Karte: Unser Irland-Roadtrip im Überblick
Hier findest du zunächst die grobe Route unseres Roadtrips. Wir starten im Städtchen Shannon (Flugzeit ab Frankfurt unter zwei Stunden), fahren nach Ennis und Limerick und halten uns dann nordwärts in Richtung Cong, Westport und nach Achill Island, bevor es wieder in den Süden nach Galway geht. Von dort erkunden wir die Aran Islands. Danach folgen der Burren, die bekannten Cliffs of Moher und schließlich wieder Shannon. Kein Kreis im klassischen Sinne, eher eine Acht mit völlig verschiedenen Eindrücken.

Die Route in Kurzform:
- Tag 1: Flug nach Shannon, Ennis, Limerick
- Tag 2: Bunratty Castle, Cong, Westport
- Tag 3: Achill Island
- Tag 4: Doo Lough, Kylemore Abbey, Galway
- Tag 5: Bootsausflug nach Inishmore
- Tag 6: The Burren, Doolin Cave, Doolin
- Tag 7: Loop Head, Cliffs of Moher
- Tag 8: Rückflug ab Shannon
Tag 1 – Shannon, Ennis und das erste Guinness in Limerick
Der Flughafen Shannon liegt an der Westküste Irlands – und das ist der große Vorteil dieser Route gegenüber einem Start in Dublin. Von Frankfurt aus erreichst du Shannon in weniger als zwei Flugstunden. Kein Umsteigen, kein langer Transfer, kein ganzer Tag, der verloren geht. Du landest, holst den Mietwagen ab und fährst los.
Erster Halt: Ennis, Hauptstadt des County Clare. Die Stadt liegt am River Fergus und ist bekannt für ihre mittelalterlich geprägten Gassen – und noch mehr für ihre Musiktradition. Jährlich im Mai findet in dem Ort das Fleadh Nua statt, eines der renommiertesten Festivals für traditionelle irische Musik. Nimm dir eine halbe Stunde für die Ennis Friary, eine sehenswerte Ruine eines Franziskanerklosters.


Wir hatten das Glück, im Stadion Cusack Park ein Spiel des gälischen Sportvereins Éire Óg Inis zu sehen. Gaelic Football (irisch: peil Ghaelach) ist eine Mannschaftssportart, die Elemente von Rugby und Fußball aufweist. Uns hat’s super gefallen!

Limerick liegt nur 30 Fahrminuten südlich. Die Wurzeln der Stadt reichen bis zu einer Wikingersiedlung im 9. Jahrhundert zurück. Sehenswürdigkeiten gibt es einige, aber eine sticht heraus: King John’s Castle am Fluss Shannon, eine Festung aus dem 13. Jahrhundert mit interaktiver Ausstellung. Vom Mauergang schaust du über den Fluss. Den besten Blick auf die Festung selbst hast du von der gegenüberliegenden Uferseite.
Gleich daneben die St. Mary’s Cathedral, die älteste Kirche der Stadt. Und für alle, die wissen wollen, wie ein Markt aussieht, der seit 1852 existiert: der Milk Market ist ein überdachtes Labyrinth aus Obst, Gemüse, Käse, Backwaren und Handwerk. Wer Frank McCourts Roman „Die Asche meiner Mutter“ kennt, sollte abends in den South’s Pub in der Quinlan Street. Der Pub wurde als Drehort für die Verfilmung genutzt und hat seitdem wenig von seiner rauen Atmosphäre eingebüßt.


Werbung: Du hast auch Lust, Irland auf einem unvergesslichen Roadtrip zu erkunden? Wir haben die hier vorgestellte Tour Ende April, also zum Beginn der Saison, mit Wolters Rundreisen gemacht und können die Reise allen empfehlen, die es lieben, individuell unterwegs zu sein und so Land und Leute besser kennenzulernen. Hier findest du noch mehr Informationen zur Rundreise mit Buchungsmöglichkeit.
Tag 2 – Bunratty Castle, das Dorf aus dem Film, Connemara & Mayo
Das Bunratty Castle ist der erste Pflicht-Stop des zweiten Reisetages. Die Burg aus dem Jahr 1425 ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Anlagen des Landes. Dich erwarten schmale Treppenhäuser und großen Hallen. Im zugehörigen Bunratty Folk Park – ein Freilichtmuseum mit über 30 historischen Gebäuden – bekommst du einen Einblick in den Alltag Irlands um 1900: Handwerker, Bauernhäuser, ein georgianisches Herrenhaus. Du könntest hier Stunden zubringen und würdest immer Neues entdecken.


Auf dem Weg Richtung Norden lohnt ein Abstecher zum Ross Errilly Friary, eines der besterhaltenen mittelalterlichen Franziskanerklöster Irlands. Der Glockenturm stammt aus dem Jahr 1498. Die Außenmauern im Erdgeschoss sind fast vollständig erhalten, und wer genau schaut, kann noch Küche, Backhaus und Refektorium (Speisesaal) identifizieren.

Dann Cong – ein kleines Dorf auf der Grenze zwischen den Grafschaften Galway und Mayo. Auf der Brücke über den Fluss stehst du mit einem Bein in jeder Grafschaft. Sehenswert sind die Ruinen der Cong Abbey aus dem 12. Jahrhundert und das am Wasser gelegene Monk’s Fishing House, dessen Boden eine Öffnung hat – früher Angel-Luke der Mönche.
Cong ist aber auch bekannt als Kulisse des Oscar-prämierten Hollywoodfilms „The Quiet Man“, den Regisseur John Ford hier 1952 mit John Wayne und Maureen O’Hara drehte. Die Statue der beiden Hauptdarsteller ist heute ein beliebtes Fotomotiv. Einkehren kannst du etwa im Pat Cohan’s Gastro Pub. Die Bar kommt im Film vor und ist daher auch als „The Quiet Man Bar“ bekannt. Essen und Getränke sind etwas teurer als gewöhnlich – aber der Besuch lohnt sich!


Der Rest des Tages gehört der Fahrt durch Connemara und das County Mayo. Du folgst einer der eindrucksvollsten Straßen des gesamten Roadtrips. Die R300 führt durch Moore, vorbei an Seen, die je nach Licht ihre Farbe ändern, und gibt immer wieder den Blick auf die Maumturk Mountains frei. Alte Steinmauern durchschneiden das Land wie Jahresringe. Am Straßenrand Schafe, im Frühjahr fast immer mit süßen kleinen Lämmern.


Tagesabschluss: Westport, übrigens mehrfach zur „Tidiest Town“ gekürt. Die Stadt wurde im 18. Jahrhundert als eine der wenigen geplanten Städte Irlands im georgianischen Stil angelegt. Der Carrowbeg River läuft durch den Ort, mehrere Steinbrücken verbinden die Ufer, die Fassaden sind bunt.
Abends empfehle ich Matt Molloy’s in der Bridge Street. Der Pub gehört dem Flötisten Matt Molloy, Mitglied der legendären Chieftains. In dem Pub gibt es sieben Abende die Woche Live-Trad-Music. Wer Glück hat, sitzt nur einen Meter von einem der besten Flötenspielern der Welt – für den Preis eines Pints. Wir wurden übrigens von einem Verwandten von Matt Molloy auf ein Guiness eingeladen – einfach so. Das ist Irische Gastfreundschaft.


Tag 3 – Achill Island: Die Insel, die schon Heinrich Böll verzauberte
Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Irlands befinden sich entlang der Küste – und eine Fahrt mit dem eigenen Auto ist die beste Art, diese Highlights zu erleben. Achill Island ist die größte Insel Irlands. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbindet eine Brücke die Insel mit dem Festland. Schon ab Mallaranny beginnt die Landschaft aufzuhören, normal zu sein.

Auf Achill Island wandelst du auch auf den Spuren von Heinrich Böll. Der deutsche Schriftsteller, der 1972 den Literaturnobelpreis erhielt, reiste erstmals Mitte der 1950er Jahre nach Irland. Was er sah, schrieb er auf: das „Irische Tagebuch“, erschienen 1957, hat wohl mehr deutschsprachige Touristen nach Irland gebracht als jeder Reiseführer. 1958 kaufte die Familie Böll ein weißes Cottage im Dorf Dugort auf Achill, wo sie viele Sommer verbrachte. Seit 1992 dient das Haus als Künstlerresidenz.
Du folgst immer dem Atlantic Drive. Die Panoramastraße windet sich an der Südküste der Insel entlang und gehört zu den schönsten Küstentraßen der Welt. Eines der spektakulärsten Highlights ist der Blick vom hoch gelegenen Aussichtspunkt auf die White Cliffs of Ashleam und die Ashleam Bay. Weiter geht’s zum Keel Beach, einem langen Sandstrand. In den Sommermonaten kannst du hier Surfen, Segeln, Kajakfahren oder Windsurfen. Außerdem gibt’s hier eine Strand-Sauna (Website). Abkühlen kannst du dich im Meer.


Der Keem Beach liegt am Ende der Straße, die sich zum Schluss in langen Kurven einen Berghang hinunterschraubt. Unten wartet eine hufeisenförmige Bucht: weißer Sand, Wasser in einem Blaugrün, das man hier nicht erwartet, und rundherum Hänge, die so steil und so grün sind, dass man kurz vergisst, wo man ist.

Der Parkplatz liegt oberhalb des Strandes. Von dort hast du den guten Blick auf die Bucht – und wenn du Glück hast und die Saison stimmt, siehst du von hier Basking Sharks, auf Deutsch Riesenhaie. Sie können bis zu 12 Meter Länge erreichen, ziehen mit weit geöffnetem Maul knapp unter der Wasseroberfläche ihre Bahnen und filtern dabei Plankton aus dem Wasser. Für Menschen stellen sie keine Gefahr dar. Die Tiere haben schlicht kein Interesse. Sie folgen dem Plankton – und das treibt sie im irischen Frühling in Buchten wie dieser.
Die Saison der Riesenhaie beginnt in Irland im April und läuft bis in den Juli oder frühen August, mit dem Höhepunkt zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Die Nordwestküste von Mayo – also genau dieser Küstenabschnitt rund um Achill Island – gehört zu den verlässlichsten Beobachtungsgebieten in ganz Irland.
Vom Keem Beach aus haben wir uns an den Aufstieg zu den Cliffs of Croaghaun gemacht. Das klingt nach einer gemütlichen Wanderung – ist es nicht! Es gibt keinen markierten Weg. Keine Schilder, keinen Pfad, keinen Hinweis, der dir sagt, wo es langgeht. Du steigst vom Parkplatz aus den Hang hoch, suchst dir deinen eigenen Weg durch Gras, Gestrüpp und über Felsen und folgst ab und zu den Trampelpfaden der Schafe. Zwei Stunden bergauf, teils sehr steil, komplett weglos. Nur bei Trockenheit zu empfehlen!
Oben angekommen warten die Cliffs of Croaghaun, die höchsten Klippen Irlands und die dritthöchsten in ganz Europa. Der Croaghaun-Gipfel liegt 688 Meter über dem Atlantik und die Klippen fallen nahezu senkrecht ins Meer. Wir hatten leider Wolken in Richtung Meer. Der Ausblick war trotzdem fantastisch.


Den Abend verbringen wir auf der Rückfahrt nach Westport. Auf der Strecke findet man einige gute Pubs – keine Touristenorte, sondern Lokale, in denen Einheimische sitzen. Wir sind in Ted’s Bar in Cashel South eingekehrt und hatten das leise Gefühl, dass der härteste Tag des gesamten Roadtrips auch einer der besten war.
Tag 4 – Doo Lough, Kylemore Abbey und Galway City
Dieser Tag ist einer der schönsten des gesamten Roadtrips. Von Westport nimmst du Kurs auf die einspurige L1824. Die Straße windet sich hinauf in die Sheeffry Hills, eine Bergwelt aus Gestein, Moorebenen und Grasflächen. Nach dem Scheitelpunkt des Sheeffry Pass erreichst du einen Aussichtspunkt mit Blick auf den See Tawnyard Lough – schöner geht’s wirklich nicht mehr!

Die Straße führt sich weiter zum Doo Lough. Doo ist das anglisierte Irisch für dubh – schwarz. Das Wasser ist es nicht wirklich, aber es wirkt so: dunkel, still, von Berghängen eingerahmt. Der Doo Lough ist auch historisch interessant: Im März 1849, auf dem Höhepunkt der Großen Hungersnot (An Gorta Mór), starben hier zahlreiche Menschen auf einem Marsch, den die britische Verwaltung ihnen aufzwang. Das Ereignis ist als Doolough Tragedy in die Geschichtsbücher eingegangen.

Die Straße führt dich weiter zum Killary Fjord zwischen den Grafschaften Galway und Mayo. Der Killary Fjord ist rund 16 Kilometer lang, bis zu 45 Meter tief und gilt als Irlands einziger echter Meeresfjord, also ein überflutetes Gletschertal. Auf dem Fjord selbst siehst du Muschel- und Lachsfarmen. Du kannst auch an einer Bootsrundfahrt auf dem Fjord teilnehmen und die Landschaft vom Wasser aus erkunden.

Am nördlichen Ende des Fjords warten die Aasleagh Falls. Den besten Blick hast du von der Aussichtsplattform, die du nach rund fünf Minuten Fußweg erreichst. Besonders nach Regentagen zeigen sich die Fälle von ihrer schönsten Seite – und Regen ist in Irland keine Seltenheit.

Das nächste Ziel ist Kylemore Abbey. Das imposante Anwesen am Ufer des Pollacapall Lough ist eines der meistfotografierten Motive in Irland. Die Geschichte beginnt mit dem Großindustriellen und Politiker Mitchell Henry, der das Schloss Kylemore in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauen ließ. 1920 ließ sich eine Benediktinerinnengemeinschaft im Schloss nieder. Was zu sehen ist: die restaurierten Räume der Abtei und der Victorian Walled Garden, einer der schönsten historischen Gärten Irlands.


Wenn du nach Kylemore noch Energie hat, fährst du nach Letterfrack, wo der Eingang zum Connemara-Nationalpark liegt. Von hier führt ein Rundweg auf einer Länge von rund 7 Kilometern mit einer Höhendifferenz von knapp 400 Metern zum 442 Meter hohen Gipfel des Diamond Hill – irisch Binn Ghuaire. Der Weg ist gut markiert und befestigt: Bohlensteige über Torfmoorflächen im unteren Abschnitt, Steinstufen und felsiges Gelände weiter oben. Die Aussicht, unter anderem auf die Twelve Bens, ist spektakulär.

Nächster Halt: Clifden, inoffiziell auch als Hauptstadt Connemaras bezeichnet. Cafés, Pubs, Läden, Menschen auf der Straße. Der Market Square ist der Mittelpunkt, freitags findet hier der Farmer’s Market statt. Kaffeepause in der Walsh’s Bakery in der Nähe. Die Bäckerei existiert seit 1953 – und das schmeckt man. Bei gutem Wetter draußen sitzen und schauen.

Von Clifden führt die R341 entlang der Küste nach Südosten. Die Strecke umrundet das Roundstone Bog – Irlands größtes Torfabbaugebiet – und gibt dabei immer wieder den Blick auf eine stark zerklüftete Küstenlinie frei, der zahlreiche Inseln vorgelagert sind. Zwei Traumstrände und Sanddünen erwartet dich am Dog’s Bay und am gegenüberliegenden Gurteen Beach.
Das Dorf Roundstone ist der richtige Stopp für Kaffee und einen kurzen Bummel. Im Ort befindet sich das Roundstone Music & Crafts Center, wo der Handwerker Malachy Kearns Bodhráns herstellt – die einseitige irische Rahmentrommel, die seit Jahrhunderten zum Trad-Sound gehört. Kearns gilt als einer der wenigen Handwerker, die das Instrument noch vollständig nach überlieferten Methoden fertigen.


Kurz vor Galway lohnt ein letzter Halt am Island Viewpoint über dem Derryclare Lough. Eine kleine, vollständig mit Bäumen bewachsene Insel liegt mitten im See, dahinter die Silhouette der Twelve Bens. Fotografenherzen schlagen hier höher.

Der Tag endet in Galway. Kopfsteinpflaster, Straßenmusiker, Menschenmassen, gesellige Pubs. Der Ort hat eine mittelalterliche Altstadt, die du problemlos zu Fuß in ein bis zwei Stunden erkunden kannst. Die Abende können aber lang werden. Pflichtprogramm: eine Trad Session. Die besten Abende verbringst du im Latin Quarter.
Wir waren im The Kings Head in der High Street. Im Pub kannst du dich an einem mittelalterlichen Kamin aus dem Jahr 1612 wärmen. Die Geschichte des Hauses ist kompliziert – es gibt eine Verbindung zur Hinrichtung von König Charles I. im Jahr 1649, deren Details die Website gut erklärt. Noch wichtiger für den Abend: Live-Musik, eine Whiskey-Auswahl, die du garantiert nicht in einer Nacht durchprobierst, und eine Energie, die einen irischen Pub-Abend ausmacht. Für uns war es eine der besten Musikdarbietungen des gesamten Roadtrips.


Tag 5: Überfahrt nach Inishmore
Galway hat genug zu bieten, um hier einen zweiten Vormittag zu verbringen. Zu empfehlen ist etwa eine Stadtführung. Wir haben uns für einen Ausflug nach Inishmore (Inis Mór), der größten der drei Aran Islands, entschieden.
Aran Island Ferries (Website) betreibt saisonal, von Anfang April bis Ende September, eine direkte Verbindung ab den Galway City Docks, also direkt vom Stadthafen, ohne Umweg zu einem entlegenen Hafen. Die Fähre braucht ohne Zwischenstopp eineinhalb Stunden nach Inis Mór, was schlicht „die große Insel“ bedeutet.

Am Pier in Kilronan, dem Hauptort der Insel, musst du dich entscheiden: Fahrrad oder Minibus. Wir haben spontan eine Minibus-Tour gebucht. Die Minibusse stehen direkt am Hafen und fahren los, sobald ein Bus voll ist. Unser Fahrer Noel Mahon (Website) ist auf Inis Mór aufgewachsen, kennt jeden Stein und erklärt seine Insel mit einer Mischung aus historischem Faktenwissen und trockenem Humor, die man in keinem Reiseführer findet. Die Touren dauern 2,5 bis 3 Stunden, enthalten einen längeren Halt bei Dún Aonghasa und kostet rund 30 Euro pro Person.
Der erste Stopp ist ein Aussichtspunkt mit kleinem Café. Wer Glück hat, sieht Robben auf den Felsen unter sich liegen. Das stärkste Argument für diesen Roadtrip-Tag ist aber die Festungsanlage Dún Aonghasa. Der Aufstieg vom Besucherzentrum dauert 15 bis 20 Minuten. Der innere halbkreisförmige Wall wurde vor rund 3.000 Jahren in der Bronzezeit errichtet. Die äußeren Wälle kamen später dazu.
Das Ergebnis ist eine Anlage mit drei Mauerringen, deren südliche Seite kein Mauerwerk abschließt. Das macht die Natur: eine rund 90 Meter hohe, senkrechte Klippe, die direkt in den Atlantik fällt. An klaren Tagen reicht der Blick bis zum Mount Brandon auf der Dingle-Halbinsel – rund 120 Kilometer Luftlinie. Wir hatten einen dieser Tage und wir haben lange geschaut. Achte auch einmal auf die spitzen Felsen rund um die Anlage, einer sogenannten Cheval De Frise (Reitersperre) zur Abwehr von berittenen Angreifern.


Ein weiterer Halt sind die Seven Churches, irisch Dísert Bhreacáin. Der Name ist aber irreführend. Hier stehen keine sieben Kirchen. Es sind nur zwei Kirchen mit einigen historischen Nebengebäuden. Die Sieben beziehen sich wahrscheinlich auf den Pilgerweg nach Rom, der traditionell sieben Kirchen umfasste.

Noel hat auf der Tour allerlei Dinge erzählt, die in keinem Reiseführer stehen. Zum Beispiel: Inis Mór hat einen Lebensmittelmarkt, einen fliegenden Pfarrer, drei Kirchen und sechs Pubs. Die Prioritäten sind also klar.
Und dann ist da noch Bridget Dirrane, eine der bekanntesten Bewohnerinnen der Insel. Geboren 1894 auf Inishmore, gestorben am 31. Dezember 2003 im Alter von 109 Jahren. Sie veröffentlichte 1997 ihre Memoiren unter dem Titel A Woman of Aran. Ein Leben über drei Jahrhunderte, auf einer Insel, die sich seither kaum verändert hat. Das Buch wurde ein Bestseller.
Die Fähre zurück nach Galway braucht rund zweieinhalb Stunden, weil das Schiff auf dem Rückweg an den Cliffs of Moher vorbeifährt. Du wirst die Cliffs of Moher auf diesem Roadtrip noch von oben sehen – Tag 7 steht dafür bereit. Aber der Blick vom Wasser ist ein anderer. Gigantisch ist das richtige Wort.

Tag 6 – Burg, Burren, Tropfsteinhöhle und ein Holzfass am Meer
Tag sechs des Roadtrips führt von Galway zurück ins County Clare. Wer Irland mit satten Wiesen und sanften Hügeln verbindet, trifft auf den Burren wie auf ein anderes Land. Feldheer Oliver Cromwell charakterisierte den Burren so: „Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren könnte.“ Das riesige Kalksteinplateau ist kahl und grau, gleichzeitig aber auch eines des artenreichsten Naturgebiete Europas. Zum Beispiel wachsen hier mehr als 20 Orchideen-Arten.
Was den Burren botanisch einzigartig macht: Hier wachsen alpine und mediterrane Pflanzen Seite an Seite – ein Phänomen, das es in dieser Form auf der Welt sonst nirgendwo gibt. Über die Burren-Landschaft verteilt findest du außerdem Megalithgräber, Ringforts und Kirchen-Ruinen. Das bekannteste Einzelbauwerk ist der Poulnabrone Dolmen, ein neolithisches Hünengrab mit einer massiven Deckplatte, die auf zwei aufrechten Steinblöcken ruht. Rund 5.200 bis 5.800 Jahre alt.
Bei Kinvara lohnt ein Stopp am Dunguaire Castle, erbaut auf einer kleinen Landzunge im Meer. Die Burg stammt aus dem 16. Jahrhundert und gilt als eine der meistfotografierten Irlands. Derzeit ist die Anlage leider für Besucher geschlossen. Aber auch von der Straße hast du einen schönen Blick.

Bei Ballyvaughan biegst du auf die R477 ab, die sogenannte Black Head Küstenstraße, benannt nach dem gleichnamigen Leuchtturm. Auf der Straße trifft die Burren-Hochebene auf den offenen Ozean. Das gibt es so nur hier. Anhalten kannst du in kleinen Parkbuchten entlang der Strecke.

Unser nächster Stopp brachte uns zur Doolin Cave, eine der beeindruckendsten Tropfsteinhöhlen Europas. Das Highlight ist der „Große Stalaktit“, mit über sieben Metern der längste frei hängende Stalaktit in Europa. Die Höhle wurde 1952 von J. M. Dickenson und Brian M. Varley entdeckt. Die Studenten des Craven Pothole Club aus Yorkshire wollten ihre Entdeckung eigentlich geheim halten. Aber wie das so ist: Nach ein paar Guinness im Pub ist jeder gute Vorsatz schnell vergessen. Buche die Führung vorab über doolincave.ie. Spontan vor Ort ist möglich, aber in der Hauptsaison sind Plätze begrenzt.

Wir hatten an diesem Tag schlechtes Wetter. Kein Weltuntergang in Irland – aber ein guter Grund für einen Abstecher ins Burren Smokehouse, nur ein paar Minuten vom Wild Atlantic Way entfernt, in Lisdoonvarna. Der kleine Betrieb räuchert nach traditioneller Methode Bio-Lachs, und der Ruf des Produkts reicht weit über County Clare hinaus: Der Lachs wird weltweit vertrieben, unter anderem im KaDeWe in Berlin. Für 10 € pro Person gibt es eine Kombination aus Film, kleinem Museum und Verkostung.
Wenn du danach Hunger hast: Im benachbarten Pub The Roadside Tavern kannst du leckere Lachs-Gerichte verköstigen. Du kannst dir den Lachs aber auch einfach nach Hause liefern lassen (zur Website). Probier unbedingt das preisgekrönte Bier der hauseigenen Mikro-Brauerei.

Am Abend hast du die Möglichkeit auf ein ganz außergewöhnliches Erlebnis: Die „Wild Atlantic Seaweed Baths“ am Doolin Pier (im Sommer unbedingt reservieren; Website). Du kletterst in ein Holzfass, das mit warmem Wasser gefüllt wird, und dann kommt das Seegras dazu – frisch aus dem Atlantik, dunkelgrün, glitschig und nach Meer duftend. Eine Stunde im Fass kostet 60 Euro pro Person. Zwei Personen teilen sich ein Fass für 80 Euro. Das Seegras enthält Mineralien und Jod, und Seebäder haben in Irland eine lange Geschichte als Kurbehandlung. Ob das wissenschaftlich hält, was die Tradition verspricht, kann ich nicht sagen. Was ich sagen kann: Wir haben es genossen.

Unser Hotel hatten wir in Lahinch, einem kleiner Ort an der Atlantikküste. Lahinch hat einen langen Sandstrand, der bei Surfern bekannt ist, und einige Pubs, in denen am Wochenende Live-Musik gespielt wird. Wir können dir Kenny’s Bar empfehlen.
Tag 7: Loop Head und die Cliffs of Moher
Unser Irland-Roadtrip neigt sich dem Ende. Am letzten Tag der Rundreise kannst du am frühen Vormittag den Cliffs of Moher Walking Trail erwandern. Start der Tour ist im kleinen Örtchen Doolin. Von hier führt ein gut ausgebauter Wanderweg oberhalb der Cliffs of Moher entlang. Derzeit ist der Weg wegen Bauarbeiten aber nur teilweise begehbar. Am ersten Aussichtspunkt kannst du getrost umkehren. Die ganz hohen Klippen siehst du von hier aus zwar nur aus der Ferne – wir finden aber, auch das lohnt sich.

Mit dem Auto geht’s weiter ins Örtchen Kilkee mit dem weiten Strand und von hier auf den Loop Head Drive, der an den mächtigen Kilkee Cliffs vorbeiführt und der zum Wild Atlantic Way gehört. Einen Stopp wert sind die Bridges of Ross. Vom Parkplatz aus führt ein Schotterweg entlang der Küstenline. Nach zehn Minuten erreichst du die Bridges of Ross. Einst existierten hier tatsächlich drei Steinbögen im Meer. Heute ist nur noch einer übrig.


Ganz an der Spitze der Halbinsel erreichst du das Loop Head Lighthouse von 1670. Von Mai bis August kannst du den historischen Leuchtturm auch besichtigen. Nicht weniger spannend ist die Steilküste mit dem riesigen Vogel-Felsen, der wenige Meter vor der Steilküste aus dem Meer ragt. Achte hier außerdem auf das Éire Sign 45, angelegt im Zweiten Weltkrieg als Orientierungspunkt für Alliierte Flugzeuge.

Der krönende Abschluss des Tages und des gesamtem Roadtrips ist am Abend ein Besuch der Cliffs of Moher – dieses mal aber vom offiziellen Besucherzentrum aus. Der Parkplatz ist kostenpflichtig und beinhaltet den Eintritt in die Cliffs of Moher Experience (15 € pro Person, bei Online-Buchung nur 8 € pro Person), das Gelände selbst ist aber frei zugänglich. Du stehst hier am höchsten und beeindruckendsten Punkt der Cliffs of Moher. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichst du den O’Brien’s Tower, erbaut 1835. Von hier führt der Weg weiter zum Pollboy Lookout, dem spektakulärsten Aussichtspunkt. Derzeit ist der Weg zum Pollboy Lookout wegen Renovierungsarbeiten aber leider gesperrt.

Tag 8: Rückflug ab Shannon
Es heißt Abschied nehmen. Von Hotel in Lahinch brauchst du rund eine Stunde zum Flughafen Shannon. Auf der Fahrt ist es Zeit, die Reise Revue passieren zu lassen. Weite Landschaften, irische Musik, das Rauschen des Atlantiks – und vielleicht die Sehnsucht, bald zurückzukehren. Was du in diesen sieben Tagen alles gesehen hast, glaubt dir zuhause sicher niemand! In knapp zwei Stunden Flugzeit bist du schon wieder in Frankfurt.
Extra-Tipp: Halte Ausschau nach Riesenhaien

Auf der hier vorgestellten Route folgst du oft dem bekannten Wild Atlantic Way direkt an der Küste. Von den Klippen aus hast du eine weite Sicht über das Meer. Halte unbedingt Ausschau nach Meeresbewohnern wie Delfinen, Walen und Riesenhaien, den Basking Sharks. Die Saison für die Basking Sharks beginnt im April und geht bis Ende Juli/ Anfang August. Höhepunkt ist die Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni.
FAQ – Häufige Fragen zu unserem Irland Roadtrip
❓ Wie viele Kilometer legt man auf dieser Route zurück?
Die Gesamtroute von Shannon durch den Westen und zurück umfasst je nach Abstecher zwischen 900 und 1.100 Kilometer. Das klingt viel, verteilt sich aber auf 8 Tage und macht täglich selten mehr als 150 Kilometer – auf Straßen, auf denen schnelles Fahren ohnehin nicht das Ziel ist.
❓ Kann ich eure Route exakt so nachreisen?
Ja. Du kannst die fertig geplante Reise inklusive Flug, Hotels und Mietwagen hier bei Wolters Rundreisen buchen. Die hier vorgestellte Reise kannst du natürlich auch noch individuell variieren. Entsprechende Vorschläge bekommst du mit deinen Reiseunterlagen.
❓ Kann man den Wild Atlantic Way auf dieser Route teilweise fahren?
Ja. Abschnitte der Reiseroute entlang Achill Islands und durch das County Clare verlaufen direkt auf dem Wild Atlantic Way – der mit rund 2.500 Kilometern längsten ausgewiesenen Küstenstraße der Welt. Vollständig abfahren lässt er sich in acht Tagen nicht, aber die schönsten Abschnitte zwischen Achill und den Cliffs of Moher liegen auf genau dieser Route.
❓ Wie ist das mit Linksverkehr und Tempolimits in Irland?
Der Linksverkehrt in Irland ist der einzige echte Stressfaktor in den ersten zwei Stunden. Danach hat man sich schon daran gewöhnt. Die Tempolimits: Autobahn 120 km/h, Schnellstraße 100 km/h, außerorts 80 km/h, innerorts 50 km/h. Auf den engen Regionalstraßen (R) und Gemeindestraßen (L) fährst du aber selten so schnell wie eigentlich erlaubt.
❓ Sind die Straßen sehr eng in Irland?
Die Autobahnen (M) und Nationalstraßen (N) sind sehr gut ausgebaut. Daneben gibt es Regionalstraßen (R) und Gemeindestraßen (L), die zum Teil nur einspurig sind. Hier gibt es aber immer Ausweichstellen oder Einfahrten, wo zwei Autos Platz haben. Langsam und vorausschauend fahren ist hier das Gebot der Stunde – dann wirst du keine Probleme haben. Und mach dir keinen Strass: die Iren sind sehr gelassene Autofahrer.
❓ Was für einen Mietwagen soll ich buchen?
Wenn du zu zweit unterwegs bist und Geld sparen möchtest, empfiehlt sich die Economy-Klasse. Da die Straßen entlang der Küste sehr eng sind, ist generell ein kleinerer Wagen sinnvoll. Achte darauf, dass du einen Mietwagen mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung buchst. Bestehe unbedingt auf ein Automatik-Fahrzeug (wobei es Schalt-Wagen eh kaum noch gibt).
❓ Muss ich die Unterkünfte vorbuchen?
Spontan buchen ist möglich und erlaubt noch mehr Flexibilität bei der Tagesplanung. Besonders in der Hauptsaison empfiehlt sich aber eine frühzeitige Buchung der Unterkünfte.
❓ Wann ist die beste Reisezeit für Irland?
Die beste Reisezeit für einen Irland-Roadtrip liegt zwischen April und September, wobei der Juli mit Temperaturen um die 20°C der wärmste Monat ist. Wer es ruhiger mag, fährt im Mai oder Juni – weniger Touristen, keine Hauptsaison-Preise, lange Tage. Wir waren Ende April unterwegs und hatten Traumwetter ohne Gedränge.
❓ Wie ist das Wetter in Irland?
Auch im Sommer kann es in Irland windig und kühl sein – warme Kleidung im Gepäck sollte nicht fehlen. Pack eine Regenjacke, die du wirklich magst. Du wirst sie brauchen. Wir hatten bisher auf allen unseren Irland-Reisen immer Glück mit dem Wetter mit viel Sonnenschein und wenig Regen.







