Der Bulb-Modus auf einen Blick
Bedeutung & Herkunft: Benannt nach dem klassischen pneumatischen Gummiball (engl. bulb), mit dem Fotografen früher den Verschluss mechanisch per Luftdruck offenhielten.
Funktionsweise: Du löst aus und der Verschluss bleibt geöffnet, bis du den Auslöser wieder loslässt oder den Timer stoppst.
Typische Einsatzbereiche: Langzeitbelichtungen mit ND-Filtern (z. B. ND1000), Feuerwerk, Lichtmalerei (Light Painting), Sternspuren (Startrails) und extreme Nachtaufnahmen.
Unverzichtbares Zubehör: Ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser mit Arretierfunktion (Lock) oder eine Smartphone-App.
Wichtigste Regel: Der Bildstabilisator muss zwingend deaktiviert werden!
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Wann du den Bulb-Modus brauchst

Immer wenn die Berechnung der Belichtungszeit mehr als 30 Sekunden ergibt oder du das Ende der Belichtung spontan an das Geschehen anpassen möchtest, ist der B-Modus alternativlos:
| Motiv / Aufnahmeszene | Typische Belichtungszeit | Warum der Bulb-Modus nötig ist? |
|---|---|---|
| Glattes Meer / Wasserfall am Tag (mit ND1000-Filter) | 1 bis 5 Minuten | Starke Graufilter schlucken massiv Licht; Zeiten liegen fast immer über 30 s. |
| Plätze fast ohne Menschen am Tag (mit ND1000-Filter) | 1 bis 5 Minuten | Starke Graufilter schlucken massiv Licht; Zeiten liegen fast immer über 30 s. |
| Feuerwerk & Silvesterraketen | 10 bis 60 Sekunden | Verschluss offenhalten, um mehrere Explosionen nacheinander auf einem Bild zu sammeln. |
| Lichtmalerei (Light Painting) | 30 bis 120 Sekunden | Ausreichend Zeitfenster, um mit Taschenlampen Formen in die Dunkelheit zu zeichnen. |
| Sternspuren (Startrails) | 10 bis 60+ Minuten | Die Erdrotation lässt Sterne bei extrem langen Zeiten als kreisförmige Linien erscheinen. |
| Extreme Low-Light-Landschaften | 30 bis 180 Sekunden | Landschaftsaufnahmen bei Neumond oder fernab künstlicher Lichtquellen. |
So aktivierst du den Bulb-Modus an deiner Kamera
Da jeder Kamerahersteller das Modusrad und die Menüs anders anordnet, findest du den Bulb-Modus je nach Kameramodell an unterschiedlichen Stellen:
- Sony: Wähle den manuellen Modus (M) und drehe das Einstellrad für die Belichtungszeit über 30″ hinaus nach links, bis im Display BULB erscheint.
- Canon: Viele Kameras besitzen ein eigenes B direkt auf dem Moduswahlrad. Bei Einsteigermodellen drehst du im M-Modus über 30 Sekunden hinaus.
- Nikon: Im Modus M das Zeitenrad über 30 Sekunden hinausdrehen, bis Bulb oder
--angezeigt wird. - Fujifilm: Das Zeitenrad auf der Oberseite direkt auf die Position B stellen.
- OM System / Olympus: Im Modus M das Zeitenrad über 60 Sekunden hinausdrehen. Hier stehen dir oft die genialen Modi Live Bulb (Bild baut sich live auf dem Display auf) und Live Composite (nur neue Lichtquellen werden addiert) zur Verfügung.
Bildrauschen & Hotpixel: Vorsicht vor der internen Rauschunterdrückung!
Bei extrem langen Belichtungszeiten erwärmt sich der Kamerasensor. Durch diese Hitzeentwicklung entsteht nicht nur verstärktes Grundrauschen, sondern es treten sogenannte Hotpixel auf – kleine, leuchtend rote, grüne oder weiße Pixelfehler im Bild.
Viele Kameras bieten im Menü die Funktion „Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung“ an. Ich rate dringend davon ab, diese Funktion im Alltag zu aktivieren!
Aktivierst du die Funktion, nimmt die Kamera nach deiner Aufnahme automatisch ein zweites Bild mit geschlossenem Verschluss (Darkframe) in derselben Länge auf, um Störpixel herauszurechnen. Bei einer vierminütigen Belichtung ist deine Kamera somit acht Minuten lang komplett blockiert.
Die bessere Lösung: Schalte die Funktion im Menü aus, fotografiere konsequent im RAW-Format und entferne Hotpixel sowie Rauschen später mit einem Klick in Adobe Lightroom oder spezialisierten Entrauschungstools.
Die Praxis-Matrix: Empfohlene Einstellungen im Bulb-Modus
| Aufnahmesituation | Blende (f) | ISO-Wert | Fokus |
|---|---|---|---|
| Wasser glattziehen (ND1000) | f/8 bis f/11 | ISO 100 | Vor Filteraufsetzen setzen |
| Feuerwerk | f/8 bis f/11 | ISO 100 bis 200 | Manuell auf unendlich |
| Lichtmalerei | $f/5.6 bis f/8 | ISO 100 bis 400 | Manuell auf Motiv |
| Nachtlandschaft (ohne Filter) | f/4.0 bis f/5.6 | ISO 400 bis 1600 | Manuell / Fokuslupe |
| Sternspuren (Startrails) | f/2.8 bis f/4.0 | ISO 100 bis 400 | Manuell auf unendlich |
3 Profi-Tricks für perfekte Bulb-Aufnahmen

1. Der Testbelichtungs-Trick (Spart enorm viel Zeit)
Niemand möchte vier Minuten lang belichten, nur um am Ende festzustellen, dass das Bild über- oder unterbelichtet ist.
Erhöhe für ein schnelles Testbild einfach den ISO-Wert um 4 Stufen (z. B. von ISO 100 auf ISO 1600) und verkürze die Belichtungszeit um denselben Faktor (z. B. von 4 Minuten auf nur 15 Sekunden). Prüfe das Histogramm der 15-Sekunden-Aufnahme: Passt die Belichtung, stellst du den ISO wieder auf 100 zurück und belichtest die vollen 4 Minuten im Bulb-Modus.
2. Akku-Management & Display schonen
Lange Verschlusszeiten belasten den Akku massiv. Bricht die Stromversorgung während einer Belichtung ab, ist die gesamte Bilddatei beschädigt und verloren.
- Starte Bulb-Sessions nur mit einem Akkustand von über 80 %.
- Klappe das Display ein oder schalte die Monitor-Hintergrundbeleuchtung während der Belichtung aus, um Energie zu sparen.
- Bei extremen Minusgraden oder Sessions über mehrere Stunden lohnt sich ein Batteriegriff oder ein direkter USB-C-Powerbank-Anschluss.
3. Das schwarze Tuch bei Feuerwerk
Möchtest du bei einem Feuerwerk mehrere Raketenstaffeln einfangen, zwischen den Explosionen aber Pausen überbrücken, halte einfach ein mattschwarzes Tuch oder einen Karton dicht vor die Frontlinse, ohne die Kamera zu berühren. So bleibt der Verschluss im Bulb-Modus durchgehend offen, der Himmel belichtet jedoch nicht unnötig über.
Die Checkliste für deine nächste Langzeitbelichtung

- [ ] Kamera bombenfest auf einem stabilen Stativ montiert?
- [ ] Bildstabilisator (IBIS & Objektiv) ausgeschaltet?
- [ ] Fernauslöser angeschlossen oder Smartphone-Kopplung aktiv?
- [ ] Aufnahmeformat auf RAW eingestellt?
- [ ] Kamerainterne Langzeit-Rauschunterdrückung deaktiviert?
- [ ] Schärfe manuell via Sucherlupe exakt eingestellt?
- [ ] Bei DSLRs: Okularabdeckung geschlossen (verhindert rückwärtigen Streulichteinfall)?
- [ ] Handy-Timer oder Stoppuhr griffbereit?
Mein Praxis-Fazit
Der Bulb-Modus eröffnet dir gestalterische Möglichkeiten, die weit über die Grenzen normaler Kameramodi hinausgehen. Sobald du mit starken ND-Filtern tagsüber Wasser in samtigen Nebel verwandeln oder nachts Lichtspuren und Feuerwerke einfangen möchtest, ist die manuelle Zeitsteuerung dein wichtigstes Werkzeug. Mit einem soliden Stativ, einem Fernauslöser und der Testbelichtungs-Methode gelingen dir faszinierende Langzeitbelichtungen ohne Frust und Ausschuss.
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