Tourensteckbrief Herzogstand & Heimgarten
Schwierigkeit: Mittelschwere Bergwanderung (SAC T3)
Gipfelhöhe: 1.731 m (Herzogstand) · 1.791 m (Heimgarten)
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober
Dauer: Aufstieg ca. 5 Std. · Abstieg ca. 2,5 Std.
Distanz: ~14,4 km
Aufstieg 1.150 Höhenmeter · Abstieg 1.150 Höhenmeter
Startpunkt: Parkplatz Herzogstandbahn am Walchensee; 7 € Tagesticket; Google Maps
ÖPNV: Buslinie 328; Haltestelle „Walchensee Herzogstandbahn, Kochel a. See“
Einkehr: Berggasthaus Herzogstand; Heimgartenhütte; Kiosk am Lift (am Wanderparkplatz)
Alpenvereinskarte BY9 Estergebirge, Herzogstand, Wank (bei Amazon bestellen*)
Start der Wanderung: Parkplatz Herzogstandbahn am Walchensee
Los geht’s am Parkplatz der Herzogstandbahn direkt am wunderschönen Walchensee. Der Herzogstand ist am Wegweiser mit 3 3/4 Stunden (Wanderwege 446, 441) angeschrieben, der Heimgarten mit 5 3/4 Stunden. Klingt nach viel – ist es am Ende dieser Tour dann auch, wenn du beide Gipfel und den Grat dazwischen mitnimmst.
Vom Parkplatz aus folgst du zunächst einem breiten Weg, der gleich zu Beginn ordentlich zur Sache geht. Kein sanftes Einlaufen, sondern gleich bergauf.
Praktischer Tipp: Wer die Herzogstandbahn nutzt, spart sich knapp 800 Höhenmeter im Aufstieg. Für alle mit Kondition und Lust auf die volle Distanz lohnt sich der Fußweg aber definitiv. So bekommst du den ganzen Berg zu spüren, nicht nur den Gipfel.

Der Aufstieg zum Herzogstand
Aus dem breiten Weg wird schon bald ein relativ schmaler Bergpfad. In Serpentinen schraubt er sich steil nach oben. Bald gibt der Bergwald den ersten Blick auf den Walchensee frei. Ein schöner Moment, um kurz durchzuatmen, bevor es weitergeht.
Der Pfad windet sich immer weiter hinauf. Wurzelwerk und Felsstufen wollen überwunden werden. Hier brauchst du definitiv Trittsicherheit. Feste Wanderschuhe mit griffiger Sohle sind ein Muss, keine Turnschuhe oder gar Sandalen – auch wenn du am Gipfel später genau solches Schuhwerk bei anderen Wanderern sehen wirst.
Seilversicherte Stellen
Der Wald lichtet sich, der schmale Pfad führt jetzt an offenen Hängen entlang und eröffnet einen fantastischen Blick. Aber Vorsicht: Der Weg ist hier recht schmal, links geht’s stellenweise spürbar in die Tiefe. Es folgen mehrere längere, seilversicherte Passagen. Kein Grund zur Panik, die Sicherung ist gut, aber schwindelfrei solltest du sein.


Das Königshaus am Herzogstand
Danach wird der Weg wieder gemütlicher, ohne ausgesetzte Stellen. Dafür geht’s weiter über Stock und Stein durch den Wald. Bei zügiger Gangart erreichst du das Königshaus am Herzogstand, errichtet im Jahr 1865 von König Ludwig II., mit dem Berggasthof Herzogstand auf 1.575 Metern nach etwa zwei Stunden. Angeschrieben ist er am Wanderparkplatz mit 3 Stunden. Wer mag, macht es sich auf der großen Terrasse gemütlich und bestellt einen Kaffee, bevor es an den finalen Aufstieg zum Herzogstand geht.


Der Berggasthof Herzogstand hat in der Sommersaison täglich außer Dienstags geöffnet. Du kannst hier nach Voranmeldung auch übernachten (zur Website vom Berggasthof Herzogstand).
Hinauf zum Gipfel des Herzogstands
Vom Berggasthof führt ein breiter und absolut familientauglicher Wanderweg weiter Richtung Herzogstand-Gipfel. Wer mag, wandert in ca. 15 Minuten noch zum 1.676 Meter hohen Martinskopf – wir haben den kleinen Gipfel aber ausgelassen.
Im oberen Teil hinauf zum Herzogstand warten noch ein paar Serpentinen. Klar: Direkt an der Herzogstandbahn ist hier immer einiges los, die Bergstation liegt nur wenige Minuten entfernt und bringt Tagesausflügler in Massen hinauf.


Du erreichst zuerst das Gipfelkreuz des Herzogstand. Das markiert aber noch nicht den höchsten Punkt. Von hier hast du bereits einen grandiosen Blick auf Walchensee und Kochelsee sowie auf den Alpenhauptkamm.

Zum eigentlichen Gipfel mit dem historischen Aussichtspavillon sind es noch ein paar Meter mehr nach oben. Der Pavillon stammt übrigens aus dem Jahr 1865 und bot schon König Ludwig II. einen legendären Rundumblick, etwa auf den nahen Jochberg. In der Ferne siehst du auch das Wettersteingebirge mit der Alpsitze und der Zugspitze.


Die Gratüberschreitung zum Heimgarten
Vom Gipfel steigst du wieder ein Stück ab und folgst dem markierten Höhenweg, Teil des Europäische Fernwanderwegs E4, auf dem Bergkamm in Richtung Heimgarten. Das ist der spannendste Teil der ganzen Tour: Immer wieder folgen seilversicherte Stücke mit kurzen Kraxelpassagen. Die besonders ausgesetzten Stellen sind gut gesichert, aber unterschätzen solltest du den Grat trotzdem nicht.
Am Einstieg auf den Gratweg warnt daher ein Schild: „Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich“. Der Heimgarten (schwarz markiert) ist hier mit 1 3/4 Stunden angeschrieben.


Abstecher zum Schlehdorfer Kreuz
Nach dem Abstieg, bei dem du immer wieder die Hände zu Hilfe nehmen musst, geht es bald an einem kleinen Kreuz auf einer Felsspitze vorbei. Von hier hast du einen schönen Blick auf das Nordufer des Kochelsees mit dem Kloster Schlehdorf.



Nach etwa einem Kilometer (ca. 45 Minuten) auf dem Gratweg lohnt sich der kurze Abstecher durch die Latschen hinauf zum Schlehdorfer Kreuz, das 1982 errichtet wurde. Von dem kleinen Gipfelchen hast du einen grandiosen Blick auf den Heimgarten und zurück zum Herzogstand – für mich einer der schönsten Ausblicke der gesamten Tour.

Der finale Anstieg zum Heimgarten
Nach dem kurzen Abstecher wird der Weg durch die Latschen wieder entspannter. Seilversicherte Stellen gibt es zunächst nicht mehr. Es geht eine Weile leicht auf und ab, dazwischen folgen doch noch ein paar kurze seilversicherte Abschnitte.
Dann kommt der letzte Aufstieg hinauf zum Heimgarten. Die letzten 20 bis 25 Minuten sind noch einmal schweißtreibend. Besonders in der prallen Mittagssonne brauchen viele Wanderer auf den finalen 180 Höhenmetern zum Heimgarten mehr als eine Verschnaufpause.
Gipfelglück am Heimgarten
Oben angekommen erwartet dich das Gipfelkreuz vom Heimgarten mit einem phänomenalen Blick zurück zum Herzogstand und auf Kochelsee und Walchensee gleichzeitig. Der Heimgarten bringt es auf 1.791 Meter und markiert den höchsten Punkt der aussichtsreichen Wanderung. Das mächtige Heimgarter Kreuz steht hier seit 1853 und gibt die Höhe vom Heimgarten mit 1.790 Metern an.


Kurz unterhalb des Gipfels liegt die urige Heimgartenhütte, die zur Einkehr lockt. Nach dem langen Aufstieg und dem Grat hast du dir hier definitiv eine Brotzeit mit einem grandiosen Walchensee-Blick verdient. Besondere Erwähnung verdient der leckere Kuchen.


Die Heimgartenhütte ist von Christi Himmelfahrt bis Kirchweih (3. Sonntag im Oktober) geöffnet. Außerhalb der bayrischen Ferien ist die Hütte Montags geschlossen. Denk unbedingt an genügend Bargeld – Kartenzahlung funktioniert hier oben nicht.
Der lange Abstieg
Von der Hütte führt ein felsiger Bergpfad relativ steil hinunter. Ausgesetzte Stellen gibt es hier nicht, der Schotter macht es an manchen Stellen aber unangenehm rutschig. Festes Schuhwerk zahlt sich hier erneut aus.
Nach einer knappen Stunde erreichst du an der Ohlstädter Alm ein Gatter. Hier führt der Weg in den Wald hinein und noch einmal nach oben. Nach dem doch schon recht langen Abstieg bis hier ein kleiner Dämpfer für die Motivation.
An einer Bank mit Blick auf den Walchensee kannst du dich nach dem schweißtreibenden Gegenanstieg noch einmal ausruhen, bevor der Weg final nach unten führt. Und der zieht sich. Gefühlt wanderst du tausend Serpentinen bergab.

Nach einer in den Fels geschlagenen Treppe erreichst du schließlich einen breiten Fahrweg. Ab hier wird’s gemütlicher. An der nächsten Kreuzung hältst du dich links und folgst dem Wegweiser Richtung Talstation. Der letzte Abschnitt führt oberhalb eines plätschernden Bachs entlang, bevor du wieder am Parkplatz ankommst.
Unser Video zur Wanderung auf Herzogstand und Heimgarten
Das musst du wissen: Praxistipps für deine Tour
Ausrüstung: Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind Pflicht, keine Turnschuhe. Wanderstöcke helfen besonders beim langen, schottrigen Abstieg vom Heimgarten. Der Gratweg zwischen den beiden Gipfeln erfordert ein gewisses Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – bei Nässe oder Schnee solltest du die Verbindung meiden.
Kondition: Unterschätze die Tour nicht. Mit 1.150 Höhenmetern im Auf- und Abstieg ist das kein Spaziergang. Wer die Herzogstandbahn zur Hilfe nimmt, spart sich knapp 800 Höhenmeter.
Zeitbedarf: Plane für die komplette Runde 7 bis 9 Stunden ein, inklusive Pausen. Früh starten lohnt sich – nicht nur wegen der Hitze, sondern auch, weil der Andrang an der Bergbahn ab Mittag deutlich zunimmt.
Einkehr: Sowohl das Berggasthaus Herzogstand als auch die Heimgartenhütte bieten Brotzeiten und warme Küche. Ideal, um die Tour in zwei Etappen zu unterteilen.
Fotospots: Der Blick vom Herzogstand-Gipfel, die Aussicht vom Schlehdorfer Kreuz zurück zum Herzogstand und der Panoramablick vom Heimgarten-Gipfel auf beide Seen sind die besten Fotomotive.
Fazit: Für wen ist die Wanderung geeignet?
Mit über 14 Kilometern Länge und 1.150 Höhenmetern erfordert die Wanderung ein gehöriges Maß an Kondition. Für den Grat zwischen Herzogstand und Heimgarten sind gute Wanderschuhe und Trittsicherheit unabdingbar. Heikle Stellen sind gesichert und für erfahrene Bergwanderer kein Problem. Anfängern ist die hier vorgestellte Tour aufgrund der Länge und einiger ausgesetzter Stellen aber nicht zu empfehlen.
Wie bei jeder Gratwanderung gilt: Achte aufs Wetter! Ich bevorzuge das Bergwetter vom Deutschen Alpenverein. Ein Gewitter kann hier oben tödliche Folgen haben, und auf dem Grat gibt es nur eine anspruchsvolle, unmarkierte Abstiegsmöglichkeit vom Schlehdorfer Kreuz.
Deutlich einfacher wird die Tour, wenn du zu Beginn die Herzogstandbahn nutzt. Alternativ läufst du die Runde im Uhrzeigersinn und nimmst die Bergbahn für den Abstieg.
Unterm Strich: konditionell fordernd, technisch aber machbar, wenn du trittsicher bist und die seilversicherten Stellen ernst nimmst. Wir haben auf dem Gratweg Familien mit 5-jährigen Kindern und Wanderer jenseits der 70 getroffen. Sie alle haben es dank der Seilbahn gut gemeistert. Belohnt wirst du mit einem der schönsten Panoramen der Bayerischen Voralpen – zwei Seen, der Alpenhauptkamm und jede Menge Gipfelglück auf zwei Bergen an einem Tag.
Interaktive Karte zur Wanderung + GPS-Track
Hier findest du die Karte zur Wanderung auf Herzogstand und Heimgarten. Hier kannst du außerdem den GPS-Track zur Wanderung auf Herzogstand und Heimgarten downloaden.
Wanderführer für die Bayerischen Voralpen
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Ich kann die Begeisterung, die im Artikel zum Ausdruck kommt, voll teilen. Die Gratwanderung war für uns und unsere Kinder (8 und 13 Jahre) ein unvergessliches Erlebnis. Ich würde nur nicht empfehlen, die Tour mit Kindern vom Heimgarten zum Herzogstand zu machen, sondern umgekehrt. Es ist besser „ frisch“ und ausgeruht den Grat anzugehen, als nach dem mühevollen Aufstieg über den Heimgarten. Ansonsten wie gesagt sehr eindrucksvoll und unbedingt zu empfehlen, wenn Schwindelfreiheit und Trittsicherheit vorhanden.
Hallo Hans,
das freut uns sehr, dass euch die Wanderung so gefallen hat :-)
Viele Grüße
Florian