Die schönsten Fotospots der Welt
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Die schönsten Fotospots der Welt & die traurige Wahrheit

Das Thema Overtourism lässt uns nicht los. In diesem Artikel widmen wir uns dem Overtourism und zeigen dir, wie es an den schönsten Fotospots der Welt wirklich aussieht.

Aktualisiert am 06.03.2022

Ein Blick hinter die Kulissen der schönsten Fotospots der Welt

Der sogenannte Overtourism wird von Jahr zu Jahr ein größeres Thema – auch in Europa und in Deutschland. Denn wer kennt sie nicht, die Bilder vom einsamen Bergsee im Morgenlicht. Da steht eine Person am Ufer und genießt anscheinend den Augenblick. Das Zelt steht auf einer kleinen Anhöhe. Das Foto vermittelt Ruhe und Freiheit.

Geht man jedoch ein paar Schritte zurück und beobachtet die Szene aus einer anderen Perspektive, wird schnell klar: hier läuft etwas aus dem Ruder. Da ist ein großer Parkplatz, auf dem die Reisebusse stehen. Massen an Touristen mit Selfie-Sticks belagern das Ufer. Freiheit, Ruhe? Fehlanzeige.

Mit dem richtigen Bildausschnitt wird zwar genau das suggeriert – die Wahrheit schaut aber anders aus. Sehr eindrucksvoll beweisen das Instagram und die vielen „Influencer“, die immer wieder eine Realität schaffen, die es so oft nicht (mehr) gibt.

Was sehen wir jeden Tag für tolle Fotos in anscheinend menschenleeren, idyllischen Gegenden. Wer einmal vor Ort war, weiß, mit der Wirklichkeit hat das oft nichts zu tun.

Die schönsten Fotospots der Welt und die Wahrheit dahinter

Im laufe vieler Reisen haben wir viele Fotospots gesehen, die auf Bildern ganz toll aussehen und dieses Da-Muss-Ich-Hin-Gefühl auslösen. Natürlich versuchen auch wir, jeglichen Trubel auszublenden und ein Foto zu schießen, das die absolute Ruhe suggeriert.

Und auch wir sind uns bewusst, dass wir dadurch dazu beitragen, dass andere Reisende mit enormen Erwartungen an diesen Ort reisen, um dann festzustellen, dass die Wahrheit doch anders ausschaut, als auf dem Foto. In unseren Beiträgen versuchen wir aber auch immer klar zu machen, wie es wirklich ist.

Antelope Canyon Arizona

Ein krasses Beispiel für den weltweit zunehmenden Overtourism ist der Antelope Canyon (alle Infos zum → Antlope Canyon) im US-Bundesstaat Arizona bei Page, der definitiv zu den schönsten Fotospots der Welt gehört.

Die Bilder, die im Antelope Canyon entstehen, sind atemberaubend. Das Drumherum ist aber ziemlich krass. Der Antelope Canyon (es gibt den Upper und den Lower Antelope Canyon) liegt mehr oder weniger direkt an der Straße. Man muss also nicht erst lange durch die Wüste wandern, um in den Antelope Canyon zu kommen.

Zudem wird der Antelope Canyon stark vermarktet. Die Tourenanbieter holen die Besucher zum Teil im Hotel ab. Klar, dass es mit der Ruhe nicht weit her ist. Das Internet und Instagram haben auch ihren Teil dazu beigetragen, dass heute jeder, der im → Südwesten der USA unterwegs ist, in den Antelope Canyon will.

Zur Jahrtausendwende war es noch recht ruhig im Antelope Canyon – im Jahr 2020 ist das ganz anders. Das Naturerlebnis ist völlig verloren gegangen, es geht zu wie auf dem Rummel. Doch die – absolut beeindruckenden – Fotos aus dem Antelope Canyon zeigen das meist nicht.

Lichtstrahl im Antelope Canyon
Der Antelope Canyon ist sehr bekannt und gehört ohne Zweifel zu den schönsten Fotospots der Welt
Menschenmassen im Antelope Canyon
Was das erste Bild nicht zeigt: Im Antelope Canyon geht es zu wie auf dem Rummel. Für Fotografen sperren die Guides Segmente ab, um die Illusion aufrecht zu erhalten. Und dieses Foto entstand 2012. Heute (Stand 2020) ist es in dem Canyon so überfüllt, dass selbst die teuren Foto-Touren (auf denen man ein Stativ mitnehmen konnte) nicht mehr stattfinden können

Mesa Arch Utah

Der → Mesa Arch im Licht der aufgehenden Sonne dürfte jedem USA-Fan ein Begriff sein. Wir finden das Motiv sogar so schön, dass es im Großformat über unserem Bett hängt.

Was das Foto nicht zeigt: Die Zeiten, in denen man am Morgen alleine am Mesa Arch auf den Sonnenaufgang gewartet hat, sind lange vorbei. Der Mesa Arch ist nach einer kurzen Wanderung zu erreichen.

Inzwischen kommen am Morgen sogar Reisebusse an. Dutzende Schaulustige warten Tag für Tag darauf, dass der Steinbogen vom Licht der aufgehenden Sonne angestrahlt wird.

Auf Instagram kommen solche Bilder natürlich super an und jeder will hin. Wer den Mesa Arch am Morgen besucht, wird dort ganz sicher einen Menschenauflauf vorfinden. Das ist ja durchaus verständlich – das Fotomotiv ist einsame klasse.

Mesa Arch im Morgenlicht
Der Mesa Arch gehört eindeutig zu den Top-Fotospot im Südwesten der USA. Das Foto zeigt aber nicht, wie es am Mesa Arch wirklich zugeht
Fotografen am Mesa Arch
Der Sonnenaufgang am Mesa Arch ist alles andere als idyllisch. Ich bin der Typ da vorne rechts in schwarz hinter der Kamera

Zugspitze Deutschland

Die → Zugspitze, der mit 2962 Metern höchste Berg Deutschlands, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Zwei Seilbahnen – eine von deutscher, eine von österreichischer Seite – führen auf den Gipfel. Zudem gibt es die alte Zahnradbahn und einen Anschluss mit einer weiteren Seilbahn, die ebenfalls Besucher auf den Gipfel bringt.

Aber auch für Wanderer ist die Zugspitze ein beliebtes Ziel. Wer nach einer langen Tour am Gipfel ankommt und noch nie auf der Zugspitze war, dürfte einen Kulturschock erleiden. Naturerlebnis? Sicher nicht auf der Zugspitze. Hier herrscht Overtourism pur. Der Ausblick ist aber natürlich traumhaft schön und die Bilder, die dort oben entstehen, sind grandios.

Ich kann jedem nur empfehlen, einmal auf die Zugspitze zu wandern. Es gibt durchaus Varianten, die kein großes bergsteigerisches Wissen erfordern. Lang, aber technisch einfach, ist die → Wanderung übers Gatterl auf die Zugspitze. Für den Schlussanstieg, der dann doch nicht ganz ohne ist, kann man die Seilbahn nutzen.

Jubiläumsgrat
Blick von der Zugspitze in Richtung Jubiläumsgrat. Der Gipfel ist ein Fotospot der Superlative
Menschen am Gipfel der Zugspitze
Jeder, der mit der Bahn nach oben fährt, will natürlich auch auf den Gipfel der Zugspitze. Hier entstehen regelmäßig lange Staus

Sorapis See – Italien

Der → Sorapis See ist ohne Zweifel einer der → schönsten Seen der Dolomiten und ein tolles Fotomotiv. Der Bergsee mit dem milchig-türkisblauen Wasser ist der Insta-Spot schlechthin mit Like-Garantie. Schroffe Berggipfel flankieren den See. Was für ein Fotomotiv – und was für ein Anblick!

Jeder, der den See das erste Mal mit eigenen Augen sieht, ist hin und weg. Auf Instagram sorgen Bilder vom Sorapis See regelmäßig für Begeisterung. Da ist es ja fast logisch, dass der See im Laufe der Jahre etwas von seiner Magie eingebüßt hat – Overtourism sei „Dank“.

Mit rund 13 Kilometern und nur 400 Höhenmetern im Auf- und Abstieg auf zumeist rcht breiten Pfaden ist die Wanderung zum Sorapis See nicht besonders anspruchsvoll. Klar, dass sich hier in den warmen Sommermonaten regelrechte Wander-Karawanen auf den Weg machen.

Vielen der Besucher geht es dabei leider nicht einmal um das Naturerlebnis. Vielmehr will man den eigenen Followern zeigen: „Schaut, wo ich bin und was ich wieder erlebe.“ Auch das ist sicher ein Problem unserer Zeit. Es steht nicht mehr das „Eins werden mit der Natur“ im Vordergrund. Vielmehr wollen sich die Menschen (von einigen Ausnahmen einmal abgesehen) profilieren. Ein Trend, der nicht aufzuhalten ist. Likes sind die neue Währung, um die sich alles dreht.

Biggi vor dem Sorapis See
Der Sorapis-See in den Dolomiten. So einsam, wie es auf dem Foto scheint, ist es hier aber nicht
Zahlreiche Menschen tummeln sich am Sorapis See
Im Sommer pilgern Tag für Tag Hunderte oder gar Tausende Besucher zu dem schönen Bergsee
Menschenmassen auf dem Wanderweg
Auf der Wanderung steht man regelmäßig im Stau

Pragser Wildsee – Italien

Der → Pragser Wildsee ist bei den Italienern extrem bekannt und äußerst beliebt – und das nicht erst seit Instagram. Seit dem Jahr 2011 fiebern die Italiener in der TV-Serie „Die Bergpolizei: Ganz nah am Himmel“ dem Alt-Star Terence Hill (der den Forstaufseher Pietro spielt) bei seinen Fällen mit. Die Serie spielt unter anderem rund um den Pragser Wildsee und beschert dem Bergsee Besucher ohne Ende.

Zahlreiche Influencer trugen ebenfalls zur Bekanntheit des Pragser Wildsees bei. Der Bergsee mit den Ruderbooten auf dem Wasser ist heute eines der bekanntesten Fotomotive der Welt.

Der riesige Parkplatz nur wenige Gehminuten vom Pragser Wildsee zeugt davon, wie viele Menschen hier in den warmen Sommermonaten herströmen. Viele kommen nur, um schnell ein Foto von sich und dem Bergpanorama im Hintergrund zu schießen. Der Strohhut darf dabei natürlich nicht fehlen. Da spielt es auch keine Rolle, ob einem auf Instagram 500.000, 5000 oder nur 50 Menschen folgen.

Wer den Pragser Wildsee ganz früh am Morgen besucht, sollte nicht mit der Erwartung anreisen, einen idyllisch gelegenen Bergsee genießen zu dürfen. Vielmehr geht es darum, zwischen all den Menschen den besten Platz für sein Foto zu ergattern. Und wenn das nicht klappt? Dann wird eben die Drohne gestartet. Dass das verboten ist, interessiet hier am Morgen niemanden.

Es ist ja nicht so, dass es nicht schon Millionen „Droneshots“ vom Pragser Wildsee gäbe. Dieses eine, nämlich das eigene, das ist das Foto, dass die Follower auf Instagram sehen wollen.

Der Pragser Wildsee zum Sonnenaufgang
Die Ruderboote liegen zum Sonnenaufgang wie an einer Perlenschnur aufgereiht im Wasser
Instragram-Shooting am Pragser Wildsee
Am Morgen ist hier immer einiges los. Da kann einem auch schon einmal Rotkäppchen uns Bild laufen

Wir sind alle Teil des Overtourism

Bei aller Kritik: Auch wir sind natürlich Teil des Overtourism und tragen mit unserem Reiseblog dazu bei, dass noch mehr Menschen bestimmt Orte sehen wollen. Wir sind uns aber der Verantwortung bewusst und zeigen nur Orte, die über die entsprechende Infrastruktur verfügen, viele Menschen aufzunehmen. Völlig unbekannte Orte, die einen Besucheranstrom nicht verkraften, zeigen wir nur, ohne dabei zu verraten, wo sich dieser Ort befindet. Wir bekommen oftmals Anfragen, wo denn dieses oder jenes Foto entstand. Leider müssen wir in solchen Fällen immer sagen, dass wir das leider nicht verraten können.

Zudem ist uns wichtig, geltende Gesetze und Regeln zu beachten. Dazu gehört, keinen Müll zu hinterlassen, mit der Drohne eben nicht in Schutzgebieten (denkt nur mal an Vögel, die gerade brüten) zu fliegen und gesperrte Bereich nicht zu betreten. So geht uns sicher auch das ein oder andere tolle Foto durch die Lappen. Der Schutz der fragilen Natur ist uns aber sehr viel wichtiger.

Thema Overtourism: Die Teilnehmer der Blogparade

Das Thema Massentourismus war für Anlass für uns, eine Blogparade ins Leben zu rufen. Hier findest du die Beiträge anderer Reiseblogger zum Thema Overtourism.

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