Führungen mit dem Ranger durch den Bayerischen Wald
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Bayerischer Wald: Führung mit dem Ranger

Wusstest du, dass es im Bayerischen Wald echte Ranger gibt? Ich kannte Ranger bisher nur aus den Nationalparks in den USA. Doch es gibt sie auch in Bayern. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen mit der unberührten Natur im Nationalpark Bayerischer Wald vertraut zu machen. Denn mal ehrlich: die wenigsten Menschen wissen wirklich über die Natur Bescheid. Und hier kommen die Ranger ins Spiel, die (fast) jede Frage beantworten können.

Wir nehmen dich mit auf unsere Tour mit dem Ranger durch den Nationalpark.

Hier findest du übrigens die schönsten Sehenswürdigkeiten im Bayerischen Wald.

Aktualisiert am 11.03.2022

Im Urwald an der Sagwassersäge mit Ranger Sigi

Wir sind heute unterwegs mit Sigi dem Ranger. Er erwartet uns am Parkplatz in Waldhäuser – Neuschönau. Er hat sich für uns ein ganz besonderes Programm überlegt. Wir werden tief in den Urwald des Nationalparks einsteigen. Mit Ranger Sigi gehen wir zum Ausgangspunkt Sagwassersäge.

Die Sagwasser entspringt ursprünglich hinter dem Lusen. Vor etlichen Jahren wurden die Bäche ausschließlich dafür verwendet, Holz zu transportieren. Bis zu drei Meter lange Holzstämme schwammen das Wasser hinunter. Weiter oben, flussaufwärts gelegen, befindet sich eine Klause. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Aber damals wurde das Holz dort gestapelt und von der Klause aus im Bach verschwemmt. Direkt an der Sagwassersäge kannst du auf der Brücke, die über die Sagwasser geht, noch uralte Holzbohlen sehen. Ganz früher war hier die historische Grenze zwischen Bayern und dem Sagwasserbach.

Von der Sagwassersäge aus kannst du ein paar Wanderungen unternehmen. Beispielsweise kannst du dem Flusskrebs-Zeichen folgen. Und das ist da nicht zufällig angebracht, sondern weist auf die Flusskrebse in dieser Umgebung hin. Aktuell sind 70 Prozent des Nationalparks Bayerischer Wald Naturzone. Sigi, der Ranger, erklärt uns, dass das Ziel des Nationalparks lautet daraus 75 Prozent Naturzone zu machen. Geplant ist es bis 2027.

Der Sagwasser Bach
Die Sagwasser diente früher dazu die langen Baumstämme zu transportieren

Müllreduktion im Nationalpark

Wir sprechen mit ihm über Müll, den die Besucher im Park lassen. Wir reden auch kurz über unsere „Walkintrashout“-Aktion. Auch im Nationalpark Bayerischer Wald wird Müll hinterlassen. Die Ranger sammeln den Müll bei gemeinsamen Aufräumaktionen. Da kommt viel zusammen. Sigi erklärt uns, dass er den Besuchern des Parks die Welt gerne als Spinnennetz erklärt. Irgendwann ist der Kreislauf kaputt und bricht zusammen. Dann reißen Teile des Spinnennetzes. Auf jeden Fall verschiebt sich der Bau des Netzes enorm, wenn Extreme auf die Natur hereinbrechen. Diese bildliche Beschreibung sei eine tolle Aufklärung für die Besucher, so Sigi.

Seltene Pilzarten

Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es sehr seltene Pilzarten, die nur dort vorkommen. So ist der duftende Feuerschwamm ein Pilz, der nach Rosenwasser duftet. Von seiner Spezies gibt es auf der ganzen Welt gerade mal sechs Stück. Und zwei davon befinden sich im Wald. Also hier vor Ort.

Einer der spannendsten Pilze in dieser Umgebung ist der rotrandige Fichtenporling. Er ist einer der am wenigsten vorkommenden schönen Exemplare.  Früher hat man aus der Haut dieses Pilzes die Häute gezogen und konnte damit edle Kleidungsstücke anfertigen. Damit die Natur sich weiter so unberührt entfalten kann, ist es Pflicht im Kerngebiet auf den Wegen zu bleiben und diese auch nicht zu verlassen. Auch, wenn du einen GPS Track im Internet findest, der dich auf ganz anderen Pfaden leiten würde. Im Kerngebiet gilt das Gesetz auf den Wegen zu bleiben.

Rotrandigerfichtenporling - Pilzart
Der rotrandige Fichtenporling braucht eine große Fichte, um dort zu gedeien. Er lebt vom Totholz und der Wald braucht diesen seltenen Pilz

Ein Tag als Ranger

Sigi ist ein Urgestein der Ranger im Park. Seit 25 Jahren macht er seinen Job. Also genau seitdem er 25 ist. Doch wie sieht so ein Tag eines Rangers überhaupt aus? Nun, zu allererst muss der Ranger wie jeder andere Mensch auch ins Büro, seine Mails checken und bestimmte Dinge klären. Doch dann beginnt der eigentliche Teil seines Jobs. Er trifft Menschen, läuft im Nationalpark umher und kommuniziert die Message des Nationalparks. Der Ranger ist Berufswandernd unterwegs und hat sich zum Ziel gesetzt dem Menschen die Natur zu erklären und ihn dafür zu sensibilisieren.

Doch wie läuft so eine Ranger-Führung im Bayerischen Wald ab? Der Ranger fragt erst einmal ab, auf welchem Wissenstand seine Gruppe ist, wer wie lange schon in der Region Urlaub macht. Die meisten Fragen, mit denen sich Ranger Sigi konfrontiert sieht, drehen sich um das Totholz, das im Bayerischen Wald liegen bleiben darf. Denn der Wald soll naturbelassen bleiben. Zudem entsteht auf Totholz neues Leben in Form junger Bäume. Der Wald regeneriert sich selbst.

Einerseits ist es Sigis Aufgabe unter Leuten zu sein. Doch gleichzeitig, muss er auch die Natur erleben, um sein Wissen den Besuchern vermitteln zu können. Bedeutet: Auch ein Ranger muss seine Akkus mal aufladen. Und wo geht das besser, als im Wald selbst. Es gibt also auch Tage, da schaut er sich die Natur im Wald an. Je nachdem versucht er sich Vorgänge im Wald abzuschauen – und das „aha“-Erlebnis, das er aus dem Wald zieht, wieder mit den Besuchern zu teilen.

Wenn Sigi weder Besucher informiert, sich selbst im Wald fortbildet oder im Büro ist, dann muss er überprüfen, dass Wanderwege begehbar sind. Er schaut, wo umgestürzte Bäume liegen, muss sicherstellen, dass die Wegmarkierung intakt ist. Es ist allerhand zu tun im Nationalpark.

Ranger Sigi
Unser Ranger Sigi in Aktion. Er kennt sich wirklich top aus

Umweltsünder stellen

Eine weitere Aufgabe der Ranger ist es, sich für den Erhalt von Flora und Fauna im Nationalpark Bayerischer Wald einzusetzen. Und hin und wieder gibt es ein paar „Umweltsünder“, die die Regeln nicht ganz so ernst nehmen. Oder mit Unwissen agieren.

So traf Sigi auch schon mal Einheimische dabei, wie sie Pflanzen ausgruben, um sie in ihrem Garten oder Wald wieder einzugraben. In diesem Fall wird das entwendete Gut dann konfisziert. Ein anderes Mal lud ein Einheimischer mitten im Wald Bauschutt ab. Hier muss Sigi recherchieren und gegebenenfalls herausfinden, wer der Umweltsünder war. Manchmal werden auch Wegschilder geklaut. Das klingt jetzt alles sehr unvorstellbar, ist aber das tägliche Geschäft der Ranger.

uriger Baum
Der Bayerische Wald macht seinem Namen alle Ehre. Urwald, so weit das Auge reicht

Tierwelt im Nationalpark Bayerischer Wald

Wer mit Sigi unterweg ist, bekommt eine super Führung im Nationalpark Bayerischer Wald. Neben den Pflanzenarten, vielen Informationen zu Totholz und zum Wald an sich, erzählt er auch viel zu den Tieren im Wald. Sigi hat wahrlich schon viele Tiere  gesehen. Den scheuen Eisvogel etwa, oder Eulen und Wölfe. Alles Tiere, die der normale Besucher vermutlich nicht so einfach sieht. Da muss man schon wissen, wo man die Tiere antrifft. Und das weiß Sigi.

Er gibt uns auch seine ultimativen Ausflugstipp: So sollen wir auf jeden Fall die Wanderung auf den Lusen machen. Oder vom Rachel, dem höchsten Gipfel im Nationalpark zum Lusen laufen. Aber auch durch den wilden Osten des Nationalparks zu wandern empfiehlt er.

Biggi auf dem Gipfel
Der Ausblick vom Lusen ist schon gewaltig
Flo auf der Himmelsleiter
Die Himmelsleiter führt zum Gipfel des Lusen. Hinter Flo siehst du den Weg, den wir bisher gelaufen sind

Führungen mit dem Ranger im Nationalpark Bayerischer Wald

Wenn du jetzt auch Lust hat, mit Sigi oder einem anderen Ranger im Urwald des Bayerischen Waldes unterwegs zu sein, kannst du das fast täglich bei einer Führung machen. Diese Führungen finden statt vom 04. Februar bis zum 14. Mai. Jeder kann daran teilhaben, seien es Jugendliche, Erwachsene, Familie oder Senioren. Nach einer kurzen Einführung rund um den Nationalpark begleitest du den Ranger auf dem Weg durch die Waldwildnis.

Eine weitere Führung startet bei der Lindbergmühle an der Brücke über den Kolbersbach. Auch hier erfährst du spannende Informationen. Beginn ist 10:30 Uhr. Zur Lindbergmühle kommst du mit dem Igelbus, dem Shuttle-Bus im Nationalpark.

Du kannst aber auch die Führung „Urwaldspaziergang mit dem Ranger“ besuchen. Anmelden musst du dich für keine der Führungen. Sie beginnt um 10:30 bis 13 Uhr und startet am Parkplatz Zwieslerwaldhaus, Parkplatz P2 Brechhäuslau/Lindberg.

Die Führung im Lusen-Gebiet beginnt am Treffpunkt Lusen, Waldhausreibe, Waldhäuser/Neuschönau. Sie startet bereits um 10 Uhr. Die Führung rund um Spiegelau beginnt ebenfalls um 10 Uhr und startet in Spiegelau am Park and Ride-Parkplatz. Weitere Touren finden in Bayerisch Eisenstein und Wistlberg statt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr thematisch interessante Touren. Alle Infos findest du auf der Website des Nationalparks Bayerischer Wald.

weitere Touren:

Urwald in Bayern
Ein Stück Urwald in Bayern. Schön, oder?
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