Kurz und knapp: Kultur, Genuss und Sehenswürdigkeiten
Sibiu liegt rund 280 Kilometer nordwestlich von Bukarest im Herzen Siebenbürgens – und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins 12. Jahrhundert reicht. Damals ließen sich deutsche Siedler hier nieder, deren Einfluss die Architektur, die Sprache und das Stadtbild bis heute prägt. Kein Wunder, dass man manchmal meint, durch eine mitteleuropäische Altstadt zu schlendern – mitten in Rumänien.
Plane mindestens zwei bis drei Tage ein, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Ruhe zu erkunden. Wer auch Ausflüge in die Umgebung – etwa zur Transfogarascher Hochstraße oder zu den Kirchenburgen Siebenbürgens – einplant, sollte fünf Tage rechnen. Die Preise sind ausgesprochen günstig: Museumseintritte liegen selten über 8 Euro, meist deutlich darunter. Die beste Reisezeit ist von April bis Oktober; der Dezember lockt mit einem der schönsten Weihnachtsmärkte Rumäniens.
Besondere Events 2026: Das renommierte Sibiu International Theatre Festival (FITS) bespielt die ganze Stadt im Juni mit über 10 Tagen Straßenkunst, Theater und Performances. Im Juli folgt das ARTmania Festival, im September die Nationale Ökotourismusmesse. Wer einen dieser Termine trifft, erlebt Sibiu von seiner lebendigsten Seite.
1. Piața Mare – Das Herzstück der Altstadt

Der Piața Mare, auf Deutsch der Große Ring, ist einer jener Plätze, die du nicht so schnell vergisst. Barock- und Renaissancefassaden umrahmen das kopfsteingepflasterte Rund, das seit dem Mittelalter Marktplatz, Gerichtsstätte und Bühne des öffentlichen Lebens war. Heute sitzen hier Menschen in Außencafés, beobachten das Treiben und genießen die Sonne – und das funktioniert erstaunlich gut.
Die Südseite steht unter UNESCO-Denkmalschutz und liefert gleich mehrere Highlights. Schau dabei auch mal nach oben: Die markanten Dachfenster, die sogenannten „Augen der Stadt“, schauen dich direkt an. Das Hallerhaus (Nr. 10) im Renaissancestil beeindruckt mit Wappenbogen und kunstvollen Arkaden – 345 Jahre lang in Familienbesitz. Daneben das Filekhaus von 1802, eines der schönsten Gebäude am Platz.
Der Piața Mare, auf Deutsch der Große Ring, ist einer jener Plätze, die du nicht so schnell vergisst. Barock- und Renaissancefassaden umrahmen das kopfsteingepflasterte Rund, das seit dem Mittelalter die Bühne des hiesigen Lebens war – öffentliche Hinrichtungen inklusive. Heute sitzen hier Menschen in Außencafés, beobachten das Treiben und genießen die Sonne.
Die Südseite steht unter UNESCO-Denkmalschutz und liefert gleich mehrere Highlights. Schau dabei auch mal nach oben: Die markanten tropfenförmigen Dachfenster, die sogenannten „Augen der Stadt“, blicken dich von überall an – mehr dazu weiter unten im Extratipp. Das Hallerhaus (Nr. 10) im Renaissancestil beeindruckt mit Wappenbogen und kunstvollen Arkaden, 345 Jahre lang in Familienbesitz. Direkt daneben das Filekhaus von 1802, eines der elegantesten Gebäude am Platz.
Auf der Nordseite steht das erste Rathaus der Stadt mit seinem markanten Turm. Zwei Durchgänge darunter verbinden den Großen Ring mit dem Piața Mică. An der Westseite dominiert das Brukenthal-Palais aus dem Jahr 1785 – das prächtigste Barockgebäude am Platz. Direkt daneben das Blaue Haus aus dem 18. Jahrhundert, wo einst Theater gespielt wurde und an dessen Fassade noch das alte Stadtwappen prangt. Das elegante CEC-Gebäude an der Nordwestecke, 1905 im Art-Nouveau-Stil erbaut, rundet das Ensemble ab.
Mein Fototipp: Die besten Aufnahmen des Platzes gelingen in der blauen Stunde kurz nach Sonnenuntergang – dann leuchten die Fassaden warm und der Platz ist deutlich leerer als tagsüber.
Abends, wenn die Beleuchtung die Fassaden in warmes Gold taucht, entfaltet der Piața Mare eine Stimmung, die sich kaum in Worte fassen lässt. Im Dezember verwandelt er sich in einen der schönsten Weihnachtsmärkte Rumäniens – Glühwein, Lichterketten und handgemachte Waren vor historischer Kulisse, dazu eine Schlittschuhbahn mitten auf dem Platz.
2. Piața Mică, Ratsturm und Piața Huet

Der Piața Mica, der Kleine Ring, ist nur durch einige charmante Tunnel wie in der Schusterpassage vom Piața Mare getrennt. Der beliebte Platz, auf dem ehemals der bedeutende Handwerkermarkt stattfand, ist kompakter, verwinkelter und für viele Besucher noch reizvoller als der große Nachbar.
Mittelalterliche Arkaden, alte Kaufmannshäuser aus der Zeit zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert machen ihn zu einem der schönsten Flecken in Sibiu. Dominiert wird der Platz vom Ratsturm, dem Turnul Sfatului, der vormals als Verteidigungstor genutzt wurde. Der Aufstieg zur Spitze führt über 141 Stufen und darf nur von maximal fünf Personen gleichzeitig begangen werden. Allerdings bleibt der Turm seit Januar 2026 aufgrund umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen. Bis zur geplanten Neueröffnung im Januar 2028 macht er aber auch von außen eine gute Figur für dein Erinnerungsfoto.
Rund um die Piata Mica sind viele Wahrzeichen der Stadt angesiedelt: Neben dem Ratsturm findest du hier auch die Lügenbrücke, das Haus der Künste (ehemalige Metzgerhalle) und die katholische Jesuitenkirche. Übrigens: Alle Gebäude auf dem Kleinen Ring sind zu historischen Denkmälern erklärt worden.
3. Evangelische Stadtpfarrkirche St. Marien

Mit ihrem 73 Meter hohen Turm – dem höchsten in ganz Siebenbürgen – prägt die Evangelische Stadtpfarrkirche die Silhouette Sibius wie kein anderes Bauwerk. Der gotische Bau aus dem 14. Jahrhundert trägt an seinen vier Ecken kleine Türmchen, die einst auf ein besonderes Privileg hinwiesen: das Recht zur Vollstreckung der Todesstrafe. Wer genau hinschaut, liest die Geschichte der Stadt direkt am Stein ab.
Das Innere überrascht mit einer Mischung aus schlichter Eleganz und bemerkenswerten Details: spätgotisches Chorgestühl, farbige Bleiglasfenster und die größte Orgel Südosteuropas mit exakt 6.002 Pfeifen. Jeden Freitag um 10:00 Uhr findet die öffentliche Morgenmusik statt, samstags zwischen 19:00 und 20:00 Uhr ein kostenloses Wochenkonzert – wer das trifft, hat echtes Glück.
Den Aufstieg solltest du dir nicht entgehen lassen. Über sieben Treppenabschnitte und 192 Stufen erreichst du eine Aussichtsplattform, von der aus die Altstadt wie ein lebendiges Stadtmodell wirkt – rote Ziegeldächer, weiße Türme und im Hintergrund die Gipfelkette der Karpaten.
Mein Fototipp: Bring ein Weitwinkelobjektiv mit – von der Plattform aus bekommst du die gesamte Altstadt in einem einzigen Bild.
Praktische Infos: Geöffnet täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, samstags bis 19:00 Uhr. Kirche oder Turm kosten jeweils 10 RON, das Kombiticket 15 RON – umgerechnet knapp 3 Euro.
4. Das Brukenthal-Palais – Hier atmest du Geschichte

Das Brukenthal-Nationalmuseum am Piața Mare ist das älteste öffentliche Museum Rumäniens – eröffnet 1817, lange bevor vergleichbare Häuser in Westeuropa entstanden. Initiiert wurde es von Samuel von Brukenthal, dem habsburgischen Gouverneur Transsilvaniens im 18. Jahrhundert. Er war nicht nur Politiker, sondern ein leidenschaftlicher Kunstsammler mit einem Gespür, das weit über seine Zeit hinausging.
Was er zusammentrug, kann sich bis heute sehen lassen: Gemälde europäischer Meister vom 15. bis ins 18. Jahrhundert – darunter Arbeiten von Rubens, Van Dyck und Tizian. Dazu kommen historische Möbel, Silberobjekte, siebenbürgische Kulturschätze und eine beeindruckende Münzsammlung. Das barocke Palais mit seiner strahlend weißen Fassade ist schon von außen ein Blickfang; innen sind sämtliche Beschriftungen auch auf Englisch vorhanden.
Das Museum betreibt mehrere Zweigstellen in der Stadt – darunter das Naturkundemuseum, das Apotheken-Museum am Kleinen Ring und die Blaue Stadtbibliothek. Wer alles sehen möchte, sollte sich ein Kombiticket kaufen und mindestens einen halben Tag einplanen.
Mein Fototipp: Die Bronzestatue von Baron Brukenthal vor dem Palais bietet ein klassisches Motiv – am besten früh morgens, bevor der Piața Mare belebt wird.
Praktische Infos: Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr. Eintritt 40 RON/ca. 8 Euro, je nach Ausstellung. Alle Details auf der offiziellen Präsenz des Museums (Website).
5. Das ASTRA-Freilichtmuseum

Wer Sibiu besucht und das ASTRA-Freilichtmuseum auslässt, verpasst eines der beeindruckendsten Museen Europas. Rund sechs Kilometer vom Zentrum entfernt, am Rand des Dumbrava-Waldes, wurden auf über 90 Hektar mehr als 300 historische Gebäude aus allen Teilen Rumäniens originalgetreu wiederaufgebaut: Holzkirchen, Windmühlen, Schafhirtenhütten, Töpferwerkstätten, Webereien. Ein Ort, der rumänische Geschichte nicht erklärt, sondern erlebbar macht.
Was ihn von ähnlichen Freilichtmuseen unterscheidet: das Gelände ist auch ein echtes Ausflugsziel für die ganze Familie. Ein kleiner See lädt zum Bootfahren ein, Picknickplätze und Wanderwege durchziehen das weitläufige Areal, und an Wochenenden zeigen Handwerker ihr traditionelles Können. Dazu kommt der wohl wertvollste Vorteil – das ASTRA ist selbst in der Hauptsaison kaum überlaufen.
Plane mindestens zwei bis drei Stunden ein, bei schönem Wetter gerne einen ganzen Nachmittag.
Mein Fototipp: Die alten Holzkirchen und Mühlen im Gegenlicht der Abendsonne sind großartige Motive – komm am besten zwei Stunden vor Schließung.
Praktische Infos: Von Mai bis September täglich 08:00–20:00 Uhr geöffnet, in den Wintermonaten 09:00–17:00 Uhr. Eintritt bis zu 50 RON/ca. 10 Euro. Du erreichst das Museum bequem mit dem Stadtbus Linie 13 oder per Bolt-Fahrt für etwa 3 Euro. Tickets gibt es auf der offiziellen Onlinepräsenz von ASTRA (Website).
6. Die Dreifaltigkeitskathedrale


Kein anderes Gebäude in Sibiu zieht die Blicke so auf sich wie die orthodoxe Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit (Catedrala Sfânta Treime). Kein Wunder – schließlich diente die Hagia Sophia in Istanbul als direktes Vorbild. Zwischen 1902 und 1906 errichtet, steht sie mit ihrer gewaltigen Kuppel und den byzantinischen Einflüssen, die beim ersten Blick sofort erkennbar sind, in einem starken Kontrast zu den gotischen und barocken Kirchen der Altstadt.
Das Innere unterstreicht diesen Eindruck: farbenfrohe Fresken bedecken weite Teile der Wände, vergoldete Ikonostasen glänzen im Kerzenlicht, und das Raumgefühl ist deutlich wärmer und ornamentreicher als anderswo in der Stadt. Wer am Sonntagvormittag hier vorbeikommt, sollte auf dem Vorplatz bleiben – die Liturgie wird über Lautsprecher nach außen übertragen und zieht Gläubige wie Besucher gleichermaßen in ihren Bann.
Mein Fototipp: Die aufwendige Außenbeleuchtung macht die Kathedrale bei Nacht zu einem der schönsten Fotomotive in ganz Sibiu – unbedingt nach Einbruch der Dunkelheit vorbeischauen.
Praktische Infos: Die Kathedrale liegt in der Strada Mitropoliei, rund fünf Gehminuten vom Piața Mare entfernt. Der Eintritt ist frei.
7. Weitere Museen in Sibiu

Neben dem Brukenthal-Nationalmuseum hält Sibiu noch einige museale Perlen bereit, die kaum auf dem Radar der meisten Besucher auftauchen – zu Unrecht.
Das Pharmaziemuseum am Kleinen Ring ist eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Untergebracht in der ältesten erhaltenen Apotheke Sibius aus dem 17. Jahrhundert, zeigt es historische Destillationsapparate, alte Rezeptbücher, gläserne Aufbewahrungsgefäße und Kräuterpräparate – ein kleines, aber erstaunlich faszinierendes Kabinett. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag, 10:00–18:00 Uhr, Eintritt 15 RON.
Geschichtsinteressierte sollten das Historische Museum (Muzeul de Istorie) im gotischen Altemberger Haus nicht verpassen. Über 1.900 Exponate erzählen die Geschichte der Stadt und ihrer Bevölkerung – darunter der 1872 zusammengestellte Bestand der städtischen Rüstkammer mit Werkzeugen, Kleidungsstücken und Alltagsartefakten. Dienstag bis Sonntag, 10:00–18:00 Uhr, Eintritt 12 RON/ca. 2,50 Euro.
Das Landeskirchliche Museum, 2007 eröffnet, widmet sich auf 500 Quadratmetern der Geschichte der Siebenbürger Sachsen und der evangelischen Kirche in Rumänien. Altarkunstwerke, Abendmahlsgeräte, Skulpturen und Modelle von Kirchenburgen bilden einen chronologisch gut strukturierten Rundgang, der überraschend viel Gesamteindruck hinterlässt. Montag bis Freitag, 10:00–17:00 Uhr, Eintritt 8 RON/ca. 1,50 Euro.
8. Die Lügenbrücke

Zwischen Kleinem Ring und Unterstadt spannt sich die sagenumwobene Lügenbrücke (Podul Minciunilor) – eines der bekanntesten Wahrzeichen Sibius. Das vollständig aus Gusseisen gefertigte Schmuckstück aus dem Jahr 1859 war die erste Brücke dieser Bauweise in ganz Rumänien, damals eine kleine Sensation.
Woher der Name wirklich stammt, ist eigentlich weniger mystisch als die Legenden vermuten lassen: Da sie nicht auf Pfeilern ruhte, nannte man sie zunächst „Liegebrücke“ – und aus Liegebrücke wurde mit der Zeit Lügenbrücke. Den Rest erledigte die Fantasie der Stadtbewohner. Eine Legende besagt, wer hier lügt, werde von der Brücke verschluckt. Andere erzählen von Händlern mit leeren Versprechen oder Liebenden mit gebrochenen Treueschwüren. Glauben musst du das alles nicht – die Geschichte macht den Ort trotzdem besonders.
Ein kleiner Hinweis vorab: Die Lügenbrücke ist kleiner, als viele erwarten. Wer ein imposantes Bauwerk erwartet, wird überrascht sein – wer einfach einen charmanten, geschichtsträchtigen Fotospot sucht, liegt goldrichtig. Von oben fällt der Blick auf die roten Ziegeldächer der Unterstadt, von unten ergibt sich ein völlig anderer Winkel auf den Kleinen Ring.
Mein Tipp: Geh nicht nur drüber, sondern auch drunter durch – der Weg unter der Brücke führt direkt in die Unterstadt und bietet dabei das schönste Fotomotiv.
9. Stadtmauer, Türme und Philharmonie

Im Mittelalter war Sibiu eine der stärksten Festungsstädte Transsilvaniens – bewehrt mit einst 51 Türmen, von denen heute noch 9 erhalten sind. Den eindrucksvollsten Abschnitt findest du entlang der Zitadellenstraße im Süden der Altstadt, wo drei charakteristische Wehrtürme fast Schulter an Schulter stehen.
Den nördlichen Ausgangspunkt bildet der Zimmermannsturm aus dem 14. Jahrhundert, von wo aus du direkt auf die alte Stadtmauer steigen kannst. Der Weg führt dich bis zum Töpferturm – ein stiller Spaziergang auf mittelalterlichem Mauerwerk, mit Blick auf die Dächer der Unterstadt auf der einen und die belebte Zitadellenstraße auf der anderen Seite. Beide Türme sind begehbar, mit englischsprachigen Infotafeln ausgestattet und für kleines Geld zu besichtigen: geöffnet wochentags von 11:00 bis 18:00 Uhr (außer Dienstag), Eintritt 2 RON. Den südlichen Abschluss bildet der Weberturm, der ehemalige Arkebuserturm, mit 20,75 Metern der kleinste der drei.
Auf der stadtabgewandten Seite öffnet sich ein ruhiger Grünstreifen mit Aussichtspunkten über die Unterstadt – ideal für eine kurze Pause. Gegenüber, in der Zitadellenstraße, warten charmante Cafés und die Philharmonie Sibiu mit dem Theater Hochmeister. Das aufwendig restaurierte Gebäude bespielt sein Programm ganzjährig – ein Blick auf den aktuellen Spielplan lohnt sich auch für Nicht-Klassik-Fans.
Mein Fototipp: Stell dich am frühen Abend an das südliche Ende der Zitadellenstraße – von dort hast du alle drei Türme in einer Linie im Bild, warm beleuchtet von der Abendsonne.
10. Die Unterstadt

Die meisten Sibiu-Besucher bewegen sich ausschließlich im historischen Zentrum – und verpassen damit das älteste und authentischste Viertel der Stadt. Die Unterstadt (Orașul de Jos) war historisch das Quartier der Handwerker und einfachen Bevölkerung, während der Adel und die wohlhabenden Kaufleute oben residierten. Dieser soziale Unterschied spiegelt sich bis heute in der Architektur wider.
Die Gassen sind enger, die Fassaden schlichter, die Farben gedämpfter. Abblätternde Farbe an alten Hauswänden gehört zum Bild – und gerade das macht den Reiz aus. Ein Sibiu, das weniger poliert ist, dafür umso echter. Am Piata Cibin, direkt am gleichnamigen Fluss, hat sich ein lebendiger Marktplatz etabliert. Besonders samstags lohnt sich das Treiben hier – frisches Obst, Gemüse und regionale Spezialitäten aus der Umgebung. Gleich daneben lockt die Patisserie Nutts & Eggs mit selbstgebackenen Köstlichkeiten.
Einen Umweg wert ist das Volksbad Sibiu – ein faszinierendes Badehaus im Stil von Barock und Jugendstil, entworfen vom deutschen Architekten Karl Hocheder. Marmor, Arkadengänge und ein meergrün gekacheltes Wasserbecken machen es zu einem der ungewöhnlichsten Orte in Sibiu. Eintritt je nach Nutzung zwischen 20 und 40 RON.
Von der Oberstadt kommst du entweder über die Pempflingerstiege am Huet-Platz nach unten oder durch den Weg unterhalb der Lügenbrücke – beide Routen sind kurz und gut ausgeschildert.
Mein Fototipp: Die Unterstadt ist ein Paradies für Streetfotografie – verlassene Höfe, verwitterte Fassaden und das echte Alltagsleben Sibius abseits der touristischen Hauptachsen.
Extratipp: Die „Augen von Sibiu“

Die tropfenförmigen Dachfenster sind das unverwechselbarste Merkmal Sibius. Wo immer du durch die Stadt gehst, blicken sie auf dich herab – stumm, ein wenig rätselhaft, irgendwie lebendig.
Ihren Ursprung haben die „Augen von Sibiu“ im 15. Jahrhundert. Ihr eigentlicher Zweck war schlicht praktisch: Die Öffnungen belüfteten die Dachböden, in denen Vorräte wie Getreide, Käse und Fleisch gelagert wurden – die Form ließ Luft zirkulieren, ohne zu viel Sonnenlicht hereinzulassen. Die meisten der heute sichtbaren Versionen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Eine hartnäckige Legende besagt dennoch, sie seien bewusst augenartig gestaltet worden, damit Bewohner unbemerkt das Geschehen auf der Straße beobachten konnten. Ob das stimmt, bleibt offen.
Der beste Ort, um sie bewusst wahrzunehmen, ist die Nicolae-Bălcescu-Straße – die wichtigste Fußgängerzone der Altstadt, gesäumt von Boutiquen, Cafés und Souvenirläden, alle mit diesen charakteristischen Fenstern darüber. Schau beim Schlendern öfter nach oben, besonders in den Nebenstraßen rund um den Kleinen Ring – dort findest du sie in besonders dichter, unrestaurierter Form.
Mein Fototipp: Fotografiere die „Augen“ von unten mit einem leichten Weitwinkel – der Kontrast zwischen den alten Dachziegeln und den tropfenförmigen Fenstern ergibt ein unverwechselbares Motiv.
Gastrotipps für Sibiu

Die Esskultur in Sibiu ist saisonal geprägt, bodenständig und überraschend vielfältig – von rustikalen Gewölberestaurants über Hipster-Cafés bis zu Weinbars. Kein Wunder, dass die Stadt diesen Ruf weit über Rumänien hinaus genießt.
Traditionelle Küche
Die siebenbürgische Küche ist herzhaft und sättigend. Sarmale (gefüllte Kohlrouladen), Mici (gegrillte Hackfleischröllchen), dicke Eintöpfe und frischer Käse aus der Umgebung gehören zu den Klassikern. Zum Abschluss unbedingt Papanași probieren – frittierte Quarkbällchen mit Sauerrahm und Marmelade, ein Dessert, das süchtig macht.
Die Crama Sibiul Vechi (Google Maps), ein Restaurant in einem alten Weinkeller unweit der Altstadt, liefert genau diese Küche in einem Ambiente, das perfekt zur Stadt passt. Abendreservierung empfohlen. Ebenfalls einen Besuch wert ist das La Cuptor (Google Maps) – regionale Küche in üppigen Portionen und bester Qualität.
Mein Tipp: Restaurants direkt am Piața Mare zur Hauptessenszeit meiden – häufig überfüllt und selten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Kaffee und Café-Kultur
Sibiu hat, ähnlich wie die meisten rumänischen Städte, eine lebhafte Café-Szene. Das NOD Prajitoria de Cafe (Google Maps) in der Unterstadt ist ein ganz besonderes Kleinod: ausgewählte Kaffeesorten aus den besten Anbaugebieten der Welt, und wer möchte, kann den Profis direkt bei der Röstung über die Schulter schauen. Gastraum und Rösterei verschmelzen hier zu einem echten Erlebnis.
In der Nähe der Pempflingerstiege lohnt sich Charlie’s Speciality Coffee (Google Maps) für eine Pause nach dem Abstieg in die Unterstadt – mit detailreichen Brunchvariationen, die auch der Ableger Charlie’s 2.0 (Google Maps) in der Oberstadt bietet.
Wein aus der Region
Siebenbürgen hat eine lange Weinbautradition, die sich in den vielen Weinbars und Lokalen der Altstadt widerspiegelt. Mein Lieblingslokal ist das Wine Not? (Google Maps): stilsicheres Ambiente, eine große Auswahl an Tropfen aus regionalen Anbaugebieten, fachkundige Beratung – und ein einladender Außenbereich, der im Sommer kaum zu toppen ist.
Weihnachtsmarkt im Dezember
Ein Besuch im Dezember lohnt sich besonders: Der Weihnachtsmarkt auf dem Piața Mare zählt zu den stimmungsvollsten in ganz Rumänien. Lokale Spezialitäten, Glühwein, handgemachte Waren und eine Schlittschuhbahn – vor einer der schönsten mittelalterlichen Kulissen Europas ein unvergessliches Erlebnis.
Hilfreiche Tipps zu deiner Reise nach Sibiu

Anreise
Sibiu verfügt über einen eigenen internationalen Flughafen (IATA: SBZ). Direktverbindungen aus Deutschland gibt es mit Ryanair, Wizz Air und Lufthansa. Als Alternativen bieten sich der Flughafen Brașov – seit Juni 2023 ebenfalls international angeflogen – sowie Cluj-Napoca (CLJ) an. Von beiden Airports erreichst du Sibiu in rund zwei bis drei Stunden per Mietwagen oder Fernbus.
Fortbewegung vor Ort
Die Altstadt ist kompakt – alle wichtigen Sehenswürdigkeiten erreichst du bequem zu Fuß. Für das ASTRA-Museum fährt die Stadtbuslinie 13 direkt hin, alternativ bringt dich Bolt für rund 3 Euro ans Ziel. Ein Mietwagen lohnt sich, sobald du Tagesausflüge planst: Schäßburg (Sighișoara), das Dorf Biertan mit seiner Kirchenburg oder die Fogarascher Berge mit der Transfogaraschen Hochstraße sind alle einen Abstecher wert.
Beste Reisezeit
April bis Oktober ist die ideale Reisezeit – angenehme Temperaturen zwischen 20 und 30°C, lange Tage und ein volles Veranstaltungskalender. Wer weniger Trubel bevorzugt, reist im Mai, Juni oder September. Im Dezember verzaubert Sibiu mit Schnee und einem der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Rumäniens.
Unterkunft
Im Zentrum gibt es Hotels und B&Bs ab ca. 40–60 Euro pro Nacht. Wer direkt am Piața Mare oder Piața Mică übernachten möchte, sollte frühzeitig buchen. Meine Empfehlung für die Unterstadt: das Epic Boutique (hier Preise checken*), – großzügige, stilvoll eingerichtete Zimmer und unkomplizierter Check-in. Nur wenige Meter bergauf überzeugt das ART Hotel (hier Preise checken*) mit elegantem Interieur und einem Frühstück, das wahlweise im gepflegten Innenhof serviert wird.
Währung und Zahlen
Landeswährung ist der Rumänische Leu (RON) – 1 Euro entspricht etwa 5 RON. Kreditkarten werden in Hotels und größeren Restaurants akzeptiert; in kleinen Lokalen und auf dem Markt ist Bargeld nach wie vor König. Geldautomaten findest du in der Innenstadt an vielen Ecken. Trinkgeld ist in Rumänien üblich – 10% gelten als Standard in Restaurants.
Mein Fazit

Sibiu ist eine Destination, die neugierige Blicke hinter die Fassaden verdient – und belohnt. Was auf den ersten Blick wie eine gut erhaltene Altstadt wirkt, entfaltet sich bei näherem Hinsehen als vielschichtige Geschichte aus mittelalterlicher Macht, transsilvanischer Sachsenkultur und rumänischer Gegenwart. Die Sehenswürdigkeiten reichen von Weltklasse-Kunst über malerische Plätze bis hin zu lebendigen Einkaufsstraßen mit preiswerten Läden, Lokalen und allerlei Handwerkskunst.
Wer sich auf die wichtigsten Highlights konzentriert, kommt mit zwei bis drei Tagen gut aus. Ich empfehle jedoch fünf Tage – dann kombinierst du die Stadt mit Ausflügen in die Karpaten und den Kirchenburgen Siebenbürgens. Wer noch mehr von Rumänien sehen möchte, verlängert die Reise um einen Abstecher nach Bukarest – die facettenreiche Hauptstadt liegt nur rund 280 Kilometer entfernt und bildet einen faszinierenden Kontrast zur beschaulichen Altstadt Sibius.
Mein Feelgood-Faktor: 85 von 100!
Sibiu-Reiseführer
Das waren also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Sibiu. Für noch mehr Tipps empfehle ich dir folgende Reiseführer:
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