Bukarest Sehenswürdigkeiten: Wo Ceaușescu-Beton auf Belle Époque trifft

Bukarest steht immer noch im Schatten anderer Metropolen. Zu Unrecht! Die rumänische Hauptstadt ist eine Stadt der Extreme – prachtvolle Belle-Époque-Paläste neben bröckelnden Fassaden, orthodoxe Klöster zwischen Plattenbauten, hippe Kreativviertel dort, wo gestern noch Tristesse herrschte. Wer sich auf die Sehenswürdigkeiten in Bukarest einlässt, entdeckt ein faszinierendes Kapitel europäischer Geschichte: von der osmanischen Zeit über die kommunistische Diktatur bis zur pulsierenden Gegenwart.

Nimm dir Zeit. Lass die Stadt auf dich wirken. Ich zeige dir die 12 schönsten Highlights, die besten Geheimtipps – und alles, was du für deinen Citytrip wissen musst.

Kurz und knapp: Beton, Paläste und andere Sehenswürdigkeiten

Bukarest ist anders! Die Stadt zeigt stolz ihre Brüche und feiert das Leben mit einer ansteckenden Energie. Hier triffst du auf prachtvolle Paläste neben bröckelnden Fassaden, auf versteckte Klöster zwischen Plattenbauten und auf hippe Cafés in versteckten Hinterhöfen. Das einst als „Paris des Ostens“ bezeichnete Bukarest hat seinen eigenen Rhythmus gefunden – rau und charmant zugleich. Du erlebst eine Stadt im Wandel, die ihre kommunistische Vergangenheit abgestreift hat. Die rumänische Hauptstadt erkundest du am besten zu Fuß. Ein Vorteil: Das Preisniveau liegt im Vergleich zu anderen Metropolen angenehm niedrig.

1. Altstadt – Zeitreise durch verwinkelte Gassen

Bukarests Altstadt ist ein faszinierendes Durcheinander aus Epochen und Stilen. Sanierte Belle-Époque-Gebäude stehen neben halbverfallenen Fassaden, elegante Restaurants neben spontanen Street-Art-Werken. Das Herzstück bildet die Strada Lipscani, einst Handelszentrum der Stadt, wo Kaufleute aus ganz Europa ihre Waren anboten. Heute reihen sich hier Cafés, Bars und kleine Läden aneinander – tagsüber entspannt, abends laut und lebendig.

Beim Schlendern durch die kopfsteingepflasterten Gassen stolperst du über versteckte Schätze: den Alten Fürstenhof (Curtea Veche), wo einst Vlad III. Drăculea residierte – die historische Vorlage für Bram Stokers Dracula. Das kleine Museum auf dem Gelände lohnt sich, auch wenn derzeit Teile des Areals saniert werden. Daneben liegen winzige orthodoxe Kirchen in Innenhöfen und die Ruinen alter Handelskarawansereien.

Die Macca-Vilacrosse-Passage erinnert mit ihrer geschwungenen Glasüberdachung an Pariser Arkaden. Die 1891 erbaute Passage verbindet die Calea Victoriei mit der Strada Eugeniu Carada – die gelben Glaskuppeln tauchen den Durchgang in warmes Licht, perfekt für eine Kaffeepause mit Flair.

Die Englische Passage zeigt die raue Seite Bukarests. Das 1900 erbaute Gebäude diente ursprünglich als Bordell und nach dem Krieg als Notunterkunft für arme Familien. Heute findest du hier die Werkstatt von Nicu, dem berühmten Hutmacher, der seit über 70 Jahren dort arbeitet. Diese Passage ist nicht glamourös, aber authentisch – und genau das macht sie so sehenswert.

Ebenfalls einen Blick wert: der CEC-Palast, ein monumentaler Bankpalast im Stil der französischen Renaissance mit prächtiger Glaskuppel. Den schönsten Blick darauf hast du von der Strada Stavropoleos. Gleich um die Ecke liegt Hanul Manuc, eine ehemalige Karawanserei aus dem 19. Jahrhundert, die heute ein atmosphärisches Restaurant beherbergt – ideal für eine Mittagspause mit Geschichte.

Praktische Infos Curtea Veche:
Strada Franceză 21–23 | Eintritt: ca. 5 Lei (1 Euro) | Öffnungszeiten: täglich 10:00 bis 18:00 Uhr

Fototipp: Die Macca-Vilacrosse-Passage bietet bei Tageslicht durch die gelben Glaskuppeln ein warmes, diffuses Licht – ideal für Architektur- und Streetfotografie ohne Gegenlichtprobleme. Komm am Vormittag, wenn die Passage noch leer ist.

Mein Tipp: Erkundige dich abends in der Altstadt – das Nightlife rund um die Strada Lipscani gehört zu den besten in Osteuropa. Wer tagsüber die Sehenswürdigkeiten sehen will, kommt am besten vor 11 Uhr.

2. Parlamentspalast – Größenwahn in Beton und Marmor

2. Parlamentspalast – Größenwahn in Beton und Marmor

Liebe ihn oder hasse ihn – am Parlamentspalast kommst du in Bukarest nicht vorbei. Das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt (nach dem Pentagon) und gleichzeitig das schwerste Gebäude der Erde ist das monumentale Erbe des Diktators Nicolae Ceaușescu. Für diesen Koloss wurden in den 1980er Jahren rund 500 Hektar des historischen Stadtzentrums abgerissen – 40.000 Menschen verloren ihre Häuser, Kirchen und ganze Viertel wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Die Zahlen sind absurd: fast 500 Kristallkronleuchter, über 1.100 Räume3.100 Tonnen Glas und unzählige Tonnen Marmor aus Transsilvanien. Fast alles wurde in Rumänien produziert – während das Volk hungerte. Tausende Arbeiter, darunter Soldaten und Häftlinge, schufteten rund um die Uhr. Die Menschenkosten des Baus sind bis heute nicht vollständig dokumentiert.

Die Führung durch die prunkvollen Marmorsäle dauert rund eine Stunde und hinterlässt bleibenden Eindruck: riesige Teppiche, vergoldete Vorhänge, monumentale Kronleuchter – jeder Raum ein Ausdruck von Ceaușescus Machbesessenheit. Nach seinem Sturz 1989 stand das Gebäude jahrelang leer. Die jährliche Stromrechnung soll bis heute über 1,7 Millionen Euro betragen. Du wirst durch zahlreiche Empfangssäle und Veranstaltungsorte hautnah kennenlernen. Dein Guide weiß zu jedem Einzelnen viele Details zu berichten. Heute beherbergt es das rumänische Parlament sowie das MNAC (Museum für Moderne Kunst) im Westflügel.

Fototipp: Den besten Außenblick auf den Palast hast du von der Piața Constituției – am frühen Morgen, wenn die Straße noch menschenleer ist, wirkt die Perspektive besonders monumental. Ein Weitwinkelobjektiv ist Pflicht.

Mein Tipp: Tickets unbedingt vorab online buchen (Website) – spontane Besuche klappen selten. Touren werden auf Englisch, Deutsch und Französisch angeboten.

Adresse: Strada Izvor 2-4
Eintritt: ab 40 Lei (ca. 8 Euro)
Öffnungszeiten: täglich (Uhrzeiten variieren, meist 09:00 bis 17:00 Uhr)

3. Calea Victoriei – Bukarests Prachtboulevard

Die „Siegesallee“ ist Bukarests eleganteste Straße und zieht sich über mehrere Kilometer vom Norden bis ins Herz der Stadt. Hier reihen sich prachtvolle Die „Siegesallee“ ist Bukarests eleganteste Straße – und ein Spaziergang durch ihre Geschichte zugleich. Auf rund vier Kilometern zieht sie sich vom Süden der Stadt bis zur Piața Victoriei im Norden und passiert dabei eine Konzentration an Prachtbauten, die ihresgleichen sucht: das Rumänische Athenäum mit seiner markanten Kuppel, der ehemalige Königspalast (heute Nationales Kunstmuseum), der monumentale CEC-Palast mit seiner Glaskuppel und Dutzende Belle-Époque-Fassaden, die Bukarests einstigen Spitznamen als „Paris des Ostens“ noch immer rechtfertigen.

Am Wochenende wird die Straße abschnittsweise autofrei – perfekt für einen ausgedehnten Bummel mit Stopps in schicken Cafés, kleinen Galerien und Boutiquen. Plane mindestens zwei Stunden ein, wenn du die Highlights entlang der Strecke mitnehmen willst.

Direkt am Revolutionsplatz steht die Kretzulescu-Kirche, eine der schönsten orthodoxen Kirchen der Stadt. Das 1722 erbaute Gotteshaus besticht mit seinem charakteristischen ziegelroten Mauerwerk und byzantinischen Fresken – ein stiller Ruhepol inmitten der Hektik der Calea Victoriei.

Am nördlichen Ende der Prachtachse, entlang der Șoseaua Kiseleff, erwartet dich einer der meistunterschätzten Orte Bukarests: der Triumphbogen (Arcul de Triumf). Das 27 Meter hohe Steinmonument wurde 1936 eingeweiht – als Pendant zum Pariser Vorbild, dem es ausdrücklich nachempfunden ist. Jedes Jahr am 1. Dezember, dem rumänischen Nationalfeiertag, findet hier die große Militärparade statt. Wer möchte, kann den Bogen besteigen und hat von oben einen schönen Blick auf die baumallee-gesäumte Șoseaua Kiseleff.

Fototipp: Die Calea Victoriei bietet besonders im Abendlicht spektakuläre Motive – wenn die Straßenlaternen die Belle-Époque-Fassaden warm anleuchten. Den Triumphbogen fotografierst du am besten von der Mittelachse der Șoseaua Kiseleff mit einem leichten Teleobjektiv.

Mein Tipp: Starte am Revolutionsplatz und laufe die Calea Victoriei von Süd nach Nord – so hast du den Wind im Rücken und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der besten Reihenfolge.

4. Rumänisches Athenäum – Tempel der Musik

Das Athenäum ist ein römischer Kuppelbau mit Säulen in einem Park in Bukarest
Die prachtvolle Fassade des Athenäums erinnert an griechische Architektur

Das Rumänische Athenäum ist das prächtigste Konzerthaus des Landes – und eines der schönsten Gebäude Bukarests überhaupt. Der kreisrunde Kuppelbau im neoklassizistischen Stil wurde 1888 nach Plänen des französischen Architekten Albert Galleron eingeweiht und ist bis heute Heimat der George-Enescu-Philharmonie, benannt nach Rumäniens bedeutendstem Komponisten.

Schon die Eingangshalle beeindruckt mit Marmorsäulen und verzierten Böden. Das eigentliche Herzstück ist der Konzertsaal: Ein 75 Meter langes Fresko zieht sich rund um die gesamte Wand und zeigt die Geschichte Rumäniens – von der Antike bis zur Moderne. Die Akustik des Saals zieht internationale Solisten und Orchester an und gilt als eine der besten Europas.

Für das jährliche George-Enescu-Festival, eines der renommiertesten Klassikfestivals des Kontinents, ist das Athenäum die erste Adresse. Wer keine Konzertkarte bekommt, sollte zumindest einen Blick in die Eingangshalle werfen – der Eintritt ins Foyer ist günstig und lohnt sich.

Fototipp: Die Außenfassade mit ihren ionischen Säulen wirkt bei Gegenlicht am späten Nachmittag besonders eindrucksvoll. Für die Innenaufnahmen empfiehlt sich ein lichtstarkes Objektiv – das gedämpfte Saallicht verlangt nach hoher ISO.

Eintritt: ca. 18 RON (ca. 3,50 Euro) | Konzerttickets über die offizielle Präsenz (Website)
Öffnungszeiten: variieren je nach Programm – aktuelle Zeiten auf der Website prüfen

5. Die besten Museen in Bukarest

Bukarests Museen erzählen die Geschichte eines Landes, das mehr Brüche erlebt hat als die meisten anderen in Europa. Von dakischen Goldschätzen über kommunistische Propaganda bis zur zeitgenössischen Kunst – die Auswahl ist überraschend stark.

Nationales Kunstmuseum

Das Nationale Kunstmuseum im ehemaligen Königspalast an der Calea Victoriei beherbergt die bedeutendste Kunstsammlung Rumäniens. Über 100.000 Werke umfasst die Sammlung – von mittelalterlichen Ikonen bis zur Moderne. Die Rumänische Kunstgalerie zeigt Werke von Nicolae Grigorescu und Theodor Aman, die europäische Sammlung wartet mit Rembrandt, Monet und El Greco auf. Allein für diese Kombination lohnt sich der Besuch.

Eintritt: ca. 20 RON (ca. 4 Euro) | Öffnungszeiten: Mi. bis So., 10:00 bis 18:00 Uhr

Nationalmuseum für rumänische Geschichte

Das Museum im ehemaligen Postpalast zeigt die Geschichte Rumäniens von der Steinzeit bis heute. Highlight ist der Schatzraum mit antiken Goldschätzen der Daker und den prunkvollen Kronen der rumänischen Könige. Ein eigenes Stockwerk widmet sich dem kommunistischen Regime und der Revolution von 1989 – eindringlich, detailliert und nicht zu verpassen.

Eintritt: ca. 15 RON (ca. 3 Euro) | Öffnungszeiten: Mi. bis So., 10:00 bis 18:00 Uhr

Nationales Dorfmuseum „Dimitrie Gusti“

Im weitläufigen Herăstrău-Park liegt eines der bemerkenswertesten Freilichtmuseen Europas. Auf über zehn Hektar wurden mehr als 300 historische Gebäude aus allen Regionen Rumäniens wiederaufgebaut – Bauernhäuser, Mühlen, Kirchen, Werkstätten. Du spazierst durch verschiedene Dörfer und erlebst vier Jahrhunderte rumänisches Landleben. Die Holzkirchen aus dem 17. Jahrhundert gehören zu den stillen Höhepunkten.

Eintritt: ca. 10 RON (ca. 2 Euro) | Öffnungszeiten: täglich 09:00 bis 17:00 Uhr (Sommer bis 19:00 Uhr)

Nationalmuseum des rumänischen Bauern

Direkt an der Șoseaua Kiseleff – nahe dem Triumphbogen – befindet sich eines der ungewöhnlichsten Museen der Stadt. Das Nationalmuseum des rumänischen Bauern (Muzeul Național al Țăranului Român) wurde 1996 vom Europarat zum „Museum des Jahres“ gekürt. Die Sammlung zeigt traditionelle Trachten, Ikonen, Holzschnitzereien und einen rekonstruierten Dorfraum – alles in einem prachtvollen Jugendstilgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert. Wer das ländliche Rumänien verstehen will, kommt hier nicht vorbei.

Eintritt: ca. 10 RON (ca. 2 Euro) | Öffnungszeiten: Di. bis So., 10:00 bis 18:00 Uhr

Museum für Moderne Kunst (MNAC)

Im Westflügel des Parlamentspalastes konzentriert sich das MNAC auf rumänische und internationale Kunst ab 1945. Der faszinierende Kontrast zwischen den monumentalen kommunistischen Räumen und modernen Installationen, Fotografie und Videokunst macht den Besuch einzigartig. Wer den Parlamentspalast besichtigt, sollte direkt im Anschluss weitergehen.

Eintritt: ca. 12 RON (ca. 2,50 Euro) | Öffnungszeiten: Mi. bis So., 10:00 bis 18:00 Uhr

Fototipp: Im Nationalen Dorfmuseum lohnt sich ein früher Morgenbesuch – das weiche Licht zwischen den alten Holzgebäuden und der kaum vorhandene Besucherstrom machen es zum idealen Motiv für Architektur- und Stimmungsfotos.

6. Kloster Stavropoleos – Stille im Trubel der Altstadt

Versteckt zwischen höheren Gebäuden im Herzen der Altstadt entdeckst du eines der architektonischen Juwelen Bukarests: das Kloster Stavropoleos. Gegründet 1724 vom griechischen Mönch Ioanichie, vereint die kleine Kirche byzantinische, osmanische und rumänische Bauelemente zu einem außergewöhnlichen Ensemble – auf engstem Raum und doch von großer Wirkung.

Hinter dem unscheinbaren Portal erwartet dich eine Atmosphäre, die sich vollständig von der Umgebung löst. Die Fresken im Kircheninneren sind von beachtlicher Feinheit, die goldenen Verzierungen der Ikonostase funkeln selbst im gedämpften Licht. Der Innenhof mit seinen alten Grabsteinen und Steinkreuzen wirkt wie ein kleines Open-Air-Museum.

Das Kloster überstand Erdbeben und Brände. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es von Ion Mincu restauriert – dem Begründer des rumänischen Nationalstils in der Architektur, dessen Werk das Stadtbild Bukarests bis heute prägt. Heute beherbergt das Kloster eine der bedeutendsten Sammlungen byzantinischer Musikhandschriften Rumäniens mit über 8.000 Bänden.

Fototipp: Der Innenhof bietet durch seine umgebenden Arkaden weiches, diffuses Licht – ideal für Detailaufnahmen der Steinreliefs und Grabplatten. Am frühen Morgen, wenn orthodoxe Gesänge durch den Hof klingen, entstehen stimmungsvolle Langzeitbelichtungen mit kaum einem Menschen im Bild.

Mein Tipp: Komm möglichst früh – vor 9 Uhr hast du den Hof oft für dich allein. In den Mittagsstunden ist der Andrang am größten.

Adresse: Strada Stavropoleos 4
Öffnungszeiten: täglich 07:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: kostenlos

7. Schönste Parks – Grüne Oasen mitten in der Stadt

Cismigiu-Park

Der 1847 angelegte Cismigiu-Park ist die älteste und beliebteste Grünanlage Bukarests. Der nach englischem Vorbild gestaltete Landschaftsgarten erstreckt sich über 17 Hektar und bietet Erholung vom Stadttrubel – schattige Alleen, verschlungene Wege und ein malerischer See, auf dem du im Sommer Tretboote mieten und im Winter Schlittschuh laufen kannst. Der Park liegt zentral, nur wenige Gehminuten von der Calea Victoriei entfernt.

Seinen Namen verdankt der Park einem osmanischen Wasserverwalter, der hier im 18. Jahrhundert wirkte. Heute versammeln sich Einheimische zum Schachspielen, Joggen und Plaudern – am Wochenende manchmal auch zu kleinen Märkten mit lokalen Spezialitäten. Wer das alltägliche Bukarest erleben will, findet es hier.

Herăstrău-Park

Der Herăstrău-Park im Norden der Stadt ist der größte Park Bukarests und erstreckt sich rund um den gleichnamigen See. Breite Spazierwege führen durch schattige Wälder, Bootsverleihe laden zur Ausfahrt auf dem Wasser ein, Cafés und Restaurants säumen das Ufer. Die Atmosphäre ist entspannter und weitläufiger als im Cismigiu – gut geeignet für einen halben Tag abseits der Sehenswürdigkeiten.

Im Park liegt das sehenswerte Nationale Dorfmuseum Dimitrie Gusti – beides lässt sich hervorragend miteinander verbinden. Wer anschließend noch Zeit hat, spaziert von hier aus zur nahen Șoseaua Kiseleff und weiter zum Triumphbogen.

Fototipp: Im Cismigiu-Park bietet der Teich am frühen Morgen ruhige Wasseroberflächen für Spiegelungen – besonders schön im Herbst, wenn die alten Bäume in warmen Farben leuchten. Im Herăstrău-Park lohnt sich die Seepromenade bei Abendlicht.

Alternative Parks in Bukarest:

  • Carol-Park: Beeindruckend mit seinem römischen Amphitheater und monumentalen Denkmälern
  • Tineretului-Park: Beliebter Treffpunkt für Familien und Jogger, ruhiger als die zentralen Parks

8. Revolutionsplatz – Wo Geschichte geschrieben wurde

Der Piața Revoluției ist ein Ort voller Symbolkraft – und einer, der sich schwer beschreiben lässt, ohne ihn gespürt zu haben. Hier hielt Ceaușescu am 21. Dezember 1989 seine letzte Rede vom Balkon des Zentralkomitees. Als die Menge plötzlich zu buhen und pfeifen begann, geriet der Diktator sichtbar aus der Fassung – ein historischer Moment, der live im Fernsehen übertragen wurde und das Ende seiner 24-jährigen Herrschaft einläutete. Per Helikopter floh er vom Dach des Gebäudes. Wenige Tage später wurde er gefasst und am 25. Dezember hingerichtet. Mehr als 1.000 Menschen starben in jenen Dezembertagen.

Heute rahmen imposante Gebäude den Platz: das ehemalige Hauptquartier der Kommunistischen Partei, der ehemalige Königspalast (heute Nationales Kunstmuseum) und die Kretzulescu-Kirche. An einigen Fassaden sind noch immer Einschusslöcher aus den Revolutionstagen sichtbar – stumme Zeugen eines blutigen Endes. In der Mitte erhebt sich das umstrittene „Memorial der Wiedergeburt“ – eine abstrakte Skulptur aus dem Jahr 2005. Einheimische nennen sie ironisch „die aufgespießte Kartoffel“.

Steh ruhig eine Weile hier. Kaum ein anderer Platz in Europa trägt so viel Geschichte auf so engem Raum.

Fototipp: Das ehemalige Zentralkomitee-Gebäude mit dem historischen Balkon lässt sich von der Platzmitte aus gut fotografieren. Bei bewölktem Himmel wirkt die Szenerie besonders atmosphärisch – die graue Schwere der Fassade passt zur Geschichte des Ortes.

Praktische Info: Der Platz ist frei zugänglich, rund um die Uhr. Ideal kombinierbar mit einem Spaziergang entlang der Calea Victoriei.

9. Unirii-Boulevard und Springbrunnen-Show

Der Bulevardul Unirii wurde nach dem verheerenden Erdbeben von 1977 als Rumäniens Antwort auf die Champs-Élysées konzipiert. Das Ergebnis: ein 120 Meter breiter Boulevard – damit sogar breiter als sein Pariser Vorbild – mit einer imposanten Brunnenachse, die schnurgerade auf den Parlamentspalast zuführt. Eine Stadtplanung mit Ansage.

Am eindrucksvollsten ist der Boulevard bei Einbruch der Dunkelheit, wenn die Springbrunnen in bunten Farben illuminiert werden. Von Mai bis Oktober findet freitags, samstags und sonntags eine choreografierte Wasser-Licht-Show statt – laut Guinness-Buch der Rekorde das längste choreografierte Fontänensystem der Welt. Leuchtende Farbwechsel und zur Musik tanzende Wassersäulen machen die kostenlose Show zu einem spektakulären Abendprogramm. Die Vorstellung dauert rund 45 Minuten und startet je nach Sonnenuntergang zwischen 20:00 und 21:30 Uhr. Ab Mitte Oktober werden die Fontänen abgeschaltet.

Fototipp: Stell dich ans westliche Ende des Boulevards – von dort hast du den Parlamentspalast als Fluchtpunkt mit der beleuchteten Brunnenachse im Vordergrund. Mit einem Teleobjektiv und langer Belichtungszeit entstehen hier beeindruckende Nachtaufnahmen. Gegen 21 Uhr im Sommer ist das Licht perfekt.

Praktische Info: Der Eintritt zur Show ist kostenlos. Die genauen Startzeiten variieren je nach Jahreszeit – vor Ort gibt es keine offizielle Ansage, am besten etwas früher da sein.

10. Versteckte Altstadt-Passagen

Bukarests Altstadt hat mehr zu bieten als die viel besuchten Hauptstraßen. Die Strada cu Umbrele – wörtlich die „Schirmgasse“ – ist einer der farbenfrohsten Orte der Stadt: Hunderte bunter Schirme sind zwischen den Häusern der engen Gasse aufgespannt und tauchen die Passage in ein leuchtendes Farbenspiel, das bei blauem Himmel besonders eindrucksvoll wirkt. Entlang der Gasse reihen sich Cafés und Restaurants aneinander – ein schöner Ort für eine Pause.

Besonders empfehlenswert ist das P+1 – mit hochwertiger Küche und elegantem Ambiente tagsüber eines der besten Restaurants der Gegend, zu späterer Stunde eine stilvolle Bar mit ausgezeichneter Weinkarte.

Wer weitere Passagen erkunden möchte: Zwischen der Calea Victoriei und der Strada Academiei, nahe der Piața Odeon, verstecken sich ruhige, architektonisch interessante Durchgänge – weniger bekannt, aber atmosphärisch. Die bereits im Altstadt-Abschnitt beschriebene Macca-Vilacrosse-Passage mit ihrer gelben Glasüberdachung ist ebenfalls in unmittelbarer Nähe und nicht zu verpassen.

Fototipp: Die Strada cu Umbrele ist für Fotografie gemacht – am besten von unten mit Weitwinkel fotografieren, wenn das Licht durch die bunten Schirme fällt. Mittags bei direkter Sonne entstehen die sattesten Farben; am frühen Nachmittag liegt die Gasse oft im weichen Schatten.

11. Carturesti Carusel – Schönste Buchhandlung Europas

Du liebst Bücher und Architektur? Dann führt kein Weg an Carturești Carusel vorbei. Die vielfach als „schönste Buchhandlung Europas“ bezeichnete Adresse wurde 2015 in einem aufwendig restaurierten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert eröffnet und erstreckt sich über sechs Etagen. Der Name bedeutet „Karussell des Lichts“ – und das trifft es perfekt.

Weiße Wendeltreppen winden sich nach oben, Balkone umrahmen den lichtdurchfluteten Innenraum unter einem gläsernen Dach. Überall stapeln sich über 10.000 Bücher. Das Gebäude hatte jahrelang leer gestanden, bevor es von der rumänischen Kultbuchhandlung Carturești sorgfältig restauriert und neu belebt wurde.

Im obersten Stockwerk erwartet dich ein gemütliches Café mit Blick auf die Altstadt – ideal, um bei Kaffee in einem Buch zu schmökern oder einfach die besondere Atmosphäre zu genießen.

Geheimtipp: Die Buchhandlung Verona an der Strada Piața Amzei, wenige Blocks entfernt, ist weniger bekannt, aber mindestens genauso charmant. Das aristokratische Ambiente mit gemütlichen Sofas, einer Weinbar und regelmäßigen Musikveranstaltungen macht sie zum perfekten Rückzugsort abseits des Touristenstroms.

Fototipp: Das Innere von Carturești Carusel ist ein Paradies für Architekturfotografie. Am besten von der obersten Etage nach unten fotografieren – der Weitwinkel fängt die gesamte Tiefe der spiralförmigen Raumstruktur ein. Mittags fällt das Licht optimal durch das Glasdach.

Adresse: Strada Lipscani 55
Öffnungszeiten: täglich 10:00 bis 22:00 Uhr

12. Street Art – Urbane Kunstgalerie unter freiem Himmel

Bukarest gehört zu den überraschendsten Street-Art-Destinationen Europas. Besonders rund um die Strada Arthur Verona ziehen sich beeindruckende Wandgemälde über ganze Hausfassaden – jedes Jahr kommen beim Street Delivery Festival im Juni neue Werke hinzu, die die Straße in eine temporäre Freiluftgalerie verwandeln.

Die Themen sind so vielfältig wie die Stadt selbst: politische Statements, Werbung für Clubs und Ausstellungen, immer wiederkehrende Motive wie Schweine und Buddha-Gesichter. Mal mit Schablonen gearbeitet, mal freihändig, monochrom oder in leuchtendem Farbrausch. Auch in der Altstadt und rund um die Verona-Buchhandlung an der Piața Amzei entdeckst du Tags, Stencils und großflächige Murals – sozialkritisch, verspielt und alles dazwischen.

Mein Tipp: Eine geführte Street-Art-Tour lohnt sich – in rund zwei Stunden erfährst du die Geschichten hinter den Werken, die Künstler und den politischen Kontext. Touren buchst du bequem über GetYourGuide.

Fototipp: Früh morgens, wenn die Straßen noch leer sind, entstehen die stärksten Street-Art-Fotos – keine Passanten, kein Gegenlicht, klare Farben. Ein Weitwinkelobjektiv hilft, großflächige Murals vollständig einzufangen. Die Strada Arthur Verona bietet an bewölkten Tagen das gleichmäßigste Licht.

Nützliche Tipps für deinen Aufenthalt

Anreise

Mit dem Flugzeug: Der Henri Coandă Airport (OTP) ist Rumäniens größter Flughafen mit Direktverbindungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von dort ins Zentrum kommst du am günstigsten mit dem Express-Bus 783 (ca. 3 RON, rund 45 Minuten) oder per Taxi/Uber (50–80 RON, je nach Verkehr 30–60 Minuten).

Mit dem Zug: Bukarest ist gut ans europäische Bahnnetz angebunden. Züge aus Wien, Budapest und Sofia erreichen den Hauptbahnhof Gara de Nord. Die Verbindungen sind günstig – rumänische Züge haben ihren eigenen Rhythmus und einen gewissen Retro-Charme. Plane etwas Puffer ein.

Mit dem Bus: Flixbus verbindet Bukarest mit vielen europäischen Städten. Die Fahrt aus Deutschland dauert 18–24 Stunden, kostet aber oft unter 50 Euro.

Mit dem Mietwagen: Bukarest erreichst du über gut ausgebaute Autobahnen. Beachte: Für Rumänien benötigst du eine Rovinietă (elektronische Vignette), die du vorab unter roviniete.ro kaufen kannst. Ein Mietwagen lohnt sich besonders, wenn du Ausflüge ins Umland oder zu Schloss Peleș planst. Parken in der Innenstadt kostet 5 bis 10 RON pro Stunde.

Fortbewegung vor Ort

Das Zentrum erkundest du am besten zu Fuß – Altstadt und wichtigste Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Für längere Strecken empfehle ich Uber oder Bolt: günstig, zuverlässig und unkompliziert. Die Metro ist ebenfalls effizient – ein Einzelticket kostet 3 RON, eine Tageskarte 8 RON. Das öffentliche Bussystem ist komplex; die App STB hilft bei der Navigation.

Hinweis: Das Leitungswasser in Bukarest ist zwar technisch trinkbar, Einheimische empfehlen jedoch gefiltertes oder abgefülltes Wasser.

Empfehlenswerte Unterkünfte

Am besten übernachtest du im Zentrum oder der Altstadt (Centrul Vechi) – so erreichst du alle Highlights zu Fuß. Die Gegend um die Calea Victoriei bietet die beste Mischung aus Lage, Gastronomie und Atmosphäre.

  • Casa Capsa: Boutique-Hotel in historischem Gebäude mit elegantem Design und zentraler Lage nahe der Calea Victoriei (Preise checken*)
  • InterContinental Athénée Palace: Erstklassiger Service und Wellness-Bereich in einem der bekanntesten Hotels der Stadt (Preise checken*)
  • Villa 18: Charmante Boutique-Unterkunft in ruhigem Viertel mit persönlichem Service und stilvoller Einrichtung (Preise checken*)
  • Radisson Blu Hotel Bucharest: Modernes Business-Hotel mit ausgezeichnetem Frühstück und guter Anbindung zum Flughafen (Preise checken*)
  • Hotel Cismigiu: Sauberes 3-Sterne-Hotel mit zentraler Lage am Cismigiu-Park. Einfache, aber komfortable Zimmer zu fairen Preisen (Preise checken*)

Gastro-Empfehlungen

  • Casa Romaneasca (Google Maps): Fantastisches Lokal für typische Gerichte aus Rumänien. Das Interieur ist wunderschön dekoriert, die Atmosphäre perfekt. Der Service ist freundlich, kompetent und mehrsprachig
  • Lacrimi si Sfinti (Google Maps): Moderne rumänische Küche in stylischem Ambiente. Die Weinauswahl ist hervorragend, ebenso die kreativ interpretierten lokalen Klassiker
  • The Artist (Google Maps): Gehobene internationale Küche mit künstlerischem Anspruch. Perfekt für besondere Anlässe
  • Hanu‘ lui Manuc (Google Maps): Rustikales Restaurant im ältesten Hotel Bukarests. Der beheizte Biergarten ist trotz seiner immensen Ausmaße regelmäßig voll. Reserviere daher vorab für authentische Atmosphäre und solide traditionelle Gerichte
  • Caru‘ cu Bere (Google Maps): Historisches Bierhaus aus 1879 mit spektakulärer Jugendstil-Architektur und traditioneller rumänischer Küche. Ein Muss für jeden Bukarest-Besuch

Reisezeit und Währung

Beste Reisezeit: Bukarest lohnt sich ganzjährig. Frühling (April–Mai) und Herbst (September–Oktober) bieten angenehme Temperaturen und weniger Andrang. Im Sommer kann es heiß werden, dafür pulsiert das Nachtleben. Auch im Winter hat die Stadt ihren eigenen Charme – besonders zur Weihnachtsmarktzeit.

Währung: Du zahlst in Rumänischen Lei (RON). 1 Euro ≈ 5 RON. Tausche Geld in Wechselstuben statt am Flughafen für bessere Kurse. Kartenzahlung ist fast überall möglich, etwas Bargeld für kleine Läden und Märkte schadet nicht.

Reisedauer: Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reichen zwei bis drei Tage. Mit Tagesausflügen zu Schloss Peleș oder in die Karpaten plane vier bis fünf Tage ein.

Mein Fazit

Bukarest ist eine Stadt, die dich überrascht – und nicht mehr loslässt. Die Metropole verbindet osmanische, osteuropäische und westliche Einflüsse zu einem außergewöhnlichen Mix, den du so kein zweites Mal findest. Nach Jahrzehnten kommunistischer Unterdrückung hat sie merklich an Selbstbewusstsein gewonnen: Zwischen pulsierender Altstadt, prächtigen Boulevards und einer lebendigen Kreativszene steckt mehr Energie als in vielen glattpolierten Touristenstädten Europas.

Wer Rumänien wirklich verstehen will, kombiniert Bukarest am besten mit einem Abstecher nach Sibiu – die beiden Städte könnten unterschiedlicher kaum sein und ergänzen sich genau deshalb perfekt.

Mein Feelgood-Faktor: 80 von 100!

Bukarest-Reiseführer

Das waren also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bukarest. Für noch mehr Tipps empfehle ich dir folgende Reiseführer:

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Steffen Eidam ist renommierter Journalist und versierter Europa-Reiseexperte.

Mit über 70 besuchten Inseln gilt er als einer der profiliertesten Griechenland-Kenner. Gerne ist er auch in London, Südosteuropa und im Baltikum unterwegs.

Hier findest du alle Artikel von Steffen Eidam.
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