Elf Tipps für atemberaubende Landschaftsfotos

Grandiose Landschaftsfotos – einfach so

Elf Tipps für tolle Landschaftsfotos

Ich werde immer wieder gefragt, ob und wie ich meine Landschaftsfotos bearbeite. Die Farben, der hohe Dynamikumfang, das geisterhafte Wasser – das ist doch alles in Photoshop entstanden, oder? Weit gefehlt! Bei der Entwicklung meiner Landschaftsfotos optimiere ich zwar Feinheiten wie den Kontrast, den Weißabgleich oder Tiefen und Lichter. Aus einer schlechten Aufnahme zaubere aber auch ich kein Meisterwerk. Deshalb müssen die Fotos schon bei der Aufnahme zu hundert Prozent passen. Für Landschaftsfotografen gibt es elf goldene Regeln, die grandiose Fotos garantieren.

Regel 1: Niemals ohne Stativ

Ein robustes Stativ ist in der Landschaftsfotografie Pflicht. Ich sehe immer wieder Fotografen, die ohne Stativ unterwegs sind – selbst zur Dämmerung. Klar, ein Stativ ist schwer und umständlich – in der Landschaftsfotografie ist es aber unerlässlich. Mit einem Stativ bist du unabhängig von den Lichtbedingungen und kannst exakt so lange belichten, wie du es für nötig hälst. Auch den Bildaufbau kannst du viel bewusster bestimmen. Wer auf der Suche nach einem robusten, aber leichten und relativ preisgünstigen Stativ ist, sollte sich einmal das Manfrotto 190CXPRO4 aus Carbon* ansehen. Einen ausführlichen Test dazu findest du hier.

Mit einer Wasserwaage – in vielen modernen Kameras ist diese integriert – richtest du den Horizont gerade aus. Eine spätere Korrektur und der damit zwangsläufig einhergehende Beschnitt des Fotos entfällt. Ein Fernauslöser verhindert verwackelte Fotos durch das Drücken des Auslösers. Außerdem kannst du mit dem Fernauslöser im Bulb-Modus auch länger als 30 Sekunden belichten, ohne den Auslöser zu drücken, was zwangsläufig zum Verwackeln deines Fotos führt.

Tipps Landschaftsfotos Lofoten

Dieses Bild wurde 0,6 Sekunden lang belichtet. Ohne ein Stativ unmöglich

Regel 2: Die richtigen Einstellungen

Vergiss die Automatik! Die Kamera weiß schließlich nicht, welchen Effekt du erzielen willst. Wilst du die Brandung wie Nebel ablichten oder soll das Wasser dynamisch bleiben? Solche Entscheidungen kann die Kamera nicht für dich treffen. Ich rate immer dazu, die Kamera auf den manuellen Modus zu stellen und alles so vorzugeben, wie du dir das Endprodukt vorstellst. Im Notfall tut es auch die Zeit- oder Blendenautomatik.  Dazu musst du dich natürlich in die Grundregeln der Fotografie einarbeiten.

Bei Landschaftsfotos geht in der Regel nichts über die Bildschärfe. Ein Thema, das auch bei meinen Fotoworkshops immer wieder für Gesprächsstoff sorgt. Ich nutze oft Blendenwerte zwischen 11 18, um knackig scharfe Bilder zu bekommen. Die sehr weit geschlossene Blende führt zwar zu einer gewissen Beugungsunschärfe. Ich kann mit diesem Manko aber gut leben. Im Gegenzug bekomme ich ich einen Vordergrund, der bis fast auf den letzten Zentimeter scharf ist.

Bei Kameras mit einem sogenannten APS-C Sensor wie etwa der Canon 7D oder der Nikon D7000, hast du mit größeren Beugungsproblemen zu kämpfen. Fotografen mit einem APS-C-System sollten daher weniger stark abblenden und Blende 11 oder 13 einstellen.

Ebenso wichtig wie die richtige Blende ist der Fokus. Hier lautet das Stichwort Hyperfokale Distanz. Das ist die Distanz, auf die man bei einer bestimmten Blende scharfstellen muss, um den Tiefenschärfenbereich optimal auszunutzen.

Tipps Landschaftsfotos Lofoten Sonnenuntergang

Mit Blende 18 wird das Bild von vorne bis hinten knackscharf und die Sonnenstrahlen werden sternförmig

Da es zu viele Kombinationen aus Sensorgröße, Blendenzahl und verwendetem Objektiv gibt, ist eine pauschale Aussage leider nicht möglich. Die Hyperfokaldistanz kann im Internet zum Beispiel auf http://www.dofmaster.com/dofjs.html berechnet werden. Es gibt aber auch zahlreiche Apps für’s Smartphone, die sich dem Thema widmen. Wenn dir das zu kompliziert ist, stellst du den Fokus – zumindest bei sehr kleinen Brennweiten im Weitwinkelbereich – auf kurz vor unendlich. Den Unterschied zur hyperfokalen Distanz wirst du bei weit geschlossener Blende kaum bemerken.

Stichwort ISO: Vor allem Anfänger machen oft den Fehler, ohne Not mit höheren ISO-Werten als 100 zu arbeiten. Dafür gibt es in der Landschaftsfotografie nur selten einen Grund.

Es ist außerdem essentiell wichtig, die Bilder im RAW-Format zu schießen. Das RAW-Format enthält wesentlich mehr Bildinformationen als das stark komprimierte JPG-Format.

Regel 3: Das richtige Objektiv

Kurz und knapp: Wenn du dich der Landschaftsfotografie verschreibst, kommst du einem Weitwinkelobjektiv nicht vorbei. Zwar könne auch Teleaufnahmen durchaus beeindrucken, in der Regel greifen Landschaftsfotografen aber eher zu Ultraweitwinkelobjektiven. An einer Vollformatkamera sind 12mm bis 20mm ideal. An einer Kamera mit APS-C-Sensor entspricht das einer Brennweite von 8mm bis 13mm. Hier findest du einen Brennweitenvergleich im Weitwinkelbereich.

Tipps Landschaftsfotos Lofoten Blaue Stunde

Nur mit einem Ultraweitwinkelobjektiv lassen sich Landschaftsfotos wie dieses realisieren

101 Fotografien und der Blick hinter die Kulisse mit allen wichtigen Einstellungen wie Blende, ISO, Belichtungszeit und Brennweite findest du in meinem eBook “101 Fotografien und die Geschichte dahinter”. Dazu gibt es jede Menge Tipps und Tricks rund um das Thema Fotografie. Hier gelangst du zu meinem eBook. Natürlich mit Zufriedenheits-Garantie.

Regel 4: Die Drittel-Regel

Ein mittiger Horizont mag unseren Sehgewohnheiten entsprechen – auf Landschaftsfotos wirkt das meist langweilig. Beachte die Drittel-Regel, bei der entweder ein Drittel Himmel oder ein Drittel Erde zu sehen ist. Dasselbe gilt für Hauptmotiv. Der Leuchtturm an der Küste bei stürmischer See ist besonders beeindruckend, wenn er mit Hilfe der Drittel-Regel, die sich an die Proportionslehre des Goldenen Schnitts anlehnt, platziert wird.

Tipps Landschaftsfotos gelbes Haus

Hätte ich das Haus mittig abgebildet und den Horizont in die Bildmitte gelegt, würde das Foto nicht wirken

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Regel 5: Der richtige Vordergrund

Wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv losziehst, brauchst du in jedem Fall einen imposanten Vordergrund. Ein Stein, der besonders hervorsticht, große Blüten, ein Muster im Fels oder die Brandung am Meer eignen sich hervorragend, um deinen Landschaftfotos eine unglaubliche Tiefe zu verleihen und den Betrachter regelrecht in das Bild zu ziehen.

Tipps Landschaftsfotos Monument Valley

Ein markanter Vordergrund ist bei der Verwendung eines Ultraweitwinkelobjektivs extrem wichtig

Regel 6: Linienführung

Gibt es eine besonders markante Linienführung, die den Betrachter in das Bild zieht? Nutz das und mach die Linien zu einem essentiellen Baustein beim Bildaufbau. Ein Steg am See etwa zieht den Betrachter weit in das Bild hinein. Genauso gibt es Steinformationen, die in das Bild hineinführen. Im Idealfall führen die Linien den Betrachter ins Bild oder zum Hauptmotiv. Horizontale Linien stoppen hingegen den Blick und sind in der Regel kontraproduktiv.

Die Linien ziehen den Betrachter regelrecht ins Bild

Die Linien ziehen den Betrachter regelrecht ins Bild

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Regel 7: Bewusste Symetrie

Stehst du etwa an einem See, in dem sich die gegenüberliegenden Berge spiegeln, kann es durchaus reizvoll sein, dass Bild entgegen der Drittel-Regel symetrisch zu gestalten. Oder führen Linien auf dein Hauptmotiv zu, kann dieses auch gerne einmal mittig platziert werden.

Tipps landschaftsfotos Sizilien

Das Hauptmotiv ist bewusst sehr mittig positioniert

Regel 7: Das beste Licht

Die beeindruckendsten Landschaftsfotos entstehen zur Goldenen Stunden. Bei der Goldenen Stunde, also der Stunde nach Sonnenaufgang beziehungsweise vor Sonnenuntergang, wirft die Sonne lange Schatten und taucht die Landschaft regelrecht in goldenes Licht. Die Farben sind intensiv und die Schatten verleihen deinen Bildern etwas mystisches. Direktes Licht, etwa zur Mittagszeit, ist dagegen sehr hart – deine Aufnahmen verlieren an Brillanz und Farbe. Eine Ausnahme sind Meerbilder etwa in der Karibik. Das Wasser leuchtet besonders zur Mittagszeit sehr intensiv.

Ebenso spektakuläre Landschaftsfotos entstehen zur Blauen Stunde, also der Zeit vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang. Der Himmel leuchtet in einem intensiven Blauton und durch die langen Belichtungszeiten werden die Farben extrem intensiv.

Tipps Landschaftsfotos Reine

Kurz nach Sonnenaufgang entstehen oft die besten Landschaftsfotos

Regel 8: Die Wolken, dein Freund

Ein wolkenloser Himmel mag für den Strandurlaub passen. Willst du atemberaubende Fotos machen, brauchst du Wolken am Himmel. Wolken verleihen der sonst recht langweiligen Fläche eine interessante Struktur und dienen während der Goldenen Stunde als Diffusor für das Sonnenlicht. Mit Wolken am Himmel gelingen die besten Gegenlichtaufnahmen. Außerdem eignen sich Wolken, die über den Himmel ziehen, hervorragend für Langzeitbelichtungen.

Tipps Landschaftsfotos Wolken

Ohne die Wolken wäre dieses Bild nur halb so beeindruckend

Regel 9: Filter sind das A und O

Filter zaubern spektakuläre Effekte. Mit einem Graufilter – mehr Infos hier – verlängerst du die Belichtungszeit. Verschwommene Wolken oder Wasser, das wie Nebel erscheint, sind der Effekt. Mit einem Grauverlaufsfilter bekommst du selbst schwierigste Lichtsituationen in den Griff. Oftmals ist der Himmel im Vergleich zum Vordergrund zu hell, speziell bei Gegenlichtaufnahmen. Der Grauverlaufsfilter hilft dir, den viel zu hohen Kontrast in den Griff zu bekommen. Polfilter kommen auch häufig zum Einsatz, etwa um Spiegelungen auf dem Wasser zu entfernen oder um die Wolken am Himmel noch imposanter erscheinen zu lassen. Vorsicht aber bei Weitwinkelobjektiven – der Effekt zieht sich nicht über das gesamte Bild – es entstehen unschöne Flecken am Himmel.

Tipps Landschaftsfotos Strand Lofoten

Das Wasser wirkt wie Nebel, die Wolken sind verschwommen

Regel 10: Die Entwicklung

Ist das Bild endlich im Kasten, geht es an die anschließende Entwicklung. Genau wie ein Film zu analogen Zeiten muss ein digitales Foto entwickelt werden. Mit Programmen wie Adobe Lightroom kannst du den Horizont begradigen oder Staubflecken, Vignettierungen oder Verzerrungen entfernen. Beim Feintuning geht es an Sachen wie Kontrast, Schärfe oder einzelne Farbkanäle.

Regel 11: Keine Regel ohne Ausnahme

Natürlich gibt es in der Fotografie keine Regel, die man nicht brechen darf – allerdings sollest du die Grundregeln kennen, bevor du sie bewusst brichst. Du wirst immer wieder auf Situationen stoßen, die dich dazu zwingen, die eine oder andere Regel zu brechen.

Zusammenfassung für gute Landschaftsfotos

  • Stativ und Fernauslöser benutzen
  • Immer im RAW-Format schießen
  • Blende weit schließen
  • ISO auf 100 stellen
  • Fokus auf Hyperfokale Distanz
  • Drittel-Regel beachten
  • Linienführung beachten
  • Morgens oder Abends shooten

 

 

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21 replies
  1. Regula Aeppli
    Regula Aeppli says:

    Ich versteh das hier wegen RAW nicht: “Es ist außerdem essentiell wichtig, die Bilder im RAW-Format zu schießen. Das RAW-Format enthält wesentlich mehr Bildinformationen als das stark komprimierte JPG-Format.” Was für Bildinfos?

    Reply
    • Florian Westermann
      Florian Westermann says:

      Bilder, die auf der Kamera im JPG-Format gespeichert werden, sind stark komprimiert – hier sind also wichtige Bildinfos für immer verschwunden. Im RAW-Format werden die Bilder nicht komprimiert. Das hat zur Folge, dass du bei der Postproduktion in Lightroom etwa Tiefen problemlos aufhellen kannst oder Lichter abdunkeln kannst. Das alles geht mit einem Bild im JPG-Format nur noch sehr bedingt.

      Reply
  2. Karsten Kettermann
    Karsten Kettermann says:

    Hallo Florian,

    schöner beitrag, klasse Fotos!! 🙂

    Darf ich zu deiner Regel 2 etwas Konkretes beitragen?

    Du schreibst, dass es hinsichtlich der Hyperfokalen Distanz schwierig ist, etwas konkretes zu sagen, weil es so viele Optionen gibt.
    Das sehe ich anders. In diesem Blogbeitrag habe ich das Thema für alle Fotografen und Kamerasysteme auf eine einfache Formel gebracht: https://www.fotokurs.org/blog/foto-alles-scharf

    Ich hoffe, unseren lesern damit weiter zu helfen. 🙂

    der Karsten

    Reply
    • Florian Westermann
      Florian Westermann says:

      Hallo Karsten,

      das sehe ich anders. Zum einen würde ich niemals bis Blende 22 abblenden, zum anderen vergleichst du ein wenig Äpfel mit Birnen. Brennweite 28mm ist am Crop etwas völlig anderes als am Vollformat und daher auch nicht vergleichbar. Zudem kann ich nicht erkennen, dass die von dir erwähnte 1,30-Meter-Regel funktioniert. Es bleibt dabei: Die Hyperfokaldistanz ist kameraspezifisch indivduell und eine einfache Formel gibt es dafür nicht. Aber natürlich gibt es ein paar Sachen, die das ganze sehr vereinfachen. Mehr dazu erfährt man regelmäßig bei meinen Fotokursen 🙂

      Reply
  3. Sebastian
    Sebastian says:

    Wow, das sind wirklich schöne Bilder und ich habe ein neues Urlaubsziel: Die Lofoten. Bin zwar in letzter Zeit fast nur noch mit der Smartphone-Kamera unterwegs, aber manchmal rappelt es mich doch noch die DSLR rauszukramen. Die Regeln/Tipps sind auch super 🙂

    Happy phototravelling und viele Grüße,
    Sebastian

    Reply
  4. Jens Kuhn
    Jens Kuhn says:

    Hallo Florian,

    Vielen Dank für die tollen Tipps sie sind für mich als Anfänger sehr sehr wertvoll. Und werden mich massiv weiter bringen.Abersag mal warum gibt es die Regel Sieben zweimal ?😊
    Gruß Jens

    Reply

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