Fotografieren lernen für Anfänger
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Fotografieren lernen: Tipps für Anfänger

Du kennst den Spruch bestimmt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das trifft natürlich auch für die Fotografie zu. Eine Faustregel besagt: Die ersten 10.000 Fotos sind die schwersten.

Wenn du dich mit der Technik deiner Kamera beschäftigst und regelmäßig raus zum Fotografieren gehst, wirst du schnell Fortschritte verzeichnen. Aber natürlich ist es gerade für Anfänger ohne Vorwissen nicht immer ganz einfach, alles Fotowissen gleich so umzusetzen, dass man tolle Fotos mit nach Hause bringt. Doch was sind eigentlich die besten Fototipps für Anfänger, um schnell das Fotografieren zu lernen?

Aktualisiert am 11.08.2022

So gelingen dir als Anfänger garantiert tolle Fotos

Fotografieren lernen – aber richtig

Und was versteckt sich hinter so Begriffen wie Blende, ISO, Belichtungszeit oder Beugungsunschärfe? Und wie ist das mit Filtern? Mit unserem Foto-Guide wirst du sehen: Fotografieren lernen ist gar nicht so schwer, wie du vielleicht denkst. Wenn du unsere Tipps berücksichtigst, wirst du deine Foto-Skills in eine ganz neue Ära führen und bald unglaublich tolle Fotos mit deiner Kamera schießen. Versprochen.

Blick ins Buch

Ein Wort zur richtigen Kamera

Moderne Kameras – egal ob Spiegelreflexkamera (DSLR) oder Systemkamera (DSLM) – sind in der Lage, ganz hervorragende Fotos zu machen. Es spielt wirklich keine große Rolle, ob du zu Canon, Sony, Fujifilm, Nikon oder zu einer anderen bekannten Fotomarke greifst. Es gibt in der heutigen Zeit keine schlechten Kameras mehr (billige noname Produkte aus Fernost einmal ausgenommen. Aber keine Sorge: So etwas bekommst du aber in keinem seriösen Fachgeschäft). Es ist wirklich auch völlig egal, ob du zur DSLM oder zur DSLR greifst. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Bei der Bildqualität unterscheiden sie sich nicht! Es kommen ja dieselben Bildsensoren zum Einsatz. Hier findest du einen  Vergleich zwischen DSLM und DSLR.

Es ist übrigens immer eine gute Idee, sich Fotos anderer Fotografen anzuschauen. Das schult den fotografischen Blick, ohne den jedes Foto zum Scheitern verurteilt ist. Da hilft auch die beste Kamera nichts. Hier findest du unser E-Book 101 Fotografien und die Geschichte dahinter

Die Sensorgröße

Bleibt höchstens die Frage: Mittelformat, Vollformat, APS-C, Micro Four Thirds (4/3) oder 1 Zoll? Mittelformatkameras überzeugen zwar mit einer unglaublich guten Bildqualität, scheiden wegen des enormen Preises und des hohen Gewichts aber für 99,9 Prozent der Nutzer aus.

Verschiedene Sensorgrößen im Vergleich
Hier siehst du die verschiedenen Sensorgrößen im direkten Vergleich

Vollformat, APS-C und Co.

Die meisten Profis setzen aufs Vollformat (hier ist der Bildsensor so groß wie früher Negative und Dias (24 × 36 mm). Aber auch viele Hobbyfotografen greifen gerne zum Vollformat. Vollformatkameras sind leider nicht günstig (zwischen 800 und 6000 Euro nur fürs Gehäuse) und auch die Objektive können richtig ins Geld gehen. Die Bildqualität reicht locker aus, um Fotos auf zwei Meter Größe aufzuziehen.

Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor gibt es mit Einsteigerobjektiv bereits ab etwa 400 Euro. Dass solche Einsteigerobjektive natürlich nicht die besten Ergebnisse liefern, sollte klar sein. Kommt es dir vor allem aufs Gewicht an, greifst du zu einer Kamera mit APS-C-Sensor oder einem noch kleinerem Sensor (Micro Four Thirds) und nicht zum Vollformat.

Gerade bei den „kleinen“ Sensoren hat sich in den vergangenen Jahren extrem viel getan. Wenn du deine Fotos nur stark verkleinert im Internet oder gar nur auf Instagram (überleg mal, wie winzig ein Smartphone-Display ist) veröffentlichst, wird kein Mensch einen Unterschied zwischen Vollformat, APS-C oder Micro Four Thirds feststellen. Selbst auf einem DIN-A4-Druck wirst du nicht sagen können, mit welchem Sensor das Foto geschossen wurde.

Jetzt kommen aber noch einige großes Aber: Je größer der Sensor, desto besser kannst du ein Foto im Nachhinein beschneiden. Zudem haben größere Sensoren (zumindest bei einer geringeren Pixeldichte, also nicht bei den Kleinbildsensoren mit 40 und mehr Megapixeln) in Sachen Rauschverhalten bei hohen ISO-Zahlen die Nase vorne. Außerdem gibt es speziell für Vollformatkameras extrem lichtstarke Objektive (die leider sauteuer und oft groß und schwer sind), von denen Nutzer von APS-C-Kameras (oder von Kameras mit noch kleineren Sensoren) nur träumen können. Auch People- und Hochzeitsfotografen setzen in der Regel aufs Vollformat. Warum? Weil du mit Vollformat-Kameras Personen noch besser freistellen kannst. Der Hintergrund verschwimmt hier noch besser in der Unschärfe. Vollformatkameras sind aber nicht per Se die beste Wahl. Es kommt wirklich ganz darauf an, was du fotografieren willst.

Ohnehin solltest du viel mehr Geld in gute Objektive investieren als ins Kameragehäuse. Die Kit-Objektive, die den Kameras oft beiliegen, reichen für Alltagssituationen bei guten Lichtverhältnissen. Für spezielle Anwendungen (etwa Makros, Tierfotografie, Porträts, Landschaften) oder die Low-Light-Fotografie (etwa in dunklen Räumen) brauchst du ganz spezielle Objektive.

Selbst mit modernen Smartphones (zu unseren  Fototipps fürs Smartphone) kannst du heute sehr gute Bilder schießen. Und: die beste Kamera ist bekanntlich die, die du immer dabei hast. Wenn du die Bilder nur im Internet zeigen willst, ist bei halbwegs guten Lichtbedingungen ohnehin kein Unterschied in der Bildqualität der verschiedenen Systeme zu erkennen. Wetten?

Eine Straße in den Westfjorden
(Bild 1) Island: Eine Straße in den Westfjorden. Aber mit welchem Kamerasystem wurde das Foto geschossen?
Zypressen-Allee
(Bild 2) Toskana: Eine typische Szene in der Toskana.
Zugspitz-Gipfel zur Blauen Stunde
(Bild 3) Zugspitze: Zur Blauen Stunde sind die Kontraste schön weich und die Farben kommen richtig zur Geltung.

Die Motive unterscheiden sich deutlich. Aber kannst du auf dem Computer oder dem Smartphone einen Unterschied bei der Qualität feststellen? Das ist schwierig, oder?

Bild 1 entstand mit einer APS-C-Kamera, Bild 2 mit einer Vollformat-Kamera und Bild 3 mit dem Smartphone. In der Detailansicht der Original-Fotos siehst du natürlich große Unterschiede. Auch hast du bei der Kamera, egal ob Vollformat, APS-C-Sensor oder Micro Four Thirds-Sensor, natürlich viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten durch den Einsatz verschiedener Objektive. Fürs Web oder kleine Ausdrucke reicht aber eben oft auch das Smartphone, zumal immer mehr Geräte mit zwei oder drei Objektiven mit verschiedenen Brennweiten ausgestattet sind und die Software immer leistungsfähiger wird.

Dennoch: Willst du wirklich richtig kreativ sein, jede nur erdenkliche Szene fotografisch festhalten können und den Spaß an der Fotografie spüren, führt kein Weg an einer richtigen Kamera (am besten mit Wechselobjektiv) vorbei.

Leg doch einfach los

Es gibt da ja dieses tolle Zitat von Starfotograf Helmut Newton:

Chefkoch: „Ihre Fotos gefallen mir. Sie haben bestimmt eine gute Kamera.“ Helmut Newton: „Das Essen war ausgezeichnet. Sie haben bestimmt gute Töpfe.“

Das sagt alles. Statt dir wochenlang über die Technik den Kopf zu zerbrechen, solltest du dein fotografisches Auge schulen und üben, üben, üben! Die Kamera ist nur Mittel zum Zweck – und nicht mehr. Ein guter Fotograf macht mit dem Smartphone ein spannenderes Foto als jemand, der eine Tausende teure Ausrüstung besitzt, aber keinen Blick für Motive und spannende Situationen hat. Und um dir deine Entscheidung bezüglich der richtigen Kamera etwas zu erleichtern, haben wir hier für dich eine umfassende  Kamera-Kaufberatung.

Joshua Tree Nationalpark bei Nacht
Kalifornien: Die Kamera ist nur Mittel zum Zweck – das Foto macht der Fotograf. Nikon D810, 14 mm, f/3.2, ISO 2500, 25 Sekunden

Fotografieren lernen – Übung macht den Meister

Wie gesagt: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Meine erste „große“ DSLR war vor vielen Jahren eine digitale Canon (eine Einsteiger DSLR). Davor war ich mit eher einfachen Digitalkameras und davor mit einer analogen Kamera unterwegs. Richtig intensiv mit der Fotografie beschäftige ich mich erst seit dem Wechsel auf die DSLR. Wenn du das erste Mal so eine große Kamera in der Hand hast, glaubst du bestimmt, jetzt machst du ganz automatisch bessere Fotos. Das dachte ich damals auch. Doch weit gefehlt! Meine Fotos mit der neuen DSLR waren viel schlechter als die Fotos mit der einfachen Digitalkamera. Kennst du das auch? Trotz neuer Kamera werden deine Bilder schlechter als zuvor? Da bist du wirklich nicht alleine auf der Welt.

Bevor du mit grandiosen Fotos belohnt wirst, musst du ein paar Grundlagen der Fotografie lernen und verinnerlichen. Aber keine Sorge: das ist nicht so schwer, wie du jetzt vielleicht denkst. Aber ich will auch ganz ehrlich sein: ohne Übung wirst du deinem Ziel nicht näherkommen!

Berchtesgadener Land: Ist es windstill, entstehen tolle Fotos an Seen, in denen sich alles spiegelt. Canon EOS 5D Mark II, 20 mm, f/13, ISO 100, 2,5 Sekunden

Der größte Fehler, den Einsteiger aus meiner Sicht machen können, ist zu glauben, dass teure Kameras automatisch bessere Fotos machen.

Kai Behrmann (Artofcreativephotography.com)

Fotografieren lernen Kapitel 1: Die verschiedenen Modi an der Kamera

Der Automatikmodus – der Start in die Fotografie

Jede Kamera besitzt einen Automatikmodus. Die meisten Anfänger starten genau auf diese Art in die Fotografie. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, ich habe es damals nicht anders gemacht. Der Automatikmodus liefert bei modernen Kameras bei guten Lichtbedingungen meist gute Resultate. Die Kamera weiß aber natürlich nicht, wie du dir das Foto eigentlich genau vorstellst. Willst du, dass das ganze Bild von vorne bis hinten scharf wird? Diese Technik wendet man etwa oft in der Landschaftsfotografie an. Oder aber machst du ein Porträt, bei dem der Hintergrund unscharf werden soll? Moderne Kameras erkennen sogar solche Szenen meist ganz gut (oder du stellst an der Kamera den entsprechenden Modus ein) und stellen alle Variablen wie Blende, ISO und Belichtungszeit ohne dein Zutun ein.

Neben der Automatik gibt es natürlich noch die Motivprogramme. Hier kannst du der Kamera vorgeben, dass du etwa einen Menschen, eine Landschaft oder einen Strand fotografierst. Die Kreativität geht hier aber meiner Meinung nach ziemlich verloren. Das, was die Motivprogramme können, kannst du mit ein wenig Übung doch viel besser!

Halbautomatische Modi – auf dem Weg zum Profi

Neben dem Automatikmodus gibt es noch halbautomatische Modi, die ich je nach Situation auch sehr gerne nutze:

Der manuelle Modus – die Königsklasse

Um wirklich bewusst zu fotografieren, ist es aber natürlich besser, wenn du die volle Kontrolle über alle Variablen (Blende, Belichtungszeit, ISO) hast. Nur so kannst du das Foto wirklich so aufnehmen, wie du es dir vorstellst.

Ein guter Fotograf kann übrigens jedes Foto reproduzieren. Glück spielt dabei keine Rolle (von Lichtsituationen wie einem dramatischen Wolkenhimmel, also Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst, einmal abgesehen). Um alle Parameter an der Kamera einstellen zu können, musst du die Kamera auf den manuellen Modus (M wie manuell) stellen. Jetzt kannst du alle Werte exakt einstellen, die Kamera ist nur noch ein Werkzeug.

Stellrad bei der Canon EOS M50
Bei der Canon EOS M50 wechselst du per Stellrad zwischen den verschiedenen Modi. Hier ist aktuell der manuelle Modus (M) eingestellt.
Anzeigedisplay bei der Nikon D810
Bei der Nikon D810 – einer Profikamera – wechselst du die Modi mit gleichzeitigem Drücken der „Mode“-Taste und Drehen am Stellrad. Die Kamera ist aktuell auf Zeitautomatik (Nikon nennt das „A“) gestellt.

Gerade Anfänger folgen immer noch dem Irrglauben, dass die Qualität der Kamera ausschlaggebend für die Qualität der Bilder ist, doch entscheidend ist vor allem das Thema Bildaufbau, Perspektiven und natürlich die Kreativität.

Christian Hubo (Feel4Nature.com)

Fotografieren lernen Kapitel 2: die Kamera-Einstellungen Blende, Belichtungszeit & ISO

Um wirklich bewusst zu fotografieren, musst du natürlich wissen und verstehen, was die einzelnen Parameter an der Kamera bedeuten und was sie wie beeinflussen. Bevor du weiterliest, schau dir doch mal unsere Grafik zum Thema Blende, Belichtungszeit und ISO an. Diese Übersicht macht es sicher ein wenig leichter, alles auch schnell zu verstehen.

Fotografen-Spickzettel mit Blende, Belichtungszeit und ISO
Unser Fotografen-Spickzettel verschafft dir einen schnellen Überblick über Blende, Belichtungszeit und ISO.

Foto-Spickzettel kostenlos downloaden

Du kannst dir unseren Spickzettel hier kostenlos downloaden (PDF) und im Scheckkartenformat (85,6 × 54,0 mm) ausdrucken. Am besten natürlich auf dünnem Karton.

Die Blende

Mit der Blende (ich nutze in diesem Artikel die Schreibweise f/Blendenzahl) steuerst du zunächst einmal, wieviel Licht auf den Bildsensor fällt. f (focal length) steht übrigens für die Brennweite am Objektiv. Öffnest du die Blende, fällt viel Licht auf den Bildsensor. Schließt du die Blende, fällt weniger Licht auf den Bildsensor.

Daneben ist die Blende aber auch das wichtigste Gestaltungsmittel in der Fotografie. Als Faustregel gilt: Je weiter geschlossen die Blende ist, desto größer ist der Schärfebereich (oder die Schärfentiefe, oft auch Tiefenschärfe) deines Fotos.

Leider ist die Sache mit der Blende gerade für Anfänger zunächst einmal recht kompliziert. Aber keine Sorge: ich erkläre dir die Funktion der Blende ganz genau. Wenn danach noch etwas unklar ist, frag gerne nach.

Um die Sache mit der Blende zu veranschaulichen, werfen wir doch einmal einen Blick in ein Objektiv. Schaust du in das Objektiv während die Belichtung stattfindet, siehst du die Lamellen der Blende sehr schön. In diesem Fall ist es ein Nikkor 24-70 f/2.8.

Drei Blenden im Vergleich
Links ist die Blende weit geschlossen, rechts weit geöffnet. Links bei Blende f/22 kommt also weniger Licht auf den Sensor als rechts bei Blende f/2.8. Logisch, oder?

Die Blendenzahl ist übrigens ein relativer Wert. Ermittelt wird dieser Wert, indem die Brennweite (f) am Objektiv durch den Durchmesser der Blendenöffnung geteilt wird. Daher auch die Schreibweise, etwa f/4.0 (Brennweite geteilt durch Blende).

Ein Beispiel: Du hast ein Objektiv mit 50 mm Brennweite. Bei einer Blende von 4 hat die Blendenöffnung einen Durchmesser von 12,5 mm (500/4 = 12,5). Bei einem Teleobjektiv mit 400 mm Brennweite und einer Blende von 4 hat die Blendenöffnung einen Durchmesser von 100 mm (400/4 = 100). Jetzt weißt du auch, warum lichtstarke Teleobjektive so dick sind.

Ein Motiv freistellen

Um ein Motiv freizustellen (das sagt man, wenn du nur das Hauptmotiv scharf haben willst und der Rest des Fotos in Unschärfe verschwimmen soll, etwa bei Porträts), muss die Blende weit geöffnet sein.

Um die Blende weit zu öffnen, wählst du einen kleinen Blendenwert (zum Beispiel f/2.8). Das ist aber natürlich auch abhängig vom Objektiv. Nicht jedes Objektiv lässt überhaupt einen Wert von f/2.8 zu.

Nur sündhaft teure Objektive erreichen schon bei der sogenannten Offenblende (das ist der Blendenwert, bei dem die Blende bei deinem Objektiv maximal weit geöffnet ist) eine gute Schärfe. Bei den meisten Objektiven solltest du um ein bis zwei Blenden abblenden, um die maximale Schärfe des Objektivs (man spricht vom Sweet Spot) zu erreichen.

Hier die klassische Blendenreihe ohne Zwischenblenden:

0.5 – 0.7 – 1.0 – 1.4 – 2.0 – 2.8 – 4.0 – 5.6 – 8.0 – 11 – 16 – 22 – 32.

 Hast du also etwa eine Festbrennweite mit einer Offenblende von f/1.4, solltest du mindestens auf f/2.0 oder gar f/2.8 abblenden. Bei einem Teleobjektiv mit einer Offenblende von f/2.8 solltest du mindestens auf Blende f/5.6 stellen.

Drei Frauenporträts im Vergleich mit Angabe von Brennweite und Blende
Du siehst: Öffnest du die Blende relativ weit, wird dein Hauptmotiv scharf und alles davor und dahinter verschwimmt. Es ist übrigens meist keine gute Idee, den kleinsten möglichen Blendenwert am Objektiv zu nutzen. Mehr Schärfe bekommst du, wenn du leicht abblendest (also die Blende ein wenig schließt). Moderne Smartphones imitieren diesen Effekt per Software relativ gut. Im direkten Vergleich ist eine Kamera mit einem guten Objektiv aber weit(!!!) überlegen – und das wird auch so bleiben

So bekommst du alles scharf

Um möglichst viel scharf zu bekommen auf einem Foto (etwa in der Landschaftsfotografie), muss die Blende weit geschlossen sein. Um die Blende weit zu schließen, wählst du einen hohen Blendenwert (zum Beispiel f/13).

Barmsee am Abend
Barmsee, Bayern: Mit einer relativ weit geschlossenen Blende bekommst du von vorne bis hinten alles scharf. In diesem Fall wurde das Foto mit einem Ultraweitwinkelobjektiv bei Blende 18 aufgenommen. An Vollformatkameras (das ist aber abhängig von der Größe der Sensorpixel(!!!)) kann man Blende 18 gerade noch vertreten, bevor es zu stark zur Beugungsunschärfe kommt. Man hätte das Foto etwa auch mit Blende 11 oder 13 aufnehmen können. Dann hätte sich die Belichtungszeit verkürzt (was ich hier nicht wollte) und im Vordergrund wäre die Schärfe ein paar Zentimeter weiter nach hinten gerutscht – was ich ebenfalls nicht wollte

Noch einmal einige Beispiele zum besseren Verständnis:

Bei einer Blende von f/2.8 ist die Blende sehr weit geöffnet. Es fällt also sehr viel Licht durch die Blende im Objektiv auf den Bildsensor der Kamera. Der Effekt: neben einer sehr kurzen Belichtungszeit (es fällt ja viel Licht auf den Sensor) kannst du dein Hauptmotiv (etwa eine Person, ein Tier oder eine Blüte) freistellen. Dein Hauptmotiv wird bei dieser Einstellung scharf, der Rest des Fotos (absichtlich) unscharf. Diese beabsichtigte Unschärfe nennt sich übrigens Bokeh (und jedes Objektiv hat ein völlig anderes Bokeh).

Bei einer Blende von f/5.6 etwa ist der Schärfebereich (oder die Schärfentiefe) deines Fotos deutlich größer als bei einer Blende von f/2.8.

Bei einer Blende von f/13 schießt du ein Foto mit einem sehr großen Schärfebereich (Schärfetiefe), hier wird in der Regel alles von vorne bis hinten scharf. Eine weit geschlossene Blende (die man ja bei einer Blende von f/13 hat) nutzt man etwa in der Landschaftsfotografie.

Es ist aber keine gute Idee, die Blende zu weit zu schließen (etwa ein Blendenwert f/22 zu wählen) – hier tritt nämlich die sogenannte Beugungsunschärfe sehr sichtbar auf. Bei einer sehr weit geschlossenen Blende wird sehr viel Licht, das durchs Objektiv fällt, am Rand der Blende gebeugt trifft dann nicht mehr punktförmig auf den Bildsensor. So wird dein Foto also nicht mehr schärfer, sondern wieder unschärfer.

Zusammengefasst:

Du siehst also: die Sache mit der Blende ist nur auf den ersten Blick ein wenig kompliziert. Wenn man das System einmal verstanden hat, ist es doch eigentlich ganz einfach.

Exkursion Beugungsunschärfe

Der physikalische Hintergrund der Beugungsunschärfe ist folgender: Wählst du einen sehr hohen Blendenwert und schließt damit die Blende, fallen die Lichtwellen (Licht bewegt sich ja wellenförmig) ja nur noch durch ein sehr kleines Loch im Objektiv. Diese Lichtwellen werden an den Kanten der Blende gebeugt (abgelenkt). Das hat zur Folge, dass ein Lichtstrahl nicht mehr als Lichtpunkt, sondern eher als Lichtfläche (man nennt das Beugungsscheibchen) auf den Sensor trifft. Du kannst dir vorstellen, dass so ein Beugungsscheibchen viel diffuser ist als ein Punkt.

Ist die Blende hingegen weit geöffnet, kommt nur sehr wenig Licht mit den Kanten der Blende in Berührung. Damit tritt auch keine Beugungsunschärfe auf. Bis zu einem gewissen Grad ist die Beugungsunschärfe übrigens komplett zu vernachlässigen.

Ab welcher Blende die Beugungsunschärfe auftritt, hängt mit der Größe der Pixel des Kamerasensors zusammen. Solange das Beugungsscheibchen kleiner als ein Sensorpixel ist, tritt keine Beugungsunschärfe auf. Prinzipiell haben Kameras mit großem Bildsensor (Mittelformat- oder Vollformatkameras) also einen enormen Vorteil im Vergleich zu APS-C-Kameras oder Micro-Four-Thirds Kameras (die ja einen sehr viel kleineren Bildsensor haben).

Allerdings gehen die Hersteller ja auch dazu über, immer mehr Pixel auf die Sensoren zu packen. Bedeutet: Bei einer Vollformatkamera mit 50 Megapixel tritt die Beugungsunschärfe in demselben Maße auf wie bei einer APS-C-Kamera mit 23 Megapixel – bei beiden Modellen ist die Beugungsunschärfe ab Blende 8 zu erkennen. Aber keine Sorge – erkennen heißt nicht, dass du hier einen wirklichen einen Unterschied siehst. Du musst schon sehr viel weiter abblenden, um einen sichtbaren Beugungsunschärfeeffekt (in der 100 Prozent-Vergrößerung am PC-Monitor) zu erkennen.

Bei einer Vollformatkamera mit 24 Megapixel tritt die Beugungsunschärfe ab Blende 11 auf. Bei solchen Modellen stelle ich mit einem Weitwinkelobjektiv auch gerne mal auf Blende 18 (aber nicht weiter), um die Schärfe extrem weit nach vorne zu ziehen. Bei einer APS-C-Kamera mit 23 Megapixel ist Blende 18 definitiv nicht mehr zu empfehlen.

Für Druckprodukte ist der Effekt der Beugungsunschärfe in der Regel übrigens zu vernachlässigen:

Hier eine Übersicht, bei welchen Kameramodellen die Beugungsunschärfe in der Theorie wann auftritt:

Dazu muss ich in aller Klarheit sagen: Nur weil eine Kamera in der Theorie ab Blende 8 mit der Beugungsunschärfe Probleme hat, bedeutet das nicht, dass du nicht weiter abblenden darfst! Das wäre völliger Unsinn, zumal auch kameraintern eine Softwareverarbeitung stattfindet und die Hersteller Beugungseffekte so gut es geht rausrechnen. Und wie schon gesagt: Um den Effekt auf Druckprodukten zu erkennen, musst du die Blende schon brutal weit schließen! Ich habe überhaupt kein Problem damit, mit Blende 13 oder der Blende 18 am Vollformat zu arbeiten (und kein Mensch betrachtet Fotos auf dem Monitor in der 100-Prozent Vergrößerung). Theorie und Praxis stimmen hier also nicht ganz überein.

Focus Stacking

Es gibt übrigens auch die Methode des Focus Stacking. Hier nimmst du mehrere Fotos mit unterschiedlichem Fokus auf, um die Bilder später zu verrechnen (so kannst du die Schärfentiefe des Fotos am Computer maximal ausbauen). Das macht im Alltag eines Fotografen meiner Meinung nach aber nur bei Makroaufnahmen etwa von Insekten Sinn.

Blende, Brennweite und Abstand vom Motiv

Die Blende ist also eines der wichtigsten Gestaltungsmittel der Fotografie. Über die Bildwirkung entscheidet aber nicht alleine der Blendenwert. Es gibt noch einige Faktoren, die dein Bild maßgeblich beeinflussen.

Wie groß der Schärfebereich deines Fotos ist, hängt von der gewählten Brennweite f (in mm gemessen) am Objektiv ab. Mit einem Weitwinkelobjektiv, das einen sehr großen Blickwinkel hat, hast du bei fast jeder Blende – egal ob die Blende weit geöffnet ist oder nicht – einen sehr großen Tiefenschärfebereich. Weitwinkelobjektive eignen sich daher überhaupt nicht für Porträtfotos.

Bei Teleobjektiven (mit denen du optisch sehr nah an ein weit entferntes Motiv kommst, bei Zoom-Objektiven spricht man gerne von ins Bild „zoomen“) tritt der gegensätzliche Effekt auf. Teleobjektive haben einen vergleichsweise geringen Tiefenschärfebereich. Je länger die Brennweite deines Objektivs (also je weiter du quasi in das Bild „zoomst“) desto geringer wird der Schärfebereich deines Fotos.

Ausschlaggebend ist zudem der Abstand von Motiv. Je näher du am Motiv stehst (etwa an einer Person oder einer Blume), desto stärker wird der Unschärfe-Effekt. Tolle Unschärfe-Effekte erzielst du also mit einer weit offenen Blende und einer relativ langen Brennweite (zum Beispiel 50 mm). Je mehr du dich dem Motiv nun näherst, desto stärker wird der Unschärfeeffekt im Hintergrund. Zudem verschwimmt ein weit entfernter Hintergrund immer stärker als ein naher Hintergrund.

Welchen Blendenwert zu wählst, kommt immer auf das eingesetzte Objektiv an. Es gibt Objektive, die über eine sehr große Offenblende verfügen. Das heißt, die Blende kann sehr weit geöffnet werden und es fällt sehr viel Licht durch die Blende. Man spricht in diesem Fall davon, dass das Objektiv lichtstark ist. Lichtstarke Objektive sind in der Regel viel teurer und haben eine bessere Bildqualität als weniger lichtstarke Objektive.

Ein Beispiel ist das Canon EF 50mm f/1.2 USM, das über eine Offenblende von f/1.2 verfügt und rund 1200 Euro kostet. Das Canon EF 50mm f/1.4 USM hat eine Offenblende von f/1.4 und kostet „nur“ etwa 400 Euro. Der ganz kleine Bruder Canon EF 50mm f/1.8 STM hat eine Offenblende von f/1.8 und ist schon für 100 Euro zu haben. Alle drei sind übrigens tolle Objektive für Porträts.

Jetzt wirst du fragen: f/1.2, f/1.4 oder f/1.8 – ist das nicht völlig egal? Das sind ja alles sehr kleine Blendenwerte. Der Unterschied ist aber immens.

Schauen wir uns einmal die Blendenreihe mit Drittel-Stufen an:

1 1.1 1.2 1.4 1.6 1.8 2 2.2 2.5 2.8 3.2 3.5

Zwischen dem teuren Canon EF 50mm f/1.2 USM und dem günstigen Canon EF 50mm f/1.8 STM liegen drei Drittel-Stufen – also eine ganze Blende. Mit jeder ganzen Blende verdoppelt/ halbiert sich die Belichtungszeit.

Nehmen wir ein Beispiel:

Du bist auf einem Konzert, das Licht ist schummrig. Du nutzt das Canon EF 50mm f/1.8 STM. Deine Belichtungszeit liegt mit Blende f/1.8 bei 1/25 Sekunde. Das ist eigentlich viel zu lang für Fotos aus der Hand. Warum? Nach der Faustregel sollte die Belichtungszeit bei Aufnahmen aus der Hand den Kehrwert der Brennweite am Objektiv nicht überschreiten. In diesem Fall: 50 mm Brennweite = 1/50 Sekunde Belichtungszeit.

Du bist wieder auf einem Konzert, hast dir jetzt aber das sündhaft teure Canon EF 50mm f/1.2 USM angeschafft. Wie gesagt liegen zwischen f/1.2 und f/1.8 drei Drittel-Stufen – eine ganze Blende. Du kannst die Belichtungszeit (bei sonst gleichen Einstellungen) nun also von 1/25 Sekunde auf 1/50 Sekunde halbieren und triffst damit genau die Kehrwertregel, wonach du bei Aufnahmen aus der Hand mit 50 mm nicht länger als 1/50 Sekunde belichten solltest.

Risiko weit geöffnete Blende  

Davon einmal abgesehen, dass kaum ein Objektiv bei einer sehr weit geöffneten Blende wirklich herausragende Resultate abliefert (in Sachen maximale Schärfe), besteht ein enormes Risiko, den Fokus falsch zu setzen. Bei einer sehr weit geöffneten Blende ist der Schärfebereich extrem klein. Schon ein minimaler Fehlfokus kann dazu führen, dass dein Motiv unscharf wird.

Hier ein paar Beispiele für eine 50 mm Brennweite (am Vollformat):

Abstand vom Motiv in MeterSchärfentiefebereich f/1.2Schärfentiefebereich f/2
0,50,6 cm1,1 cm
12,7 cm5 cm
211 cm19 cm
325 cm43 cm
445 cm77 cm
571 cm121 cm
6103 cm175 cm
Vier Schafe von hinten auf der Straße
Island: Hier erkennst du schön, was ein Teleobjektiv bewirken kann. Die vier Schafe sind gestochen scharf, der Vorder- und Hintergrund sind trotz einer relativ weit geschlossenen Blende (f/7,1) indes komplett unscharf. Der Effekt: Der Fokus des Betrachters fällt unweigerlich auf die vier Schafe als Hauptmotiv. Nikon D810, 400 mm, f/7.1, ISO 400, 1/800 Sekunde

Wenn du tiefer in das Thema tauchen willst und diverse Kombinationen mit verschiedenen Blenden und Entfernungen ausprobieren willst, gib doch einmal den Begriff „Schärferechner“ in die Suchmaschine deines Vertrauens ein.

Der ISO-Wert

Der ISO-Wert hat, anders als die Blende, keinen direkten Einfluss auf die Bildwirkung. Mit dem ISO-Wert steuerst du die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors, der letztendlich das Foto aufnimmt.

Ein niedriger ISO-Wert (bei den meisten Kameras ist das ISO 100 oder ISO 200) bedeutet eine niedrige Lichtempfindlichkeit und führt zu geringem Bildrauschen. Du kennst bestimmt Fotos bei Dunkelheit, die sehr krisselig aussehen. Diesen, meist ungewollten, Effekt nennt man Bildrauschen. Einige Künstler setzen das Bildrauschen bewusst als Effekt ein – in der Regel will man aber möglichst Fotos ohne Bildrauschen.

Warum stellt man den ISO-Wert also nicht immer einfach auf 100? Weil der ISO-Wert maßgeblich die Belichtungszeit bestimmt. Es wird viele Situationen in deiner Fotografen-Karriere geben, in der du eine kurze Belichtungszeit benötigst – und die regelst du sehr oft über den ISO-Wert.

Wann benötigst du eine kurze Belichtungszeit

Stell dir vor, es ist dunkel und du fotografierst aus der Hand. Als Faustregel gilt: die Belichtungszeit bei Aufnahmen aus der Hand sollte den Kehrwert der Brennweite nicht überschreiten (100 mm Brennweite am Objektiv = 1/100 Sekunde Belichtungszeit; 50 mm Brennweite am Objektiv = 1/50 Sekunde Belichtungszeit). Mit einem Bildstabilisator im Objektiv oder in der Kamera lässt sich die maximale Belichtungszeit aus der Hand aber deutlich verlängern. Um die Aufnahme aus der Hand bei Dunkelheit nicht zu verwackeln, brauchst du eine relativ kurze Belichtungszeit. Das regelst du unter anderem mit dem ISO-Wert.

Das Hauptmotiv bewegt sich sehr schnell. Um Bewegungen „einzufrieren“, benötigst du mitunter eine sehr kurze Belichtungszeit. Ein auf einem See schwimmender Schwan erfordert eine kürzere Belichtungszeit als das gleiche Foto ohne Schwan. Um ein Auto oder Motorrad bei voller Fahrt scharf abzulichten, braucht es eine deutlich kürzere Belichtungszeit also etwa ein Foto eines schwimmenden Schwans.

DU bewegst dich sehr schnell: stell dir vor, du hast auf Hawaii einen Flug mit dem Helikopter gebucht und willst atemberaubende Landschaftsfotos machen. Damit deine Bilder aus dem Hubschrauber nicht verwackeln, brauchst du eine sehr kurze Belichtungszeit. Schließlich bewegt sich der Heli sehr schnell.

Unter den Punkt Bewegung fallen auch Landschaftsbilder bei Nacht. Die Erde dreht sich nicht nur um sich selbst, sie rotiert auch um die Sonne. Der Effekt: Sterne am Himmel verwischen sehr schnell. Das glaubst du nicht? Probiere es doch einmal aus: stell deine Kamera bei Nacht auf ein Stativ und belichte im Bulb-Modus (damit kannst du länger als 30 Sekunden belichten) eine Minute lang. Du wirst sehen: die Sterne am Himmel sind garantiert verschwommen. Um Sterne punktförmig abzulichten, brauchst du also relativ kurze Belichtungszeiten. Die Faustregel lautet:

Du siehst also: Es gibt viele Gründe, den ISO-Wert trotz höheres Bildrauschen nach oben zu drehen. Und merke: Verdoppelst du den ISO-Wert (egal ob von 100 auf 200 oder von 1600 auf 3200) halbiert sich die jeweilige Belichtungszeit. Immer! Ein Beispiel: Du hast einen ISO-Wert von 100 und eine Belichtungszeit von 5,0 Sekunden eingestellt. Erhöhst du den ISO-Wert auf 200, halbiert sich die Belichtungszeit auf 2,5 Sekunden. Erhöhst du den ISO-Wert von 200 auf 400, halbiert sich die Belichtungszeit erneut auf 1,3 Sekunden (manchmal gibt es kleine Ungenauigkeiten in den Zahlenreihen).

Exkursion Bulb-Modus

Im Bulb-Modus kannst du manuell länger als 30 Sekunden belichtet. In der Regel ist bei 30 Sekunden im manuellen Modus nämlich Schluss. Du musst dann nur die Bulb-Funktion wählen (bitte lies dazu die Anleitung deiner Kamera – das ist bei jedem Hersteller anders einzustellen) und kannst wirklich so lange belichten, wie du willst.

Ama Dablam unter der Milchstraße
Khumbu, Nepal: Um die Milchstraße so abzulichten, solltest du ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv verwenden. Nikon D810, 24 mm, F2.8, ISO 2500, 10 Sekunden. Die maximal mögliche Belichtungszeit hätte laut Faustregel übrigens bei 21 Sekunden gelegen (500 geteilt durch 24 mm Brennweite = 21 Sekunden). Ich hätte hier also auch die Belichtungszeit erhöhen und im Gegenzug den ISO-Wert verringern können (für geringeres Bildrauschen). Es passiert aber auch mir, dass ich im Eifer des Gefechts vergesse, eine Einstellung zu ändern, nachdem ich die Brennweite am Objektiv geändert habe (bei der Aufnahme davor hatte ich tatsächlich eine längere Brennweite, die ja eine kürzere Belichtungszeit erfordert)

Die Belichtungszeit

Die dritte Variable im manuellen Modus deiner Kamera ist die Belichtungszeit. Doch was genau ist eigentlich die Belichtungszeit? Nachdem du jetzt schon den harten Stoff mit der Blende zu verarbeiten hattest, wird es jetzt einfach. Belichtest du dein Foto für 1/30 Sekunde, fällt eben genau für ein Dreißigstel einer Sekunde Licht auf den Bildsensor der Kamera.

Bei Aufnahmen aus der Hand bist du oft limitiert. Fotografierst du aus der Hand, bist du auf relativ kurze Belichtungszeiten angewiesen. Doch was ist relativ kurz? Niemand kann aus der Hand ein unverwackeltes Foto mit fünf Sekunden Belichtungszeit schießen, das ist klar. Aber 1/30 Sekunde – kürzer als ein Wimpernschlag – sollte doch kein Problem sein, oder? Nun, das kommt ganz auf die Brennweite deines Objektivs an.

Du hast ja bereits im Abschnitt „Der ISO-Wert“ gelernt, dass die Belichtungszeit bei Aufnahmen aus der Hand den Kehrwert der Brennweite am Objektiv nicht überschreiten sollte (der Bildstabilisator ist dabei unberücksichtigt). Bei einem Teleobjektiv mit 500 mm Brennweite würde das Foto bei 1/30 Sekunde Belichtungszeit sicher verwackeln. Laut der Kehrwertregel sollte die Belichtungszeit bei 500 mm Brennweite nicht länger als 1/500 Sekunde sein. Bei einem Weitwinkelobjektiv mit 20 mm Brennweite ist eine Belichtungszeit von 1/30 Sekunde aber ausreichend kurz (Kehrwertregel: 20 mm Brennweite = 1/20 Sekunde maximale Belichtungszeit).

Die Belichtungszeit kann übrigens ein ganz tolles Gestaltungsmittel sein. Versuche dich doch einmal mit einem Graufilter an einer Langzeitbelichtung am Meer. Der Effekt: das Wasser erscheint wie ein dichter Nebel.

Unstad Beach
Lofoten: Das Meer verschwimmt zu einem Nebel. Canon 5D Mark II, 24 mm, F14, ISO 100, 235 Sekunden
Sonnenuntergang Meer Madeira
Madeira: Bei Belichtungszeiten zwischen einer Viertelsekunde und drei Sekunden bekommst du tolle Effekte am Meer. Nikon D810, 14 mm, F11, ISO 100, 2,5 Sekunden
Fließender Sand im Upper Antelope Canyon
Antelope Canyon: Der „Trick“ mit dem Wasser funktioniert natürlich auch mit fließendem Sand. Canon 5D Mark II, 17 mm, F13, ISO 100, 6 Sekunden

Der Weißabgleich

Mit dem Weißabgleich regelst du die Farbtemperatur deines Fotos. Moderne Kameras machen das unter guten Bedingungen sehr gut ohne dein Zutun. Dazu belässt du den Weißabgleich einfach auf der Automatik-Einstellung.

Manchmal kann es aber doch nötig sein, manuell einzugreifen, weil die Kamera mit dem Weißabgleich Probleme hat. Das passiert oft bei Kunstlicht oder wenn mehrere verschiedenartige Lichtquellen auf einem Foto zu sehen sind. Du kannst den Weißabgleich dann etwa auf Tageslicht, Wolkig oder Blitzlicht oder den Weißabgleich sogar stufenweise (in Kelvin) einstellen.

Eine andere Möglichkeit ist, den Weißabgleich mit einer Graukarte (alternativ tut es auch ein weißes Blatt, das ist aber nicht ganz so farbneutral) manuell vorzunehmen. Du fotografierst die Graukarte ab und nimmst dieses Bild als Referenz für den Weißabgleich. Wie genau das funktioniert, liest du in der Bedienungsanleitung deiner Kamera.

Der Weißabgleich kann im Nachhinein aber leicht angepasst werden, insofern du im Raw-Format fotografierst. Mehr dazu liest du in Kapitel „Bildbearbeitung“.

Vergleich Weißabgleich
Der Weißabgleich ist ein mächtiges Werkzeug für Fotografen. Hier siehst du das Foto mit zwei verschiedenen Einstellungen Änderst du den Weißabgleich nur ein wenig, bekommst du eine völlig andere Bildwirkung. Es gibt dabei kein richtig oder falsch, aber du solltest darauf achten, dass das Bild natürlich bleibt. Wir versuchen immer, unsere Bilder so realistisch wie möglich zu präsentieren. Dazu nutzen wir bei der Postproduktion auch einen speziellen Fotomonitor, der regelmäßig kalibriert wird.

Als Einsteiger solltest du auf Motiv, Licht und Bildgestaltung achten. Das lernst du am besten, wenn du so oft Fotos wie möglich machst und rigoros aussortierst.

Florian Blümm (Flocutus.de)

Fotografieren lernen Kapitel 3: Fokusarten

Du hast sicher festgestellt, dass es an deiner Kamera verschiedene Fokusarten gibt. Diese stelle ich dir hier einmal vor und erkläre, in welcher Situation du welche Fokusart benutzen solltest. Zunächst einmal kannst du wählen zwischen manuellem Fokus und Autofokus – bei letzterem übernimmt die Kamera den Fokus.

Der Autofokus

Der Autofokus (AF) moderner Kameras arbeitet in der Regel sehr schnell und sehr zuverlässig. Gerade bei Motiven, die sich schnell bewegen, ist der Autofokus viel präziser als der manuelle Fokus. Niemand würde etwa auf die Idee kommen, ein fahrendes Auto mit Hilfe des manuellen Fokus zu fotografieren. Du müsstest den Fokus ja immer wieder manuell nachstellen. Das kann der Autofokus viel besser. Aber auch in Alltagssituationen kannst du dich meist auf den Autofokus verlassen.

Die verschiedenen Autofokusarten

Du kannst sogar verschiedene Autofokusarten an deiner Kamera einstellen. Die Fokusarten heißen von Hersteller zu Hersteller verschieden, sind aber im Kern die gleichen:

Auto auf der F 35 auf Island
Island: Ein fahrendes Auto wirst du immer mit dem Autofokus fotografieren. Hier bietet es sich an, die Serienbildfunktion und den Servo AF bzw. AF-C zu aktivieren. Canon EOS M50, 132 mm, F6.3, ISO 1250, 1/1000 Sekunde
Biggi springt auf einem Vulkan
Lanzarote: Ein Sprung auf dem Vulkan. Den Fokus kannst du hier auf One Shot bzw. AF-S oder auf Servo AF bzw. AF-C stellen. Du könntest sogar den manuellen Fokus nutzen, wenn sich der Abstand zwischen Model und Fotograf nicht verändert. Der Schärfebereich ist so groß ist, dass ein paar Zentimeter keinen Unterschied machen. Canon EOS 5D Mark II, 70 mm, F8, ISO 320, 1/800 Sekunde

 Der manuelle Fokus

Auch wenn der Autofokus oft sehr gute Dienste leistet: Es gibt immer wieder Situationen, in denen der Autofokus an seine Grenzen kommt und nicht mehr zum gewünschten Resultat führt.

Findet der Autofokus deiner Kamera keinen Fokuspunkt (etwa bei Dunkelheit, starkem Gegenlicht oder wenn im Bild kaum Kontraste (Nebel) vorhanden sind), kannst du nicht auslösen. Du drückst zwar auf den Auslöser, aber es tut sich nichts! Keine Sorge, deine Kamera ist nicht kaputt – sie findet nur einfach keinen Fokuspunkt.

Ist das der Fall, wird dir das auf dem Display oder im Sucher durch einen blinkenden Punkt (es gibt sicher noch andere Anzeigearten, das kommt auf den Hersteller an) angezeigt. Außerdem kannst du das oft am Autofokus am Objektiv hören, der immer wieder erfolglos versucht, etwas anzuvisieren (der Autofokus „pumpt“).

Es kommt aber auch vor, dass der Autofokus schlicht das falsche Motiv anvisiert. Zum Beispiel willst du eine ganz spezielle Blume in einem riesigen Blumenfeld fotografieren und anvisieren. Die Kamera kann unmöglich wissen, welche der Dutzenden Blüten dein Hauptmotiv ist und wird in der Regel falsch fokussieren.

In all diesen Situationen ist der manuelle Fokus (MF) dem Autofokus klar überlegen.

Der manuelle Fokus ist ideal, wenn du

Camper unter Sternenhimmel
USA: Bei Nachtaufnahmen wie dieser bietet es sich an, den manuellen Fokus zu nutzen. Nikon D810, 14 mm, F2.8, ISO 2500, 25 Sekunden

Tipp: Auf meinen Fotokursen haben einige Teilnehmer immer wieder dasselbe Problem: Es ist bereits dunkel und der Autofokus arbeitet nicht mehr. Auch mit dem manuellen Fokus ist nicht mehr viel zu machen, weil du auf dem Display oder im Sucher einfach nichts mehr erkennst. Ideal ist, wenn dein Objektiv jetzt über eine Entfernungsskala für den Fokus verfügt. Willst du, dass das ganze Foto von vorne bis hinten scharf wird, stellst du den Fokus auf kurz vor unendlich. So werden alle deine Bilder scharf.

Tipp 2: Hat dein Objektiv keine Entfernungsskala, kann eine Taschenlampe helfen (zumindest, wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv arbeitest). Leuchte ein Objekt in der Nähe an und fokussiere auf dieses. Jetzt stellst du den Fokus auf manuell – die Fokuseinstellung bleibt erhalten. Nutzt du eine DSLM, kannst du den manuellen Fokus in der Regel über das Kameramenü auf kurz vor unendlich stellen.

Entfernungsskala Objektiv
Gute Objektive haben in der Regel eine Entfernungsskala. Stell den Fokus manuell auf kurz vor unendlich oder in den Unendlich-Bereich, aber bitte nicht ganz bis zum Anschlag drehen! Um rauszufinden, welche Einstellung die beste an deinem Objektiv ist, musst du ein wenig experimentieren. Hier ist jedes Objektiv ein wenig anders.
Manueller Fokus Sony Alpha 6000
Das Kit-Objektiv der Sony Alpha 6000 hat keine Entfernungsskala. Du kannst das Objektiv trotzdem manuell einstellen (den entsprechenden Menüpunkt wählen). Hier kannst du den Fokus wieder auf kurz vor „unendlich“ (die liegende Acht) stellen.

Wer das Fotografieren ernsthaft erlernen möchte, sollte auf jeden Fall ausreichend Geduld und Leidenschaft für das Thema mitbringen. Gerade am Anfang gilt es erstmal viel auszuprobieren, zu lernen und die Kamera zu verstehen.

Torsten Hartmann (T.H. Photography‏)

Fotografieren lernen Kapitel 4: Belichtungsmessung

Deine Kamera ist schon ein ziemlich intelligentes Ding. Mit dem eingebauten Belichtungsmesser errechnet die Kamera in Abhängigkeit von Blendenwert und ISO-Wert in der Voll- oder Halbautomatik die perfekte Belichtungszeit. In der Regel klappt das auch ganz gut. Schwierig wird es für die Kamera etwa bei starkem Gegenlicht. Aber auch viele helle Bildanteile (etwa ein Foto mit viel Schnee) oder dunkle Bildanteile (etwa ein schwarzer Hund im dunklen Wald) können die Belichtungsmessung täuschen. Während die Belichtungsmessung in solchen Situationen bei analogen Kameras völlig daneben lag, erkennen moderne DSLRs oder DSLMs solche Situationen aber schon sehr gut – nur eben noch nicht perfekt!

  Fotografieren lernen Kapitel 5: Das Histogramm

Das Histogramm ist eine der wichtigsten Funktionen deiner Kamera. Das Histogramm zeigt dir nämlich, ob dein Foto korrekt belichtet, zu dunkel oder zu hell ist. Bei DSLMs kannst du dir das Histogramm bereits vor der Aufnahme im Display oder auf dem Kameradisplay anzeigen lassen. Bei der DSLR kannst du das Histogramm in der Regel im Liveview noch vor der eigentlichen Aufnahme anzeigen lassen.

Ist ein Foto einmal im Kasten, täuscht das Resultat auf dem Kameradisplay oft. Gerade bei Sonnenlicht oder bei Dunkelheit stimmt das wahrgenommene Resultat nicht mit der Wirklichkeit überein. Betrachtest du das Foto in der Dunkelheit auf dem Display, schaut das meist ganz toll aus. Deine Pupillen sind weit geöffnet (wie eine Kamerablende) und es fällt viel Licht ins Auge. Auf dem strahlend hellen Display sieht jetzt jedes Foto perfekt belichtet aus. Zuhause am Laptop oder am PC kommt dann die Ernüchterung: so dunkel sah das Foto doch überhaupt nicht aus? Nur das Histogramm bewahrt dich vor unter- oder überbelichteten Fotos. Mehr zum Histogramm findest du in unserem E-Book.

In der Fotografie gibt es kein richtig und kein falsch, wir alle machen es in erste Linie, weil wir Spaß daran haben. Und jeder, der damit anfängt sollte auf keinen Fall den Spaß an der Fotografie verlieren. Wer Spaß hat, wird automatisch besser, da er sich gern weiterbildet und experimentiert.

Marc Arzt (Reisezoom.com)

Fotografieren lernen Kapitel 6: unscharfe Fotos – und was du dagegen tun kannst

Jetzt bist du ja schon ein wenig vertrauter mit den Einstellungen deiner Kamera. Blende, ISO und Belichtungszeit sind kein Mysterium mehr. Du wirst sehen: Je öfter du im manuellen Modus fotografierst, desto schneller gehen dir die Einstellungen von der Hand. Irgendwann ist das ein Automatismus wie beim Autofahren. Das klappt aber natürlich nicht von heute auf morgen. Du musst üben, üben und nochmals üben – daran führt kein Weg vorbei.

Auch wenn du die Technik deiner Kamera schon gut beherrschst, kann es passieren, dass Fotos unscharf werden. Doch woran liegt das? Da gibt es viele Möglichkeiten. Ich versuche einmal, alle denkbaren Fälle aufzuzählen (dabei gibt es auch ein paar Überschneidungen zu bereits erwähnten Themen):

Die richtige Belichtungszeit

Oft werden Fotos werden unscharf, weil die Belichtungszeit zu lang gewählt ist. Du hast ja bereits gelernt, dass die Belichtungszeit den Kehrwert der Brennweite nicht überschreiten sollte. Das gilt natürlich nur für Fotos, die du aus der Hand schießt. Du hast mehrere Möglichkeiten, das Problem mit einer zu langen Belichtungszeit zu lösen:

  1. Du benutzt ein Stativ. Nur so kannst du so lange belichten, wie nötig. Hast du kein Stativ, kannst du zur Not auch eine Mauer oder ein Geländer nutzen. Eine Übersicht über gute Stative gibt es hier.
  2.  Mit einem Blitz kannst du die Belichtungszeit deutlich verkürzen. Der Umgang mit dem Blitz will aber gelernt sein. In der Landschaftsfotografie etwa solltest du niemals einen Blitz einsetzen – der macht dir dein gesamtes Bild kaputt. Der Blitz kann nur wenige Meter aufhellen (was ist mit dem Rest des Bildes?) und wird nicht viel mehr als Staub in der Luft zum Leuchten bringen. Anders schaut es etwa bei Porträts aus – hier kann ein durchdachtes Blitzlicht Wunder wirken. Du solltest das Model aber nie direkt mit dem kamerainternen Blitzlicht anblitzen. Besser ist es, den Blitz etwa zur Decke zu richten und so indirektes Licht zu schaffen. Noch besser ist der Einsatz eines Diffusors, der für weiche Kontraste sorgt.
  3. Du öffnest die Blende. So fällt mehr Licht auf den Bildsensor fällt. Die Lichtmenge, die durch das Objektiv fällt, halbiert sich von einer vollen Blendenstufe zur nächsten. Die klassische Blendenreihe ohne Zwischenblenden sieht wie folgt aus: 0.5 – 0.7 – 1.0 – 1.4 – 2.0 – 2.8 – 4.0 – 5.6 – 8.0 – 11 – 16 – 22 – 32. Mit jeder Blendenstufe halbiert/verdoppelt sich die Lichtmenge, die aufs Objektiv fällt. Öffnest du die Blende etwa um eine Stufe, zum Beispiel von 4.0 auf 2,8, halbiert sich die Belichtungszeit.
  4. Du erhöhst den ISO-Wert. So wird der Sensor „lichtempfindlicher“. Verdoppelst du den ISO-Wert, halbiert sich die Belichtungszeit. Die klassische ISO-Reihe ohne Zwischenstufen lautet: 100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12800 – 25600. Ein Beispiel: Du erhöhst den ISO-Wert an deiner Kamera von ISO 100 auf ISO 200. Damit halbiert sich die Belichtungszeit. Ein höherer ISO-Wert führt aber auch zu einem stärkeren Bildrauschen.
  5. Ein Bildstabilisator (in der Kamera oder im Objektiv verbaut) ermöglicht je nach System eine um vier bis fünf Blendenstufen längere Belichtungszeit. Ein Beispiel: Mit einer Brennweite von 250 mm am Objektiv (also ein recht starkes Telezoom) solltest du bei Fotos aus der Hand nicht länger als 1/250 Sekunde belichten. Mit Hilfe des Bildstabilisators (vier Blendenstufen) ist rechnerisch eine Belichtungszeit von 1/15 Sekunde möglich. Die klassische Belichtungsreihe ohne Zwischenstufen lautet nämlich: 1/2s – 1/4s – 1/8s – 1/15s – 1/30s – 1/60s – 1/125s – 1/250s – 1/500s – 1/1000s – 1/2000s). Zwischen 1/250s und 1/15s liegen vier Blendenstufen. (1/250s – 1/125 (1. Blendenstufe) – 1/60 (2. Blendenstufe) – 1/30 (3. Blendenstufe) – 1/15s (4. Blendenstufe)).

Mehr zum Thema unscharfe Fotos und wie du sie verhinderst findest du in unserem E-Book.

Sobald du die Grundlagen der Fotografie verstanden hast und an dem Punkt bist, dich fotografisch weiterentwickeln zu wollen, ist mein wichtigster Rat, dir ein Langzeitprojekt vorzunehmen.

Martin Hülle (Martin-Huelle.de)

Fotografieren lernen Kapitel 7: Polfilter, Graufilter, UV-Filter und Grauverlaufsfilter

Nachdem du jetzt die Einstellungen deiner Kamera im manuellen Modus im Griff hast und du auch in Sachen Bildaufbau weißt, was ein spannendes Foto ausmacht, ist die nächste Herausforderung der Einsatz von Filtern. Doch welche Filter gibt es überhaupt und welche lohnen sich? Diese Fragen und einige mehr beantworte ich dir in diesem Kapitel.

Der Polfilter

Auch im digitalen Zeitalter ist der Polfilter durch nichts zu ersetzen und gerade für Landschaftsfotografen ein Muss. Im analogen Zeitalter diente der Polarisationsfilter (Polfilter) etwa dazu, um den Himmel in einem kräftigen Blau erscheinen zu lassen. Das ist heute nicht mehr nötig. Ein sattes Himmelsblau kannst du auch per Software in deine Bilder bringen. Unersetzlich ist der Polfilter indes, um Spiegelungen aus nicht metallischen Oberflächen zu entfernen – das kann nämlich keine Software der Welt. Gewässer geben den Blick auf den Grund frei, regennasse Blätter spiegeln nicht mehr und leuchten im schönsten grün. Der Polfilter funktioniert aber auch bei Glasscheiben.

Wasserfallaufnahme ohne Polfilter
Diesen Wasserfall in Bayern habe ich ohne Polfilter aufgenommen.
Wasserfallaufnahme mit Polfilter
Die gleiche Szene, die gleichen Einstellungen. Nur: Hier kam ein Polfilter zum Einsatz. Die Farben sind satter, weil das nasse Gras nicht glänzt und man kann viel besser auf den Grund des Wassers blicken.

Mehr zum Thema Filter in der Fotografie findest du in unserem E-Book.

Fotografieren lernen Kapitel 8: der richtige Bildaufbau

Zugegeben, die vorigen Kapitel sind schon eine Menge Stoff. Kein Mensch kann das alles sofort verinnerlichen und umsetzen. Mit der Zeit wird dein Verständnis für die Kameratechnik aber immer größer. Sobald du die Grundlagen der Fotografie verstanden hast, geht es um den wesentlich wichtigeren Teil der Fotografie: um den richtigen Bildaufbau. Nur mit dem richtigen Bildaufbau wirst du grandiose Fotos zaubern.

Die Drittel-Regel

Die Drittel-Regel orientiert sich grob an der Proportionslehre des Goldenen Schnitts und ist das wichtigste Gestaltungsmittel beim Bildaufbau. Achte bei Landschaftsaufnahmen darauf, den Horizont nicht in der Mitte des Fotos zu platzieren. Das wirkt in der Regel sehr langweilig. Besonders spannend wirkt dein Landschaftsfoto, wenn der Vordergrund ein Drittel oder zwei Drittel deines Fotos einnimmt.

Die Drittel-Regel gilt aber nicht nur für den Horizont, sondern auch für dein Hauptmotiv. Der Leuchtturm an der Küste wirkt besonders beeindruckend, wenn du beim Bildaufbau die Drittel-Regel beachtest. Die Drittel-Regel gilt aber natürlich nicht nur für Landschaftsfotos, sondern zieht sich durch alle Bereiche der Fotografie wie Porträts oder Wildlife-Bilder. Du kannst diese Regel aber natürlich auch brechen – und das ganz bewusst! Die Drittel-Regel oder der Goldene Schnitt sorgen für einen harmonischen Bildaufbau. Manchmal ist das aber gar nicht gewünscht.

Die Drittel-Regel anschaulich erklärt
Die Drittel-Regel besagt, dass du den Horizont im oberen oder unteren Drittel des Bildes und, wenn möglich, das Hauptmotiv in einem Schnittpunkt der Linien, die das Foto in neun Rechtecke teilen, platzierst.

Mehr zum Bildaufbau findest du in unserem E-Book.

Fotografieren lernen Kapitel 9: der Weg zum perfekten Landschaftsfoto

Hier geben wir dir noch einmal einen Überblick, wie du mit einem Weitwinkelobjektiv ganz einfach zum perfekten Landschaftsfoto kommst: Stell deine Kamera auf manuell, stell die Blende auf 11 (oder einen ähnlichen Wert) ein und wähle den niedrigsten ISO-Wert (in der Regel 100, je nach Kamera kann der niedrigste ISO-Wert aber auch 64 oder 200 sein). Die Belichtungsmessung zeigt dir nun relativ zuverlässig an, wie lange du belichten musst. Der kleine Pfeil oder der Balken auf der Belichtungsskala muss einfach nur in die Mitte auf den Nullwert gebracht werden (indem du die Belichtungszeit änderst). Ganz wichtig ist auch der Fokus. Stell den Fokus auf manuell und bring die Entfernungsskala auf kurz vor unendlich.

Mit diesen Kameraeinstellungen und einem Weitwinkelobjektiv kannst du jetzt ganz nah an den ausgewählten Vordergrund. Je stärker dein Weitwinkelobjektiv ist (also je größer der Bildwinkel), desto näher kannst du an den Vordergrund. Teste auch einmal die bodennahe Froschperspektive. Du wirst sehen, mit einem Weitwinkelobjektiv ist der Effekt auf das Foto immens. Hier findest du übrigens eine Übersicht inklusive Kaufberatung über derzeit erhältliche Weitwinkelobjektive.

Belichtungsmessung Kamera
Die Belichtungsskala: Hier zeigt dir die Kamera, ob dein Foto richtig belichtet wird. Der Balken (bei anderen Kameras auch ein Pfeil) sollte relativ in der Mitte stehen. Einstellen kannst du das durch eine andere Belichtungszeit. Bei schwierigen Lichtsituationen, etwa bei starkem Gegenlicht, kann die Belichtungsmessung aber versagen. Mit der Zeit bekommst du aber ein gutes Gefühl dafür.

Nach einiger Zeit kann man die richtigen Einstellungen sehr gut einschätzen und die Fotografie macht dann einfach nur Spaß.

Torsten Mühlbacher (Clickpix.eu)

Fotografieren lernen Kapitel 10: die Bildbearbeitung

Egal was du machst: Du solltest deine Fotos immer im RAW-Format speichern! „Raw“ ist Englisch und bedeutet „roh“. In dieser Rohdatei sind alle Rohdaten der Aufnahme gespeichert, ohne kamerainterne Bearbeitung wie beim stark komprimierten Jpg-Format (das ich zusätzlich speichere). Im Vergleich mit dem Jpg-Format hält die Raw-Datei noch Unmengen an Informationen bereit, die du später bei der digitalen Entwicklung nutzen kannst. Du kannst etwa die Belichtung ändern, Kontraste hervorheben oder abschwächen oder den Weißabgleich (der einen enormen Einfluss auf die Bildwirkung hat) per Mausklick ändern. Im Jpg-Format ist das nur noch sehr eingeschränkt möglich.

Verschiedene Raw-Dateiformate

Verschiedene Hersteller nutzen übrigens anderslautende Namen für ihre Raw-Daten. Selbst innerhalb eines Herstellers gibt es mitunter verschiedene Dateiformate:

Bilder digital entwickeln

Die digitale Entwicklung von Raw-Dateien ist unumgänglich. Ich nutze dazu Adobe Lightroom. Für Feinheiten wie Staubflecken entfernen nutze ich im Anschluss noch Adobe Photoshop (finde ich präziser als Lightroom). Das Adobe  Foto-Abo mit Photoshop und Lightroom* kostet etwa 130 Euro im Jahr. Gut investiertes Geld, zumindest für uns, da wir beide Programme wirklich intensiv nutzen. Die Hersteller legen ihren Kameras ebenfalls Bildbearbeitungsprogramme bei. Hier gibt es aber bei Weitem nicht so viele Möglichkeiten und Einstellungen. 

Wie stark du deine Bilder entwickelst oder bearbeitest, liegt bei dir. Deiner Fantasie sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ich bin aber ein klarer Verfechter „echter“ Fotos. War der Himmel an dem Abend grau, war er eben grau. Da brauche ich kein Programm oder keine Smartphone-App, die aus dem Himmel einen knalligen Himmel mit leuchtenden Wolken oder einen bunt strahlenden Sternenhimmel zaubert. Das ist im digitalen Zeitalter überhaupt kein Problem und gerade Instagram wird überschwemmt mit solchen Werken (von Fotos will ich gar nicht sprechen). Aber: der künstlerischen Freiheit sind ja keine Grenzen gesetzt. Am Ende muss es dir gefallen.

Der Berg Kirkjufell - "Out of Cam"
Polarlichter über dem Kirkjufell auf Island: Das ist das Foto „Out of Cam“ ohne jegliche Bearbeitung (nur kameraintern).
Polarlichter über dem Kirkjufell
Die Entwicklung in Lightroom hat bei diesem Foto nicht mehr als zwei Minuten gedauert. Der Unterschied zum Jpg ist im direkten Vergleich aber enorm, oder? Nikon D810, 14 mm, F2.8, ISO 2500, 14 Sekunden

Verhunzte Bilder retten per Bildbearbeitung

Deine Fotos werden mit der richtigen digitalen Entwicklung aber nicht nur klarer, strahlender und farbenprächtiger – du kannst sogar (auf den ersten Blick) fast komplett verhunzte Fotos retten. Moderne Kamerasensoren haben eine unglaubliche Reserve, was das anbelangt.

Unterbelichtetes Foto
So kam das Jpg aus der Kamera. Auf den ersten Blick scheint dieses Foto für den Mülleimer zu sein, oder?
Ein Foto nach der Bearbeitung in Lightroom
Das gleiche Foto nach der Entwicklung in Lightroom. Auch wenn das Ausgangsmaterial sicher nicht perfekt ist – im Raw-Format waren noch alle Daten vorhanden, die ich benötigte, um das Foto zu retten.

Mehr zur richtigen Bildbearbeitung findest du in unserem E-Book.

Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich ums Geld und der Meister sorgt sich ums Licht.

Georg IR B.

Fotografieren lernen Kapitel 11: Bauernregeln für Fotografen

Nach soviel Input haben wir noch ein paar fotografische Bauernregeln für dich zum Schmunzeln. Aber hinter jedem Satz steckt eine wahre Kernaussage:

Fotografieren lernen Kapitel 12: Schärfe deinen Blick

Wie anfangs schon angesprochen: Es hilft enorm viel, Bilder anderer Fotografen anzuschauen und zu überlegen: warum ist dieses und jenes genau so auf dem Foto? In diesem Kapitel will ich dir einige meiner Fotos zeigen und erklären, was ich mir bei der Aufnahme gedacht habe. Wenn du das WARUM  durchschaut hast, kannst du dir überlegen, was DIR gefällt und welche Richtung DU mit DEINEN Bildern einschlagen willst. Abkupfern ist für den Anfang voll okay – langfristig solltest du aber einen eigenen Stil entwickeln.

Zu den Fotos nenne ich dir auch immer die jeweiligen Einstellungen. Die sind aber nur ein grober Anhaltspunkt. Sie sagen schließlich nichts darüber aus, was für Bedingungen vor Ort herrschten. War es stürmisch und regnete es? Dann brauchte ich eine deutlich kürzere Belichtungszeit als etwa bei optimalen Bedingungen.

Düne im Coral Pink Sanddunes State Park im Licht der untergehenden Sonne
Coral Pink Sand Dunes, Utah: Hier habe ich den Fokus auf die tollen Muster im Sand gelegt, zumal der Himmel in diesem Fall recht langweilig ist (leider ohne Wolken). Die Linien führen den Betrachter weit ins Bild hinein. Das Foto entstand wenige Augenblicke, bevor die Sonne unterging. Nikon D810, 24 mm, f/13, ISO 250, 1/100 Sekunde
Felsformation im Canyon X
Canyon X, Arizona: Der Südwesten der USA ist ein Eldorado für Fotografen. Alleine in Arizona gibt es unzählige Slotcanyons wie den Canyon X. Hier habe ich lange nach einer einprägsamen Felsformation Ausschau gehalten. Diese ähnelt sehr dem Gesicht einer Frau. Ich habe diese Perspektive zuvor nie gesehen. Nikon D810, 36 mm, f/11, ISO 100, 1,3 Sekunden
Wanderer im Vulkangebiet Hveradalir
Hveradalir, Island: Ein Größenvergleich mit einem Menschen ist in dieser grandiosen Landschaft ein Muss. Ich habe die Person hier grob im Goldenen Schnitt platziert und den Horizont sehr weit nach oben gelegt. Nikon D810, 40 mm, f/8.0, ISO 160, 1/500 Sekunde
Goðafoss
Goðafoss, Island: Der Goðafoss ist ein beliebtes Fotomotiv auf Island. Das Gros der Fotografen geht aber ganz nah ran an den Wasserfall. Das gibt auch tolle Fotos, keine Frage. Aber auch aus der Entfernung mit anderen Bildelementen ist der Goðafoss ein klasse Motiv. Und zudem ist diese Perspektive auch weniger bekannt als der Klassiker. Und das ist ja auch die Kunst: Bekannte Motive völlig neu umsetzen (was am Goðafoss natürlich kaum möglich ist). Nikon D810, 52 mm, f/13, ISO 64, 3 Sekunden
Sonnenuntergang von der Fähre
Island von der Fähre: Dieses Foto entstand von einer Fähre auf Island. Hier bewegt sich also der Fotograf sehr schnell. Da ist es wichtig, die Belichtungszeit sehr kurz zu halten, weil das Schiff extrem schaukelte. Hier erkennst du auch wieder schön, dass der Horizont im unteren Drittel des Bildes und der Leichtturm weit rechts platziert sind. Canon EOS M50, 80 mm, f/7.1, ISO 1000, 1/640 Sekunde

Ein Wort zum Schluss

Wir hoffen – eigentlich sind wir ganz sicher- , du kannst mit unseren Foto-Tipps etwas anfangen. Wie gesagt: Versteife dich nicht zu sehr auf die Technik. Du bist die Fotografin bzw. der Fotograf und du machst das Foto. Die Kamera ist nur ein Arbeitswerkzeug wie für einen Maler der Pinsel.  Konzentriere dich aufs Motiv, suche spannende Perspektiven und nutze das Licht. Dann sind tolle Fotos garantiert!

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8 Kommentare

  • - DaniA

    Ich weiss, ich bin ein bisschen spät dran.
    Die Menge des Lichts, das auf sen Sensor fällt hängt nur von Belichtungszeit und Blende ab, der ISO verstärkt nur.
    Kann man die Verstärkung auch bei der Bildbearbeitung machen?
    Wenn ja: rauscht es dann weniger ober ist das egal?

    • - Florian

      Hallo,

      bei der Nachbearbeitung kannst du die Belichtungszeit anpassen – kürzer oder länger. Im RAW-Format hast du sogar einen sehr großen
      Spielraum ohne nennenswerte Qualitätsverluste.

      Viele Grüße
      Florian

  • - Birgit Westermann

    Hallo Biggi und Flo,
    das ist wirklich eine tolle und fundierte Einführung und Anleitung und viele beeindruckende praktische Beispiele! Ich muss mir sicherlich einige Passagen noch mal durchlesen. Aber Eure klare Darstellung ist wirklich beeindruckend.
    Danke dafür! Gruß, Birgit

  • - Isabel

    Hallo Biggi,
    vielen vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag!
    Ich weiß, dass ich mich dringend in den Themen Fotografie und Bildbearbeitung einlesen und verbessern muss!
    Ihr habt hier so viele wertvolle Informationen zusammengetragen, da weiß ich nun gar nicht womit ich anfangen soll :-)

    Liebe Grüße
    Isabel

  • - Peter

    Hallo Florian,

    ich habe dein E-Book gekauft und bin sehr zufrieden. Klar, ganz billig ist das für ein E-Book nicht, aber ich sehe auch, dass da enorm viel Arbeit drinsteckt! Endlich habe ich verstanden, was es mit der Blende und den anderen Einstellungen an der Kamera zu tun hat. Es wird Zeit, von der Automatik in den M-Modus zu wechseln. Ich bin schon gespannt, was dabei herauskommt.

    Viele Grüße aus dem hohen Norden
    Peter

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