Was dein Rücken dir am ersten Tag schon sagen wird

Beginnen wir mit dem Klassiker: Ein zu schwerer Rucksack ist der größte Fehler, den Anfänger beim ersten Weitwandern machen. Die meisten nehmen viel zu viel mit. Dabei braucht man auf einer Fernwanderung oder einem Höhenweg eigentlich nicht viel – wenn man die richtige Ausrüstung hat.
Ich selbst war mit Flo 37 Tage nur mit dem Nötigsten – zwei Merino-T-Shirts und zwei Wanderhosen – unterwegs. Dazu kamen eine dünne Daunenjacke, eine Regenjacke, eine Regenhose und drei Paar Wandersocken. Mein Gepäck: 9 Kilogramm plus zwei Liter Wasser. Flo hatte trotz Kameraausrüstung kaum mehr dabei. Fazit: Es geht. Wirklich.
Ich lese immer wieder in Wanderforen, dass Menschen ihre erste Weitwanderung wegen Erschöpfung und zu schwerem Gepäck abbrechen. Das muss nicht sein. Mein Richtwert: maximal 10 bis 11 Kilogramm Gesamtgewicht, inklusive Wasser. Wer diesen Wert weit überschreitet, merkt schnell, wie der Rücken schmerzt und Anstiege zur Qual werden.
Übrigens: Wer noch keine eigene Ausrüstung hat, findet eine smarte Lösung beim Deutschen Alpenverein oder in Sportfachgeschäften – dort lässt sich hochwertige Ausrüstung leihen. So kannst du deine erste Fernwanderung ausprobieren, ohne sofort viel investieren zu müssen. Wenn die Tour überzeugt – und das wird sie – weißt du danach genau, was du kaufen willst.
Warum deine erste Etappe über Erfolg oder Frust entscheidet

Viele Anfänger machen den Fehler, eine viel zu lange erste Etappe auf ihrem Weitwanderweg zu wählen. Dabei müssen du und dein Körper erst zueinander finden und in einen Wanderrhythmus gelangen. Das geht nur, wenn du deine erste Strecke unter 15 Kilometer wählst. Klingt wenig? Ist es nicht – besonders nicht mit vollem Rucksack und unbekanntem Terrain.
Wichtig dabei: Orientiere dich nicht nur an Kilometern. Im Gebirge zählen Höhenmeter, Wegbeschaffenheit und technische Schwierigkeit viel mehr als die reine Streckenlänge. Plane die ersten zwei bis drei Tage bewusst konservativ, danach kannst du dich langsam auf 20 bis 25 Kilometer pro Tag steigern – wenn dein Körper mitmacht.
Gerade bei der ersten Tour soll der Spaß am Wandern im Vordergrund stehen. Daher lass dich nicht beirren. Auch wenn die ursprüngliche Route vorsieht, dass du gleich 20 Kilometer am ersten Tag machst, buche deine Unterkunft oder deine Hütte nach 15 Kilometern. Geh es lieber ruhiger an. Das ist kein Versagen – das ist schlaue Planung.
Und genau bei den Unterkünften lauert ein Fehler, den erschreckend viele Anfänger machen: Sie buchen gar nicht vor. Gerade in der Hauptsaison kann das zum Problem werden. Hütten im Alpengebiet sind im Sommer oft Monate im Voraus ausgebucht – plane das von Anfang an mit ein. Gleichzeitig gilt: Buche nicht alle Unterkünfte auf einmal durch. Wenn das Wetter nicht mitspielt oder du einen Ruhetag brauchst, wird jede Umbuchung zum Stress.
Denk außerdem von Anfang an an mögliche Ausstiegspunkte. Auf jeder guten Fernwanderroute sollte es Stellen geben, an denen du die Tour notfalls problemlos abbrechen kannst. Wer seinen Plan B kennt, wandert mit viel mehr Leichtigkeit.
Allein für die Psyche wird es ein unglaublich tolles Gefühl sein, wenn du deine erste Etappe geschafft hast, nur ein wenig k.o. bist und keinerlei Probleme hattest.
So planst du deine erste Fernwanderung richtig
Eine schlechte Routenplanung ist der Schlüssel zu vielen Problemen, die bei ersten Fernwanderungen auftreten – und dabei passiert es so leicht. Der Job stresst, die Zeit fehlt, und plötzlich sitzt du schon im Zug zum Startpunkt. Kenne ich. Aber gerade beim ersten Mal ist eine gute Vorbereitung das Einzige, was zwischen einem unvergesslichen Abenteuer und einem vorzeitigen Abbruch steht.
Mein Appell: Nimm die Planung deiner ersten Weitwanderung ernst und gehe sie akurat an.
Was du konkret brauchst:
Starte mit einem guten Wanderführer oder einer App wie Komoot oder Ourdooractive, um die Route Etappe für Etappe durchzugehen. Achte dabei nicht nur auf Kilometer, sondern auch auf Höhenmeter, Wegbeschaffenheit und Versorgungsmöglichkeiten. Markiere dir außerdem bereits bei der Planung mögliche Ausstiegspunkte – das gibt dir Sicherheit unterwegs.
Dann ist da noch ein Punkt, den die meisten völlig vergessen: die körperliche Vorbereitung. Für eine Weitwanderung musst du kein Leistungssportler sein – aber eine solide Grundlagenausdauer und Trittsicherheit helfen enorm. Fang mindestens zwei bis drei Monate vor der Tour an, regelmäßig längere Strecken zu laufen, gerne auch mit Rucksack und ein paar Höhenmetern. Bei solchen Trainings-Touren kannst du auch gut die Ausrüstung testen. Oft merkt man nämlich erst bei längeren Distanzen, dass es irgendwo zwickt oder drückt.
Und dann: Wähle die richtige Route. Deutschland bietet viele einfache Fernwanderwege für Anfänger. Ideal sind gut markierte Routen mit moderaten Etappen und guter Infrastruktur. Wir haben auf unserer Seite zwei ausführliche Artikel, die dir dabei helfen: Schau dir unsere schönsten Mehrtageswanderungen in Deutschland an – oder stöbere durch die schönsten Fernwanderwege in Süddeutschland, wenn du in Bayern, Baden-Württemberg oder Österreich starten möchtest. Dort findest du für jeden Fitnessstand die passende Route.
Füße retten, bevor der Schmerz kommt

Kein Thema taucht in Wanderforen so häufig auf wie dieses: Blasen. Und fast immer steckt derselbe Fehler dahinter – Wanderschuhe, die vor der Tour nicht eingelaufen bzw. getestet wurden (manche Schuhe passen einem einfach nicht). Ich möchte nochmal betonen: Ein gutes Schuhwerk entscheidet darüber, ob du deine Weitwanderung fortführen kannst oder nicht.
Was macht einen guten Wanderschuh für die erste Fernwanderung aus? Achte auf knöchelhohen Halt, ein gutes Sohlenprofil für wechselndes Terrain und – je nach Jahreszeit und Route – auf Wasserabweisung. Lass dich im Fachgeschäft beraten und teste den Schuh mit den Wandersocken, die du auch auf der Tour tragen wirst. Ein Schuh, der im Laden perfekt sitzt, kann nach zehn Kilometern zum Feind werden – wenn er nicht langsam eingelaufen wird.
Und genau das ist der Punkt: Lauf deine Schuhe ein. Nicht am Tag vor der Tour, nicht auf dem ersten Kilometer des Weitwanderwegs. Trag sie Wochen vorher auf kürzeren Spaziergängen, dann auf Tagestouren, dann mit Rucksack. Dein Fuß muss sich an den Schuh gewöhnen – nicht andersherum.
Wichtig ist, präventiv gegen Blasenbildung vorzugehen. Sind der Schmerz und die Blase bereits da, kannst du nicht mehr viel machen. Wenn du während des Laufens merkst, dass dich der Schuh an einer Stelle drückt: Klebe diese Stelle sofort mit einem Pflaster ab – nicht erst nach einer Stunde. Das kann Blasen effektiv vorbeugen und starke Schmerzen verhindern. Blasenpflaster würde ich nur im Notfall nutzen. Oft ruinieren die nämlich deine Wandersocken!
Und dann sind da noch die Socken, einer der am meisten unterschätzten Ausrüstungsgegenstände – und doch so extrem wichtig. Es gibt Sockenarten, die von vornherein so konzipiert wurden, um Blasen zu verhindern – etwa die Marke Wrightsocks mit zwei Sockenlagen gegen Blasen. Ich persönlich mag das aber nicht. Ich nutze normale Wandersocken, am liebsten aus Merinowolle. Daran siehst du schon: Jeder Fuß ist anders. Probiere also verschiedene Socken aus, bevor du losziehst – am besten direkt beim Einlaufen der Schuhe.
Der Rucksack entscheidet – schon nach zwei Stunden

Kommen wir zu einem weiteren Thema, das viele unterschätzen, bis es zu spät ist: ein schlecht sitzender Rucksack. Das ist oft noch die Krönung aller anderen Fehler. Du hast zu viel eingepackt, die erste Etappe zu lang gewählt – und dann drückt der Rucksack auch noch an Stellen, wo er nicht drücken sollte. Das Ergebnis: Rückenschmerzen und Schulterschmerzen schon nach wenigen Kilometern.
Deshalb: Lass dich im Fachgeschäft beraten. Nicht online kaufen, nicht auf gut Glück. Ein Wanderrucksack muss auf deinen Körper angepasst sein – und das geht nur mit einer Beratung vor Ort. Bei unseren Gregory-Rucksäcken etwa wird vorher der Rücken vermessen und dann anhand einer Tabelle die richtige Größe ausgewählt. Erst dann wird der Rucksack individuell eingestellt. Somit kannst du mit Gewissheit sagen, dass zumindest die Größe schon mal stimmt.
Was du bei der Wahl beachten solltest: Für eine mehrtägige Fernwanderung empfehle ich einen Rucksack zwischen 40 und maximal 55 Litern. Ich selbst komme selbst auf mehrwöchigen Wanderungen sehr gut mit 35 bis 40 Litern aus (dann allerdings ohne Zelt/Biwakausrüstung) – genug Platz für alles Notwendige und keine Möglichkeit, zu überladen.
Achte auf einen breiten, gepolsterten Hüftgurt, der das Gewicht von der Schulter auf die Hüfte verlagert, und auf eine gute Rückenbelüftung, damit du auch an heißen Tagen nicht komplett durchschwitzt.
Genauso wichtig wie der Rucksack selbst: wie du ihn packst. Die schweren Gegenstände gehören nah an den Rücken und mittig in den Rucksack. Leichte Sachen wie Daunenschlafsack oder Daunenjacken kommen nach unten und oben. Was du unterwegs häufig brauchst – Regenjacke, Snacks, Handy – gehört nach ganz oben oder in die Seitentaschen. Klingt simpel. Ist es auch. Aber kaum jemand macht es beim ersten Mal richtig.
Wenn der Rucksack dann noch richtig eingestellt ist, optimal sitzt und du ihn klug gepackt hast, wirst du auch nach langen Etappen auf deiner ersten Weitwanderung keine Rückenschmerzen bekommen. Versprochen.
Was wirklich in deinen Rucksack gehört – und was nicht

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt, den viele beim Weitwandern falsch machen: die Ausrüstung. Nicht zu viel – das wissen wir bereits. Aber auch nicht das Falsche. Denn billiges oder ungeeignetes Equipment kann eine Tour genauso ruinieren wie ein zu schwerer Rucksack.
Mir selbst ist das schon passiert. Früher hatte ich eine schwere Luftmatratze dabei – groß, klobig, hat einen Großteil meines Rucksacks ausgefüllt. Ich habe daraus gelernt: Investiere in leichte, hochwertige Produkte. Ein uralter Rucksack sieht zwar schön retro aus, bereitet dir aber ziemlich sicher Rückenschmerzen. Und ein Baumwoll-T-Shirt wird ein Merino-Shirt nie ersetzen können.
Warum Merino? Weil es temperaturregulierend wirkt, kaum Geruch annimmt und schnell trocknet. Das bedeutet: dasselbe Shirt mehrere Tage tragen, ohne dass es unangenehm wird. Auf dem Alpe Adria Trail war genau das für uns der Gamechanger. Wir haben junge Menschen gesehen, die offensichtlich zu viel und zu schlechte Ausrüstung dabei hatten – mit völlig überladenen 20-Kilogramm-Rucksäcken die Berge hochgestapft. Das muss nicht sein – und auch diese Lektion musste ich selbst schmerzhaft lernen.
Was sollte wirklich dabei sein? Hier meine Grundausstattung für Anfänger:
Kleidung & Schutz: Neben den bereits erwähnten Wanderschuhen zwei Merino-T-Shirts, zwei Wanderhosen, eine dünne Daunenjacke, eine Regenjacke und Regenhose, drei Paar Wandersocken. Dazu Sonnenbrille, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenpflege mit UV-Schutz und eine Mütze oder Kappe – gerade auf exponierten Höhenwegen unterschätzen Anfänger die Sonne gewaltig.
Sicherheit & Navigation: Ein kleines Erste-Hilfe-Set, eine Stirnlampe – denn auf langen Touren läuft man manchmal im Dunkeln los oder kommt abends in die Dämmerung – sowie ein Taschenmesser und eine geladene Powerbank fürs Handy. Außerdem: immer etwas Bargeld dabei. Hütten im Gebirge akzeptieren oft keine Karte.
Technik: Eine gute Wander-App wie Komoot oder Outdooractive ersetzt in vielen Fällen den gedruckten Wanderführer – und nimmt kaum Gewicht weg.
Generell gilt: Gute Ausrüstung kommt immer wieder zum Einsatz. Was sich heute teuer anfühlt, rechnet sich über viele Touren hinweg. Wer in hochwertige Produkte investiert, wandert langfristig leichter, trockener und sicherer – auf jeder Fernwanderung, egal wohin.
Essen und Trinken auf dem Trail – was wirklich zählt

Essen und Trinken ist auf Weitwanderungen auch immer wieder ein Thema, das Anfänger fast immer falsch angehen – in beide Richtungen. Die einen nehmen viel zu viel mit und schleppen unnötiges Gewicht. Die anderen unterschätzen, wie viel Energie ein langer Wandertag kostet. Beides kann zum Problem werden.
Fangen wir beim Trinken an. Meine Empfehlung: Starte mit mindestens zwei Litern Wasser. Bei Hitze oder langen Etappen mit vielen Höhenmetern deutlich mehr. Informiere dich vor jeder Etappe, wo du Wasser auffüllen kannst. Das ist auf den meisten gut erschlossenen Fernwanderwegen in Deutschland und Österreich kein Problem, aber plane es trotzdem bewusst ein.
Ob du eine Trinkblase oder eine Trinkflasche nimmst, ist Geschmackssache. Die Trinkblase hat den Vorteil, dass du jederzeit trinken kannst, ohne anzuhalten – der Schlauch ist direkt am Rucksackriemen befestigt. Ich konnte mich damit aber nie wirklich anfreunden, weil das Wasser einen Plastik-Nachgeschmack bekommt. Ich nutze lieber auffüllbare Wasserflaschen.
Ein Tipp, den kaum jemand kennt: Bei sehr langen Etappen reicht reines Wasser irgendwann nicht mehr. Dein Körper verliert beim Schwitzen nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralien. Elektrolyttabletten – leicht, günstig, kaum Gewicht – können an solchen Tagen echte Wunder wirken. Einfach ins Wasser, fertig.
Beim Essen gilt dasselbe wie beim Gepäck: weniger ist mehr. Wenn du durch Ortschaften oder an Hütten vorbeikommst, kaufe lieber frisch nach, als alles von Anfang an mitzuschleppen. Im Supermarkt findest du abends meist alles, was du brauchst. Ich mag besonders gerne Knäckebrot mit vegetarischem Aufstrich oder auch ein leckeres Stück Käse.
Wenn du von Hütte zu Hütte wanderst: Iss dort. Unterstütze die Hüttenwirte und genieß das Essen nach einem langen Wandertag. Nach einer anstrengenden Etappe gibt es ohnehin nichts Besseres als ein warmes Hüttenessen. Plane dafür ein realistisches Budget ein.
Für alle, die ohne Hütten unterwegs sind: Ein leichter Gaskocher und ein kleiner Topf gehören ins Gepäck. Mein persönlicher Favorit für die einfache Trailküche ist Couscous mit Gemüsebrühwürfel – wenig Gewicht, kaum Wasser nötig, quillt auf, macht satt. Mische dir den Couscous schon zuhause mit dem Brühwürfel in einer Dose zusammen. Du kannst aber auch auf Trockengerichte setzen, die es mittlerweile in allen möglichen Variationen gibt.
Und dann ist da noch der Notfall-Riegel. Ich habe immer mindestens einen dabei. Hütten können geschlossen sein, der nächste Supermarkt weiter weg als gedacht.
Und Achtung: Informiere dich vorher über lokale Feiertage – in manchen Regionen hat an Feiertagen buchstäblich alles zu. Als ich auf dem Alpe Adria Trail 37 Etappen und 700 Kilometer unterwegs war, habe ich meine Vorräte regelmäßig in Supermärkten aufgefüllt. Nüsse, eine Banane, ein Riegel – das reicht als Puffer für unvorhergesehene Momente.
Wo du anfangen solltest – Weitwanderwege für Einsteiger
Tipps sind das eine. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wo gehst du eigentlich hin? Denn ohne die richtige Route nutzen die besten Vorbereitungstipps wenig. Lass mich dir ein paar konkrete Empfehlungen geben – für Deutschland, Österreich und darüber hinaus.
Deutschland: Viel Auswahl, perfekte Infrastruktur

Deutschland bietet viele einfache bis mittelschwere Fernwanderwege für Anfänger. Ideal sind gut markierte Routen mit moderaten Etappen und guter Infrastruktur. Der Rennsteig im Thüringer Wald, der Malerweg in der Sächsischen Schweiz (mittelschwer) oder der Westweg im Schwarzwald (mittelschwer) sind tolle Einstiege. Auch der Harzer Hexenstieg bietet abwechslungsreiche Natur ohne extreme Anforderungen.
Für Einsteiger in Süddeutschland empfehle ich besonders den Lechweg. Er führt auf 125 Kilometern in 6–8 Etappen vom Formarinsee in Arlberg bis nach Füssen im Allgäu, im Schnitt zwischen 13 und 25 Kilometer pro Tag. Es gibt in regelmäßigen Abständen Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten, da der Weg immer wieder durch Ortschaften führt. Zur Hauptsaison solltest du Unterkünfte auf jeden Fall vorbuchen.
Ebenfalls ideal für Anfänger ist der Goldsteig in Bayern – vor allem die relativ kurze Südroute mit 243 Kilometern und 14 Etappen von Neunburg vorm Wald nach Passau. Sie führt durch fünf Naturparks, ist als Qualitätswanderweg ausgezeichnet und bietet an jeder Etappe Unterkunftsmöglichkeiten. Für alle, die lieber etwas kürzere Touren bevorzugen: Der Heidschnuckenweg von Hamburg nach Celle (223 Kilometer, zehn bis 13 Etappen) ist flach, gut markiert und absolut anfängerfreundlich.
Eine ausführliche Übersicht mit allen Etappen, Streckenlängen und Wanderführern findest du in unserem Artikel über die schönsten Mehrtageswanderungen in Deutschland. Wer speziell im Süden unterwegs sein möchte, findet in unserem Artikel über Fernwanderwege in Süddeutschland zehn ausführlich beschriebene Routen – vom Altmühltal Panoramaweg bis zum Neckarsteig.
Österreich: Genuss pur auf moderaten Wegen

Auch Österreich hat einige leichte Weitwanderwege, die sich perfekt für Anfänger eignen. Der Welterbesteig Wachau etwa kombiniert Weinberge und Kulturlandschaft.
Besonders empfehlenswert für den Einstieg ins Weitwandern ist auch der Salzburger Almenweg: Auf rund 350 Kilometern führt dich der Weg durch die sanfte bis eindrucksvolle Bergwelt des Salzburger Landes, meist auf angenehmen Höhen zwischen 1.000 und 2.000 Metern. Wichtiger Hinweis: Du musst nicht alles gehen. Der Almenweg ist als Rundweg konzipiert mit 25 Etappen. Für Einsteiger sind einzelne Abschnitte z. B. im Pongau ideal, weil man fast überall „aussteigen“ oder ins Tal abfahren kann.
Wer es noch sanfter angehen möchte, dem empfehle ich den Via Paradiso am Millstätter See: In vier entspannten Etappen umrundest du den Millstätter See, wanderst auf sanften Wegen durch Wälder und entlang aussichtsreicher Uferpfade – immer begleitet vom Blick auf Wasser und Berge. Schöner kann ein erster Fernwanderweg kaum sein.
Europa: Wenn du weiter träumst

Europa bietet eine Vielzahl an Fernwanderwegen, die sich auch für Einsteiger eignen – mit guter Infrastruktur, moderaten Etappen und atemberaubender Landschaft. Ob sanfte Küstenpfade, idyllische Flusswege oder gut markierte Gebirgstouren.
Mein persönlicher Tipp für die erste große Fernwanderung in Europa: der Alpe Adria Trail. Flo und ich sind ihn auf 37 Etappen und 700 Kilometern komplett gewandert – vom Großglockner durch Kärnten und Slowenien bis ans Adriatische Meer. Er ist landschaftlich spektakulär, gut erschlossen, mit hervorragender Hütteninfrastruktur und trotz seiner Länge auch etappenweise absolut machbar. Wer kürzer einsteigen möchte, wählt einfach einzelne Abschnitte.
❓ Häufige Fragen zum Weitwandern für Anfänger
❓ Was ist der Unterschied zwischen Weitwandern, Fernwandern und Trekking?
Beim Weitwandern und Fernwandern wanderst du mehrtägig auf markierten Wegen von Unterkunft zu Unterkunft – also in Hotels, Pensionen oder Berghütten. Die Begriffe werden oft synonym verwendet, wobei Fernwandern eher auf sehr lange Routen von mehreren Wochen hindeutet. Trekking hingegen bedeutet, dass du dein Nachtlager selbst trägst – also mit Zelt, Schlafsack und Kocher in der Wildnis übernachtest. Für Anfänger ist Weitwandern der deutlich bessere Einstieg, weil die benötigte Ausrüstung überschaubar bleibt und du abends in einer Hütte oder einem Gasthaus ankommst.
❓ Wie lang sollten die ersten Etappen beim Weitwandern sein?
Für die erste mehrtägige Wanderung sind in den ersten zwei bis drei Tagen Strecken zwischen 10 und 15 Kilometern pro Tag ideal. Danach kannst du dich langsam auf 20 bis 25 Kilometer steigern – wenn dein Körper mitmacht. Wichtig: Orientiere dich nicht nur an Kilometern. Im Gebirge zählen Höhenmeter und Wegbeschaffenheit oft mehr als die reine Streckenlänge. Lieber eine Etappe kürzer planen und frisch ankommen, als erschöpft aufgeben müssen.
❓ Wie schwer sollte mein Rucksack beim Weitwandern sein?
Als Richtwert gilt: maximal 10 bis 11 Kilogramm Gesamtgewicht, inklusive Wasser. Die meisten Anfänger packen zu viel ein – und bereuen es spätestens nach dem ersten Anstieg. Merino-Kleidung, leichte Funktionsjacken und kompakte Schlafsäcke helfen dabei, das Gewicht zu reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten. Lass dich im Fachgeschäft beraten und den Rucksack auf deine Körpergröße einstellen – ein falsch sitzender Rucksack verursacht Rückenschmerzen, egal wie leicht er ist.
❓ Wie weit im Voraus sollte ich Hütten und Unterkünfte buchen?
Das hängt stark von der Region und der Jahreszeit ab. In der Hauptsaison im Juli und August sind Hütten in den Alpen oft Monate im Voraus ausgebucht. Im September lässt der Andrang deutlich nach. Grundregel: Im Zweifel lieber zu früh als zu spät buchen – aber nicht alle Unterkünfte der gesamten Tour auf einmal reservieren. Wenn du einen Ruhetag einlegen oder eine Etappe verschieben musst, werden zu viele feste Buchungen zum Stress.
❓ Welche Weitwanderwege eignen sich für absolute Anfänger in Deutschland?
Für Einsteiger besonders geeignet sind gut markierte Routen mit moderater Steigung und guter Infrastruktur. Meine Empfehlungen: der Lechweg in Bayern und Vorarlberg (125 km, 6–8 Etappen), der Heidschnuckenweg von Hamburg nach Celle (223 km, sehr flach), der Goldsteig Südroute in Bayern (243 km, 14 Etappen) oder der Harzer Hexenstieg (94 bis 107 km, 5–6 Etappen). Eine ausführliche Übersicht findest du in unserem Artikel über die schönsten Mehrtageswanderungen in Deutschland.
❓ Wie bereite ich mich körperlich auf eine Weitwanderung vor?
Für eine Weitwanderung musst du kein Leistungssportler sein – aber eine solide Grundlagenausdauer hilft enorm. Fang mindestens zwei bis drei Monate vor der Tour an, regelmäßig längere Strecken zu laufen, gerne auch mit Rucksack und einigen Höhenmetern. Krafttraining für Beine und Rumpf sowie Dehnübungen schaden nicht. Nutze diese Trainingstouren gleichzeitig, um deine Ausrüstung zu testen – erst bei längeren Distanzen merkst du, ob Schuhe, Rucksack und Kleidung wirklich passen.
❓ Was esse ich auf einer Weitwanderung?
Das hängt davon ab, ob du von Hütte zu Hütte wanderst oder selbst kochst. Bei Hüttentouren empfehle ich, abends direkt auf der Hütte zu essen – es gibt nichts Besseres nach einem langen Tag. Tagsüber reichen Knäckebrot, Nüsse, Riegel und frisches Obst aus dem nächsten Supermarkt. Wer im Freien kocht: Couscous mit Gemüsebrühwürfel ist mein Geheimtipp – leicht, schnell, sättigend. Vergiss außerdem nicht, an heißen oder langen Tagen Elektrolyttabletten ins Wasser zu geben – dein Körper verliert beim Schwitzen mehr als nur Flüssigkeit.
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