Voluntourism auf Dominica

Voluntourism auf Dominica

Hilfe beim Wiederaufbau von Dominica

2017 wurde die karibische Insel Dominica vom Wirbelsturm Maria regelrecht zerstört. Die Natur auf der einstigen Nature Island ist gerade dabei sich wieder zu berappeln. Langsam können auch die Einwohner wieder ihr Leben und ihren Alltag aufnehmen. Dennoch: es ist noch unglaublich viel hier auf der Insel zu tun. Straßen haben riesige Löcher, Brücken sind eingestürzt, Häuser haben noch immer kein Dach. Die Bevölkerung arbeitet daran, wieder alles zum Laufen zu bringen. Vor allem den Tourismus, denn davon leben viele Insulaner natürlich.

Um den Insulanern zu helfen wieder ins Alltagsgeschäft zu kommen, gibt es für uns Touristen eine recht gute Möglichkeit. Wer wie wir gerne wandert, wird von dieser Idee vermutlich begeistert sein. Dominica hat nämlich ein Programm geschaffen, dass es Touristen erlaubt, dabei mitzuhelfen Teile des bekannten Wanderweges Waitukubuli National Trails wieder begehbar zu machen. Das Programm nennt sich Voluntourism-Programm für Besucher. Es beinhaltet eine Unterkunft, Verpflegung sowie deine eigene ehrenamtliche Unterstützung bei den Räumarbeiten des Waitukubuli Trails, am Indian River oder bei der Säuberung des Meeresschutzgebietes. Wir gehen zusammen mit der Schweizerin Annette – französisch ausgesprochen Annett – und ihren zwei einheimischen Helfern Fabian und Dillan direkt in den Dschungel. Anette kümmert sich um die Sektion elf des Waitukubuli National Trails und hat es zu ihrer eigenen Mission gemacht, diesen Trail wieder für Touristen zugänglich zu machen. Und wir nehmen dich heute mit und erklären dir ganz genau, worum es bei dem Voluntourism-Programm auf Dominica geht.

Dominica wurde von Wirbelsturm Maria 2017 schwer getroffen. Vieles wurde zerstört, vieles aber auch schon wieder aufgebaut. Wir haben uns im Juni 2018 auf Dominica umgesehen. Diese Recherchereise wurde unterstützt von  Discover Dominica.


Gefällt dir dieser Artikel? Dann unterstütze uns doch. Alle mit einem * markierten Links () sind Affiliate-Links. Bestellst du etwas über diesen Link, erhalten wir eine kleine Provision – am Preis ändert sich nichts. Wofür? Damit wir wieder spannende Reisen planen und euch begeistern können.

Instagram | Facebook | Youtube | Twitter | Pinterest | Flipboard | Google+ | Feedly | Bloglovin | RSS | Newsletter
 

Der Waitukubuli National Trail

Ein Highlight auf Dominica für Wanderer ist der Waitukubuli National Trail. 180 Kilometer ist er lang und in 14 Segmente unterteilt. Seit dem Wirbelsturm sind viele Segmente jedoch nicht mehr begehbar. Tausende von Bäumen sind umgestürzt und machen die Wege unpassierbar. Urwaldbäume sind riesig. Sie klein zu schneiden ist schier unmöglich und bedarf professioneller Geräte. Der Regenwald hat sein komplettes Schattendach verloren. Jetzt können Schlingpflanzen und Gestrüpp am Boden wuchern. Einige Einheimische und Bewohner der Insel haben es sich nun zum Ziel gesetzt, die Trails für uns wanderbegeisterte Touristen wieder aufzubereiten und diese zu säubern.

Auch Anette, Inhaberin des Tamarind Tree Hotels hat sich für das Segment elf verpflichtet. Mit nur zwei einheimischen Mitarbeitern ist sie fast täglich auf dem Trail und arbeitet hart daran, dass er bald wieder passierbar ist. Damit das komplette Programm Trailaufbereitung etwas schneller voranschreitet, hat die Regierung Dominicas das Voluntourism-Programm ins Leben gerufen.

Voluntourism auf Dominica so läuft das ab

Wer Lust hat auf einer karibischen Insel nicht nur am Strand zu liegen oder zu tauchen, sondern auch mal richtig hart anzupacken, der ist beim Voluntourism-Programm für Besucher genau richtig. Es beinhaltet eine Unterkunft, Verpflegung sowie deine eigene ehrenamtliche Unterstützung. Insgesamt bietet das Voluntourism-Programm fünf sogenannte Packages an. Du kannst entweder mithelfen den Waitukubuli National Trail zu säubern, Forstarbeiten am Indian River leisten, der bekannt als Drehort aus “Fluch der Karibik” ist, hast über das Hotel Hibiscus Valley Inn verschiedene Möglichkeiten der ehrenamtlichen Unterstützung, kannst mit Anette das Segment elf des Waitukubuli National Trails aufräumen oder mit der Initiative des Cabrits Tauchveranstalters bei der Säuberung des Meeresgrunds im Meeresschutzgebiet an der Nordwestküste Dominicas helfen.

Die fünf Packages können sowohl von Gruppen, als auch von Individual-Reisenden gebucht werden. Du buchst entsprechend der Website dein Zimmer. Je mehr Leute sich anmelden, desto günstiger wird dein kleines Abenteuer. Du kannst entscheiden, ob du ein Einzelzimmer haben möchtest, oder zu zweit oder zu dritt im Zimmer übernachten möchtest. Includiert sind Frühstück, Lunch-Paket und Abendessen.

Arbeiten am Trail

Anette begrüßt uns mit Handschlag. Ihr habt aber schon feste Schuhe und lange Hosen dabei? Fragt sie und beäugt kritisch meine Shorts und Turnschuhe. Aber natürlich haben wir unsere Wanderschuhe und die Zipper unserer Hosen mitgebracht. Regenjacke packen wir auch noch ein und dann geht es auch schon los. Wir laufen zusammen mit Anette ein Stück des Waitukubuli National Trails.  Genauer befinden wir uns in Segment elf von insgesamt 14. Anette hat hierfür die Verantwortung übernommen und sorgt dafür, dass der Trail nach Wirbelsturm Maria für wanderwütige Touristen wie wir es sind, wieder begehbar wird. Wer wie wir Lust hat, mitzuhelfen, dass die Trails auf Dominica wieder begehbar werden, kann Teil dieses Projektes werden.

Der Trail auf dem wir laufen ist toll begehbar und dieser Abschnitt ist auch Anettes ganzer Stolz. Schließlich hat sie bereits einige Kilometer des elften Segments mit ihren zwei einheimischen Mitarbeitern Fabian und Collin so zugänglich gemacht, dass wir mit ihr leicht auf dem Trail laufen können. Bis zu unserer heutigen Arbeitsstelle brauchen wir eine Stunde auf dem Pfad. Doch das war nicht immer so. Nach Maria, erzählt Anette, lagen hier riesige Bäume quer, Gestrüpp machte den Weg unpassierbar. Wenn man den schönen Pfad entlangläuft, kann man es kaum glauben. Hier wurde schon richtig viel Arbeit reingesteckt, um für die Touristen den Weg passierbar zu machen. Wir müssen über ein paar Bäume klettern – riesige Baumstämme liegen im Weg. Die konnte Anette mit ihrem Team nicht beseitigen. Das Holz gewisser Baumarten ist so dick und hart, dass es nicht möglich ist, ihn mit einer normalen Kettensäge durchzutrennen – dafür braucht es echte Profis. Das karibische Holz ist extrem hart, erzählt Annette. „Kein Vergleich mit europäischer Fichte” – die sei dagegen weich wie Butter.

Anette ist eine, die anpacken kann. Das sieht man gleich. Sie geht mit solch einer Leidenschaft an ihre Arbeit ans Werk, dass man einfach mitgerissen wird. Von ihrem Enthusiasmus und ihrem Stolz für ihren Trail. Man kann gar nicht anders, als sie gleich gern zu haben. Und sie zu bewundern. Denn das, was sie und die zwei Jungs hier leisten ist wirklich ein Knochenjob.

Umgestürtzter Baum auf dem Waitukubuli National Trail

Maria hat Tausende Bäume gefällt. Anette hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sektion elf des Waitukubuli National Trails zu räumen

Alter Bulldozer

Vor einigen Jahrzehten wollte eine Holzfirma den Urwald abholzen. Die Pläne wurden wegen der schwierigen Bedingungen aber zum Glück schnell wieder aufgegeben. Die Überreste sind heute noch zu sehen

Umgestürzter Baum

Die ganz großen Bäume können Anette und ihre Helfer nicht räumen – dazu braucht es professionelle Holzfäller-Teams mit schwerem Gerät – wir klettern einfach drüber

Kettensäge, Trimmer und Machete

Die Arbeitsgeräte sind folgende: Die Jungs Fabian und Collin bedienen die Kettensäge und den Trimmer, Anette arbeitet mit Machete und Hacke. Während Collin vorne weg versucht dicke Äste kleinzusägen, sind Anette, Flo und ich heute dafür zuständig, für Fabian den Weg für den Trimmer zu säubern. Dicke Äste ziehen wir aus dem Unterholz, Schlingpflanzen reißen wir aus. Bei 35 Grad ist das alles eine etwas härtere Gartenarbeit, als man sie in Deutschland gewöhnt ist. Nachdem Fabian ein großes Stück mit dem Trimmer bearbeitet hat, laufen wir hinter ihm, um das abgeschnittene Durcheinander an Buschpflanzen zusammenzutragen und an die Seite zu bringen. Es wird von Meter zu Meter besser, sauberer und es ist wieder ein Stück mehr des Trails frei.

Am Anfang steht man noch etwas unbeholfen da und schaut erst einmal bei Anette ab, wie sie hier im Dschungel vorgeht. Irgendwann hat man aber den Bogen raus. Du wirst leicht feststellen, wie die Machete oder die Hacke zu bedienen sind. Dann kannst du richtig gut mit anpacken. Wir ziehen Holz aus dem Unterholz und werfen es in den Dschungel neben den Weg. Auch Baumstämme tragen wir gemeinsam weg. Plötzlich verstummt der Lärm der Kettensäge und Dillan ruft nach Fabian – irgendetwas stimmt nicht. Dillans Kettensäge steckt in einem Baumstamm fest. Das kommt nur selten vor. Mit vereinten Kräften versuchen wir den Baumstamm ein Stück anzuheben, um die Kettensäge wieder zu befreien. Manchmal reicht es schon, wenn sich der Baumstamm wenige Millimeter nach oben bewegt, erklärt Anette, damit die Kettensäge wieder frei wird. Heute ist das aber zwecklos. Wenn man einmal versucht hat einen solch dicken Stamm anzuheben, weiß man erst wie schwer diese Bäume sind. Wir müssen zudem darauf achten, dass der Stamm nicht bricht. Dann wäre die Säge zwar frei – aber die Kette ziemlich sicher hinüber. Mit der Machete machen sich die beiden Jungs daran, die Kettensäge freizuschlagen. Nach einer Viertelstunde in brütender Hitze und ein paar Flüchen ist es geschafft – die Kettensäge ist wieder frei und die Kette ist unversehrt.

Inzwischen ist es Mittag und die Sonne prallt mit voller Wucht auf unsere Köpfe. Vor Wirbelsturm Maria ist hier auf diese alte Holzfällerstraße kein Sonnenstrahl gefallen – Maria hat nicht nur Tausende Bäume entwurzelt, sondern auch die komplette Baumkrone weggeblasen. Der Regenwald hat sein komplettes Dach verloren. Die Bäume versuchen gerade wieder auszutreiben. Es siehtt fast schon lustig aus, wie aus den Stämmen wilde Blätter herauswachsen. Dadurch, dass die Sonne nun auf den Waldboden dringt, können Schlingpflanzen und anderes Unkraut perfekt wachsen. Es wird Jahre oder gar Jahrzehnte brauchen, bis sich der Regenwald von dieser brachialen Naturgewalt erholt hat. Immer vorausgesetzt, es gibt keine neue Maria.

Waldarbeiter mit Kettensäge

Dillan kämpft sich mit der Kettensäge voran

Kettensäge im Baumstamm

Die Kettensäge steckt fest. Bei dem harten Holz passiert das ab und zu

Biggi bei der Waldarbeit

Wir sind für die kleinen Aufgaben zuständig wie Äste wegräumen

Was brauchst du alles für das Voluntourism-Programm:

  • Lange Hosen
  • Feste Schuhe – im besten Fall deine Wanderschuhe
  • Gartenhandschuhe
  • Kopfbedeckung vor der Sonne
  • Regenschutz
  • Sonnencreme
  • Wasser
  • Sandwich oder einen Snack wie Riegel

Für wen ist das Voluntourism-Programm etwas:

  • Wenn du mithelfen möchtest, die Trails für andere Wanderer wieder begehbar zu machen
  • Wenn du Spaß daran hast, dir die Hände schmutzig zu machen
  • Wenn du kein Problem damit hast, körperliche Arbeit bei Hitze auszuführen
  • Wenn du kein Problem damit hast dreckig zu werden
  • du musst kein Kraftpaket sein, um anpacken zu können
  • Du solltest schon eine gewisse Fitness haben, um 1,5 oder sogar 2 Stunden zur Arbeitsstelle laufen zu können
  • Wenn du Lust hast, etwas für die Insel und die Trails zu machen

Kritisch hinterfragt: Warum helfen die Insulaner nicht selbst mit?

Natürlich ist das komplette Voluntourism-Programm klasse, keine Frage. Zudem macht es Touristen, die Lust auf so eine Art der Betätigung haben, unglaublich viel Spaß. Du gehst definitiv mit einem guten Gefühl nach Hause, weil du sofort deine Arbeit des heutigen Tages siehst. Jeder ist sicherlich stolz darauf, ein Teil des Trails sauber gemacht zu haben und mitgeholfen zu haben. Jetzt bist du ein Teil der Insel gewissermaßen. Aber natürlich stellt sich uns schon die Frage, warum erst Touristen ins Land reisen müssen, um die Trails sauber zu machen. Warum kümmert sich die Regierung nicht selbst drum und warum findet man viel zu wenig Arbeiter für die Trails? Wenn man zum Beispiel für eine Woche auf den Trails mit 50 Mann arbeiten würde, wäre er ruckzuck wiederhergestellt. Zudem könnte man organisiert mit größeren Maschinen arbeiten. Dann wäre es vielleicht auch möglich die riesigen Bäume, die den Trail blockieren, durchzuschneiden. Warum es allerdings nicht auf der Insel funktioniert, und warum ein Großteil der Bevölkerung nicht selbst mithilft die Trails für die Touristen wieder begehbar zu machen, das konnte man uns nicht wirklich beantworten. Dann kann man nur sagen: zum Glück gibt es hier Leute wie Anette, der die Trails und das Wandern auf den Wegen am Herzen liegen.

Empfehlenswerte Reiseführer zu Dominica und zur Karibik

Deine Meinung ist uns wichtig

Warst du auch schon auf Dominica? Welche Orte haben dir besonders gut gefallen? Vielleicht hast du ja auch noch den einen oder anderen Tipp für eine Dominica-Reise? Hinterlass doch einen kurzen Kommentar – wir freuen uns!

Das könnte dich auch interessieren

 
Ebooks
Fotokurse
Fotoreisen
Fotogalerien
Tipps Landschaftsfotos
Kamera Kaufberatung
Kreditkarten im Test
Reisestative Empfehlungen
Drohnenversicherung
 

Hol dir den Newsletter für Abenteuer und Fotografen

Begleite uns auf unseren Abenteuern rund um die Welt

Du willst nie mehr die spannendsten Reisereportagen, die spektakulärsten Wanderungen und die besten Tipps rund ums Thema Fotografie verpassen? Dann abonniere  hier unseren kostenlosen Newsletter. Unter allen Abonnenten verlosen wir regelmäßig spannende Preise!

 

 

0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *