, im Sommer mehrmals täglich.

Direkt am Hafen findest du die Bucht Kochlidia mit einem langen Kieselstrand, beschattet von Seekiefern und mit außergewöhnlich klarem Wasser. Die familiengeführte Taverne Da Capo von Petros serviert traditionelle Küche und einige ungewöhnliche Gerichte von früh morgens bis in die Nacht. Für einen Stopp beim Warten auf die Fähre: To Zirma, wo Manolis mit kleiner Küche mehr hergibt, als die Größe des Lokals vermuten lässt, was das Lokal zu einem Insidertipp macht. Drei Gehminuten von der Bushaltestelle entfernt liegt Vardia Beach, eine kleine Bucht mit goldenem Sand, die mehr Ruhe und Flair bietet als die Kochlidia.

Hafen: Zugang jederzeit · Bus Karavostassis–Chora: erste Abfahrt 07:55 Uhr, letzte 23:10 Uhr (Nebensaison 19:10 Uhr) · Ticket 2 Euro

Mein Tipp: Fotografiere beim Anlegen der Fähre den Aushang mit den Bus- und Bootsfahrplänen direkt vor dem Wartebereich.

5. Panagia – Artemis-Tempel, Piratenlegende, Ägäis-Panorama

Ein weißer, zickzackförmiger Pfad führt vom Pounda-Platz hinauf zur Kirche der Jungfrau Maria. Rund 15 Minuten in Serpentinen bergauf zu Fuß entfaltet sich mit jedem Schritt ein schöneres Panorama. Oben angekommen, erwartet dich schlichte, aber dennoch schöne Steinfassade der Panagia. Die Atmosphäre hat etwas Besonderes: Mauer, Glockenturm, und direkt dahinter die steilabfallenden Klippen zur Ägäis.

Das genaue Baujahr kennt niemand. Die Kirche wurde auf den Ruinen eines antiken Tempels der Göttin Artemis Selasforos und Apollon Prostatirios errichtet. Eine Marmortafel im Innenhof hält fest, dass sie 1687 renoviert wurde; ihre heutige Form entstand nach Bauarbeiten zwischen 1816 und 1821. Wer genau hinschaut, findet noch altgriechische Inschriften und Sockelreste. Die einschiffige Basilika trägt mehrere Kuppeln, der Glockenturm ist bereits von der Chora aus zu sehen.

Die silberverzierte Ikone der Jungfrau Maria gilt als wundertätig. 1790, so überliefert es die Insel, näherten sich 18 Boote algerischer Piraten der Küste. Die Bevölkerung suchte Schutz in der Kirche. Ein plötzlich aufkommender Nordwind versank die gesamte Flotte. Seitdem gilt die Panagia als Schutzpatronin von Folegandros – es ist Brauch, die Ikone an Ostern in jeden Haushalt der Insel zu bringen. Am 15. August, Maria Himmelfahrt, findet hier das größte Fest der Insel statt.

Eintritt: frei · Kircheninneres: täglich ab 18:00 Uhr bis Sonnenuntergang · Sommerzeiten können variieren

Mein Tipp: Komm rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang und starte früh genug für einen gemächlichen Aufstieg. Die letzten Meter vor der Kirche öffnen den Blick über die gesamte Südwestküste.

6. Die schönsten Strände – Kies, Smaragd und kein Sonnenschirm in Sicht

Folegandros ist kein Massen-Badeziel. Die meisten Strände sind nur zu Fuß oder per Boot erreichbar, das sorgt für eine natürliche Selektion. Kein Strandverkäufer, keine Plastikliegen, keine Beschallung.

Katergo Beach im Südosten ist spektakulär: feiner Kies, smaragdgrünes Wasser, null Infrastruktur. Zwei Wege führen hin: Entweder du wanderst vom Dorf Livadi aus rund 30 Minuten über einen anspruchsvollen, teils steilen Pfad ohne Schatten. Oder du nimmst das Boot von Karavostassis: Die Stella Express III legt täglich ab, erstmalig um 11:15 Uhr, Hin- und Rückfahrt 14 Euro (Tickets werden an Bord bar bezahlt). Die Überfahrt dauert 10 Minuten und beinhaltet einen Fotostopp an der Giorgitsis-Höhle. Das erste Boot fährt um 11:30 Uhr zurück, ab dann stündlich.

Agali Beach ist der zugänglichste Strand der Insel und für Familien am besten geeignet: weicher goldener Sand, türkisfarbenes Wasser, Strandtavernen direkt am Wasser. Mit dem Linienbus aus der Chora erreichst du Agali in zehn Minuten (Ticket 2,50 Euro), erste Abfahrt 09:30 Uhr, danach fast stündlich, letzter Bus zurück 19:30 Uhr. Alternativ wanderst du in rund 45 Minuten über den Weg A1 (gut auf Wandertafeln ausgeschildert) hinunter. Von Agali aus erreichst du in 15 bis 20 Minuten zu Fuß den Agios Nikolaos Beach, an dem du dich unter einer der zahlreichen Seekiefern ablegen kannst. Im linken Abschnitt haben FKK-Freunde ihren Platz gefunden. Die Taverne Agios Nikolaos direkt am Strand serviert exzellenten Fisch und auch das Papalagi auf dem Hügel darüber, bietet eine der schönsten Terrassen der Insel.

Galifos liegt 10 Gehminuten von Agali entfernt, rechts vom Strand den Pfad hoch und wieder runter. Kleiner Kieselstrand, kein Strom, keine Liegen, eine urige Pension für alle, die wirklich abschalten wollen. Das Wasser ist tief und kühl.

Livadaki Beach erreichst du per Wassertaxi von Agali: Die Island Spirit fährt um 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr ab, einfache Fahrt 8 Euro, Hin und zurück 14 Euro. Überfahrt rund 15 Minuten, optionaler Stopp am Agios Nikolaos Beach. Zurück: 11:20, 13:20 und 15:20 Uhr.

Agios Georgios im Nordwesten ist für Abenteurer. Von Ano Meria benötigst du 45 Minuten zu Fuß über einen Maultierpfad, der an der Taverne Maria beginnt. Wahlweise gelangst du auch mit dem Allradfahrzeug über eine unbefestigte Straße dorthin. Der Strand liegt direkt dem Meltemi ausgesetzt; an Nordwindtagen kann die See rau werden. Verpflegung gibt es keine, einige Bäume spenden Schatten.

Ampeli im äußersten Norden glänzt mit herrlicher Natur: weißer Kiesel, tiefe Bucht, kein Schatten, aber keine Infrastruktur. Vom Busbahnhof Ano Meria 45 Minuten zu Fuß dem links von der Hauptstraße ausgeschilderten Pfad folgend. Einer der echten Geheimtipps: Wer hier ankommt, hat den Strand meistens für sich.

Vardia Beach nahe dem Hafen eignet sich für ein erstes Bad nach der Fähre oder den letzten Sprung vor der Abfahrt. Er liegt nur drei Minuten zu Fuß vom Hafen. (Mehr im Hafenabschnitt.)

Bootstickets Katergo: 14 Euro Hin/Rück, bar an Bord · Bus nach Agali: 2,50 Euro · Wassertaxi Livadaki: 8 Euro einfach / 14 Euro Hin-Rück

Mein Tipp: Informiere dich vor Strandtagen über die Meltemi-Windlage – nördliche Strände wie Agios Georgios können bei starkem Wind ungenießbar sein, während Agali und Agios Nikolaos in der Bucht geschützt liegen. Starte Bootsfahrten früh, bevor die Wassertaxis anlaufen.

7. Zu Fuß durch Folegandros – Hirtensteige, Geisterdorf, Steilküsten

Sechs markierte Hauptrouten durchziehen die Insel und bilden ein zusammenhängendes Wegenetz von über 30 Kilometern. Die Strecken sind bestens ausgeschildert und verbinden die großen Einheiten der Insel: Chora, Hafen Karavostassis, Agali-Bucht und Ano Meria. Viele dieser Pfade sind die originalen Hirten- und Verbindungswege, auf denen sich die Bewohner seit Jahrhunderten zwischen den Siedlungen bewegt haben. Auszugsweise stelle ich drei Alternativen vor:

Route 1 – Chora nach Agali: Der klassische Einstieg. Der Weg beginnt im Westen der Chora und folgt alten Verbindungswegen zur Westküste und zur Agali-Bucht. Sanft bergab, terrassierte Hügel, Trockenmauern, mit jedem Höhenmeter ein breiteres Panorama über die Bucht darunter. Du landest direkt am Sand und nimmst den Bus zurück. Gehzeit: 45 Minuten bis 1 Stunde, ohne große Anforderungen.

Route 2 – Weg des ländlichen Lebens: Ano Meria bis Agali: Route 2 ist die umfangreichste der sechs – und der Startpunkt in Ano Meria ist klein genug, dass du ihn ohne genaue Angaben verpasst. Sie beginnt im Viertel Agios Ioannis Eleimonas: links die Kapelle Agios Ioannis Chrysostomos, rechts das Folkloremuseum. Der Weg führt bergab mit Panorama über den südöstlichen Teil der Insel, weiter zur Kreuzung bei Giorgis t’Aga, wo alte Häuser zwischen Trockenmauern stehen, dann geht es durch das verlassene Bauerndorf Marmaro. Der Abzweig kostet rund 30 Minuten extra. Heute gleicht der Ort einer Geisterkulisse. Von Marmaro führt der Weg hinunter zum Strand Agios Nikolaos, der sich bestens für eine Schwimmpause anbietet. Die letzte Etappe folgt dem Meer entlang zum kleinen Galifos Beach und schließlich zur Kapelle Agia Marina bei Agali. Gesamtdauer: 2,5 bis 3,5 Stunden, je nach Tempo und Badeaufenthalt.

Route 3 – Rundtour Leuchtturm Aspropounta: Startpunkt sind die Windmühlen von Ano Meria. Von dort geht es südlich in Richtung der Themonies, das sind die verstreuten kleinen Höfe, die das traditionelle Bild des Nordens prägen. Nach rund 30 Minuten nimmst du eine Abzweigung hinauf zur Kirche Agia Fotini.

Nach einer weiteren halben Stunde bergab erreichst du den Leuchtturm Aspropounta. Von hier führt der Pfad hinunter zum Livadaki-Strand – eine kleine geschützte Bucht, ideal für eine Schwimmpause. Zurück nach Ano Meria: Halt bei der Kapelle Panagia Nisiotissa auf dem Hügel, dann weiter zur Kapelle Taxiarchi am westlichen Rand des Dorfes. Die Hauptstraße bringt dich zurück zu den Windmühlen. Gesamtdauer: rund 3 Stunden.

Mein Tipp: Starte entweder vor 9 Uhr oder nach 17 Uhr. Trage festes Schuhwerk, da der Untergrund aus Kalkstein und altem Pflaster besteht. Lade dir vor dem Start eine Offline-Karte herunter, denn auf den abgelegenen Routen in Richtung Ampeli und Agios Georgios gibt es mitunter nur schwachen oder gar keinen Mobilempfang.

8. Chrysospilia – Höhle mit Jahrtausende alten Inschriften

Die Chrysospilia (die Goldene Höhle) befindet sich nur wenige Meter über dem Meeresspiegel an der Nordostküste. Kein Weg führt von Land aus sicher dorthin. Die Höhle besteht aus zwei Hauptkammern, verbunden durch einen Korridor. Die erste Kammer ist rund 100 Meter lang und 50 Meter breit: Hier wurden eine Zisterne aus römischer Zeit und ein menschliches Skelett gefunden, der Boden ist mit Muscheln übersät.

Was die Chrysospilia auszeichnet: In ihre Wände sind über 400 Namen und Inschriften aus dem 4. Jahrhundert vor Christus geritzt. Die Höhle erstreckt sich 300 Meter tief ins Gestein.

Der einfachste Zugang erfolgt vom Meer aus. Viele Bootsausflüge legen bei ruhiger See hier einen Fotostopp ein. Für eine Innenbesichtigung muss vorab eine Genehmigung bei der örtlichen Hafenbehörde eingeholt werden. Den Kletterpfad entlang der Felsen solltest du meiden: Er ist schlichtweg zu gefährlich.

Mein Tipp: Frag Tavernenbesitzer in der Chora nach dem aktuellen Status. Sie wissen meist zuverlässig, wann und wie die Höhle zugänglich ist.

9. Leuchtturm Aspropounta – Weißer Turm, schwarze Felsen, Solarstrom seit 1986

Von Ano Meria führt ein Wanderweg zum Leuchtturm Aspropountarund 60 Minuten durch eine fast menschenleere Landschaft, Meeresrauschen, Wind und Sonne. Der Leuchtturm entstand 1919 und nahm im November 1921 seinen Betrieb auf. Er steht 58 Meter über dem Meer, ragt 11 Meter in die Höhe, seine Reichweite beträgt 17 Seemeilen. Betrieben wurde er früher mit einer Dochtlampe, dann mit einem Erdöl-Dampf-Mechanismus: Seit 1986 läuft er auf Solarenergie.

Der Weg dorthin erfordert etwas Aufmerksamkeit: Von Livadaki aus ist er in rund 15 Minuten zu Fuß erreichbar, von Ano Meria über die offizielle Wanderroute 5 in einer Stunde. Auf dem Trail streifst du einen einsamen Kieselstrand, der als perfekte Abkühlung taugt, bevor die Rundwanderung zurück zur Kapelle Panagia Nisiotissa führt.

Eintritt: frei · Zugang: von Ano Meria (ca. 60 Min.) oder von Livadaki (ca. 15 Min.) · Kein öffentlicher Verkehr

Mein Tipp: Plane die Wanderung in Richtung Nachmittag und kombiniere Leuchtturm und Livadaki-Strand zu einer halbtägigen Rundtour ab den Windmühlen von Ano Meria.

10. Gastronomie auf Folegandros – Zwischen Tradition und Interpretation

Das gastronomische Angebot in den Gassen der Chora ist groß. Doch wie vielerorts verlieren auch hier Tavernen mit traditionell zubereiteter heimischer Küche an Boden. Der neue Trend, Fusionsküche und Neuinterpretationen, haben auch Folegandros erreicht. Doch einige Lokale halten dagegen.

Frischen Fisch bekommst du im Zefiros Anemos am Dorfrand – bekannt für die Astako Makaronada, Spaghetti mit Hummer, und für Fisch, der direkt am Tisch zubereitet wird. Für Ouzo, Tsipouro und Mezedes empfehle ich To Koupi und das Lotzia am Hintereingang des Kastros – beide ohne Touristenbetrieb, beide mit echten Mezedes. Das Eva’s Garden, beim Verlassen der Chora in Richtung Ano Meria, serviert griechische Küche mit modernem Akzent; direkt gegenüber liegt Belegra Aegean Tastes mit einem herrlichen Patio. Über den schönsten Innenhof verfügt das Pounta am Rand des Kastros: Platanen, Bücherregal, kleine Nischen zwischen Stein und Grün. Das Frühstück hier ist grandios. Für den kleinen Hunger: Kanela Coffee & Bakery bietet täglich frische Backwaren, süß und herzhaft, mit Sitzen im Freien.

Am Strand von Agali führt O Psaromilígkas ein Farmrestaurant – die Produkte stammen vom eigenen Hof in Ano Meria. Vasiliki kocht mit ihrer Familie in der Küche, der Blick auf die Bucht ist in keinen Preis eingerechnet. Ein Trend, den ich kritisch sehe: Immer mehr Lokale nennen ihre Küche „neu-interpretiert griechisch“ und verlieren dabei die Gerichte ihrer Vorfahren aus den Augen. To Pardalo am Kochlidia Beach ist eine seltene Ausnahme: Giannis, alias „Famous Johnny„, erkennbar am verdrehten Schnurrbart, serviert Schmorgerichte vom Lamm und Rind, traditionelle Mezedes und Oktopus von allererster Güte. Die alte Schule. Auch das Zephyros im hinteren Teil der Chora sowie das The Homemade (ehemals To Spitiko) halten sie: sehr gutes Essen nach alter Machart.

Abends läuft im Astarti ausschließlich griechische Musik. Im Aquarius am letzten Platz vor dem Ortsausgang bestimmt Wirt Apostolis das Programm – vor allem Rockmusik. Den besten Blick auf den Sonnenuntergang bietet die Terrassenbar im Anemomilos, linksseitig auf dem Weg hinauf zur Panagia.

Mein Tipp: Probiere Koufeto, die traditionelle Süßspeise aus Quitten, Honig und Mandeln. Diese wird auf Folegandros klassisch bei Hochzeiten gereicht. Und frag nach Kaltsounia: mit Käse gefüllte Teigstücke, oft mit Honig beträufelt.

11. Meine Hotelempfehlungen für Folegandros – Boutique statt Kette

Die Unterkünfte auf Folegandros spiegeln den Charakter der Insel. Keine Hochhausketten. Stattdessen familiengeführte Boutique-Hotels, Suiten mit Meerblick und Studios, die mehr Persönlichkeit haben als manches Fünf-Sterne-Haus auf größeren Inseln.

Bestes Beispiel: Das Ampelos Hotel in der Chora. Hier führen Theo und seine Frau Areti Regie – mit Elan und Herzlichkeit. Traditionelle Architektur, ein Innenhof mit blühenden Beeten, Pool. Die Familie blickt auf eine lange Geschichte auf der Insel zurück und kann hier vom Bootstrip bis Weinverköstigung nahezu alles organisieren.

Das Anemomilos Boutique Hotel klebt am höchsten Punkt direkt an der Steilklippe: 17 Studios und Suiten, wenige Gehminuten zum Hauptort, direkt nebenan beginnt der Zickzackpfad zur Panagia. Seit 1993 familiengeführt. Gründer Dimitris Patelis, ehemaliger Bauunternehmer, verliebte sich bei seinem ersten Besuch in die Insel und baute das Hotel darum herum. Das Preisniveau ist hoch, die Qualität aber auch.

Für Pool-Lifestyle und Strandnähe: das Anemi Hotel & Spa in Karavostassis: 5 Sterne, minimalistisches Design mit kykladischen Elementen, wenige Schritte vom Hafen. Das Polikandia Hotel in der Chora ist bei Reisenden konstant top-bewertet: klassischer Baustil, Pool mit Bougainvillea-Rahmen, direkt am Eingang zur Chora. Das Vrahos Boutique Hotel liegt direkt an der Bucht von Karavostassis und wirbt mit Outdoor-Whirlpool und Café-Bar mit Meerblick. Auch das Blue Sand Boutique Hotel hoch über Agali wartet mit einem Traumblick auf und eignet sich auch für Ruhesuchende.

Mein Tipp: Buche spätestens bis Februar für den Sommer, denn die besten Häuser füllen sich schnell. Flexible Reisende kommen im Mai oder September, wenn die Preise tiefer sind, aber die Qualität identisch.

12. Anreise & praktische Tipps – Per Fähre rein, per Fähre raus

Folegandros hat keinen Flughafen. Zum Glück, denn das ist ein struktureller Schutz gegen Massentourismus. Fliege zunächst nach Santorini oder Athen, dann geht es per Fähre weiter. Ab Santorini schafft Seajets die Überfahrt in rund 50 Minuten, Maistros Santorini braucht 1 Stunde 45 Minuten, Zante Ferries rund 3 Stunden 5 Minuten. Ab Piräus (Athen) plane 4 bis 9 Stunden ein, je nach Verbindung. Auch Mykonos und Milos sind gute Ausgangspunkte für das Hopping in die südlichen Kykladen.

Auf der Insel verbindet ein Linienbus Karavostassis mit der Chora und Agali: erste Abfahrt im Hafen um 07:55 Uhr, letzte um 23:10 Uhr (Nebensaison: 19:10 Uhr), Ticket 2 Euro, direkt beim Fahrer. Für abgelegene Wanderausgangspunkte in Ano Meria und die stillsten Strände empfehle ich ein Mietauto oder Quad.

Mai und Juni sind die besten Monate für Fotoreisende: Die Insel ist noch grün, Blumen blühen, das Licht ist weich. September/Oktober bringt das wärmste Meerwasser und einen abflauenden Meltemi. Im Hochsommer (Juli/August) kommen mehr Besucher, die Plätze in der Chora füllen sich spürbar.

Mein Tipp: Kombiniere Folegandros mit der kleinen Nachbarinsel Sikinos. Diese ist in Fährdistanz schnell erreichbar, mit einer wunderschönen Chora, die noch stiller ist als Folegandros. Buche die Fähren frühzeitig, vor allem für Sommer-Verbindungen ab Santorini sind die Tickets schnell vergriffen.

Wenn dir Folegandros gefällt, wirf auch einen Blick auf die Sehenswürdigkeiten auf Sikinos. Die kleine Nachbarinsel ist ein zeitloses Refugium für Reisende, die Stille und Ursprünglichkeit suchen.

Aus dem Nähkästchen …

Folegandros wird heute vielerorts als Geheimtipp angepriesen – das lässt mich schmunzeln. Denn der Condé Nast Traveller, eines der einflussreichsten Reisemagazine der Welt, hat die kleine Kykladeninsel bereits im Dezember 2004 auf den Radar gesetzt. Adam Sachs‘ Artikel „Griechenlands bestgehütetes Geheimnis“ lüftete damals eben jenes – und löste prompt einen Tourismus- und Bauboom aus, der die Insel bis heute prägt. Über 20 Jahre später sieht das gleiche Magazin Folegandros „langsam, aber sicher im Fokus der internationalen High Society“. Von einem Geheimtipp also keine Spur mehr.

Keine Frage, auf Folegandros tut sich Wegweisendes. Der Neubau eines Umspannwerks, das umweltschädliche Dieselgeneratoren ablöst. Ein neues Kanalleitungssystem, das flächendeckend installiert wird. Ein Meeresschutzgebiet vor der Küste, dazu neue Sportanlagen. Vieles davon trägt die Handschrift von „Theo“ Papadopoulos, dem Bürgermeister, der nach über 20 Jahren Amtszeit seines Vorgängers frischen Wind in die Gemeinde bringt.

So weit, so gut. Doch wie steht es um die Auswüchse des internationalen Tourismus‘ auf „seiner“ 500-Einwohner-Insel? Die Antwort kommt prompt und überrascht mich etwas: „Alles im Rahmen“! Das läge vor allem daran, dass alle hier dafür arbeiten, um den ursprünglichen Charakter der Insel zu bewahren. Allerdings, und jetzt kommt dann doch eine Einschränkung, lasse sich nicht alles beeinflussen. Wie etwa der Bau eines Luxusresorts im abgelegenen Süden: eine Entscheidung der griechischen Regierung, die ausländische Investoren mit Förderprogrammen ins Land holt. „Wir wurden nicht gefragt.“ Vielleicht hätte man das tun sollen – und dabei erfahren, dass der Standort wegen der starken Winde schlicht ungeeignet ist. Für die Betreiber dürfte die Rendite aber ohnehin wichtiger sein als dieser Umstand.

Das eigentliche Projekt, an dem Theo und die Bewohner gemeinsam arbeiten, ist ein anderes. Folegandros soll sich als hochwertiges Reiseziel etablieren – oder anders ausgedrückt: Billiger Pauschaltourismus ist hier nicht gerne gesehen. Dies gelingt bislang äußerst gut, nicht zuletzt dank exquisiter Gastronomie, persönlichem Service und Unterkünften, die ihren Preis rechtfertigen. Wer hier übernachtet, zahlt vielerorts deutlich mehr als auf anderen Inseln. Bewusst. Man richtet sich an Gäste, die den Unterschied schätzen.

Und so verwundert es kaum, dass sich die Besucherzahl stabil bei etwa 50.000 pro Saison hält – nicht trotz dieser Haltung, sondern wegen ihr. „Zwischen vielen Gästen und uns Einheimischen haben sich Freundschaften entwickelt“, erklärt mir das „Theo“ und lädt mich fast beiläufig zu einem Fishingtrip auf sein Boot ein. Vielleicht ist es genau diese gelebte Filoxenia – das Schließen von Freundschaften mit Fremden –, die Folegandros zu einem der persönlichsten Reiseziele in Griechenland macht.

❓ FAQ – Häufige Fragen zum Inselhüpfen auf Folegandros

❓ Wie komme ich nach Folegandros?

Nur per Fähre. Der nächste Flughafen ist Santorini (50 Min. mit Seajets), alternativ Athen/Piräus (4 bis 9 Stunden je nach Verbindung). Fährtickets am besten frühzeitig über Ferryscanner oder Ferryhopper buchen, besonders für die Hauptsaison.

❓ Wie viele Tage sollte ich auf Folegandros einplanen?

Drei Tage sind das Minimum, um Chora, Strände und ein bis zwei Wanderrouten zu erleben. Fünf Tage sind ideal, um auch Ano Meria, den Leuchtturm und die abgelegeneren Buchten in Ruhe zu erkunden – ohne das Gefühl, gehetzt zu sein.

❓ Brauche ich ein Auto oder Motorrad auf Folegandros?

Nicht zwingend. Bus und Wassertaxis bringen dich zu den meisten Hauptzielen. Für Strände und Wanderausgangspunkte in Ano Meria (Ampeli, Agios Georgios) empfiehlt sich ein Mietquad oder -auto. Das gibt dir eine Freiheit, die kein Fahrplan ersetzen kann.

❓ Wann ist die beste Reisezeit für Folegandros?

Mai und Juni für Fotografen und Wanderer: Die Insel ist grün, die Temperaturen angenehm, die Massen noch nicht da. September für das wärmste Wasser und entspannte Strände. Juli und August sind lebhafter als der Rest des Jahres – aber immer noch ruhiger als jede andere bekannte Kykladeninsel.

❓ Gibt es auf Folegandros Geldautomaten?

Ja, in der Chora und im Hafen. Die Anzahl ist begrenzt – heb vor der Abreise genug Bargeld ab. Viele Tavernen und kleinere Läden akzeptieren keine Kreditkarten.

❓ Sind die Wanderwege auf Folegandros gut markiert?

Ja. Das Netz aus sechs Hauptrouten ist durchgehend rot-weiß markiert und als Selbstläufer angelegt. Für abgelegene Pfade Richtung Ampeli oder Agios Georgios empfiehlt sich eine Offline-Karte (AllTrails oder Wikiloc) als Backup.

❓ Welche lokalen Spezialitäten sollte ich probieren?

Matsata (handgemachte Pasta, klassisch mit Ziege oder Hahn), Kaltsounia (käsegefüllte Teigtaschen mit Honig), Koufeto (Süßspeise aus Quitten, Honig und Mandeln, traditionell bei Hochzeiten) und Fava (cremiges Erbsenpüree mit Zwiebeln und Kapern).

Mein Fazit zu Folegandros

Folegandros schützt sich selbst. Keine Landebahn, kein Kreuzfahrtterminal, keine Straßen für mehr als ein paar Dutzend Autos. Was bleibt, ist das, wofür Reisende kommen: die Chora am Rand der Klippen, das Blau der Ägäis, die Stille auf den Wanderwegen.

Diese Insel macht aus dem, was andere als Mangel verkaufen würden, ihr stärkstes Argument. Abgeschiedenheit. Begrenztes Angebot. Eine sagenhaft schöne Chora, die nicht zur Touristenfalle verkommen ist. Die schönsten Sehenswürdigkeiten, von der Panagia bis zur Chrysospilia, vom Leuchtturm bis zur stillen Bucht im Norden, haben kein Kassenhäuschen davor. Das ist Folegandros!

Mein Feelgood-Faktor: 92 von 100!

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Autor:in
Steffen Eidam ist renommierter Journalist und versierter Europa-Reiseexperte.

Mit über 70 besuchten Inseln gilt er als einer der profiliertesten Griechenland-Kenner. Gerne ist er auch in London, Südosteuropa und im Baltikum unterwegs.

Hier findest du alle Artikel von Steffen Eidam.
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