Kurz und knapp: Das Wichtigste zu Taranto auf einen Blick
Taranto, zu Deutsch Tarent, liegt in Apulien, genauer im Salento – ziemlich genau am Absatz des Stiefels. Das historische Herzstück ist die Altstadtinsel Città Vecchia: eng, rau, voller Charakter. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen das Castello Aragonese, die Kathedrale San Cataldo und zwei dorische Säulen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die von griechischer, byzantinischer und aragonesischer Vergangenheit erzählen. Das Nationalmuseum MArTA gehört zu den bedeutendsten archäologischen Häusern Italiens. Am Lungomare des Mar Grande flankieren Jugendstilfassaden historische Denkmäler, am Mar Piccolo wartet ein lebendiger Fischmarkt.
Wer mehr Abwechslung sucht: Die Keramikstadt Grottaglie liegt nur 15 km entfernt, die Cheradi-Insel San Pietro ist von Juni bis September per Fähre erreichbar. Die Strände südlich der Stadt sind mit dem Auto in 15 bis 40 Minuten erreichbar und zählen zu den schönsten ganz Apuliens. Die beste Reisezeit ist Frühling oder Spätsommer.
1. Città Vecchia – Das Labyrinth der Altstadtinsel Taranto

Die Altstadt von Taranto, der Borgo Antico oder offiziell Città Vecchia, liegt auf einer kleinen Insel zwischen zwei Meeren – über die Ponte Girevole im Süden und die Ponte Porta Napoli im Norden mit dem Festland verbunden, aber in einer völlig anderen Welt. Plane mindestens zwei bis drei Stunden ein, wenn du das Labyrinth wirklich erleben willst. Mit dem Auto parkt man am besten am Parcheggio Largo Piazza Castello, direkt neben der Drehbrücke.
Wer die Brücke überquert und in die Gassen eintaucht, merkt rasch: Hier wird nichts für Besucher arrangiert. Die Hauptachse der Altstadt ist die Via Duomo – eine schmale Straße, an der kleine Läden, Madonnennischen in Hauswänden und enge Seitengassen wechseln, ohne dass irgendjemand die Mühe des Arrangements auf sich genommen hätte.
Die Architektur erzählt ihre eigene Geschichte: prächtige Portale an halb verfallenen Palazzi, Innenhöfe mit provisorischen Reparaturen, Grün, das aus Mauerritzen wächst. Wer urbane Fotografie liebt, findet hier reichlich Motive.
Am westlichen Rand der Altstadt kündigt sich ein Gebäude schon von Weitem an: der Palazzo Archita an der Piazza Garibaldi, direkt neben der Drehbrücke. Das neoklassizistische Ensemble mit dorischem Gebälk, symmetrischer Fassade und Tympanon mit mechanischer Uhr geht auf ein Dekret von Ferdinand IV. von Bourbon aus dem Jahr 1787 zurück – ursprünglich als Waisenhaus geplant, 1896 schließlich fertiggestellt. Heute beherbergt es ein klassisches Gymnasium, das zu den ältesten Bildungseinrichtungen Apuliens zählt. Der später ermordete Ministerpräsident Aldo Moro legte hier in den 1930er Jahren sein Abitur ab.
Am Morgen sind die Gassen noch ruhig – das beste Zeitfenster zum Fotografieren. Das ist die beste Zeit, in einen der kleinen Handwerksläden vorbeizuschauen, wie bei I Gesti del Cuore. Hier findest du wunderschöne Accessoires aus Keramik und kannst den Meistern hautnah beim Töpfern zusehen.
Tipp: Wer noch tiefer in die Keramiktradition der Region eintauchen will, macht einen Abstecher nach Grottaglie – nur 15 km von Taranto entfernt und eine der bekanntesten Keramikstädte Italiens. Der Quartiere delle Ceramiche, das historische Töpferviertel, ist ein Pflichtbesuch.
Mehr Lust auf Apulien? Hier findest du die schönsten Sehenswürdigkeiten in Brindisi
2. Kathedrale San Cataldo – Der Dom von Taranto


Die Kathedrale San Cataldo liegt im Herzen der Via Duomo, direkt im Zentrum der Altstadtinsel – und ist damit nicht nur geografisch, sondern auch historisch der Mittelpunkt der Città Vecchia. Wer die Altstadt zu Fuß durchläuft, steht früher oder später unweigerlich vor ihrer Barockfassade.
Wer die Kathedrale betritt, steht in der ältesten Kirche Apuliens – einem Gotteshaus, dessen Vielschichtigkeit spürbar ist, bevor man irgendetwas erklärt bekommt. Schicht über Schicht haben unterschiedliche Epochen ihren Abdruck hinterlassen. Eine erste Kirchenstruktur soll bereits im 5. Jahrhundert existiert haben. Grundlegend umgestaltet wurde sie im 10. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft – und was seitdem folgte, sind Jahrhunderte voller Umbauten, Zerstörungen und Erneuerungen, sichtbar in jedem Detail.
Die heutige Barockfassade, 1713 von Mauro Manieri entworfen, gibt kaum preis, was dahinter wartet: Im Inneren trifft romanische Strenge auf barocken Reichtum. Die Säulen des Mittelschiffs stammen aus griechischen und römischen Vorgängerbauten – Spolien, die man schlicht weiterverwendete, anstatt sie zu ersetzen. Dazwischen finden sich Fragmente eines mittelalterlichen Mosaikbodens aus dem 12. Jahrhundert, der auf einen gewissen Petroius zurückgeht und Szenen aus dem Leben Alexanders des Großen zeigt.
Die Kassettendecke schimmert golden, die Kapellen sind mit Marmor, Lapislazuli, Glasperlen und Perlmutt verkleidet. Wer ein Auge für Bildhauerei hat, sollte auf die Statuen achten: Mehrere Werke stammen von Giuseppe Sammartino – dem Neapolitaner, der auch den weltberühmten Cristo Velato in der Cappella Sansevero schuf.
Der Stadtpatron: Wer war San Cataldo?
San Cataldo war ein irischer Bischof aus dem 7. Jahrhundert, der auf dem Rückweg von einer Pilgerreise ins Heilige Land in Taranto strandete – und blieb. Er wirkte hier als Bischof, starb in der Stadt und wurde später heiliggesprochen. Seine sterblichen Überreste wurden 1071 in der Nähe der Taufkapelle entdeckt. Seitdem ist er Schutzpatron von Taranto – und sein silbernes Standbild steht im Mittelpunkt der prachtvollsten Kapelle des Doms.
Die Kapelle des heiligen Cataldo, auf der rechten Seite des Hauptaltars, ist das prächtigste Einzelelement des Baus: ein elliptischer Barockraum voller Einlagen und Schmuckwerk, der in seiner Dichte fast überwältigt. Jedes Jahr im Mai zieht eine große Prozession zu Ehren des Stadtpatrons durch Taranto – ein eindrucksvolles Volksfest, das die tiefe Verbundenheit der Stadt mit ihrem Schutzpatron zeigt.
Unbedingt lohnt sich auch der Gang in die Krypta aus dem 10. Jahrhundert: Fresken verschiedener Epochen und ein mittelalterlicher Sarkophag erwarten dich dort. Die Stille, die nach dem Abstieg einsetzt, ist eine eigene Qualität.
Fototipp: Über das kleine Kirchenmuseum an der Via Duomo gelangt man per Aufzug auf eine Aussichtsterrasse mit weitem Blick über Taranto. Das Ticket kostet nur 2 Euro, oben steht ein Getränkeautomat bereit. Die beste Lichtqualität für Fotos gibt es in den frühen Morgenstunden.
Mittelmeerspiele 2026 in Taranto – Die Stadt im Rampenlicht

Erstmals seit Jahrzehnten rückt Taranto in den Blickpunkt des internationalen Sports. Als Gastgeber der Mittelmeerspiele „Taranto 2026″ vom 21. August bis 3. September 2026 richtet die Stadt eine der größten Multisportveranstaltungen des Mittelmeerraums aus. Mit dieser Ausgabe feiert das Event gleichzeitig sein 75-jähriges Bestehen – ein runder Geburtstag für ein Turnier, das 1951 in Alexandria seinen Anfang nahm.
Geplant sind Wettkämpfe in mehr als 26 Sportarten, darunter Schwimmen, Leichtathletik, Rudern, Segeln, Beach-Volleyball und Bogenschießen. Die Wettkampfstätten verteilen sich auf Taranto und die umliegende Region – neu errichtete Schwimmbäder, ein modernes Wassersportzentrum direkt am Meer und sanierte Arenen, die nach den Spielen dauerhaft genutzt werden sollen.
Die Vorbereitungen laufen seit Jahren und werden flankiert von einem massiven Investitionsprogramm: Rund 275 Millionen Euro fließen in insgesamt 41 Bau- und Modernisierungsprojekte in 21 Gemeinden der Region Apulien. Allein in Taranto stecken etwa 180 Millionen Euro in neuen Sportstätten und Infrastruktur. Für eine Stadt, die jahrzehntelang im Schatten des Stahlwerks ILVA stand, ist das mehr als ein Sportfest – es ist ein Neuanfang.
Wer seinen Besuch in Taranto mit den Spielen verbinden will, sollte frühzeitig buchen: Hotels und Unterkünfte in der Region werden in diesem Zeitraum knapp. Tickets und aktuelle Informationen findest du auf der offiziellen Präsenz der Mittelmeerspiele (Website)
3. Castello Aragonese – Festung am Kanal von Taranto


Das Castello Aragonese in Taranto bewacht seit 1492 den Schifffahrtskanal zwischen den zwei Meeren – eine Position, die seine Erbauer auf byzantinischen Fundamenten mit Bedacht gewählt haben. Vier Türme mit klingenden Namen – San Cristoforo, San Lorenzo, dell’Annunziata und della Bandiera – flankieren die Anlage, deren gestaffelte Schießstände sie einst zu einer ernstzunehmenden Verteidigungsposition machten.
Im Innenhof steht eine Kapelle, gewidmet dem heiligen Leonardo, deren Entwurf Francesco di Giorgio Martini zugeschrieben wird. In ihr feierte Maria d’Enghien, Prinzessin von Tarent, ihre Hochzeit mit dem späteren König Ladislaus von Neapel – ein politisch bedeutsames Ereignis seiner Zeit. Wenig festlich verlief dagegen der Aufenthalt des französischen Schriftstellers Thomas-Alexandre Dumas, der zwischen 1799 und 1800 in den Verliesen einsaß. Sein Sohn verarbeitete diese Gefangenschaft literarisch – der Graf von Monte Christo hat seinen indirekten Ursprung in Tarantos Burgmauern.
Auch im Zweiten Weltkrieg spielte das Castello eine Rolle: In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1940 griffen britische Torpedobomber den italienischen Kriegshafen von Taranto an – die Schlacht von Tarent gilt als einer der ersten erfolgreichen Trägerflugzeug-Angriffe der Kriegsgeschichte und veränderte die maritime Kriegsführung dauerhaft. Die Burg und der Hafen waren damals das Herzstück der italienischen Mittelmeerflotte.
Heute verwaltet die italienische Marine die Anlage. Öffentliche Führungen finden regelmäßig statt und sind kostenlos. Spontaner Eintritt ist nicht möglich – eine Voranmeldung ist Pflicht. Den einfachsten Weg zur Buchung findest du direkt über die offizielle Website der Marine oder du fragst vor Ort an der Rezeption nach dem nächsten freien Termin.
Abends ist die Burg wunderschön angestrahlt. Von der Ponte Girevole aus lässt sich das Lichtspiel gut einfangen – mit etwas Geduld für die richtige Stunde bekommst du ein starkes Bild.
4. Ponte Girevole – Die legendäre Drehbrücke

Die Ponte Girevole, 1887 erbaut, verbindet die Altstadtinsel mit der Neustadt – und ist dabei weit mehr als ein Übergang. Mit ihren 160 Metern Länge überspannt sie den künstlich vertieften Kanal, der das Mar Grande vom Mar Piccolo trennt. Früher öffnete sie sich hydraulisch für Kriegsschiffe der italienischen Marine, heute ist sie ein Fußgängerübergang, der täglich von unzähligen Passanten genutzt wird. Zur Sehenswürdigkeit macht sie nicht ihre Technik, sondern Aussicht und Atmosphäre.
Mitten auf der Brücke öffnet sich das Stadtbild: links die Festung, rechts das Lungomare, vor einem der Kanal, am Horizont der rauchende Schlot des Stahlwerks ILVA. Für Taranto ist das kein Widerspruch – es ist die ehrlichste Zusammenfassung der Stadt. Geschichte und Gegenwart, Schönheit und Industrie, Wasser und Beton: alles auf einmal und ohne Filter.
Das ILVA-Stahlwerk, einst größter Arbeitgeber der Region und einer der größten Stahlproduzenten Europas, steht seit Jahren im Mittelpunkt eines der größten Umweltskandale Italiens. Jahrzehntelang belasteten seine Emissionen Boden, Luft und Menschen der Region. Heute steht es weitgehend still – und die Stadt sucht ihren Weg in eine Zeit nach dem Stahl. Die Mittelmeerspiele 2026 sind ein Teil dieser Antwort.
Einen der wenigen Engpässe der Stadt bildet die Brücke. Wer die Lagune nicht umrunden will, muss hier durch – Fußgänger, Fischer und Pendler teilen sich den schmalen Weg. Das Wasser darunter wechselt seine Farbe mit dem Licht: mal stahlgrau, mal grünlich, manchmal fast silbern. Wer die Geografie Tarantos bisher nicht verstanden hat, begreift sie spätestens hier.
5. Dorische Säulen – Der Poseidontempel von Taranto

Zwei dorische Säulen stehen in der Città Vecchia zwischen Wohnhäusern – ohne Absperrung, ohne Eintrittsgeld, ohne Erklärungsschild. Sie stehen einfach da, eingebettet in den Alltag der Altstadt, als hätte niemand je die Notwendigkeit gespürt, sie besonders in Szene zu setzen.
Dabei handelt es sich um die letzten Überreste eines Poseidontempels aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. – gebaut zu einer Zeit, als Taranto als spartanische Kolonie zu einer der mächtigsten Städte der Magna Graecia aufgestiegen war. Ursprünglich war der Tempel von einer vollständigen Kolonnade umgeben – archäologische Ausgrabungen haben Spuren von insgesamt vier Säulen freigelegt, von denen heute nur noch zwei mit erhaltenem Kapitell aufragen. Was mit dem Rest geschah, ist das übliche Schicksal antiker Bauten in Süditalien: Steine wurden abgetragen, wiederverwendet, verbaut. Die Kathedrale San Cataldo, keine 200 Meter entfernt, trägt Spolien aus eben solchen Vorgängerbauten in ihrem Inneren.
Die Säulen befinden sich am westlichen Ende der Via Duomo, nahe der Piazza Castello – wer die Altstadt von der Ponte Girevole aus betritt und geradeaus läuft, stößt nach wenigen Minuten fast zwangsläufig auf sie. Was dabei auffällt: kein aufbereiteter Kontext, keine servierte Geschichte – nur zwei Strukturen, die älter sind als das Römische Reich, umgeben vom gewöhnlichen Leben einer süditalienischen Stadt.
Zum Vergleich: Während die Tempel von Paestum oder Agrigent als Welterbestätten inszeniert und umzäunt sind, stehen diese Säulen einfach mitten im Straßenbild. Genau das macht sie so eindringlich. Nimm dir ein paar Minuten und umrunde sie. Die Proportionen überzeugen auch nach 2.600 Jahren noch.
6. MArTA – Archäologisches Nationalmuseum von Rang

Das Archäologische Nationalmuseum MArTA gilt als eines der bedeutendsten seiner Art in ganz Italien – und ist für viele Besucher die eigentliche Hauptattraktion der Stadt. 1887 eröffnet und in einem ehemaligen Franziskanerkloster der Neustadt untergebracht, führt das Haus chronologisch durch Tarantos Geschichte: von der Vorzeit über die griechische und römische Epoche bis ins frühe Mittelalter. Plane mindestens zwei bis drei Stunden ein – wer tiefer eintauchen will, braucht einen halben Tag.
Das Herzstück der Sammlung sind die „Ori di Taranto“ – Goldschmiedearbeiten aus der hellenistischen Zeit, die zur filigransten Arbeit zählen, was die Antike hinterlassen hat. Ohrringe, Halsketten und Haarnadeln aus haardünnen Goldfäden, granuliert und mit Einlagen versehen. Diese Objekte belegen, dass Taranto in seiner Blütezeit kein Randphänomen war, sondern ein Zentrum handwerklichen Könnens – vergleichbar mit den großen Metropolen des antiken Mittelmeerraums.
Ein weiteres Highlight im zweiten Stockwerk ist die Zeus-Statue aus Ugento: eine Bronzefigur aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die den Göttervater in voller Bewegung zeigt und zu den eindrucksvollsten Einzelobjekten des gesamten Museums zählt. Daneben finden sich archäologische Reste aus prähistorischer Zeit, Zeugnisse der apulischen Bevölkerung der Messapier und Funde aus der byzantinischen Epoche. Digitale Ergänzungen helfen beim Einordnen, Modelle machen historische Stadtstrukturen greifbar.
Das Museum liegt in der Via Cavour in der Neustadt, gut zu Fuß von der Ponte Girevole erreichbar. Ein Audioguide ist gegen geringe Gebühr erhältlich und lohnt sich – ohne Kontext erschließen sich viele Exponate nur halb.
Fototipp: In den meisten Bereichen des Museums ist Fotografieren ohne Blitz erlaubt. Die Ori di Taranto sind in einer eigenen, abgedunkelten Vitrinengalerie ausgestellt – hier brauchst du ein ruhiges Händchen oder erhöhst den ISO-Wert deiner Kamera. Das weiche, indirekte Licht macht die Goldarbeiten besonders gut sichtbar.
- Öffnungszeiten: Di. bis So. 08:30 bis 19:30 Uhr, Mo. geschlossen
- Eintritt: 5 Euro, unter 18 Jahren kostenlos
7. Mar Piccolo & Fischmarkt – Der Bauch von Taranto

Das Mar Piccolo ist keine Erfindung von Tourismusprospekten. Es ist eine fast vollständig geschlossene Meereslagune direkt hinter der Altstadtinsel – ruhig, brackig, von Süßwasserquellen gespeist, die vom Meeresboden aufsteigen. Zwei Becken, getrennt durch eine schmale Landenge, erstrecken sich östlich der Stadt. Hier liegt kein Badestrand, kein Hafen für Kreuzfahrtschiffe. Hier liegt der Grund, warum Taranto isst, wie Taranto isst.
Denn das Mar Piccolo ist die Heimat der Cozze di Taranto – der Miesmuscheln, die in ganz Apulien als die besten des Landes gelten. Schon die Griechen wussten um die Qualität dieser Gewässer und betrieben hier erste Muschelzuchten. Heute hängen die charakteristischen Zuchtgestelle noch immer im Wasser – kleine Boote und Holzpfähle, die sich kaum verändert haben seit Jahrhunderten. Neben Muscheln werden hier auch Austern und Seeigel gezüchtet, die frisch auf dem Markt landen.
Dieser Markt – der Mercato del Pesce – liegt direkt am Ufer des Mar Piccolo, unweit der Altstadt. Wer früh aufsteht, erlebt ihn in seiner lautesten, ehrlichsten Form: Fischhändler, die ihre Ware auf Eisplatten ausbreiten, Einheimische, die ohne zu zögern zugreifen, und eine Geräuschkulisse, die sich mit keiner anderen Marktatmosphäre in Süditalien vergleichen lässt. Der Markt beginnt gegen 05:00 Uhr morgens und ist meist bis 09:00 Uhr vorbei – wer schläft, verpasst ihn.
Mein Tipp: Nehm dir Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Promenade, die parallel zur Via Guiseppe Garibaldi verläuft. Dort findest du tolle Fotomotive wie die Bronzestatue eines Carabinieris, die an das 200-jährige Bestehen der Gendarmerie-Truppe im Jahr 2014 erinnert.
8. Tarantos Küche – Roh, ehrlich und konsequent mediterran

Die Küche Tarantos dreht sich fast vollständig um Meeresfrüchte. Das ist keine Modeerscheinung, sondern eine jahrtausendealte Praxis, die direkt mit der Geografie der Stadt zusammenhängt. Das Mar Piccolo liefert Muscheln, Austern und Seeigel in einer Qualität, die anderswo kaum zu finden ist. Das offene Ionische Meer bringt Oktopus, Rotbarbe, Wolfsbarsch und Goldbrasse. Was morgens um fünf auf dem Fischmarkt landet, liegt mittags auf dem Teller.
Das Herzstück der tarantinischen Küche sind die Cozze alla tarantina – Miesmuscheln in einer würzigen Tomatensauce mit Knoblauch, Petersilie und Peperoncino, mit geröstetem Brot serviert. Ein simples Gericht, das von der Qualität seiner Zutaten lebt und in dieser Form nirgendwo sonst auf der Welt so schmeckt wie hier. Daneben stehen Cozze crude – rohe Muscheln direkt aus dem Wasser, mit einem Spritzer Zitrone – auf fast jeder Speisekarte der Altstadt.
Wärmer und sättigender sind Cozze alla tarantina: Muscheln in kräftiger Tomatensauce, mit geröstetem Brot serviert – schlicht und gut. Hinzu kommen Pasta mit Muscheln oder Seeigeln, Tintenfischsuppe und Schmorgerichte mit Oktopus. Für den Abend empfehlen sich Panzerotti, die frittierten Teigtaschen aus Pizzateig – das lokale Fast Food, günstig, heiß und fast immer verlässlich. Auch Pucce, gefüllte Brotfladen, sind einen Versuch wert. Den Abschluss macht ein Espresso – am besten mit einem Bocconotto, einem kleinen apulischen Gebäck mit Cremefüllung, das zum Nachmittagskaffee am besten passt.
Als konkrete Empfehlungen nenne ich die Pizzeria da Michele Taranto mit herrlichem Blick auf das Castello. Das traditionsreiche Lokal gilt seit vier Jahrzehnten als Institution in der Gastroszene Tarantos und steht für ausgezeichnete und zugleich üppige Antipasti und Pizzen.
Das Restaurant mit der vielleicht schönsten Lage ist das Da Alessio alla Lega Navale direkt am Yachthafen. Ausgezeichnetes Essen, professionell, exzellenter Service und dazu eine herrliche Aussicht – viel mehr geht nicht.
Etwas anders präsentiert sich die Trattoria del Pescatore am östlichen Eingang der Altstadt. Frisch und unkompliziert wie die Räumlichkeiten ist auch das Konzept, das man als eine Mischung aus Fischladen und Restaurant bezeichnen kann.
Mein Tipp: Die besten Adressen liegen nicht auf den Hauptstraßen, sondern in den Seitengassen der Città Vecchia und entlang des Lungomare.
9. Lungomare Mar Grande – Eleganz mit Geschichte im Rücken

Der Lungomare Vittorio Emanuele III ist das andere Gesicht von Taranto. Wer die enge, raue Altstadt hinter sich lässt und die Drehbrücke in Richtung Neustadt überquert, landet auf einer der schönsten Uferpromenaden Süditaliens – breit, baumgesäumt, mit freiem Blick aufs Mar Grande und dem offenen Ionischen Meer am Horizont.
Die Promenade erstreckt sich über mehrere Kilometer entlang der Südküste der Neustadt. Flankiert wird sie von Jugendstilbauten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert – elegante Fassaden mit Erkern, Stuckverzierungen und hohen Bogenfenstern, die an bessere Zeiten erinnern und trotzdem noch immer eine gewisse Noblesse ausstrahlen. Wer langsam geht und die Blicke hebt, entdeckt Details, die im schnellen Vorbeigehen verlorengehen.
Mittelpunkt des Lungomare ist das Monumento al Marinaio d’Italia – ein rund sieben Meter hohes Bronzedenkmal, das allen Matrosen der italienischen Marine gewidmet ist. Die Figur steht mit dem Rücken zum Meer, den Blick auf die Stadt gerichtet – als würde sie den Kanal bewachen, der Mar Grande und Mar Piccolo verbindet. Das Denkmal wurde bewusst so positioniert, dass es die einlaufenden Schiffe „begrüßt“. Ein starkes Motiv, das in keinem Reisefoto-Set aus Taranto fehlen sollte.
Am späten Nachmittag beginnt hier die Passeggiata, der tägliche Spaziergang der Tarantiner, der in Süditalien so selbstverständlich ist wie das Abendessen selbst. Familien, Rentner, junge Paare – alle schlendernd, alle ohne Eile. Die Neustadt mit ihrer Via d’Aquino als belebter Einkaufsstraße liegt nur wenige Gehminuten entfernt und bietet reichlich Möglichkeiten, den Abend ausklingen zu lassen.
10. Strände der Ionischen Küste – Blaues Wasser südlich der Stadt

Die Strände südlich von Taranto gehören zu den schönsten ganz Apuliens – und sind trotzdem bei deutschen Reisenden weitgehend unbekannt. Kein Massentourismus, kein Gedränge, dafür kristallklares Wasser in einem Blauton, der an die griechischen Inseln erinnert. Mit dem Auto bist du in 15 bis 40 Minuten an den besten Stellen.
Der nächstgelegene Strandabschnitt beginnt direkt südlich der Stadt am Lido Silvana – flaches, ruhiges Wasser, ideal für Familien, mit einer Mischung aus freien Abschnitten und Lidos mit Liegen und Sonnenschirmen. Wer etwas mehr Einsamkeit sucht, fährt weiter bis Leporano oder zur Baia Verde bei Gallipoli, die zwar bereits zur Provinz Lecce gehört, aber von Taranto aus in unter einer Stunde erreichbar ist.
San Pietro in Bevagna, rund 30 Minuten mit dem Auto entfernt, bietet flaches, klares Wasser und familienfreundliche Lidos. Die Wasserfarbe überrascht selbst erfahrene Süditalien-Reisende – so türkisblau und klar erwartet man sie an dieser Küste nicht zwingend. Wer ohne Trubel ins Meer möchte, ist hier richtig. Campomarino di Maruggio hat Dünen, klares Wasser und im Sommer lebhafte Strandbars. Marina di Ginosa überzeugt mit breiten Sandflächen, einem Pinienwald als natürlichem Puffer zur Straße und ausgezeichneter Wasserqualität. Der Charakter ist entspannt, der Betrieb überschaubar. Spiaggia San Vito ist die stadtnächste Option, auch mit dem Bus erreichbar, flach und unkompliziert.
Ein besonderer Tipp sind die Cheradi-Inseln direkt vor dem Hafen von Taranto. Von Juni bis September verkehren Fähren vom Piazzale Democrate, nordwestlich der Altstadt, mehrmals täglich zur Isola di San Pietro, der größeren der beiden Inseln. Dort erwarten dich ein ruhiger Badestrand, klares Wasser und eine Abgeschiedenheit, die angesichts der Nähe zur Stadt fast unwirklich wirkt. Außerhalb der Sommermonate sind die Inseln nicht erreichbar.
Hilfreiche Tipps für deine Reise nach Taranto

Anreise
Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Brindisi (Aeroporto del Salento), rund 75 km von Taranto entfernt – von dort dauert die Weiterfahrt mit dem Mietwagen etwa eine Stunde. Aus Deutschland fliegen mehrere Airlines Brindisi direkt an, darunter Ryanair und Eurowings. Eine zweite Option ist der Flughafen Bari, rund 90 km entfernt, mit mehr Direktverbindungen aus dem deutschsprachigen Raum.
Wer mit dem Zug reist: Taranto hat einen eigenen Bahnhof und ist über die Hauptlinie Bari–Taranto erreichbar. Die Fahrt von Bari dauert etwa anderthalb Stunden. Aus dem Norden Italiens ist Taranto über Neapel oder Rom erreichbar, mit entsprechend längeren Reisezeiten.
Mit dem Auto ist Taranto über die Autobahn A14 (Bologna–Taranto) und die SS7 erreichbar. Wer in die Altstadt will, parkt am besten am Parcheggio Largo Piazza Castello, direkt neben der Ponte Girevole – von dort ist die gesamte Città Vecchia zu Fuß erreichbar.
Fortbewegung vor Ort
Die Altstadt und Neustadt sind gut zu Fuß erkundbar – die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen alle im Umkreis von zwei Kilometern. Für die Strände südlich der Stadt und Ausflüge nach Grottaglie oder Manduria ist ein Mietwagen empfehlenswert, da der öffentliche Nahverkehr in der Region dünn ist. Taxis sind verfügbar, aber für längere Strecken teuer. Fahrräder lassen sich in der Neustadt vereinzelt ausleihen.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für Taranto ist Mai bis Juni und September bis Oktober. In diesen Monaten sind die Temperaturen angenehm, das Meer bereits warm genug zum Baden und die Stadt deutlich weniger überfüllt als im Hochsommer. Der Juli und August sind heiß – Temperaturen über 35 Grad sind keine Seltenheit – und durch die Mittelmeerspiele 2026 wird der Sommer dieses Jahr besonders voll. Wer die Spiele erleben will, plant seinen Besuch zwischen dem 21. August und 3. September 2026 – und bucht Unterkunft so früh wie möglich.
Im Frühjahr lohnt sich ein Besuch besonders wegen der Karwoche: Die Prozessionen in Taranto zu Ostern gelten als die eindrucksvollsten in ganz Süditalien und ziehen jedes Jahr tausende Besucher an.
Kosten
Taranto ist im Vergleich zu anderen italienischen Städten ausgesprochen günstig. Ein einfaches Mittagessen in der Altstadt kostet zwischen 10 und 15 Euro, ein vollständiges Abendessen mit Meeresfrüchten in einem guten Restaurant zwischen 25 und 40 Euro pro Person. Die meisten Sehenswürdigkeiten – Castello Aragonese, dorische Säulen, Kathedrale San Cataldo – sind kostenlos oder sehr günstig. Der Eintritt ins MArTA kostet 5 Euro. Unterkünfte sind im Vergleich zu Lecce oder Alberobello deutlich günstiger – gute Hotels in der Neustadt beginnen ab etwa 70 Euro pro Nacht.
❓ Häufig gestellte Fragen zu Taranto
❓ Wo liegt Taranto?
Taranto liegt in Apulien, im Süden Italiens, am Absatz des Stiefels. Die Stadt befindet sich an der Küste des Ionischen Meeres und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Von Bari aus sind es rund 90 km nach Südosten, von Lecce etwa 90 km nach Nordwesten.
❓ Wie komme ich nach Taranto?
Der nächste internationale Flughafen ist Brindisi (ca. 75 Kilometer), alternativ Bari (ca. 90 Kilometer). Mit dem Auto ist Taranto über die A14 erreichbar. Per Zug gibt es eine direkte Verbindung von Bari nach Taranto, die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden.
❓ Was sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Taranto?
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind das Castello Aragonese, die Kathedrale San Cataldo, die dorischen Säulen des Poseidontempels und das Archäologische Nationalmuseum MArTA. Dazu kommen die Altstadtinsel Città Vecchia, die Ponte Girevole und der Fischmarkt am Mar Piccolo.
❓ Wann ist die beste Reisezeit für Taranto?
Die beste Reisezeit ist Mai bis Juni und September bis Oktober – angenehme Temperaturen, warmes Meer, weniger Touristen. Im Sommer wird es sehr heiß, im Winter mild aber regnerisch. Besonders empfehlenswert ist die Karwoche vor Ostern, wenn die berühmten Prozessionen durch die Altstadt ziehen.
❓ Benötige ich ein Auto in Taranto?
Für die Stadt selbst nicht – die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Altstadt und Neustadt sind gut zu Fuß erreichbar. Für Ausflüge zu den Stränden südlich der Stadt, nach Grottaglie oder Manduria ist ein Mietwagen jedoch sehr empfehlenswert, da der öffentliche Nahverkehr in der Region dünn ist.
❓ Wie teuer ist Taranto?
Taranto ist günstig. Ein Mittagessen kostet 10 bis 15 Euro, ein Abendessen mit Meeresfrüchten 25 bis 40 Euro pro Person. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind kostenlos, das MArTA kostet 5 Euro Eintritt. Gute Hotels beginnen ab etwa 70 Euro pro Nacht.
❓ Was sollte ich in Taranto unbedingt essen?
Unbedingt probieren: Cozze alla tarantina – Miesmuscheln in Tomatensauce – und Cozze crude – rohe Muscheln mit Zitrone. Wer mutig ist, probiert Ricci di mare – rohe Seeigel, direkt am Fischmarkt. Zum Frühstück empfiehlt sich ein Pasticciotto leccese in einer der lokalen Bars.
❓ Wann sind die Mittelmeerspiele in Taranto?
Die Mittelmeerspiele „Taranto 2026″ finden vom 21. August bis 3. September 2026 statt. Es handelt sich um eine große internationale Multisportveranstaltung mit über 26 Sportarten. Die Spiele feiern ihr 75-jähriges Bestehen und sind der bisher größte internationale Event in der Geschichte der Stadt.
Mein Fazit über meine Reise nach Taranto

Die Gegensätze machen diese Stadt aus. Die verfallene Schönheit der Città Vecchia neben dem modernen Lungomare. Die jahrtausendealten dorischen Säulen mitten im Alltag der Altstadt. Das filigrane Gold der Ori di Taranto im Museum, wenige Meter vom rauen Treiben des Fischmarkts entfernt. Und am Horizont immer dieser Schlot – der stumme Zeuge einer Industriegeschichte, die die Stadt geprägt und gleichzeitig gelähmt hat. Mit den Mittelmeerspielen 2026 beginnt für Taranto ein neues Kapitel. Die Stadt investiert, saniert und öffnet sich. Wer jetzt kommt, erlebt sie in einem Moment des Wandels.
Meine Empfehlung: Plane mindestens zwei Tage ein. Einen für die Altstadt, das Museum und die Brücke. Einen für die Strände, einen Ausflug nach Grottaglie und den Abend am Lungomare. Wer mehr Zeit hat, wird sie füllen können.
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